2011-02-20

Predigt über Lukas 17,7-10 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Gottes Wort für diesen Sonntag steht in Lukas 17, den Versen 7-10:

"Wer unter euch hat einen Knecht, der pflügt oder das Vieh weidet 

und sagt ihm, wenn er vom Feld heimkommt: Komm gleich her und 

setz dich zu Tisch? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Bereite mir 

das Abendessen schürze dich und diene mir, bis ich gegessen und

getrunken habe; danach sollst du auch essen und trinken?

Dankt er etwa dem Knecht, dass er getan hat, was befohlen war? 

So auch ihr! Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, 

so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir 

zu tun schuldig waren". 

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

 

nutzlos zu sein, ist etwas vom Schlimmsten, was einem 

passieren kann. 

Wer dieses Urteil von Eltern, Lehrern oder Ausbildern gehört hat, 

hat daran zu tragen gehabt und darunter gelitten, 

das hängt manchem bis heute noch nach. 

Sich noch irgendwie nützlich zu machen, ist die Triebfeder für so 

manchen ehrenamtlichen Einsatz. 

Unser ganzes Wirtschaftssystem ist auf Effektivität ausgelegt, 

es muss sich rechnen, Nutzen bringen. 

 

Soll das jetzt alles auf den Kopf gestellt werden?

Und dann diese Geschichte vom Sklaven, der unter der orientalischen

Sonne den steinigen Acker pflügt, der die Tiere versorgt und

auch im Haus nach dem Rechten schaut. 

Tagaus, tagein geht das, ohne Urlaubsanspruch und Lohn. 

Dazu gehört auch noch das Bedienen der Herrschaften 

und das ohne jeden Dank. 

Eine Vorstellung, die nur schwer mit unseren sozialen Standards 

in Einklang gebracht werden kann. 

 

Ich denke, uns allen ist klar: Diese Geschichte ist nicht als

Anschauungsunterricht für menschliches Verhalten im Betrieb oder

in der Familie gedacht.

Es geht nicht um das Verhalten der Menschen zueinander.

Darum geht‘s in vielen anderen Texten der Bibel. 

Es geht um unser Verhältnis zu Gott: 

Betrachten wir ihn als Sklavenhalter oder eiskalten Vorgesetzten -

oder - ist da eine Beziehung entstanden, 

in der Vertrauen und Dankbarkeit eine ausstrahlende Wirkung haben?

 

Jesus hat das Gleichnis nicht erzählt, um die Sklaverei gut zu heißen. 

Er nimmt einfach den bekannten gesellschaftlichen Hintergrund, 

um auf unser Verhalten, unsere Einstellungen 

und auch unsere Ansprüche Gott gegenüber zu sprechen zu kommen.

 

Das wird auch aus dem Textzusammenhang heraus klar:

Die Jünger haben gerade eine Schlappe erlebt. 

Der Vater eines Kindes mit Epilepsie hat sie um Hilfe gebeten

und sie haben das Kind zu heilen versucht, 

aber es ist nicht gelungen. 

Da denken sie, es müsse wohl an der Größe ihres Glaubens liegen

und bitten Jesus um mehr Glauben, 

woraufhin der dann gewissermaßen mit diesem Gleichnis antwortet. 

 

Nach Jesus geht es bei der Beziehung zu Gott nicht vor allem 

um mehr oder weniger an Glauben, 

sondern es geht um die Beziehung zu ihm, 

die, wenn sie da ist, immer nur ganz da sein, 

das ganze Leben umfassen muss, 

sonst ist da nichts ... 

 

Drei Punkte sollen uns heute morgen helfen, die wichtigsten Aussagen 

auf uns wirken zu lassen.

 

1. Die besondere Beziehung

Wie leicht kann es passieren, dass die Beziehung zu Gott zu einer

Art Geschäftsbeziehung wird. 

Dann geht es so ähnlich wie bei dem ältesten der verlorenen Söhne

in Lukas 15: Der tut seine Pflichten und wird dafür gelobt, 

nach außen hin ist alles im Butter, aber nach innen brodelt es. 

Er ist eigentlich nie angekommen im Vaterhaus. 

Er hat weder eine intakte Beziehung zum Bruder noch zum Vater.

 

Obwohl die ganze Liebe des Vaters auch ihm gegolten hat, 

prallt sie an ihm ab. 

Er tut seine Pflicht, entspricht den äußeren Erwartungen.

Aber die Liebe des Vaters hat ihn nicht erreicht - und vor allem - 

nicht berührt. 

Er merkt gar nicht, dass der Vater auch ihn liebt, 

dass er jedes seiner Kinder - wie ein Einzelkind - liebt. 

 

Die Beziehung zum Vater im Himmel ist eben kein Vertrag auf 

Gegenseitigkeit. 

Wer Gott gegenüber seine Pflicht tut und auf Gegenleistung wartet, 

der zwängt Gott in ein menschliches Schema. 

Aber Gott leitet sein Verhalten uns gegenüber nicht von unserem 

Verhalten ihm gegenüber ab: Er hat uns zuerst geliebt. 

Seine Zuneigung ist schon in unserem Dasein begründet

und dann nochmals zugespitzt und vertieft worden in dem Weg ans Kreuz, 

den er in Jesus auf uns zugegangen ist. 

 

Betrachte ich diesen unglaublichen Weg Gottes auf mich (und dich) zu, 

dann führt mich das heraus aus dem Schema: Wie ich dir, so du mir. 

Gott ist mir gegenüber weder in der Pflicht, 

noch ist meine Reaktion Pflichterfüllung. 

Hast Du darüber schon einmal nachgedacht, 

wenn wenn Dich ein schwerer Schlag getroffen hat, 

wenn etwas passiert ist in deinem Leben oder auch Freundeskreis, 

das Du nicht verstehen kannst? ( - ) 

 

Gott ist mir und dir gegenüber niemals in der Pflicht ...

Sondern er ist mir in seiner Liebe, die Jesus am Kreuz erwiesen hat, 

schon immer voraus und will mein Herz zur Dankbarkeit, 

zur frohen Antwort hin, berühren!

 

2. Die neue Motivation

In Mitarbeiterschulungen und im sogen. Qualitätsmanagement von Firmen 

spielt heute ein Begriff eine große Rolle: Man spricht vom Produktstolz. 

Ein Mitarbeiter soll sich mit dem Produkt, das er herstellt, identifizieren!

Er stellt es dann nicht nur her, sondern steht auch voll dahinter. 

Das könnte aus der Bibel abgeschaut sein. 

 

Wem deutlich geworden ist, dass Gott eigentlich das Recht hätte, 

seine Menschen als rechtlose Sklaven zu behandeln 

aufgrund ihrer Sünde und der praktischen Loslösung von Gott, 

der wird davon angerührt, dass Gott das gerade nicht tut!

Er ist uns sündigen Menschen, mir und Dir, zutiefst zugewandt. 

Er wartet nicht auf Vorleistungen 

und wartet nicht auf Gegenleistungen.

Seine Liebe zu uns wird dann nicht mit einer Pflichterfüllung beantwortet, 

sondern mit Liebe und Dank!

Jetzt wird das Leben gerade nicht in einen frommen und einen privaten

Bereich eingeteit, sondern mein Leben soll ungeteilt zu diesem Herrn 

gehören, wie es in einem neueren Lied im roten Gesangbuch heißt:

„Mein Leben, gegeben, für den Herrn der Welt ...“

Und dem muss eine Entscheidung vorausgehen, 

eine Entscheidung für Jesus, für ein Leben mit ihm.

 

Beim Glauben geht es nicht um ein Mehr oder Weniger, 

sondern um meine ungeteilte Zugehörigkeit zu Jesus und damit zu Gott. 

 

Die menschliche Neigung sagt: Pass auf, dass du nicht ausgenutzt wirst!

Dir könnte was entgehen, wenn du dich zu stark engagierst und was

habe ich dann davon?

 

Aber der Gott der Bibel ist gerade kein Despot.

Er ist der gute Hirte

und kümmert sich nicht um mich, weil ich es verdient habe

oder weil es halt sein Geschäft ist. 

Sondern er überrascht mich und Dich mit seiner rettenden Liebe 

und die kann ich nur mit (Gegen-)Liebe beantworten oder 

ich weise sie zurück. 

 

Und an der Stelle wird unser Beispiel dann total gesprengt: 

Der Dienst, der hier geboren wird, der kommt ganz aus Dankbarkeit 

und Liebe!

 

3. Die erstaunte Überraschung

Vers 10 („So auch ihr! Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, 

so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir 

zu tun schuldig waren.“), der führt ja in eine überspitzte Beurteilung. 

 

Denn wer könnte denn sagen, 

dass er alles getan hat, was ihm aufgetragen worden ist?

Wo gibt es diesen Menschen denn?

Die Situation des Sklaven ist uns schon als Extremfall vorgekommen. 

Aber ist es Gott gegenüber anders?

 

Jesus rückt die Dinge zurecht: Nicht wir haben einen Anspruch auf 

Belohnung von Gott. Es ist umgekehrt. 

ER hat Anspruch auf unser Leben. 

ER hat diesen Anspruch, weil er für unsere Sünden in Jesus am Kreuz

sein Leben gelassen hat, „damit ich sein Eigen werde (sei) und in seinem 

Reich unter ihm lebe und ihm diene“, hat Martin Luther es formuliert.

 

In dieser Perspektive hört das Rechnen auf 

und fängt das Staunen an:

Ich bin nicht dabei in seiner Gemeinde, 

in seinem Dienst, weil ich so gut bin.

ER ist es vielmehr, der mich dabeihaben will 

und ich danke ihm von Herzen dafür, 

dass er mich überhaupt für würdig dazu erklärt hat. 

 

Es ist nur ein kleines Licht, was ich anzünden kann

und nur ein bescheidenes Tun, das ich bewegen kann, 

„armselig“ und schwach.

Aber ER ist der große Regisseur, der das kleine Detail, 

das von mir kommt, einbaut in seinen großen Plan ...

 

 

Und noch eines will ich betonen: Wir sollen uns durch das Gleichnis

auch nicht die Freude über Dinge, die gelungen sind, vermiesen lassen. 

Die Sache mit dem Lohn wird ja auch nicht aufgehoben, 

wie das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg zeigt. 

 

Nicht der Lohn, den Gott gerne und reichlich gibt, ist das Problem. 

Das Problem ist die eigene Berechnung des Lohns.

Es führt zum Kalkulieren Gott gegeüber ...

Aber gegenüber dem Weg Jesu auf uns zu, dem größten Geschenk

aller Zeiten, das des gibt, ist unser Einmaleins des Aufrechnens 

einfach zu klein gestrickt. 

Je mehr wir uns selber und das, was wir tun können, Gott verdanken, 

desto mehr verliert sich die lästige Pflicht

    • Ich denke da an Gemeindefeste, die viel Arbeit machen ...
    • an ehrenamtliches Engagement im Kirchengemeinderat, an das
         Leiten von Gruppen und Kreisen jahraus jahrein, das von vielen
         vielen kaum wahrgenommen wird ...
    • an Besuchsdienste ...
    • an das Einladen von Menschen in den Gottesdienst ...

 

Je mehr ich es so sehe, dass hier meinen Beitrag sehe, den ich für Gott

tun kann und darf, desto weniger sehe ich darin eine lästige Pflicht 

sondern ich will Gott einfach danken damit ...

 

Dann tue ich nicht nur meine Schuldigkeit und werde doch nicht

überheblich dabei, ja es „lohnt“ sich erst recht, sich voll reinzuhängen 

für Jesus und sein Reich ...

 

Was können wir also mitnehmen aus diesem Gleichnis?

Dass der Gottesdienst im eigentlichen Sinn des Wortes Gottes Dienst

an uns ist. Das gilt auch für den Sonntags-Gottesdienst: 

Da soll ich nicht hingehen, aus welchen Gründen auch immer, 

sondern um zu zeigen, ob ich wirklich in einer lebendigen Beziehung 

zu Gott lebe, auf ihn hören und ihm mit meinem Leben danken will. 

 

Gott kommt uns in seiner Liebe entgegen. 

Er legt sich selber die Schürze an und will uns dienen. 

Sehen Sie das schon so?

Dann können Sie Gott danken dadurch, dass Sie sich fröhlich 

„reinhängen“ für ihn, gerne in seiner Nähe leben. 

 

Bei Gott kommt selbst ein Sklave nicht unter die Räder. 

Nach diesem Text kann man sogar sagen: Sie haben es gut bei ihm. 

Amen

 

(Diese Predigt übernimmt Vorarbeiten von Pfarrer Johann Ubben, Bad Harzburg)

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 26.08.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Dr. Difäm)
Sonntag, 02.09.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (W.Dölker)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (W.Dölker)
Sonntag, 09.09.2018
9:15 Uhr:
Vorstellungs-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikantin Donath)
Mittwoch, 12.09.2018
20:00 Uhr in Schwann:
Hauskreis für junge Erwachsene bei Katrin
Donnerstag, 13.09.2018
9:00 Uhr:
Schulanfägner-Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)