2010-09-26

Predigt über Römer 10,9-17 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

viele von uns kennen den auch heute noch sehenswerten Film

»Der Hauptmann von Köpenick« mit Heinz Rühmann (1). 

Dort gibt‘s eine interessante Szene, 

die in einem heutigen Film so bestimmt nicht mehr vorkäme: 

Da sitzt der arbeitslose Schuster Wilhelm Voigt nach seiner 

Entlassung aus dem Gefängnis bei seinem Schwager auf dem Sofa. 

Wegen seiner Amtsanmaßung als Hauptmann ist er jetzt ausgewiesen 

aus Berlin. 

Und er kommt ins Sinnieren über sein Leben und sagt zu seinem 

Schwager (in echt berlinerischer Mundart): »end weeßte, Schwager, 

eenes Tages stehste vor Jott. Und der fragt dir: ›Schuster Voigt, 

wat haste jemacht mit deine Leben?‹ Denn muss ick antworten: 

›Fußmatten ha’ ick jemacht, Fußmatten innet Jefängnis‹. 

Denn wird Jott mir sagen ›Schuster Voigt, dazu ha ick dir det Leben

nicht jejeben! Raus hier! Ausweisung!‹«

 

Wie gesagt, heute würde eine solche Szene wohl nicht mehr in 

einen Film aufgenommen. 

Die vielen Lebens-Konsumenten denken nicht mehr nach über 

Sinn und Ziel des Lebens. 

Also bringt ein heutiger Film das auch nicht mehr. 

 

Trotzdem ist das eine Frage, die einen denkenden Menschen immer 

wieder beschäftigt: 

Wie kann ich einmal mit meinem Leben vor Gott bestehen? 

Wie lebe ich so, dass ich vor meinem Schöpfer gerecht sein werde? 

 

Manche denken jetzt vielleicht: »Wer kann das so genau wissen? 

Wer weiß überhaupt, ob es nach dem Tod noch etwas gibt?« 

Andere werden mir sagen: »Ist solches Denken nicht ziemlich 

lebensfremd? Wie viele beschäftigt das wirklich?« 

Aber da frage ich zurück: »Ist das Ausklammern dieser Frage nicht 

noch viel lebensfremder, weil ich damit das sichere Ende meines 

Lebens ausblende?« 

 

Hören wir einfach mal, was Paulus dazu im Römerbrief, Kapitel 10, 

Vers 9–13 schreibt:

„Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der HERR ist

und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt 

hat, so wirst du gerettet. Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man 

gerecht; und wenn man mit dem Munde bekennt, so wird man gerettet.

Denn die Schrift sagt: Wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden. 

Es ist hier kein Unterschied zwischen Juden und Griechen; es ist über 

alle derselbe Herr, reich für alle, die ihn anrufen. 

Denn „wer den Namen des HERRN anrufen wird, soll gerettet werden“.

Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? 

Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? 

Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? 

Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht gesandt werden? 

Wie denn geschrieben steht: „Wie lieblich sind die Füße der Freudenboten, 

die das Gute verkündigen!“ 

Aber nicht alle sind dem Evangelium gehorsam. Denn Jesaja spricht: 

„HERR, wer glaubt unserem Predigen?“ 

So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch

das Wort Gottes!“

 

 

(1.) Rettung braucht bei Gott jeder Mensch

Gleich dreimal kommt das Stichwort »retten« in diesen wenigen 

Versen vor. Und noch ein viertes Mal mit den Worten »der wird nicht 

zuschanden werden«. 

Dabei wird aus dem ganzen Zusammenhang deutlich, 

dass es hier um die Rettung des Menschen im Gericht Gottes geht. 

Ob es uns Heutigen passt oder nicht: wir müssen zur Kenntnis nehmen, 

dass die Rettung des Menschen das eine große Hauptthema der Bibel ist. 

 

Hatte nicht schon Jesus von sich selbst gesagt: »Darum ist der 

Menschensohn in die Welt gekommen, um zu suchen und zu erretten, 

was verloren ist!« (2)? 

Ja, schon in der Weihnachtsgeschichte ist das das entscheidende 

Thema: Als der Engel dem Josef im Traum den Auftrag gibt, 

den Sohn der Maria Jesus zu nennen, begründet er diesen Namen 

mit dem Satz »Denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden« (3).

Deshalb hat auch Paulus schon am Anfang seines Briefs an die 

Römer geschrieben: »Ich schäme mich des Evangeliums nicht; 

denn es ist eine Kraft Gottes, die errettet alle, die daran glauben« (4). 

 

Es ist eindeutig: Rettung des Menschen ist das eine große Thema 

der Bibel.

Als Martin Luther 1522 von der Wartburg wieder nach Wittenberg 

gekommen ist, um trotz aller persönlicher Gefahren dort für Ordnung 

zu sorgen, hat er seine erste Predigt mit den Worten begonnen: 

»Wir werden alle einmal auf der Schanze des Todes stehen. 

Dann wirst du nicht bei mir sein und ich nicht bei dir. 

Darum muss ein jeder für sich selbst wissen, wie er dann vor Gott 

bestehen kann!« 

 

War das nun lebensfremd von Luther? 

Oder ist das nicht unsere unleugbare Lebenswirklichkeit, 

dass einmal jeder von uns seinen eigenen Tod stirbt und dann 

ganz allein vor Gott steht?

 

Ich geb‘ gern zu, dass diese Frage heute keine große Presse hat. 

Aber es darf uns in der Gemeinde Jesu nicht darum gehen, 

was in unserer Gesellschaft gerade »in« ist, sondern darum, 

was nach der Bibel »in« ist. 

Wir stehen heute in unserer Kirche in der Gefahr, 

dass wir uns mit tausend Fragen, die auch (!) wichtig sind, 

beschäftigen und darüber die eine Hauptfrage im Hintergrund lassen: 

Wie werde ich gerecht bzw. errettet bei Gott? 

 

Es hat einmal jemand schön gesagt: »Die Hauptsache ist, 

dass die Hauptsache die Hauptsache bleibt!« 

Das also ist unsere Haupt-Aufgabe: Jeder Mensch soll klar wissen, 

wie man bei Gott gerettet wird, so dass unser Leben nicht 

in der Verlorenheit endet. 

 

 

(2.) Die zwei Seiten der Rettung

Auf diese Kernfrage unseres Lebens pflegen viele Menschen zu 

antworten »Natürlich durch den Glauben!«. 

Weiß das nicht schon jeder Konfirmand? 

 

Wenn wir Paulus zuhören, erkennen wir schnell, dass das zum einen 

eine sehr verkürzte Antwort ist – was ist eigentlich der Inhalt dieses 

Glaubens? – zum anderen eine einseitige Antwort. 

Paulus ist da viel gründlicher, d. h. nicht nur Paulus, 

sondern die gesamte erste Christenheit. 

Paulus zitiert nämlich in Vers 9 ein altes urchristliches Glaubensbe-

kenntnis: »Wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der 

Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass Gott ihn von den Toten 

auferweckt hat, so wirst du gerettet«. 

 

Übrigens: Paulus weiß, dass wichtige Dinge wiederholt werden 

müssen, damit sie sich uns tief einprägen. 

So wiederholt er dieses Bekenntnis gleich im folgenden Vers 10 

in verkürzter Form und macht damit deutlich, dass »gerettet sein« 

dasselbe bedeutet wie »gerecht sein«: 

»Wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; 

und wenn man mit dem Munde bekennt, so wird man gerettet.«

 

Die Rettung bei Gott hat also zwei Seiten. Besser gesagt: Ein Erretteter 

bzw. Gerechter hat eine Außen- und eine Innenseite.

- die Außenweite: das Bekennen mit deinem Mund.

- die Innenseite: das Glauben in deinem Herzen.

Sehen wir uns das näher an.

 

 

(2a) Das Bekennen mit deinem Mund

Für uns ist zunächst einmal überraschend, dass für die Bibel das 

Bekennen mit dem Mund genau so wichtig ist wie das Glauben 

mit dem Herzen. 

Dabei ist mit dem Bekennen nicht das Glaubensbekenntnis in 

unseren Gottesdiensten gemeint – das gab‘s damals noch nicht –, 

sondern das Bekennen in der Öffentlichkeit. 

 

So hatte es ja auch Jesus selbst gesagt »Wer mich bekennt vor 

den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen 

Vater; und wer mich nicht bekennt vor den Menschen, den will ich 

auch nicht bekennen vor meinem himmlischen Vater« (5). 

Mit anderen Worten: Mission im Alltag, Bekennen im Alltag ist die 

eine Seite der Gerechten/Geretteten. 

 

Die Frage sei erlaubt: Wie steht es mit Ihrem Bekennen bei Ihren 

Nachbarn, an Ihrem Arbeitsplatz, in Ihren Freundeskreisen usw.? 

Stimmt Ihre Außenseite als Christ?

 

Die Frage wird noch viel schwieriger, wenn wir genauer hinsehen, 

was der Inhalt unseres Bekennens sein soll: »Wenn du bekennst 

mit deinem Mund, dass Jesus der Herr ist«. 

Ich bekenne also, dass Jesus das Sagen hat. 

Er bestimmt, welche Werte Gültigkeit haben. 

Er bestimmt, wie ein Mensch gerettet wird im Gericht Gottes. 

 

Doch das Bekennen der Christen ist noch viel deutlicher: 

Es geht nicht nur um das Bekennen, dass Jesus »mein« Herr ist, 

sondern dass er »der« Herr ist, d.h. er hat zu bestimmen über alle 

Menschen. 

Seine Werte gelten weltweit, nicht nur bei den Christen. 

Jesus hat für die gesamte Menschheit das Sagen – ob es uns passt 

oder nicht. Dieses Bekennen kennzeichnet den Gerechten/Geretteten. 

 

Natürlich bringt das Konflikte mit sich. 

Ein solches Bekennen gilt in unserer Zeit als überheblich und intolerant. 

Doch allen unseren Kritikern können wir nur antworten: das sagen wir ja 

nicht aus uns heraus, sondern das ist nun einmal die Aussage der Bibel. 

Und dazu stehen wir.

 

 

(2b) Das Glauben mit deinem Herzen

Auch die Innenseite ist überraschend. 

Es geht nicht um meinen Kopf, was mir am christlichen Glauben 

einleuchtet oder wo ich vielleicht noch Probleme mit einigen 

biblischen Aussagen habe. Es geht um mein Herz. 

Worauf baut mein Herz? 

Worauf verlässt sich mein Herz? 

Luther sagt »Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott.« 

 

Ja, woran hängt unser Herz? 

Anders ausgedrückt: Was lässt unser Herz vertrauensvoll in die 

Zukunft sehen?

Dass unsere Rente gesichert ist? 

Dass wir einigermaßen gesund sind? 

Oder dass wir einen Herrn haben, der für uns auf seine unnachahm-

liche Weise sorgt? 

 

Das Herz des Geretteten konzentriert sich nicht auf vielerlei, 

sondern auf eine einzige herrliche Wirklichkeit: Jesus lebt! 

Jesus ist der Herr auch über den Tod. 

Ohne Jesus würde der Tod unweigerlich alles zunichte machen, 

würde er meinem Leben und Mühen allen Sinn nehmen. 

Es wäre letzten Endes alles »für die Katz«. 

Aber durch die Auferstehung Jesu von den Toten hat der Tod seine 

letzte Grausamkeit verloren. 

 

Mehr noch: Jesus ist keine vergangene Größe. 

Er ist gegenwärtig. 

Ich bin nun nicht mehr allein gelassen in meiner Welt. 

Mein Herz vertraut darauf, dass er um mich herum ist in guten wie 

in schlechten Zeiten; 

in Zeiten, in denen ich ratlos bin, wie in Zeiten, 

wo ich mich dankbar zurücklehne. 

Jesus ist da – Herz, was begehrst du mehr? 

 

Wieder die leise Frage an uns: Wem vertraut Ihr Herz? 

Wem vertraut es, wenn Sie um Ihres Bekennens willen angegriffen 

werden? Wem vertraut es, wenn Sie in schweres Leid geraten? 

Wem vertraut es, wenn Sie Ihren Gegnern gegenüber ratlos und 

ohnmächtig sind?

 

 

(3.) Der einzige Rettungsweg für alle Menschen

Noch auf ein Drittes weist uns Paulus hin: dieser Rettungsweg 

mit seiner Außen- und Innenseite ist für jeden Menschen offen.  

 

Wir leben in einer Zeit, in der die Individualität eines jeden Volkes 

wie eines jeden Menschen sehr betont wird. 

Jeder ist ein ganz eigener Mensch mit eigenen Gefühlen und 

Ansichten und Möglichkeiten. 

Das müsse alles als gleich richtig und gleichwertig anerkannt werden. 

 

Solange es sich dabei nicht um Dinge handelt, die andere Menschen 

schädigen, entspricht das sicher der biblischen Aussage, 

dass Gott jeden Menschen als ein ganz eigenes, besonderes 

Geschöpf erschaffen habe. 

Jeder Mensch ist sozusagen ein Unikat Gottes, 

eine einmalige Anfertigung.

 

Der moderne Mensch zieht diese Linie aber jetzt in einer verhängnis-

vollen Weise auch bis in den Glauben hinein aus: 

es könne keinen einheitlichen Glauben geben, 

jeder Mensch habe sein eigenes Gottesbild. 

Das gehöre zur Individualität. 

Da dürfe man nicht das eine richtig und das andere falsch nennen.

 

Aber hier sagt Paulus energisch: Nein! Es gibt nicht einen jüdischen 

Gott und einen griechischen Gott. 

Für heute gesagt: es gibt nicht einen christlichen, einen islamischen, 

einen buddhistischen Gott. Es gibt nur einen Gott. 

Und dieser eine, ewige Gott hat sich uns in Jesus zu erkennen gegeben. 

In keinem anderen als in Jesus Christus. 

 

Natürlich können wir ihn auf verschiedene Weise anbeten – 

z.B. mit modernen oder mit alten Liedern, 

z.B. mit vorformulierten oder mit selbst formulierten Gebeten – 

aber Rettung gibt es nur durch den Jesus, 

der für unsere Schuld ans Kreuz gegangen ist 

und den Gott aus dem Tod erweckt hat. 

 

Und der Rettungsweg heißt: Wer den Namen des Herrn anruft, 

wird errettet. Also nicht einfach einen anonymen Gott anbeten, 

sondern den, der sich uns offenbart hat. 

Also auch nicht einfach denken, dass Jesus Gottes Sohn sei, 

sondern ihn anrufen, anflehen, anbeten. 

Beziehung aufnehmen zu ihm, der seinerseits zu uns die Beziehung 

aufgenommen hat, indem er Mensch geworden ist. 

Ein Glaube ohne diese persönliche Jesus-Beziehung rettet nicht. 

 

In dem anfangs erwähnten Film »Der Hauptmann von Köpenick« 

wird diese Antwort nicht mehr gegeben. 

Aber immerhin die Frage wird offen und deutlich ausgesprochen. 

Sie ist unterschwellig bei viel mehr Menschen da, als wir meinen. 

Gerade die vielen Muslime in unserem Land wissen oft viel 

deutlicher als die sogenannten Christen, dass wir eines Tages vor Gott 

stehen werden. Wer oder was rettet uns dann? 

 

Wir sind unseren Mitmenschen die Antwort schuldig, 

die die Bibel uns heute wieder gegeben hat.   

Amen.

 

Anmerkungen:

(1) Sehr eindrücklich ist die Szene auch in der dem Spielfilm von 1956  zugrundeliegenden dreiaktigen Tragikomödie von Carl Zuckmeyer 

aus dem Jahr 1930 erzählt.

(2) Lukas 19, 10

(3) Matthäus 1, 21

(4) Römer 1, 16

Die Predigt nimmt Vorarbeiten von Pfr. i. R. Jürgen Blunck, Essen, auf. 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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