2010-09-05

Predigt über Römer 8,12-17 / Theologin Ingeborg Fischer, Friesenheim

Wir hören Gottes Wort für diesen Sonntag aus Römer 8,12-17:

12 So sind wir nun, liebe Brüder, nicht dem Fleisch schuldig, dass wir nach dem Fleisch leben. 13 Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen; wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Fleisches tötet, so werdet ihr leben. 14 Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. 15 Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater! 16 Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind. 17 Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden.“

Liebe Gemeinde!

Gelegentlich bieten Modezeitschriften eine Typ- und Farbberatung an. Das sieht dann so aus: Auf der einen Seite des Journals ist eine hübsche, gut gekleidete Frau zu sehen. Aber sie wirkt irgendwie farblos und bieder. Auf der gegenüber liegenden Seite dann die selbe Person noch einmal. Diesmal ist sie ihrem sportlichen Typ entsprechend gekleidet, mit kurzem Haarschnitt und fetziger Frisur. Die Farben der Kleidung sind auf Haar- und Augen-farbe und ihren Teint abgestimmt. Dieselbe Person, – aber kaum wiederzuerkennen. Der Unterschied zwischen vorher und nachher ist gewaltig. 

Auch bei Jüngern Jesu gibt es diesen Unterschied. Paulus schreibt hier an Menschen, die sich zu Jesus Christus bekehrt und mit ihm ein ganz neues Leben begonnen haben. Auch da hat sich zwischen Einst und Jetzt etwas gewaltig verändert! So sehr, dass Paulus an anderer Stelle sagen kann: »Wenn jemand Jesus Christus in sein Leben aufgenommen hat, dann ist er ein neues Geschöpf« (1).

Das Modejournal sagt: Achte auf deinen Typ. Mach aus dir, was du bist. Aber Gott begnügt sich nicht mit ein paar Schönheitsreparaturen unseres alten Menschen. Er macht neue Menschen aus uns. Er macht uns zu seinen Kindern. 

(1. Gottes Geist bringt in Bewegung)

Wenn wir aber in unsere Gemeinden hineinschauen, dann müssen wir uns schon fragen lassen: Wo ist denn etwas von dieser neuen Wirklichkeit sichtbar? Spielen unter Christen Geld und Besitz, Ehre und Ehrgeiz, Sympathie und Antipathie nicht ebenso eine Rolle wie überall sonst auch? Jagen Christen nicht genauso hinter dem Zeitgeist her wie andere Menschen? Ist nicht auch ihr Tun und Denken davon bestimmt? 

Christen sind eben auch nur Menschen, sagen wir dann gern. Ja, das sind sie, und das bleiben sie auch. Und trotzdem stellt Paulus mit Nachdruck fest, wir schulden dem »alten Menschen« nichts mehr. Jesus hat uns freige-kauft. Im radikalen Unterschied zu früher müssen wir nicht mehr nach den Allerweltsmeinungen und -regeln leben. Auch nicht mehr nach unseren eigenen Wünschen. Natürlich können wir es jederzeit wieder tun. Aber wir müssen es nicht mehr. Das steht fest: Gottes Geist will uns immer wieder zu Christus hin bewegen, auch wenn wir manchmal in die entgegengesetzte Richtung streben. 

Vielleicht ist es Ihnen beim Lesen der Bibel oder beim Hören einer Predigt schon einmal klar geworden: Gott will mein Leben. Er will es ganz. Es genügt nicht, dass ich sonntags zum Gottesdienst gehe und mich dann für den Rest der Woche nicht mehr um Gott kümmere. Wie wird eine solche Erkenntnis das Leben verändern! Und es gibt sie, die Menschen in unseren Gemeinden, die unru-hig darüber geworden sind, dass der Gottesdienstbesuch immer mehr nachlässt. Die allein oder zu zweit Men-schen besuchen, die schon lange keinen Bezug mehr zur Gemeinde haben, und sie ganz gezielt einladen. Die sich Zeit nehmen zum Gespräch und sich Fragen aller Art aussetzen. Es gibt sogar Gemeinden, in denen frühmor-gens um 6 Uhr junge Leute zusammenkommen, um für ihren Pfarrer und ihre Gemeinde und die ganze Stadt zu beten. Das alles und noch vieles mehr geschähe nicht, wenn Gottes lebensschaffender Geist nicht immer neu Menschen in Bewegung brächte. 


(2. Gottes Geist schenkt Gewissheit)

Gottes Geist schenkt Gewissheit: Da heißt es zunächst ganz kurz: Diejenigen, die sich von Gottes Geist leiten lassen, die sind Gottes Kinder. Das ist eine Tatsache. Dessen darf ich gewiss sein. Durch den Heiligen Geist bin ich ein Kind Gottes. Jesus, der Sohn Gottes, hat uns zu seinen Brüdern und Schwestern gemacht und damit zu Kindern seines Vaters. Wir gehören zur Familie Gottes. Daran darf ich mich festhalten, – auch in meinem Versa-gen und Zweifeln. Und auch, wenn ich von Gottes Nähe wenig spüre. Nicht unsere Bemühungen und unser Wohl-verhalten machen uns zu Gottes Kindern, sondern allein der, der uns mit dem Geist der Kindschaft beschenkt hat. Wir mögen uns zwar bei weitem nicht immer wie Kinder unseres himmlischen Vaters verhalten. Es ist wie bei einem Schaf, das in den Morast fällt: Dann ist es ja noch lange kein Schwein. Es bleibt ein Schaf, aber es muss wieder gereinigt werden. 

Wir sind Gottes Kinder. Das brauchen wir uns nicht einzureden. Das bezeugt uns Gottes Geist. Deshalb dürfen wir in kindlichem Vertrauen »Abba, lieber Vater« rufen. Abba, – Papa –, das ist das Wort, mit dem schon ein Kleinkind seinen Vater anredet. Darin drückt sich sein ganzes Vertrauen aus, denn es kann ohne die Fürsorge der Eltern ja gar nicht leben. Für ein kleines Kind ist Papa der Größte und Stärkste. Er ist es, der alles kann und weiß und alles wieder zurechtbringt. Darum ist er zuständig für alle kleinen und großen Nöte. 

So dürfen auch wir Gott in unser Leben hinein bitten. Keine Entscheidung müssen wir allein fällen, kein 

Problem allein lösen. Und wenn wir versagt oder etwas verdorben haben, dürfen wir laut um Hilfe rufen: 

Abba, lieber Vater!

Welch ein Geschenk, dass wir so persönlich mit Gott reden und so vertrauensvoll mit seiner Hilfe rechnen dür-fen. Das gibt es in keiner anderen Religion. Der verstor-bene Theologe und Sprachwissenschaftler Friso Melzer erzählte einmal, wie er in Indien mit hochgelehrten Hin-dus über das Vaterunser sprach. Für sie war dieses Gebet unmöglich. Und der Gedanke, dass sich der große All-Geist Gott um die kleinen menschlichen Belange kümme-re, war für sie absurd (2).

(3. Gottes Geist zeigt uns das Ziel)

Dass wir Gottes Kinder sind, hat nicht nur für unser Le-ben hier und jetzt Auswirkungen, sondern auch für unsere Zukunft. Denn unser Leben hat nicht nur einen Sinn, es hat auch ein Ziel. Wenn wir Kinder sind, dann sind wir auch Erben. Rechtsgültige Erben Gottes und Miterben Christi. Was der Sohn bekommt, das bekommen auch wir. Der Apostel Petrus schreibt in seinem Brief von ei-nem »unvergänglichen, unbefleckten und unverwelkli-chen Erbe« (3), das im Himmel für uns aufbewahrt ist. Damit will er sagen, dass uns das Erbe sicher ist. Es ist nicht etwa dort gelagert, wo Motten und Rost es fressen oder wo Diebe es stehlen können. Nein, Gott selbst be-wahrt es im Himmel für uns auf – das ewige Leben in seinem Reich. Die Bibel spricht nur sehr verhalten davon, denn es bleibt für uns ja unvorstellbar. Es wird ein Leben ohne Leid, Schmerz und Tränen sein (4), ein Leben in ungebrochener Gemeinschaft mit Gott, – »wir werden beim Herrn sein allezeit« (5). Jesus selbst ist hingegan-gen, uns »die Stätte zu bereiten« (6). Wir werden unsere Wohnung im Vaterhause Gottes erben. Das ist gewiss!

Aber noch leben wir hier auf der Erde, wo auch gekämpft und gelitten wird. Jesu Weg führte durch Leiden zur Herrlichkeit. Da kann der Weg der Jünger nicht anders sein. Die Leiden mögen ganz verschieden sein. Vielleicht werde ich schwere Wege geführt mit Krankheit, Krisen oder Tod in der Familie. Aber dann ist da auch das Lei-den an dieser zerrissenen Welt, mit all dem Unsagbaren, was in ihr geschieht. Das Leiden, dass man hilflos zuse-hen muss, wie Menschen sich abwenden, weil sie an ei-nen Gott, der all das zulässt, nicht glauben können. Im Gegensatz zu ungezählten Christen in aller Welt erleiden wir keine Verfolgung. Und doch leiden Jünger Jesu an dem immer stärker werdenden Atheismus mit seiner Christusfeindlichkeit. Aber da wird uns die befreiende Zusage gemacht: So gewiss wir mit Christus leiden, wer-den wir von ihm auch zur Herrlichkeit erhoben werden. 

(Schluss: In Christus sein – aus aller Gebrochenheit zur Vollendung)

Gottes Geist setzt in Bewegung, er macht uns unseres Heils gewiss und führt uns ein herrliches Ziel vor Augen. Und in dem allen verändert er uns auch. Dennoch sind wir oft genug nicht als Kinder unseres himmlischen 

Vaters zu erkennen. Aber Gott lässt sich nicht aufhalten. Er wird das gute Werk, das er in uns begonnen hat, vollenden (7), Und einmal werden wir ihm gleich sein und ihn sehen, wie er ist (8).   Amen. 

(1) Vgl. 2. Korinther 5, 17

(2) Aus: Irmela Hofmann, Wenn ihr betet – 

Gedanken zum Vaterunser, Brendow-Verlag, 1987, Seite 3

(3) 1. Petrus 1, 4

(4) Offenbarung 21, 4

(5) 1. Thessalonicher 4, 17

(6) Johannes 14, 2.3

(7) Philipper. 1, 6

(8) 1. Johannes 3, 2  




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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