2011-01-01 Neujahr

Predigt zum Neuen Jahr über Johannes 14,1-6 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören Gottes Wort für diesen Neujahrstag aus Johannes 14, die
Verse 1-6: Jesus der Weg zum Vater

„1 Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!
2 In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn's nicht so
wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte
zu bereiten? 3 Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten,
will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid,
wo ich bin. 4 Und wo ich hingehe, den Weg wisst ihr. 5 Spricht zu
ihm Thomas: Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie können
wir den Weg wissen? 6 Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und
die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn
durch mich.“



Liebe Gemeinde,
wie können wir den Weg wissen?
Diese Frage hat der Jünger Thomas damals an Jesus gerichtet,
eine durchaus berechtigte Frage und Thomas hat damit eigentlich
nur ausgesprochen, was alle 12 bewegte.
Schließlich standen die Jünger vor einer total unsicheren Zukunft:
Drei Jahre sind sie schon mit Jesus durch die Lande gezogen,
haben viel mit ihm erlebt,
miterlebt, wie er Kranke geheilt hat, wie er gepredigt hat,
wie er beim Volk immer beliebter wurde.
Und sie haben es in vollen Zügen genossen.
Wenn es nach ihnen gegangen wäre, hätte es auch noch ewig so
weitergehen können.

Aber jetzt steht ihnen ein entscheidender Umbruch bevor.
Das 14. Kapitel im Johannesevangelium gehört in den großen Zusam-
menhang der Kapitel 13-17 und der hat die Überschrift „Die Abschieds-
reden“.

Durch diese Abschiedsreden hat Jesus seine Jünger auf die Tage
danach vorbereitet.
Er hat sie vorbereitet auf die Zeit, in der er nicht mehr sichtbar bei
ihnen sein würde.
Dabei sagt er ihnen klipp un klar, was auf sie zukommt, darunter auch:
Es wird euch da einiges zugemutet werden,
ja, es liegt eine schwierige, manchmal nicht leicht zu findende,
Wegstrecke vor euch.

Wie können wir den Weg wissen?

Diese Frage des Thomas wird heute Morgen auch zu unserer Frage.
Vor uns erstreckt sich ein neues Jahr.
Es liegt da wie ein weites, noch unbekanntes Land.
Wir wissen auch nicht, was im persönlichen Bereich noch auf uns
zukommt, geschweige denn, wie sich die Weltpolitik entwickeln wird.
Uns fehlt noch jede Erfahrung im Umgang mit der Zahl 2011.

Da ist es gut zu wissen: Die Frage des Thomas hat Jesus damals
zugelassen, ja er hat sie sehr ernst genommen, so wie auch bei uns
heute. Zu sehen ist das daran, dass Jesus die Frage nicht einfach
übergangen, sondern seinen Jüngern drei wichtige Antworten
hinterlassen hat.
Die können wir auch als Weisungen an uns verstehen.
Sie zeigen uns, wie ein Leben gerade auch angesicht ungewisser
Zukunftsaussichten gelingen kann:

1. Brecht auf im Vertrauen auf Gott
2. Geht den Weg, der Jesus heißt (und)
3. Habt das Ziel vor Augen.

Die erste Antwort:

1.) Brecht auf im Vertrauen auf Gott
Vielleicht ist es Ihnen beim Vorlesen schon aufgefallen:
Die Jahreslosung aus dem vergangenen Jahr erscheint am Beginn
von 2011 noch einmal. Und das ist doch gut so.
Schließlich ruft sie es uns auch für Zukunft immer wieder in Erinnerung;
und ganz wörtlich wiedergegeben würde sie lauten: „Glaubt in Gott hinein
und auch in mich hinein!“

Eine ziemlich ungewohnte Satzstellung!
Aber die soll eine Sache ganz besonders herausstellen: Vom Anfang bis
zum Ende ist Gott bei uns.
Er ist unsere Mitte, unser Schutz, hält seine Hände über uns
und wir können auch angesichts einer ungewissen Zukunft in ihm
geborgen sein.
Das alles erfahren wir, wo wir im Glauben dran bleiben,
wo uns das Vertrauen auf Gott und seine konkreten Zusagen in der
Bibel einhüllen.

Jedes Jahr hat im Leben des Einzelnen seine Hochs und seine Tiefs,
das wissen wir im Voraus und trotzdem kann uns gerade dieses
Wissen alle Jahre wieder ziemlich unsicher machen.
„In der Welt habt ihr Angst“, das ist unsere Wirklichkeit, bestätigt
durch die Alltagserfahrung. Jesus weiß das.

Aber er sagt auch, was schützt, wenn uns der Gegenwind kalt ins
Gesicht bläst: Das Vertrauen auf sein Wort, „(ihr) aber seid getrost,
denn ich habe die Welt überwunden!“
Dieses Wort zeigt uns, dass Jesus schon von vorneherein der
Sieger ist, ganz unabhängig davon, was konkret kommt.
Und es steht ausdrücklich auch in den „Abschiedsreden“.

Auch in diesem Jahr werden wir bestimmt aufrührende Situationen
erleben. Aber unser unruhiges Herz kann ruhig werden,
wenn Jesus in uns ist - und wir in ihm.
Durch Vertrauen auf ihn und auf seine Zusagen wird das so sein.
Dabei machen es uns die klaren Worte von Jesus überhaupt er
möglich, über den Tellerrand hinauszuschauen.
Sie führen uns zur Erkenntnis, dass die Wirklichkeit aus mehr
besteht als aus dem, was wir mit unseren fünf Sinnen wahrnehmen
können.

Und auch wenn es da ganz hart hergeht (privat, familiär, politisch,
wirtschaftlich): Letztlich hält der auferstandene Jesus Christus die
Fäden in der Hand.
In allen Dingen wird und muss letztlich sein Wille geschehen.
Denn „die Mächtigen kommen und gehen und auch jedes Denkmal
mal fällt; doch Gott ist unwandelbar, denn er ist Gott,
der sicherste Standpunkt der Welt:
Vertraut auf den Herrn für immer, denn er ist ein ewiger Fels“.

Das gilt auch für vielleicht gewaltigen Aufgaben,
vor die wir in diesem Jahr noch gestellt werden und wo wir denken,
niemals damit fertig zu werden.
Aber mit Gottes Hilfe wird es so kommen, dass sie irgendwie und
irgendwann doch hinter uns liegen und schon war es uns im Rück-
blick richtig gehend schleierhaft, wie wir da eigentlich durchgekommen
sind!?

Können wir nicht schon heute dankbar bekennen:
Bis hierher hat mich Gott gebracht, der uns durch Jesus und
seine Liebe gerade auch in 2011 schützend einhüllen will!?

Im Vertrauen darauf, dass wir Jesus beim Wort nehmen können,
dürfen wir ins neue Jahr aufbrechen.
Und da geht es um die zweite Weisung, die uns Jesus heute mitgibt:


2.) Geht den Weg, der Jesus heißt.
Unsere deutschen Autobahnen haben feste Bezeichnungen:
Die, die von Füssen nach Flensburg führt, hat z. B. die Bezeichnung „A7“.
Das steht schon bei Füssen auf den Wegweisern und Schilderbrücken
und diese Orientierungshilfe bleibt bis an die dänische Grenze
durchgängig bestehen.
Wer also nach Flensburg will, muss nur auf die A7 fahren und
sich an den Buchstaben „A“ mit der Zahl „7“ halten,
dann kann er sich eigentlich überhaupt nicht verfahren.

Auch unser Weg durch das Leben hat einen Namen: Und dieser
Name bleibt gleich, obwohl unser Lebensweg bestimmt nicht
immer eine bequeme Autobahn ist, auch Holperstrecken
mit Schlaglöchern gehören dazu, gelegentliche Umwege.
Trotzdem gilt: Wer mit Gott ernst macht, der betritt einen Weg,
der immer die selbe Bezeichnung hat: Jesus Christus.

Vielleicht betreten ihn manche heute das erste Mal!?
Vielleicht wollen es heute zum Jahresanfang manche auch
bewusst neu festmachen: Ich will den Weg gehen, der Jesus heißt!

Auf einer Autobahn gibt es ständig neue Wegweiser und
Hinweistafeln, die uns zeigen, ob wir noch richtig sind.
Auch auf unserem Weg durch das Jahr und durch das Leben
gibt uns Gott Vergleichbares:
    - Ein Bibelwort, das uns zwischendurch total wichtig wird,
        kann unser Wegweiser sein.
    - Gespräche mit Glaubensgeschwistern, vielleicht in einem
        Hauskreis, bleiben manchmal lange in mir haften.
Wir brauchen solche Vergewisserungen immer wieder.

Auf den Autobahnen gibt es auch immer wieder Tankstellen und
zwar in ziemlich kurzen Abständen.
Deshalb muss niemand unterwegs wegen Spritmangels
liegen bleiben.

Diese Tankstellen gibt es auch auf unserem Weg durch das Jahr!
Ich denke da an erster Stelle an die Sonntagsgottesdienste.
In ihnen wird uns Gottes Wort als Kraft-Stoff für den Alltag weiter
gegeben.
Auch besondere Höhepunkte im Gemeindeleben gehören dazu,
aber v. a. das regelmäßige Tanken mit Gottes Wort lässt uns im
Glauben nie auf der Strecke bleiben.

Wenn ein Auto dann mal wirklich nicht mehr weiterkann,
dann muss es abgeschleppt werden.
Auch wir sind auf unserem Weg durch das Jahr genau zu so etwas
aufgerufen: Wir sollen nach denen schauen,
die nicht mehr können und alleine nicht mehr klarkommen!
Ich denke da an die allein Lebenden, so manche Kranke und
Menschen, die bald sterben werden.
Aber auch Leute, die aus irgendwelchen Gründen zu Außenseitern
geworden sind.

Weil wir auch auf unserem Lebensweg schnell mal falsch
abbiegen können, ist es für uns gut, auf die Tankstellen und Hinweis-
schilder zu achten.
Falsches Abbiegen, das kann in Bezug auf den Weg, der Jesus heißt,
fatale Folgen haben.
Denn Jesus ist der einzige Weg hin zur ewigen Errettung bei Gott.
Wer diesen Weg verfehlt, wird auch am Schluss das Ziel verfehlen.
Und Jesus möchte wirklich nicht, dass ihm nacher am Ende
jemand fehlt.

Deshalb gilt seine Einladung auch heute wieder neu.
Er bittet in seinem Wort eindringlich darum,
immer wieder zu ihm umzukehren!
Geht diesen Weg, der Jesus heißt.
Und schaut dabei nach vorne.

Damit ist das Dritte, was Jesus sagt, schon angeklungen:

3.) Habt das Ziel vor Augen.
„In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen.
Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten“, heißt es hier auch.

Wie es dort in der Ewigkeit aussieht, darüber ist schon viel
spekuliert worden. Aber etwas Genaues gibt der Text dazu nicht her.
Nur, was Wohnungen sind, darunter können wir uns schon etwas
vorstellen:
Das ist der Bereich, in dem ich zuhause bin,
in dem ich mich vor Bedrohnungen von außen zurück ziehen kann.
Hier gibt es Ruhe und Erholung.
Und außen an der Tür steht unser Name.

Damit will Jesus ausdrücken: Wir werden dann für immer unter
einem Dach sein mit Gott.
Und allen, die Jesus ihr Leben anvertraut haben, ist dieser Platz
bereits vorbereitet.
In der ewigen Stadt, dem neuen himmlischen Jerusalem,
wartet ein bezugsfertiger Neubau auf sie!

Dabei kann gewissermaßen schon hier so etwas wie die
Schlüsselübergabe stattfinden.
Denn was Jesus damals zu Petrus gesagt hat, das gilt für alle
Nachfolger Jesu: „Ich will dir die Schlüssel des Himmels geben!“
Und wo wir andere zum Glauben führen,
da schließen wir ihnen den Himmel und ihre ewige Wohnung auf.

Denken wir da auch an das Wort von Jesus: „Freut euch, dass
eure Namen im Himmel geschrieben sind!“
Zu jeder Wohnung gehört ein Türschild.
Und alle Nachfolger Jesu sind schon heute im himmlischen
Einwohnermeldeamt registriert.

Gibt das nicht Hoffnung,
wenn unsere irdische Hütte dann doch so nach und nach baufällig wird?!
Ich meine damit unser Leben mit allen seinen Bezügen und
Verflechtungen, die nachlassende Gesundheit im fortschreitenden Alter,
aber auch unsere ganze Welt.
Auch sie kommt in die Jahre.
Die Kriege werden nicht weniger
und auch die Ausbeutung und der Raubbau an der Umwelt schreiten
unaufhaltsam voran (trotz „Kyoto“, „Kopenhagen“ und „Cancun“ 2010).

Alles das zeigt uns unsere Vergänglichkeit und Vorläufigkeit an,
dass wir hier keine ewige Bleiben haben.
Aber durch sein Kreuz hat Jesus allen, die an ihn glauben,
ein ewiges, ein himmlisches Wohnrecht erworben.
Normalerweise ist dieses Ummelden bei einem Umzug ja recht lästig,
aber für den, der an Jesus glaubt, hat diese eine letzte große Ummel-
dung bereits stattgefunden.

Das ist das Ziel, das wir auch in diesem Jahr auf unserem Weg
wieder anpeilen dürfen.
Ja, es ist sehr wichtig, dieses Ziel möglichst immer vor Augen
zu haben und zwar auch und gerade dann, wenn Tage kommen,
die uns sinnlos und verquer erscheinen.

Außerdem sind wir dazu aufgerufen, auch andere auf dieses Ziel
aufmerksam zu machen.
So viele haben davon noch nie etwas gehört!
Noch immer gibt es vom Evangelium unerreichte Volksstämme, Menschen,
die noch keine Bibel in ihrer Sprache lesen können.

Und da ist die steigende Zahl der „Unerreichten“ hier in Schwann und
in Dennach, viele, die das Ziel, eine ewige Heimat bei Gott, ganz aus
dem Blickfeld verloren haben, und die, die andere Angebote für wichtiger
halten.
Gehen wir ihnen doch in Liebe und Wertschätzung nach
und scheuen wir uns nicht, ihnen unseren Herrn mit Mut und Freude
zu bezeugen. Gott lohnt es uns schon in dieser Welt
mit einer großen inneren Freude.

Liebe Gemeinde, 2011 kann für uns ein gutes Jahr werden.
Schließlich sind wir durch dieses Bibelwort heute eingeladen,
den guten und zum Ziel führenden Weg zu erkennen und zu gehen.
Es lohnt sich, im Vertauen auf Gott aufzubrechen!
Es lohnt sich, den Weg zu gehen, der Jesus heißt!
Und es lohnt sich, auf das Ziel zu schauen, auf die ewige Gemeinschaft
mit Gott.

Und dann dürfen wir wissen: Es wird auf jeden Fall ein gesegntes Jahr
werden. Amen

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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Vorstellungs-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)
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Gottesdienst in Schwann (Prädikantin Donath)