2010-10-17

Predigt über 1. Thess 4,1-8 / Pfarrer Roland Krause, Brackenheim (Die Predigt von Prädikant Wolfgang Isenburg liegt leider nicht in digitaler Form vor)

Liebe Gemeinde,

mit zwei Momentaufnahmen möchte ich beginnen: 

Drei junge Männer in einem Krankenhauszimmer. Sie staunen, dass der Pfarrer Besuche macht. Sie reden darüber, dass es heißt: In der Kirche würde immer nur über weltfremde Themen gepredigt. Der Pfarrer antwortet, dass vor 14 Tagen das Thema »Streit« dran war, und vor acht Tagen das Thema »Geld« und am kommenden Sonntag das Thema »Sex«. Sie können es kaum glauben – und meinen dann: Diese Predigt zum Thema »Sex« würden sie gerne einmal lesen.

Momentaufnahme zwei: Ich hole E-Mails ab. Drei von zehn Nachrichten – Spam-Mails, schmuddlig-unappetitliche, z.T. unaussprechlich perverse Anmache: rascher Sex-Treff auf dem Parkplatz / boys oder girls, die hüllenlos und hemmungslos alles zeigen, einfach nichts auslassen / 1.000 frivole Nacktbilder / anscheinend authentischer Mitschnitt einer Strand-Sex-Party / Pornofilm ohne jedes Tabu / ein echter Hammer, alles sehen, alles unverbindlich.

 

(Sexualisierung der Gesellschaft)

Kein Tag ohne mediale sexuelle Anmache – per Mail und Internet, per Video und Schüssel, am Kioskstand. Eine gewaltsame, allgegenwärtige, kommerzielle Sex-welle verspricht Freiheit – und treibt in die Leere der Sex-Sucht. Sogenannte Jugendzeitschriften wie Bravo propagieren frühzeitige sexuelle Erfahrungen. Boulevardblätter und Vorabendserien feiern die Beliebigkeit der Lebensformen.

Natürlich, man erregt sich über jeden neuen Fall von Perversität, Kinderpornographie, Kinderschändungen, Missbrauch sogar im Raum der Kirche. Doch die allgegen-wärtige, schleichend-gewaltsame, kommerzielle, mediale Sexualisierung der Gesellschaft findet weiter ihre Kunden – und gleichzeitig scheitert fast jede zweite Ehe im großstädtischen Bereich, bundesweit jede dritte. Die Zahl der Kinder aus zerbrochenen Partnerschaften wächst – schwere Traumata vorprogrammiert.

Gibt es sie überhaupt noch, die Liebe, die sich ausdrückt in Zärtlichkeit und Erfüllung, in Verstehen und Treue?

 

(Sex und Geschäft – zwei brisante Lebensbereiche)

Paulus nimmt kein Blatt vor den Mund – so haben wir Paulus kennen gelernt an den letzten zwei Sonntagen zu den Themen Streit und Geld. Und heute packt er gleich zwei brisante Themen an: Wie verhalte ich mich richtig in der Sexualität und beim Geschäftemachen?

 

Wir hören Gottes Wort für diesen Sonntag aus dem 1. Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher, Kapitel 4, die Verse 1-8:

1 Weiter, liebe Brüder, bitten und ermahnen wir euch in dem Herrn Jesus - da ihr von uns empfangen habt, wie ihr leben sollt, um Gott zu gefallen, was ihr ja auch tut -, dass ihr darin immer vollkommener werdet. 2 Denn ihr wisst, welche Gebote wir euch gegeben haben durch den Herrn Jesus. 3 Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, dass ihr meidet die Unzucht 4 und ein jeder von euch seine eigene Frau zu gewinnen suche in Heiligkeit und Ehrerbietung, 5 nicht in gieriger Lust wie die Heiden, die von Gott nichts wissen. 6 Niemand gehe zu weit und übervorteile seinen Bruder im Handel; denn der Herr ist ein Richter über das alles, wie wir euch schon früher gesagt und bezeugt haben. 7 Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinheit, sondern zur Heiligung. 8 Wer das nun verachtet, der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen Heiligen Geist in euch gibt.“

 

 

 

Das Geschäft und die Sexualität – zwei brisante Lebens-bereiche. In der Sexualität und im Geschäft kann Leben aufblühen, wenn wir einander als verlässliche Partner in Achtung begegnen. Oder aber wir können – in der Liebe und beim Geschäft – einander aushungern, abservieren, missbrauchen, hintergehen. Deshalb mahnt Paulus: In der Liebe und beim Geschäftemachen, handelt doch bitte nicht so: Ich wär’ ja schön blöd, wenn ich eine günstige Gelegenheit ausließe. Denn so bleibt immer jemand auf der Strecke. Sogar der wird einsam, der sich alles ge-nommen hat, was er kriegen konnte.

 

(Werben um den anderen)

Der Wille Gottes ist eure Heiligung, dass ihr meidet die Unzucht – lasst uns genau darauf achten, wie Paulus das meint.

Erstaunlich wie er – der ja nicht verheiratet war, der ja aufwuchs in einer streng jüdisch-pharisäischen Erziehung und Ausbildung, die der Frau eine untergeordnete Rolle zuweist – hier von und für die Frauen redet. Dass Frauen von uns Männern respektvoll und zuvorkommend behandelt werden, darum geht es Paulus – in Ehrerbietung, nicht in gieriger Lust. Nicht als Lustobjekt. Sondern: meidet die Unzucht.

Unzucht meint, wo man nimmt, was einem nicht gehört. Unzucht meint, wo man nimmt, was man kriegen kann. Unzucht meint, wo der andere nur benutzt wird zur »Triebabfuhr«. Das ist Unzucht. Und sie tut nicht gut. Denn sie raubt dem anderen die Würde – ganz gleich, ob in der Ehe, im Bordell oder bei einer sogenannten raschen Bekanntschaft. Da wird Frauen ihre Würde genommen. Da geht Männern ihre Menschlichkeit verloren. Und beide – Männer wie Frauen – erleben nicht, was Liebe heißt.

Das Besondere, das Gottgegebene an uns Menschen ist doch, dass wir lieben können – und dass Sexualität und Liebe und Treue in beglückender Weise zusammengehören. Deshalb erinnert Paulus uns Männer – und an anderer Stelle analog die Frauen – , dass wir unsere Partner, mit denen wir verbunden sind, zu gewinnen suchen. Keine Rede also von ehelicher Pflicht. Keine Rede auch von ehelichem Recht. Kein: »Komm, stell dich nicht so an.« Werben soll ich um den anderen. Mir Mühe geben. Zu gewinnen suchen meint, attraktiv, anziehend sein für den anderen. Und – achten wir genau darauf – eben dies Gewinnen und Werben empfiehlt Paulus hier ausdrücklich und vor allem uns Männern. Sich Mühe geben, werben – nicht nur bis zur Hochzeit, damit beide erleben, wie schön es ist, zu lieben und geliebt zu werden.

Werben um den anderen – und Paulus erklärt genau, wie er sich das vorstellt: in Heiligkeit und Ehrerbietung. Nein, das meint keine Einschränkung. Das soll nicht heißen, dass es keinen Spaß machen darf. Nein, Heilig-keit zeigt auf: Mann und Frau, wir beide, sind Bilder Gottes. Wir gehören zu Gott. Und zu Gott gehören, das macht kostbar. Und mit etwas sehr Kostbarem gehe ich um in Ehrerbietung, in Respekt. Ich respektiere, wie es dem anderen geht. Ich respektiere, was er mag und was nicht. Der andere, die andere, gehört nicht mir. Ich habe nicht einfach ein Recht auf sie. Ich darf ihn nicht einfach benutzen. Ohne das Wissen von der kostbaren Heiligkeit und ohne Ehrerbietung zerbricht das Miteinander, auch das sexuelle Miteinander.

 

(Niemanden übervorteilen)

Bei der Unzucht, bei gieriger Lust beginnt Paulus. Er entfaltet weiter den Reichtum und die Schönheit der Sexualität im Werben um einander. Er redet von der Kostbarkeit und Tiefe der Liebe in Heiligkeit und Ehrer-bietung. Und schließlich redet Paulus auch noch vom Geschäft: niemanden übervorteilen.

Paulus schreibt ja an seine Geschwister in Thessaloniki, an Leute wie du und ich, an normale Gemeindemitglieder. Niemanden übervorteilen – das meint deshalb wohl nicht zuerst Korruption, kriminellen Betrug, ungesetzliche Tricks. Sondern das meint wohl eher die alltäglicheren Grauzonen – jene oft schwierige Gratwanderung zwischen legal und legitim. Manches mag nach dem Gesetz noch möglich sein – moralisch aber ist es nicht in Ordnung. Wenn z.B. der Stärkere die Schwierigkeiten des Schwächeren für sich nutzt, wenn Unternehmer das Risiko auf Subunternehmer abwälzen – das verletzt keine Gesetze. Aber Anstand und Menschlichkeit bleiben auf der Strecke. Da macht der eine ein »gutes« Geschäft – und schnürt dem anderen die Luft ab. Es sage keiner: Im Geschäftsleben herrschen eben andere Gesetze. Es sage niemand: Man müsse sich beim Geschäft nach der Decke strecken und jeder müsse selbst sehen, wo er bleibt – und das habe nichts zu tun mit dem Glauben. »Nein«, sagt Paulus, »auch wenn es alle tun – ihr sollt anders handeln. Auch in dein Geschäftsleben schaut Gott. Dass es alle so machen, ist kein Argument. Ihr gehört zu Gott. Ihr seid sein Ebenbild. Und wer im anderen auch ein Ebenbild Gottes sieht, der wird ihn nicht übervorteilen!«

Im Geschäftsleben und in der Liebe – genau dieselben Leitlinien: Ihr sollt die anderen nicht benutzen. Lebt nicht auf Kosten anderer. Macht die Partner nicht zu Objekten eurer Begierde.

 

(Keine Jagd nach Trophäen)

Liebe Brüder, von Gott berufen, von Gott geliebt – so redet Paulus seine Geschwister in Thessaloniki an. Liebe Brüder, von Gott berufen, von Gott geliebt, eure Heiligung, das ist Gottes Wille – Paulus redet von ihrer Würde, von ihrer Bestimmung. Gott will eure Heiligung. Heilige seid ihr, weil Gott euch zu sich gerufen hat. Ihr gehört zu ihm, ihr seid seine Ebenbilder, seine Kinder. Das ist unglaublich viel. Größeres, Wichtigeres lässt sich nicht sagen über einen Menschen ›als von Gott geliebt‹.

Wer sich von Gott geliebt weiß, muss den anderen nicht erst etwas beweisen. Muss nicht vorzeigen, was er sich leisten kann. Muss sich nicht profilieren als besonders gewiefter Geschäftsmann. Ihr habt eine besondere Würde und Bestimmung, sagt Paulus. Ihr seid Menschen nach Gottes Bild. Ihr müsst nicht erst noch etwas aus euch machen – schon gar nicht auf Kosten anderer. Ihr müsst nicht immerzu auf der Jagd sein nach Trophäen, die zeigen sollen, wie toll ihr seid. Ihr müsst nicht auf der Jagd sein nach immer neuen Partnern und nach noch gerisseneren Geschäften.

Dieses geheiligte, dieses zu Gott gehörige Leben in der Sexualität und im Geschäft traut Paulus den Leuten in Thessaloniki und in Dennnach und Schwann zu.   Amen.




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 24.06.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer M.Gerlach)
10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer M.Gerlach)
Dienstag, 26.06.2018
17:45 Uhr:
Jungschar für alle Jungen und Mädchen im GH in Dennach
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 27.06.2018
19:00 Uhr:
Teenkreis 13+ im GH Schwann
Donnerstag, 28.06.2018
18:30 Uhr:
Biblellesen und Austausch für Jugendliche im GH Schwann