2011-01-16

Predigt über 2. Mose 33,12-23 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören Gottes Wort für diesen Sonntag aus 2. Mose 33, die Verse 12(17)-23:

12 Und Mose sprach zu dem HERRN: Siehe, du sprichst zu mir: 

Führe das Volk hinauf!, und lässt mich nicht wissen, wen du mit 

mir senden willst, wo du doch gesagt hast: Ich kenne dich mit 

Namen, und du hast Gnade vor meinen Augen gefunden. 13 Hab 

ich denn Gnade vor deinen Augen gefunden, so lass mich deinen 

Weg wissen, damit ich dich erkenne und Gnade vor deinen Augen 

finde. Und sieh doch, dass dies Volk dein Volk ist. 14 Er sprach: 

Mein Angesicht soll vorangehen; ich will dich zur Ruhe leiten. 

15 Mose aber sprach zu ihm: Wenn nicht dein Angesicht vorangeht, 

so führe uns nicht von hier hinauf. 16 Denn woran soll erkannt 

werden, dass ich und dein Volk vor deinen Augen Gnade gefunden 

haben, wenn nicht daran, dass du mit uns gehst, sodass ich und 

dein Volk erhoben werden vor allen Völkern, die auf dem Erdboden 

sind? 17 Der HERR sprach zu Mose: Auch das, was du jetzt gesagt 

hast, will ich tun; denn du hast Gnade vor meinen Augen gefunden, 

und ich kenne dich mit Namen. 18 Und Mose sprach: 

Lass mich deine Herrlichkeit sehen! 19 Und er sprach: Ich will vor 

deinem Angesicht all meine Güte vorübergehen lassen und will vor dir 

kundtun den Namen des HERRN: Wem ich gnädig bin, dem bin ich 

gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich. 

20 Und er sprach weiter: Mein Angesicht kannst du nicht sehen; 

denn kein Mensch wird leben, der mich sieht. 21 Und der HERR sprach 

weiter: Siehe, es ist ein Raum bei mir, da sollst du auf dem Fels stehen. 

22 Wenn dann meine Herrlichkeit vorübergeht, will ich dich in die Fels-

kluft stellen und meine Hand über dir halten, bis ich vorübergegangen bin. 

23 Dann will ich meine Hand von dir tun und du darfst hinter mir her sehen; 

aber mein Angesicht kann man nicht sehen.“

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

der große Gottesmann Mose ist unsicher geworden. 

Es geht ihm wie uns. Die Zukunft liegt vor ihm. 

Und sie macht ihm Sorgen. 

So, wie die Zukunft uns Sorgen machen kann.

 

(I. Die unsichere Zukunft bei Mose und bei uns)

Der Mose hat schon unglaubliche Gotteserfahrungen hinter sich: 

- Die Bewahrung bei der Geburt, 

- seine Berufung in einer direkten Gottesbegegnung 

(am brennenden Dornbusch)

- er darf, begleitet von Gottes starker Hand, das Volk aus 

Ägypten führen, aus der Sklaverei in die Freiheit, dann

- der Durchzug durch das Schilfmeer, 

- Gott gibt ihm die 10 Gebote auf dem Berg Sinai. 

Aber das alles reicht ihm nicht, das alles bringt ihm nicht die nötige 

Zuversicht und Gelassenheit auf dem Weg in die Zukunft. 

Er ist unsicher, weiß nicht, wie es weitergehen soll, 

kämpft mit sicher selber zwischen Vertrauen und Verzagtheit. 

 

Mit welchen Gefühlen und Gedanken gehen wir der Zukunft entgegen, 

liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden?

Die Zukunftsforscher zeigen uns Trends auf. 

Die guten Trends werden meistens besser und überzeugender 

beschrieben als die schlechten. 

So sichern die Zukunftsforscher unseren Optimismus und unser 

Zutrauen zu ihnen. 

 

An den meisten Menschen aber gehen diese nationalen und globalen 

Trends vorbei. Für unseren Alltag wollen wir Menschen Kokretes wissen: 

- Ob ich die letzten Jahre meines Lebens daheim oder in 

einem Heim zubringen werde, z. B., oder

- ob die Rente langt, 

- ob der Arzt meiner Frau wirklich helfen kann, 

- ob meine Kinder vielleicht doch noch zu Jesus finden, 

- ob ich meinen Enkeln nicht etwas weitergeben kann von dem, 

was ich selber mit Gott erlebe, ihnen Mut machen 

kann in eine kirchliche Jugendgruppe zu gehen,

damit sie lernen, ihr Leben auf ewige Werte zu setzen, 

sich auf Gott zu verlassen und dann hoffnungsvoll zu leben.

 

Wer hat es da leichter: Mose oder wir? 

Mose steht nicht für sich allein. 

Er ist mit seinem Volk verbunden. Und das war nicht pflegeleicht, 

wie wir wissen. Es war ein schwieriges Volk. 

Die Bibel zeigt das schonungslos. 

Man hat den Eindruck, dass die Berufung zum Volk Gottes 

dieses Volk erst recht schwierig gemacht hat, 

schwieriger als andere Völker. 

Damit muss Mose fertig werden, wenn er mit diesem Volk in die 

Zukunft gehen will, wie Gott es von ihm erwartet.

 

Unsere Zukunftsprobleme sind da schon anders und dann auch 

wieder nicht: 

Wir können heute nicht mehr so selbstverständlich aus den Traditionen 

leben, die das Leben früher bestimmt und den Menschen ein Stück weit 

Orientierung gegeben haben. 

Man sieht‘s an den Sachen, die wir kaufen, 

an den Berufen, die unsere Kinder erlernen und ausüben, 

an den Medien, die uns informieren und die uns die Zeit vertreiben. 

 

Die großen Möglichkeiten und neuen Freiheiten 

bringen Stolz und Unsicherheit. 

Und wir sehen, dass nicht alles so weitergehen kann, 

wie es bisher gegangen ist. Da werden alte Werte zweifelhaft. 

Da wird uns vorgemacht, alles Neue sei aus sich selbst heraus schon gut, 

nur weil es neu ist. 

Da ist eine Menge Misstrauen angebracht. 

Aber mit Misstrauen kann man die Zukunft nicht gewinnen. 

Gerade ihr Jugendlichen braucht eine positive Grundhaltung, 

aber was noch wichtiger ist, eine Messlatte, um Euch auszurichten, 

die auch was taugt!

Wie soll das aussehen?

 

(II. Der Weg in die Zukunft: beten wie und mit Mose)

Machen wir uns zusammen mit Mose auf den Weg. 

Der sitzt ja nicht in einem festen Haus und lässt in der Trübsinnsecke 

den Kopf hängen, sondern ist unterwegs. 

Er sorgt dafür, 

- dass das Zelt der Gottesbegegnung (die sogenannte

„Stiftshütte“) nach jeder Etappe sauber aufgebaut wird, 

- dass die Bundeslade mit den Tafeln der Zehn Gebote dem 

wandernden Volk vorangetragen wird, 

- dass die Opfer nicht vergessen werden. 

 

Zu sehen, wie Mose mit Gott auf dem Weg ist, das kann auch uns helfen. 

Von Leuten wie ihm kann man was lernen, 

auch, wenn sie unsicher sind und Zweifel haben. 

Das Gleiche gilt für Frauen, die mit Gott auf dem Weg sind, 

für Leute, die ihre Lebensaufgaben als Gottesaufgaben sehen, 

als konkrete Testsituationen. 

 

Unsicherheit gehört da nicht selten dazu. 

Auch bei Mose ist das so

und manchmal sogar der Zweifel. 

 

Aber niemand muss auf seinen Zweifeln sitzen bleiben. 

Mose bringt seine Zweifel zu Gott mit. 

Er spricht mit ihm, er fordert ihn regelrecht heraus. 

Mose lässt Gott seine ganze Unsicherheit wissen und spüren. 

Der große Gottesmann öffnet sein kleines Herz. 

 

Das ist auch unsere Chance. 

Das Herz öffnen, das unsichere Gemüt nicht länger überdecken, 

sich abzulenken versuchen oder sich zuzudröhnen, 

sondern die Füße hinbewegen zu Gott, 

die Lippen bewegen mit Worten, die aus dem Innersten kommen. 

Kurzum: Beten. 

Mose sucht das Gespräch mit Gott immer wieder neu! 

 

Und wenn man genauer hinschaut, was Mose eigentlich spricht, 

dann ist da kaum ein gedanklicher Fortschritt zu erkennen. 

Man könnte fast meinen, dass er einfach so aus sich heraus redet. 

Aber ganau das ist auch unsere Chance: Bloß kein Kunstwerk daraus

machen, sich jedes Wort erst lange zurecht legen, 

sondern vor Gott die ganze Unsicherheit und die vielen Zweifel 

einfach auspacken!

Gott beim Wort nehmen!

Das ist der Weg, den Mose geht 

und das ist der Weg, den wir alle mitgehen können.

 

(III. Gott geht unsere Lebenswege mit. So macht er 

Mut zum Glauben, zum Leben, zur Zukunft)

Und wie reagiert Gott? 

Er geht mit! 

Das ist die immer wiederkehrende Botschaft quer durch das ganze 

Alte Testament: Gott geht mit seinen Leuten, hört sie, hilft ihnen, 

bewahrt sie, wenn sie bereit sind, sich von ihm führen zu lassen, 

einfach ganz nah an Gott dran zu bleiben. 

 

An dem Punkt unterscheidet sich unser Gott, der Gott der Bibel,

ganz klar von sämtlichen Göttern fremder Religionen.  

Der Gott der Bibel ist ein mitgehender Gott, kein stationärer. 

Er ist nicht wie die anderen Götter auf ein Heiligtum fixiert, 

das dann die Menschen in Wallfahrten aufsuchen müssen, 

oder das sie vergessen können, 

wenn sie ihr Land verlassen und dort wieder eine neue Gottheit

brauchen. 

 

Unser Gott, liebe Gemeinde, liebe Konfis, geht mit uns durch unser 

Leben, wenn wir bereit sind, uns von ihm führen zu lassen, 

ganz konkret und jeden Tag neu. 

Deshalb ist die Behauptung falsch, dass alle Religionen doch 

irgendwie gleich seien. 

 

Nein, liebe Gemeinde, unser Gott unterscheidet sich von allen 

anderen Göttern dadurch, dass er bei uns bleibt und mit uns geht 

durch Dick und Dünn, durch unser ganzes Leben 

und in alle Zukunft hinein, 

wenn wir uns ganz bei ihm festmachen.

Und diese Glaubensgewissheit können wir an der Seite des Mose l

ernen. Diese Glaubensgewissheit will auch Dich und mich in die 

Zukunft führen.

 

Vielleicht ist Ihnen beim Verlesen des Predigttextes aufgefallen,  

dass nicht nur Mose immer neue Ansätze beim Beten macht, 

sondern auch Gott macht immer neue Ansätze, 

um bei Mose und bei uns um Vertrauen zu werben. 

 

Der Gott, der unser Leben begleitet, wirbt um unser Vertrauen. 

Das häufigste Wort aus Gottes Mund in diesem Bibelwort heute 

ist das Wort »Gnade«. 

Das ist die Beziehung, die Gott zu uns aufbaut, 

seine wichtigste Eigenschaft: Gott will auch mir und Dir „gnädig“ sein. 

Alles andere, was sich Menschen über Gott ausdenken können, 

ist im Vergleich dazu total unwichtig.  

Für uns wichtig ist allein diese Beziehung zu uns: die Gnade. 

Wer Gottes Gnade erfährt und annimmt, 

der lebt und lebt auf. 

 

Beispiel: Unser Beten. Wir können wirklich sicher sein, dass Gott alle 

unsere Gebete hört. Absolut. 

Aber er erfüllt nicht alle unsere Wünsche. 

Er bewahrt uns vor den Wünschen, mit denen wir uns oder Gottes 

Plan schaden würden. 

Mose will Gott ins Angesicht schauen. Verständlich. 

Er denkt wahrscheinlich: Dann kann ich es wagen, dieses störrische

Volk wirklich ins Land Kanaan zu führen. 

Endlich einmal ganz genau wissen, wer Gott ist ...

Eine letzte Versicherung kriegen ...

Aber wer Gott so sieht, vergeht!

 

Gott sehen – von Angesicht zu Angesicht: das ist das Ende! 

Und davor muss Mose bewahrt werden. 

Gott bewahrt ihn davor und macht so seine Gnade stark und eindrücklich. 

Er stellt Mose in eine Felsspalte wie in eine Schutzhütte. 

Zorn und Sturm und Gewitter und Blitz und Donner behält er für sich. 

Ein friedevolles Lüftchen, ein Luftzug ist alles, was Mose von Gott 

mitbekommt, wenn er an ihm vorübergeht. 

Aber das reicht, das ist seine Gnade. 

So macht Gott Mut zum Leben und Mut zur Zukunft. 

Gott weiß besser, was für uns gut ist, als wir es wissen können.

 

(IV. Den Sinn des Bösen in unserem eigenen Leben kennt Gott)

Diesen Satz sollten sich die Menschen zu Herzen nehmen, 

denen Böses widerfährt, das sie nicht ändern können. 

»Gott weiß besser, was für uns gut ist, als wir es wissen können.« 

Auch das Böse in unserem Leben ist nicht ohne Sinn. 

Da geht es jetzt nicht um das Böse in der Welt, in der Politik, 

der Wirtschaft, der Kultur. 

Hier kann und muss man oft für Abhilfe sorgen und sich 

entschlossen engagieren.  

Aber beim Misserfolg im Beruf ist das oft anders, 

ebenso bei der schlechten Diagnose des Arztes. 

 

Wer mit Mose Glauben gelernt und von Gnade gehört, 

sie immer wieder dankbar annimmt und aus ihr lebt, 

der weiß auch, dass wir den Sinn des Bösen im eigenen Leben 

nicht von Jetzt auf Nachher erkennen. 

Aber Gott wird uns den Sinn schon einmal zeigen!

Das ist 100 Prozent sicher!

 

Deshalb lohnt es sich, in die großer Glaubensgewissheit in die 

Zukunft zu schauen und in die Zukunft zu gehen. 

 

(V. Gott in Jesus Christus zu sehen – das lässt Dich zu einer

zukunftsgewissen Persönlichkeit werden)

Bei Mose war es so, dass er - hinter Gott her - in die Zukunft mit 

seinem Volk und mit uns aufgebrochen ist. 

 

Aber dann - 1400 Jahre später - dann »toppt« Gott seine Gnade

noch ein letztes Mal,  

er dreht sich um und zeigt doch noch sein Angesicht. 

Nicht dem Mose. Aber uns:

Der Mann am Kreuz, Jesus, er ist das wahre Angesicht Gottes. 

Gottessohn und Menschensohn. 

Er teilt nicht nicht nur unser Leben, sondern auch unser Sterben. 

Er spricht nicht nur von Gnade, sondern in ihm erscheint Gottes

Gnade in Person: „Die heilsame Gnade Gottes ist erschienen 

allen Menschen ... „ (Tit 2,11) und macht zu Gottes Kindern alle, 

die im Anblick des sterbenden Jesus am Kreuz ihre Schuld bekennen, 

Gottes Gnade annehmen. 

 

Mit dem Antlitz des Gekreuzigten vor Augen, 

kann ich und Du entlastet und frei, voller Zuversicht den Weg in 

die Zukunft antreten. 

 

Kluge Köpfe unserer Zeit sagen, dass die Zukunftsentscheidungen 

immer weniger im Kopf getroffen werden, sondern zunehmend aus 

dem Bauch heraus. Da ist etwas dran. Denn 

- wer kann schon alle Informationen aufnehmen und verarbeiten, 

die heute via Internet in Sekundenschnelle auf unsere 

Bildschirme kommen? 

- wer will sich überhaupt durch alle Fernsehprogramm zappen, 

die heute in unsere Wohnzimmer kommen?

- wer kann noch die Versprechen der Finanzwelt bei der Geldanlage

zuverlässig prüfen?

Man muss sich dem allem aussetzen und sich damit beschäftigen. 

Ja, ganz bestimmt. Soweit es uns möglich ist. 

 

Aber letztlich entscheidet nicht der Kopf, sondern die Persönlichkeit. 

Zuletzt sind wir in unserer Grundhaltung gefordert, 

- ob wir Angst haben oder Gottvertrauen, 

- ob es uns die Sprache verschlägt oder ob wir mit Gott reden 

darüber, im Gebet und Bibellesen an seiner Seite bleiben

und wenn es auch nur ein völlig zusammenhangsloses

Gebet mitten in einer unruhigen Nacht ist ...

Letztlich entscheidet unsere Grundhaltung, 

- ob wir unsere Lebenswege immer wieder bewusst und ver- 

trauensvoll mit Gott in die Zukunft gehen oder ob wir 

unbeweglich bei uns und den eigenen Problemen stehen 

bleiben, 

- ob wir ins Leere starren oder im Angesicht des Gekreuzigten 

die Hoffnungsspuren der Auferstehung erkennen.

 

Gott wirbt um unseren Glauben. Unaufhörlich. Bis heute. 

Deshalb kann die Zukunft ihren Schrecken verlieren, 

können gläubige Menschen getrost leben. 

Sie leben aus Gottes Gnade und wissen: Diese Gnade wird sie 

nie verlassen. 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 21.10.2018
9:15 Uhr:
Kirchweih in der Schwabentorhalle in Dennach (Pfarrer Held)
10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikant Schäfer)
Dienstag, 23.10.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 24.10.2018
18:00 Uhr in Schwann:
Gitarre für Anfänger
19:00 Uhr in Schwann:
Gitarre für Fortgeschrittene
20:00 Uhr in Schwann:
Hauskreis Tankstelle für junge Erwachsene bei Steffi