2011-01-09

Predigt über Matthäus 4,12-17 / Pfarrer Traugott Messner, Schönaich

Wir hören Gottes Wort aus Matthäus 4,12-17 ...

Liebe Gemeinde,
Johannes der Täufer, der das Licht ankündigte, sitzt nun im Dunkeln. »Das hat man davon«, so könnte er in seinem Kerker nun denken. Er sitzt ja nicht im Gefängnis, weil er jemand ausgeraubt oder gar umgebracht hätte, nein, einfach nur deshalb, weil er für die Wahrheit ein-getreten ist. Konkret: er hat dem Landesfürsten die Wahrheit gesagt; dass das, was er da tut, vor Gott nicht in Ordnung ist, wenn er mit seiner neuen Frau, die er seinem Bruder ausgespannt hat, zusammenlebt. Das Gesetz Gottes, die Gebote sagen, dass das nicht in Ordnung ist und selbst ein Landesfürst in Israel hat sich daran zu halten.


Aber es ist damals eben schon so gewesen wie heute: die Wahrheit will man nicht hören. Man kann sie nicht im-mer verkraften. Und als Landesfürst hat man das ja auch nicht nötig. Da hat man doch Mittel und Wege, solche Wahrheitsprediger mundtot zu machen und ihnen den Mund zu stopfen. Man braucht sich schließlich nicht alles gefallen zu lassen – und wenn es die Wahrheit ist! Wen kümmert es schon, wenn es doch so schön und an-genehm ist, in der Unwahrheit zu leben?


Johannes sitzt nun also im Gefängnis, dort, wo es am dunkelsten ist. Und das, obwohl der gekommen ist, den er angekündigt und gepredigt hat: Jesus, der Messias, das Licht der Welt.
Was Johannes besonders zu schaffen macht, ist, dass seine ungemütliche Situation diesem Jesus gar nicht so viel auszumachen scheint. Denn der unternimmt gar nichts dagegen, er versucht nicht, seine Mittel einzusetzen, damit Johannes aus diesem Gefängnis wieder heraus-kommt! Das hätte er doch wenigstens tun können, das hätte er als Prophet doch wenigstens verdient!


So hat sich Johannes seine Zukunft gewiss nicht vorgestellt und schon gar nicht seine Zukunft in der Gegenwart von Jesus: vielleicht dachte er nicht, dass die Zeiten für ihn vollkommen rosig werden, wenn der da ist, den er angekündigt hat, aber ein bisschen rosiger vielleicht schon!
»Jetzt ist der Messias da, der Größere, der, dem ich nicht wert bin, die Schuhriemen zu lösen«, so denkt Johannes vielleicht, »und ich habe die Menschen auf ihn vorberei-tet. Was habe ich nicht alles für ihn getan? Wie oft habe ich gepredigt und wie viele sind umgekehrt und haben sich taufen lassen zur Vergebung ihrer Sünden? Und jetzt sitze ich hier und kann gar nichts mehr. Ich verstehe die Welt nicht mehr!«


Dass diesem Johannes gewisse Zweifel an diesem Jesus kommen, ist nachvollziehbar. Das wäre uns wohl auch so gegangen.
Aber Jesus hat auch dabei wohl seine Gründe, warum er so handelt. Vielleicht wollte er dadurch anzeigen, dass die Zeit des Propheten Johannes nun vorbei ist. Sein Auftrag ist erfüllt, jetzt ist die Zeit der  Erfüllung. Wenn es im Text heißt, dass Johannes gefangen gesetzt wurde, wörtlich, »ausgeliefert«, dann sagt das griechische Wort im Urtext, dass der eigentliche Täter hinter dieser Auslie-ferung kein anderer als Gott selber ist.


Vielleicht sollte dadurch verhindert werden, dass sich eine Fan-Gruppe des Johannes bilden konnte, denn die, die Johannes hörten, sollen jetzt Jesus hören. Dies wäre der konsequente Schritt, die logische Folge, vielmehr die göttliche Folge.
Petrus wird später von einem Engel aus dem Gefängnis befreit, Johannes der Täufer aber wird in dem Gefängnis sterben.
Vielleicht ein Hinweis darauf: die alte Zeit ist vorbei, die neue Zeit ist mit Jesus angebrochen, aber eben auch eine Zeit, in der Leiden und Tod noch dazu gehören, das wird am Schicksal von Johannes deutlich.


Bis heute ist das so: in der Nachfolge von Jesus leben kann heißen, dorthin zu kommen, wo Johannes gelandet ist, ins Gefängnis. Und wenn es selbst den trifft, der den Messias angekündigt hat, werden auch uns die Leiden um Christi willen nicht erspart bleiben, schließlich wur-den sie dem Messias selbst auch nicht erspart: Er kam zwar in sein Eigentum, aber sie nahmen ihn nicht auf, sondern ließen ihn töten und schrien: Ans Kreuz mit ihm!
Jesus als dem Licht der Welt seinen Glauben schenken, kann in die Dunkelheit und Gefangenschaft führen. Aber gerade in der Dunkelheit will Jesus wirken.


Nachdem Johannes Jesus getauft hatte und der vom Teufel in der Wüste versucht worden war, zieht er sich nach Galiläa zurück. Er geht aber nicht mehr nach
Nazareth, in die Stadt, in der er aufgewachsen ist, sondern er zieht um nach Kapernaum.
Jesus beginnt nun sein Werk. Er fängt an, öffentlich aufzutreten und hat aufgehört, als Sohn von Josef und Maria in deren Zimmermannsgeschäft mitzuarbeiten.


Aber, dass Jesus ausgerechnet in dem hinterwäldlerischen Galiläa damit beginnt, überrascht. Der Messias gehört doch in die Metropole, nach Jerusalem. Dort im Tempel müsste er doch anfangen, dass es alle mitbekommen, welche Stunde geschlagen hat. Die Einflussreichen und Mächtigen, sie müssten es doch als erste wissen, der Rest würde es dann schon von selbst mitbekommen. Wenn die Wichtigen erst mal Feuer gefangen haben, dann breitet sich die-se neue Nachricht wie ein Lauffeuer im ganzen Land aus.
Dass Jesus in Galiläa beginnt zu wirken, daran nahmen fromme Juden Anstoß. Es war ein Affront und sie glaubten: »Dieser kann nicht der Messias sein, dieser ist nichts für uns. Wer so anfängt, aus dem kann nichts werden, der hat die falschen Maßstäbe, die falschen Priori-täten. «


Doch aus göttlicher Sicht zeigt sich beim Beginn des öffentlichen Wirkens von Jesus, was in der Weihnachtsgeschichte schon angefangen hat. Die Offensive der Menschenliebe Gottes ist eine Absetzbewegung. Er setzt sich zu denen ab, von denen sonst keiner mehr etwas wissen will.


In Bethlehem war es der Stall, in dem sonst nur Ochs und Esel hausen, wo das Licht der Welt, das Licht der Welt, erblickte.
Auf den Feldern von Bethlehem waren es zuerst die Hirten, denen als erste die Boten von höchster Stufe begegneten und ihnen deuteten, was denn Besonderes in diesem Stall passiert war. Die Hirten, mit denen sonst keiner was zu tun haben wollte, die outlaws (sprich:
»aotlohs« = Gesetzlosen, Ausgestoßenen), sie gehörten nicht zur Gesellschaft.


Und in diesem Sinne macht Jesus gerade weiter. Er beginnt sein Werk im hinterletzten Zipfel Israels, der den Ruf weg hat, dass von dort nichts Gutes kommen kann!
Jesus erfüllt auch hier, was der Prophet Jesaja vor langer Zeit geweissagt hat: ein Volk das im Finstern ist, ja im Todesschatten ist, abgeschrieben und abgestempelt, sieht ein großes Licht. Hier hat das schwere Schicksal der Wegführung der Bevölkerung Israels zuerst eingeschlagen, damals im Jahre 720 vor Christus durch die Assyrer, und diese Weggeführten kamen nie wieder zurück, im Unterschied zu der Bevölkerung Judas! Danach haben sich nichtjüdische Menschen dort angesiedelt. Der berühmte Rabbi Jochanan ben Zakkai hat achtzehn Jahre in Galiläa gewirkt. Er fasst seine Erfahrungen dort in dem Wort zusammen: »Galiläa, Galiläa, du hassest das Gesetz, deshalb wird dein Ende das der Räuber sein.«


Jesus beginnt hier sein Werk, bei denen, die eigentlich nicht mehr dazugehören, die ausgestoßen sind. Jesus – so würden wir vielleicht heute sagen – geht zuerst zu den Abgehängten. Jesus führt hier einzelne aus ihrem Schattendasein heraus. Jesus will mit seinem Auftreten gerade den Menschen in diesem abgelegenen Landstrich sagen, denen, die wegen ihres schweren Schicksals auf der Anklagebank sitzen: Gottes Gericht ist damals über euch er-gangen, jetzt aber kommt das Licht zu euch, ihr sollt wieder heil werden, euch sollen die Sünden vergeben werden. Denn die, die weit weg sind von Gott, die nimmt Jesus an.
Das hat uns Jesus immer wieder gezeigt. Wenn auch alle ihr Interesse an diesem Galiläa verloren haben, Jesus kommt gerade und zuerst zu ihnen, zu denen, die im Dunkeln sitzen. Aber wo Jesus hinkommt, da wird es hell, da kann das Dunkle nicht dunkel bleiben.


Für Jesus selbst war das Auftreten in Galiläa nicht gerade angenehm. Zum Teil wird mit ihm hier kurzer Prozess gemacht. Ihm wird gedroht und er wird davon gejagt. Daran ist zu sehen, er hat es hier nicht mit den frommen »Kirchenleuten« zu tun, die immer und zu allem Ja und Amen sagen, ihnen ist leichter zu predigen.
Jesus aber findet die Menschen, die ihn suchen und brauchen.


Wie sind wir? Haben wir Gott nötig oder sind wir selbst so rechtschaffen und denken, dass wir Gott nicht nötig hätten? Oder denken wir: »Doch wir haben Gott nötig, wir mit unseren Fragen und Zweifeln, wir mit unserem oft schwachen Vertrauen, wir mit unsern dunklen Flecken in unserm Leben.«
Jesus ist auch an uns interessiert, er kommt auch zu uns, wenn wir erkennen, dass wir ihn nötig haben. Entdecken wir den Galiläer in uns, so könnte es sein, dass gerade uns das Licht aufgeht. Gott will immer die am meisten, die ihn am nötigsten haben, dort kann er wirken mit seinem Licht.


Wie wirkt denn nun Jesus? Genau genommen predigt Jesus nichts anderes als Johannes der Täufer, und was vor Johannes  schon viele andere Propheten gepredigt haben:  »Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe her-beigekommen!«
Das ist doch wortwörtlich dasselbe, was Johannes schon in die Wüste hineingerufen hat! Wo ist das Mehr? Wo ist das Neue von Jesus? Gibt es das Neue überhaupt?


Doch es gibt einen Unterschied, es gibt das Neue zwischen dem, was Johannes gesagt hat und dem, was Jesus predigt! Johannes war lediglich der Herold, der etwas ausruft und bekannt macht, der Überbringer einer Botschaft.
Wenn Jesus aber spricht und wenn er auch zunächst das-selbe sagt wie Johannes, ist er nicht nur ein Herold, son-dern er kann wirken, was er sagt: indem Jesus vor den Menschen steht und sie zur Umkehr ruft, geschieht das, was er sagt. Indem Jesus das Reich Gottes ausruft, verwirklicht es sich. Das ist das Neue.


Weil Jesus das Licht selber ist, kann es dort nicht dunkel bleiben, wo er hinkommt. Weil Jesus Gott selber ist, kann es nicht beim Alten bleiben, wo er sein Wort spricht und wo es ankommt.
So erobert sich Gott die Welt nicht mit äußeren Mitteln zurück, durch Umorganisation, durch Umgestaltung der Verhältnisse mit Hilfe von Gesetzen und durch Aus-übung von äußerer Macht.
Gott gewinnt uns zurück, indem er sich durch das Wirken von Jesus Christus unsere Herzen erobert, uns Vertrauen abgewinnt, Glauben in uns weckt, Willigkeit und Hingabe, ja letztendlich die Gewissheit des Geborgenseins in ihm.


Indem Menschen sich von diesem Licht der Welt ansprechen lassen und Gott ihre Herzen gewinnt, kommt Gott zu uns.
Gott kommt nicht in seiner Macht. Käme er mit Macht, die er gewiss hat, wäre das unser Ende. Indem er aber  durch Jesus Christus den Weg zu unseren Herzen sucht, geht er den schwereren Weg. Ein Weg, der die Enttäuschung in Kapernaum und später in Jerusalem mit
einschließt, selbst das Kreuz.


So rettet Gott die Welt, soweit sie sich retten lassen will, indem er vergibt und sie durch seine Selbsthingabe zurückruft.
Deshalb lädt auch Jesus ein: Kehrt um, denn das Him-melreich ist nahe herbeigekommen.
Hat dieses Wort bei Johannes dem Täufer etwas Drohendes, und war er sich sicher, dass dieser Messias, wenn er dann kommt, als der große Richter auftreten wird, so ist der Akzent bei Jesus verschoben, er ist der Retter.


Die rettende Liebe ist es, mit der uns Jesus zurück ruft. Kehrt um, nicht in erster Linie, um dem Zorn Gottes zu entgehen, sondern deshalb, weil Gott so gütig ist.
Gott kommt zu uns, indem er uns vergibt und uns zur Umkehr einlädt, so ruft er uns zurück. Gott richtet, indem er das Gericht auf sich nimmt.


Deshalb ist das Licht der Welt gekommen. Und wo dieses ist, Jesus Christus, steht nichts mehr zwischen Gott und uns. Das ist der Schein, der unsern Weg hell macht. Das ist das Licht, das im Dunkeln scheint, denen, die in der Finsternis sitzen. Dieses Licht macht hell, auch im Gefängnis und mitten in unseren Gefangenschaften.
Amen.
 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 24.06.2018
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10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer M.Gerlach)
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19:45 Uhr:
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Mittwoch, 27.06.2018
19:00 Uhr:
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Donnerstag, 28.06.2018
18:30 Uhr:
Biblellesen und Austausch für Jugendliche im GH Schwann