2011-01-30

Predigt über Matthäus 14,22-33 / Pfarrer Friedhelm Bühner 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

ein Tourist kommt an den See Genezareth. 

Dort steht ein kleines Boot zur Überfahrt bereit, 

er geht hin und fragt den Bootsführer: „Was kostet es, über den 

See Genezareth zu fahren?“

Der Bootsmann schaut ihn an und sagt: „20 Dollar!“ - 

„20 Dollar? Das ist aber ganz schön viel!“ - 

„Mein lieber Freund, das hier ist nicht irgendein Gewässer, 

das ist der See Genezareth! Es ist der See, auf dem Jesus zu Fuß

gelaufen ist!“ - „Kein Wunder - bei den Preisen!“

 

Jesus geht zu Fuß auf dem Wasser?!

Das ist schon eine unglaubliche Sache, allerdings war das kein 

Gemütlicher Spaziergang, es war Seegang, starker Seegang:

Die Wellen waren hoch. 

Und was Jesus da tat, über dem Wasser zu gehen, das war schon stark!

Eben ein starker „See-Gang“. 

Gottes Wort erzählt davon, Mattäus 14,22-33: 

Jesus und der sinkende Petrus auf dem See

22 Und alsbald trieb Jesus seine Jünger, in das Boot zu steigen 

und vor ihm hinüberzufahren, bis er das Volk gehen ließe. 

23 Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er allein auf einen 

Berg, um zu beten. Und am Abend war er dort allein. 24 Und das 

Boot war schon weit vom Land entfernt und kam in Not durch die 

Wellen; denn der Wind stand ihm entgegen. 25 Aber in der vierten 

Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem See. 26 Und als 

ihn die Jünger sahen auf dem See gehen, erschraken sie und riefen: 

Es ist ein Gespenst!, und schrien vor Furcht. 27 Aber sogleich redete 

Jesus mit ihnen und sprach: Seid getrost, ich bin's; fürchtet euch nicht!

28 Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr, bist du es, so befiehl 

mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser. 29 Und er sprach: Komm her! 

Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf 

Jesus zu. 30 Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann 

zu sinken und schrie: Herr, hilf mir! 31 Jesus aber streckte sogleich 

die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, 

warum hast du gezweifelt? 32 Und sie traten in das Boot und der Wind 

legte sich. 33 Die aber im Boot waren, fielen vor ihm nieder und 

sprachen: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!“

 

 

„Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!“, so endet diese Geschichte. 

Damit wird unser Blick auf das Wesentliche gelenkt. 

Es geht hier um den Sohn Gottes, es geht um Jesus. 

Wer Jesus ist. Und: Wer Jesus für uns ist!

 

1. Von Jesus lernen: Kraft schöpfen beim Vater

Das war schon ein starkes Stück, was Jesus da präsentiert!

Ein starker See-Gang! - Aber was geht diesem Wunder voraus?

Wir lesen von einem anderen Wunder: Dass mehr als 5000 Menschen 

von fünf Broten und zwei Fischen satt werden. 

Die Menge jubelt Jesus zu, sie wollen ihn am liebsten zu ihrem 

Brotkönig machen. 

 

Ich kann mir vorstellen, dass die Jünger diesen Gedanken nicht

ganz unsympathisch gefunden haben. 

Aber es wäre nicht der Weg gewesen, um die Welt von Sünde und 

Verlorensein zu erlösen, es wäre nicht der Weg des Kreuzes gewesen. 

Das hat Jesus gewusst und deshalb schickt er seine Jünger weg.

 

„Er trieb seine Jünger, in das Boot zu steigen“, heißt es hier. 

Eigentlich steht da: „Er zwang sie“. 

Jesus hat was anderes mit seinen Jüngern vorgehabt. 

Von dem ganzen Jubel und den Massen weg, sollten die Jünger

erleben, dass der Glaube sich in der Anfechtung bewähren muss. 

Deswegen schickt er sie ins Boot. 

 

Kennen wir das, dass Gott uns in unserem Leben auch manchmal 

Wege führt, die wir uns freiwillig eher nicht ausgesucht hätten?

Aber diese Geschichte zeigt uns: Auch wenn diese Wege nicht 

einfach sind, auch wenn sie durch raue See führen

und wir uns zwischendurch fragen: Was soll das jetzt? - 

meint er es letztlich gut mit uns!

Er hat die Kraft, uns auch in den größten Schwierigkeiten beizustehen.

 

Aber was hat Jesus eigentlich selber gemacht, nachdem er seine

Jünger weggeschickt hat? - Er sucht die Stille und Einsamkeit, 

steigt allein auf einen Berg zum Beten. 

Immer wieder lesen wir das in den Evangelien: Das war seine 

Kraftquelle, dass er sich ausgeklinkt hat aus allem Trubel um 

ihn herum und dass er die Stille beim Vater gesucht hat. 

 

Das Gebet, die intensive, enge Beziehung zum Vater, 

das hat ihn immer wieder aufgerichtet und ausgerichtet.

Wir hätten vielleicht nach dem Applaus der Massen gedacht: 

Klasse, das ist die missionarische Gelegenheit!

Gleich noch eine Evangelisation anschließen oder einen Kongress

Veranstalten!

 

Nein, Jesus hat eine andere Priorität: Er betet.

Und das sollen wir lernen von ihm: Wir brauchen im Alltagstrubel

Auszeiten, „Stille-Zeiten“, auch im Gemeindeleben. 

 

 

2. Mit Jesus rechnen - auch wenn ich ihn nicht sehen kann

Zurück zu den Jüngern: Wie ergeht es denen in der Zwischenzeit?

Sie sind inzwischen mitten auf dem See und ein ordentlicher Sturm

ist aufgezogen, groß die Wellen, klein der Mut, dazu noch heftig Gegenwind, 

so wie es die Gemeinde von Jesus immer wieder erlebt hat. 

Nicht zu Unrecht hat man sie mit einem Schiff verglichen, „auf dem Meer 

der Zeit“. Und was hat dieses Schiff, das sich Gemeinde nennt, 

nicht schon alles erlebt: 

- Verfolgungen und Martyrium bis in unsere Zeit, in der weltweit

rund 100 Millionen Christen Repressalien ausgesetzt sind!

 

Und wie ist das mit unseren Gemeinden?

Auch da allerhand stürmische Zeiten ... Die Jünger im Boot sind wahrlich

keine Helden. Auch in unserem Gemeinden „menschelt“ es, 

da gibt es Fehler und Versagen auch von gestandenen Christen. 

 

Wissen Sie, warum die Gemeinde oft als „Schiff“ bezeichnet wird?

Einer hat mal gesagt: Deshalb, weil ein Schiff von lauter Nieten zusammen

gehalten wird!

Aber das macht's offenbar nicht!

Sondern entscheidend ist, dass die Christen nicht allein auf dem Meer

unterwegs sind! 

 

Bei Markus wird die Geschichte von diesem starken Seegang auch 

erzählt und da steht noch ein weiterer Satz: „Und Jesus sah, dass

sie sich abplagten ...“

Jesus hat alles im Blick, 

auch wenn er noch nicht zu sehen ist, hat er alles im Blick. 

Er sieht, wie seine Leute sich abquälen. 

Er sieht auch Dein ganz persönliches Glaubensschiffchen, 

das vielleicht von manchen Glaubensstürmen heftig

durcheinander geschüttelt wird:

- die Wellen der Angst vor Krankheit oder dem 

- Verlust des Arbeitsplatzes, 

- Sorgen um die Familie.

Was sind Deine Stürme?

 

Jesus sieht uns und er kommt zu uns!

Auf den Wellen, weil er größer ist als alles. 

Nur haben die Jünger nicht mit ihm gerechnet. 

Mit allem haben sie gerechnet, nur nicht damit, dass da jemand

über das Wasser geht!

 

Klar, rechnen kann man ja auch nur mit Zahlen und Fakten, 

erprobt durch Verstand und Erfahrung. 

Aber - kann man mit Jesus rechnen?

Ja, weil wir auf ihn zählen können, 

weil er deutlich über den Grenzen unseres Vorstellungsraums steht. 

Das macht das Wunder aus. 

 

Die Wunder in den Evangelien sind schon eine echte Herausforderung 

für uns und manch einer kommt dabei ins Grübeln und Zweifeln. 

Kann das denn sein?

Hat Jesus die Kraft, die Naturgesetze außer Kraft zu setzen?

Etliche Zeitgenossen halten das für unmöglich. 

Schon vor 70 Jahren hat der Theologie Rudolf Bultmann behauptet: 

„Man kann nicht elektrisches Licht und Radioapparat benutzen ...

und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments

glauben.“

Das geht in unseren Kopf nicht rein. 

Allerdings sollten wir nicht vorschnell unseren menschlichen Verstand

zum letzten Maßstab über alle Dinge erklären. 

 

Im Dezember 2000 ist in Berlin das 100-jährige Jubiläum der 

Quantentheorie gefeiert worden. 

Und da hat Alexander Kekulé, ein Naturwissenschaftler an der Uni in Halle,

in einem Zeitungsartikel geschrieben: „Atomare Teilchen können an zwei 

Orten zugleich sein, sich über unendlich lange Entfernungen wie 

telepathisch beeinflussen oder parallel als Welle und Teilchen existieren - 

bisher hat kein Physiker ernsthaft behauptet, die Quantentheorie ganz zu 

verstehen. Was man nicht verstehen kann, daran muss man glauben - 

wie in der Religion so in der Physik. 

Im Vergleich zu den schwer verdaulichen Parallelwelten der Quantentheorie

sind christliche Lehren wie die Einheit von Vater und Sohn oder die Wunder

von Jesus wahre Schonkost für die Glaubenskraft.“ (1)

 

Ich sehe jedenfalls kein Problem darin, 

dass Gott, der Schöpfer des Universums und aller Naturgesetze, 

auch gleichzeitig Herr über die Naturgesetze ist. 

Dass Jesus auf dem Wasser geht, erinnert die Jünger vielleicht an 

Hiob 9,8, wo es heißt: „Gott allein geht auf den Wogen des Meeres“. 

Damit müsste es ihnen eigentlich klar sein: Dieser Jesus ist mehr als ein 

Mensch. Er ist Gott!

Nur: Sie erkennen ihn am Anfang ja gar nicht, halten ihn eher für ein 

Gespenst! - Weil sie nicht mit ihm rechnen, erkennen sie ihn nicht!

 

Erkennen wir Gottes Eingreifen in unserem Leben, in unsere Welt, 

vielleicht deshalb so selten, weil wir nicht mit ihm rechnen?

Seltsam, wie auch heute viele Leute eher an moderne Gespenster 

wie Esoterik, Reiki, magische Steine, Horoskope glauben, 

statt an Jesus und mit seinem Eingreifen zu rechnen. 

 

Lassen Sie uns doch neu mit Jesus rechnen - in jeder Lebenslage, 

auch wenn wir ihn nicht erkennen und verstehen können!

 

 

3. Auf Jesus sehen: Das gibt mir Halt

Jesus redet jetzt zu den Jüngern und was er sagt, ist sehr, sehr trostvoll: 

„Seid getrost, ich bin's; fürchtet euch nicht.“

 

Das gilt auch uns, was immer uns Angst macht, ER ist da. 

Und das kann uns getrost machen. 

Petrus will es noch deutlicher am eigenen Leib erfahren, 

er ist bereit, das Wagnis einzugehen und die relative Sicherheit

des Boots zu verlassen - um sich ganz auf Jesus zu verlassen.

Tun wir das nicht als Leichtsinn ab!

Er will ja nichts auf eigene Faust unternehmen, 

sondern nur, wenn Jesus ihn zu sich ruft. 

 

Und Jesus lässt sich darauf ein und sagt: „Komm her!“

Und tatsächlich: Das Unglaubliche passiert, Petrus geht selber auf 

dem Wasser ... Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt. 

Petrus erlebt selber seinen ganz starken See-Gang. 

 

War er ein Glaubensheld?

Hatte er einen ganz starken Glauben? - Wohl eher nicht. 

Wie zerbrechlich sein Glaube war, das erlebt er in der nächsten Sekunde. 

 

Aber er hat erlebt, was der große China-Missionar Hudson Taylor 

einmal so formuliert hat: „Nicht starken Glauben brauchen wir, 

sondern Glauben an einen starken Gott.“

So lange er ganz auf Jesus ausgerichtet ist, 

so lange kann er das Unmögliche tun. 

Aber schon in dem Augenblick, als er auf den Wind und auf die 

Wellen schaut, als er den Blick von Jesus also abwendet, 

kommt die Wende: Er sinkt. Er zweifelt. 

 

Eigentlich finde ich das richtig tröstlich: Auch bei einem Petrus

liegen Glaube und Zweifel, Stärke und Schwäche, 

Vertrauen und Versagen so nah beieinander. 

Das kenn' ich doch auch von mir ...

 

Aber Jesus lässt ihn nicht versinken, er greift ein, greift zu.

Er ergreift die Hand des Petrus und holt ihn wieder hoch. 

Und Petrus kapiert: Auf Jesus sehen und nicht auf das, was

mir Angst macht - das gibt mir Halt!

 

Nicht mein eigener Glaube hält mich, 

nur Jesus hält mich und meinen Glauben. 

Der Hebräerbrief sagt es so: „Lasst uns aufsehen zu Jesus, dem

Anfänger und Vollender des Glaubens.“

 

Jesus steigt dann mit Petrus zusammen in das Boot zu den 

anderen Jüngern. 

Wir sollen im Glauben ja keine Einzelkämpfer sein ... nicht nur 

privat gut christlich leben ... wir brauchen den Gottesdienst, 

den Teenkreis oder Jugendkreis ...

Auch bei Petrus war das so. 

Als Gemeinde sitzen wir alle in einem Boot. 

Und dort ist Jesus bei uns ... oder wir fahren ohne ihn.

 

Was können wir hier von Jesus lernen?

Dass wir unsere Kraft aus dem Gebet schöpfen!

Dass wir mit Jesus rechnen, auch wenn wir ihn nicht erkennen können!

Dass wir auf Jesus sehen, weil das allein uns Halt gibt. 

Amen

(Diese Predigt nimmt Vorarbeiten von Gero Cochlovius auf)

(1) Zitiert nach „Zuversicht und Stärke“, 3. Reihe Heft 2 (2011), S. 15, SCM Hänssler

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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