2010-11-21 Ewigkeitssonntag

Predigt über Offenbarung 21,1-8 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören Gottes Wort für diesen Ewigkeitssonntag aus der Offenbarung des Johannes, Kapitel 21, die Verse 1-8: 

„Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; 

denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, 

und das Meer ist nicht mehr. 

Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott

aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte

Braut für ihren Mann. 

Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach:

Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei 

ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, 

Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;

und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der

Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz

wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. 

Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!

Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und 

gewiss!

Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, 

der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der

Quelle des lebendigen Wassers umsonst. 

Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein 

Gott sein, und er wird mein Sohn sein. 

Die Feigen aber, die Ungläubigen, Frevler, Mörder, Unzüchtigen,

Zauberer, Götzendiener und alle Lügner, 

deren Teil wird in dem Pfuhl sein, der mit Feuer und Schwefel

brennt; das ist der zweite Tod.“

 

 

Liebe Gemeinde,

von dem französischen Sonnenkönig Ludwig XIV. weiß man, 

dass er in den letzten Jahren seines Lebens dem Hofstaat verboten hat, 

in seiner Gegenwart auch nur ein einziges Wort vom Sterben und Tod 

zu verlieren. 

Er baute sich das prächtige Schloss Versailles auch aus dem 

Grunde, weil er an seinem Pariser Wohnsitz zu nahe beim Friedhof war. 

Auch von Goethe wird berichtet, dass er es als eine empfindliche 

Störung seiner gesunden Lebensfreude empfand, wenn man in 

seiner Gegenwart vom Sterben und Tod zu sprechen gewagt hat (1).

 

Und wie viele Menschen tun sich gerade in diesen Tagen zwischen 

Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag schwer, weil sie dem Gedanken 

von Sterben und Tod in irgendeiner Weise begegnen? 

Viele Menschen verdrängen diese Gedanken und hoffen, 

dass das Sterben von Angehörigen möglichst aus der Wohnung 

ins Krankenhaus verlegt wird. 

Ist es die Angst vor dem Tod und dem, was »danach« kommt? 

 

Christen können damit anders umgehen. 

Christen haben eine große Hoffnung. 

Unser Predigttext aus dem letzten Buch der Bibel zeichnet uns das 

Bild vom Schlussakkord der Weltgeschichte:

- Christen müssen nicht im Dunkeln tappen. 

- Gottes Wort gibt Auskunft über die letzten Dinge. 

Gerade das Buch der Offenbarung zeigt uns in vielen Bildern das Ziel 

Gottes mit dieser seiner Schöpfung. 

Die Bilder sind nicht immer leicht zu verstehen. 

Denn die Offenbarung ist ein Trostbuch für die angefochtenen christlichen 

Gemeinden des ausgehenden ersten Jahrhunderts, einer Zeit 

schwerer Verfolgungen. Und trotzdem reicht sie bis in unsere Zeit. 

 

Der römische Staat konnte nichts dulden, was die Gottheit des 

Kaisers abgelehnt hat.  

Deshalb haben damals viele Christen ihr Leben verloren. 

Einer der führenden Köpfe der Christenheit, der Apostel Johannes, 

ist auf die Insel Patmos verbannt worden. 

Dort zeigte Gott ihm die großen Linien seines Plans mit der Welt, 

der Kirche und den Menschen. 

Johannes sollte die prophetischen Bilder festhalten und den 

bedrängten Gemeinden als Trost und Hoffnung weitergeben: 

»Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss.«  

 

Wir leiden in unserem Land nicht unter Verfolgung. 

Ob wir deshalb - viele Bilder aus der Offenbarung nicht verstehen? 

In der fortlaufenden Bibellese war ja die Offenbartung in den 

vergangenen Wochen das Thema ... auch in unserem Hauskreis ...

Aber wir leben in einer Zeit, in der sich genau so viel Fürchterliches, 

Bedrohliches und auch Gottloses ereignet, dass die Botschaft der 

Offenbarung tatsächlich wieder neu aufleuchtet und uns Gottes

große Zukunft vor Augen stellt. 

.

Eine Hoffnung, die über das Grab hinaus reicht. 

Hoffnung, in einer völlig hoffnungslosen Welt. 

Hoffnung gegen allen Augenschein. 

Hoffnung, die zu neuen Ufern aufbrechen lässt und uns zur Mitarbeit 

an den Aufgaben motiviert, vor die uns die Gegenwart stellt.

 

Unser Bibelwort heute will nicht unsere Neugier befriedigen, 

auch nicht unsere Fantasie anregen. 

Nein, dieses Wort Gottes will uns auf den schauen lassen, 

der kommt, besser: der wiederkommt. 

Auf den, der seine Nachfolger beauftragt, die großen und die kleinen 

Aufgaben richtig anzupacken und mitzuhelfen beim Bau seines 

Reiches und der Gestaltung seiner Schöpfung.

 

In der Mitte des Textes steht ein Satz, der nicht nur diesen Abschnitt 

gewichtet, sondern das geheime Thema der ganzen Johannes-

Offenbarung ist: »Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache 

alles neu.« 

Darauf zielt alles – die Weltgeschichte, die Kirchengeschichte und 

meine Lebensgeschichte. 

Alle die Ungereimtheiten und Rätsel werden einmal aufgelöst werden. 

All das schreckliche Durcheinander findet ein Ende, alle Sinnlosigkeit

wird erhellt: »Siehe, ich mache alles neu.« 

 

Gott, der Herr, tut das. 

Nicht wir Menschen. 

Alle unsere Aktivität hat einmal ein Ende. 

Nichts wird mehr gefordert. 

So wie Gott einmal den Anfang gesetzt hat, so wird er auch die Vollendung 

zu Wege bringen. Er ist das A und das O, der Anfang und das Ende. 

 

Wie sieht jetzt dieses Finale aus? 

Ich sehe drei konzentrische, immer enger werdende Kreise. 

Und darüber steht in Großbuchstaben die Verheißung Jesu: »Siehe, ich 

mache alles neu«: 

 

Zum ersten Kreis:

Der Herr erneuert die Welt.

»Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; 

denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das 

Meer ist nicht mehr.« (Vers 1) 

Dass es auf dieser Erde an vielen Stellen und in vielen Lebens-

bereichen chaotisch zugeht, das brauche ich ihnen nicht zu erklären.

Stichworte sollen genügen:

- Die ständige Terrorangefahr weltweit und jetzt auch bei uns,

- Bürgerkriege, politische Skandale, Katastrophen, 

- die auseinandergehende Schere zwischen Arm und Reich. 

- Alles Reden von Frieden und Gerechtigkeit - scheint zu verfliegen 

wie Rauch im Wind 

- Das Klima verschiebt sich, der Lärm nimmt zu. 

- Dazu kommen persönliche Schicksale, Krankheiten, Arbeitslosigkeit, Sinnlosigkeit ... 

 

So sieht es in dieser Welt aus. 

Das alles wird ein Ende haben.

Nicht das Chaos ist das Letzte, sondern »der neue Himmel und die 

neue Erde«. Der ursprüngliche, heile Zustand wird wieder hergestellt. 

»Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde«, so beschreibt es die Bibel 

auf der ersten Seite. 

 

Gott hat diese Welt als eine gute Welt geschaffen. 

Aber dann haben die Menschen rebelliert und sich von Gott losgesagt. 

Und sich und ihre Welt damit ins Chaos gestürzt. 

In eben jenes Chaos, in dem wir heute leben, 

unter dem wir leiden und das wir aus eigener Kraft nicht drehen können.

 

Aber Gott wird diese Erde erneuern. So bekennt es der Seher Johannes. 

»Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde.« 

Gott wird also nicht einfach reparieren oder die Fassade neu streichen. 

Es wird auch nicht langsam aber doch stetig besser mit dieser Welt. 

Nein, Gott setzt einen Neuanfang. 

Er stellt die Welt so her, dass sie wieder seinem Erstentwurf entspricht. 

Eine neue Welt, in der sein Wille regiert und sich Friede und Gerechtigkeit 

ausbreiten. 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfis, weil diese Verheißung in unserer Bibel steht, 

haben Christen Hoffnung für diese Welt, 

brauchst Du keine Angst haben vor der Welt nach der Schule ...

Deshalb legen Christen mit Hand an an der Gestaltung dieser Welt. 

Wer schon heute mit dem auferstandenen Jesus lebt, 

der kann das, auch es noch so besch...eiden aussieht. 

 

»Mit uns will Gott  in die Welt hinein!« 

hat der alte Pfarrer Blumhardt gesagt. 

Und vor diesem Hintergrund betrachten wir dann auch die Klima-

Debatte, die großen Zukunftssorgen und was noch viel wichtiger ist: 

Vor diesem Hintergrund müssen wir den Auftrag des Auferstandenen

ganz neu hören: »Gehet hin in alle Welt und macht zu Jüngern alle Völker.« 

 

Denn wenn alle Menschen die Möglichkeit haben, 

Jesus kennenzulernen, umzukehren und ihm nachzufolgen, 

dann wird Jesus sichtbar wiederkommen - so steht es in der Bibel. 

 

Das ist das entscheidende Datum. 

Dann wird Gott, der HERR, seine Welt erneuern

und es wird sich zeigen, wer die Chance zur Umkehr genutzt hat. 

 

 

Der zweite Kreis:

Der Herr erneuert die Gemeinde.

»Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem 

Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren 

Mann.« (Vers 2) 

Auch da haben wir die prophetische Bildersprache. 

Jerusalem ist der Inbegriff der Gottesnähe. 

»Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen. Und er wird bei ihnen 

wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, 

wird ihr Gott sein.« (Vers 3)

 

Die Kirche Jesu Christi wird wieder eine Mitte haben. 

Lang genug hat sie darunter gelitten, dass es so nicht mehr war. 

Deshalb auch das zunehmende Leiden an der Kirche. 

Wieviel Verwirrung und Verirrung mitten in der Gemeinde,

die große Ratlosigkeit und Orientierungslosigkeit auch in dem, 

was in den Kirchen nicht alles verkündigt wird  – und daraus kommend - 

Lähmung und Schläfrigkeit, 

Gemeindearbeit, die niemand mehr hinter dem Ofen - oder sagen

wirs neudeutsch: vom PC und Fernseher - weglocken kann ...

 

Aber auch der fehlende Bekenntnismut der Christen, 

schwächelnder, dahin dümpelnder Glaube, 

der Egoismus unter den Christen. 

Welches Bild geben denn Christen für Menschen ab, 

die nicht jeden Sonntag in den Gottesdienst gehen?

 

Aber - es gibt - Hoffnung für unsere alte und müde, so zerrissene und 

oft wenig anziehende Kirche: Gott wird sie erneuern. 

Und sein Uhrzeiger ist schon kräftig vorgerückt. 

 

 

Der dritte Kreis:

Der Herr erneuert die Menschen.

Wie leiden wir Menschen doch aneinander! 

Im Großen und im Kleinen. 

Angefangen von den ethnischen Konflikten bis hinein in die kleinste Zelle 

der Gesellschaft, die Familie. 

Das Böse triumphiert. Der Tod regiert. 

Es gibt Tränen und Leid und Schmerz und Geschrei. 

Jeder Mensch hat seine Leidensgeschichte.

 

Jetzt heißt es in unserem Text: »Gott wird abwischen alle Tränen von 

ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch 

Geschrei noch Schmerz wird mehr sein.« (Vers 4) 

Das alles wird ein Ende haben. 

Dafür gibt er, der auferstandene Herr, ewiges, unvergängliches Leben: 

»Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers 

umsonst. Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein 

Gott sein und er wird mein Sohn sein.« (Vers 6f.)

 

Wer sich in diesem Leben für ein Leben mit Jesus entscheidet

und treu bei ihm bleibt, der wird mit diesem Erbe beschenkt. 

Es fällt einem also nicht automatisch in den Schoß. 

Es wird uns nicht nachgeworfen. Auch nicht aufgezwungen. 

Und es stimmt schon gar nicht, was in einem alten Schlager heißt:

»Wir kommen alle, alle in den Himmel, weil wir so brav sind . . .«

 

Er, der lebendige Herr, macht uns sein Angebot: Ich gebe euch erfülltes 

Leben. Er will, dass kein Mensch verloren geht. 

Schließlich ist er für alle Menschen am Kreuz auf Golgatha gestorben. 

Die Zukunft - hat seither - begonnen. 

Und Christen können zukunftsorientiert leben.

 

Wer sich dem Angebot von Jesus Christus aussetzt,  

- wer auf sein Wort hört und mit ihm lebt, 

- wer sich von ihm ganz und gar abhängig weiß, 

- wer spürt, dass er ihn braucht, 

der ist mit in den großen Erneuerungsprozess Gottes hineingenommen. 

Aber erst im Schlussakkord, im Finale, zeigt es sich für alle: 

Der Herr erneuert die Menschen! 

 

Unser Text hat noch ein bitteres Ende: Die Feigen aber, die Ungläubigen, 

Frevler, Mörder, Unzüchtigen, Zauberer, Götzendiener und alle Lügner, 

deren Teil wird in dem Pfuhl sein, der mit Feuer und Schwefel

brennt; das ist der zweite Tod.“ (Vers 8)

 

Es ist nicht nur ein Wort an die anderen, die nie kommen. 

Es ist eine Art Warnung an uns alle. 

Denn kein Herz ist davor gefeit, vom Glauben abzufallen und gegen 

den guten Willen Gottes zu leben. 

Es bleibt ein Kampf bis zur letzten Stunde.

Aber noch haben alle die Möglichkeit, Gottes Gnade anzunehmen

und umzukehren. 

Noch sind wir eingeladen zum Vertrauen auf Jesus Christus, 

zum Bleiben bei ihm und bei seiner Gnade. 

 

Wo das so ist bei mir, da lebe ich in enger Tuchfühlung mit meinem

Herrn Jesus Christus und ich lebe auf sein Verheißungswort zu: 

»Siehe, ich mache alles neu.«  

 

Gott gebe es, dass wir alle auf diese Zielgerade zuleben

und bei wem das noch nicht der Fall ist, 

dass Sie den entscheidenden Schritt tun. 

Amen

 

 

Anmerkungen:

(1)  Aus »Mach ein Fenster dran!« von Heinz Schäfer, Stuttgart 1976, Seite 286

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 21.10.2018
9:15 Uhr:
Kirchweih in der Schwabentorhalle in Dennach (Pfarrer Held)
10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikant Schäfer)
Dienstag, 23.10.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 24.10.2018
18:00 Uhr in Schwann:
Gitarre für Anfänger
19:00 Uhr in Schwann:
Gitarre für Fortgeschrittene
20:00 Uhr in Schwann:
Hauskreis Tankstelle für junge Erwachsene bei Steffi