2010-04-04 Ostersonntag

Predigt über 1. Kor 15,1-11 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde,

es ist vor einigen Jahren in einer Dorfkirche in Niedersachsen passiert. 

Die Gemeinde freut sich auf einen schönen Ostergottesdienst. 

Der Organist zieht alle Register und greift in die Tasten, 

der Kirchenchor singt in den höchsten Tönen. 

Dann steigt der Pfarrer auf die Kanzel hinauf.

Aber anstatt mit der Predigt zu beginnen, holt er Rasierschaum und 

Pinsel hervor und beginnt, sich in aller Seelenruhe zu rasieren. 

Die Gottesdienstbesucher schüttelen den Kopf, manche lachen leise, 

Unruhe breitet sich aus. 

Der Pfarrer lässt sich nicht stören, bis er seinen sonderbaren 

Auftritt abgeschlossen hat. 

Dann sagt er: »Wenn Sie nachher nach Hause gehen und erzählen, 

was Sie gerade gesehen haben, dann werden alle sagen: 

Das glaube ich nicht! 

Das kann doch nicht wahr sein! 

Genauso war es an Ostern, als die Jünger verkündigt haben: 

Jesus ist auferstanden!«

Die Kanzel ist wohl nicht der richtige Ort, um sich zu rasieren. 

Aber dieser Kollege hat trotzdem die Sache auf den Punkt gebracht: 

Ostern ist einfach unglaublich! 

Ostern stellt alles auf den Kopf, was wir Menschen über die Welt 

und das Leben zu wissen glauben. 

Im Schwäbischen sagt man: »Umsonst ist nur der Tod – und der 

kostet das Leben«. 

Aber Ostern sagt: Der Tod ist nicht mehr todsicher. 

Gott ruft Jesus zurück ins Leben. 

Nichts und niemand kann Menschen, die ihm gehören, trennen 

von seiner Liebe. Einfach unglaublich.

Unglaublich – das sagt auch der Mann auf der Straße 

und mit ihm viele Zeitgenossen. 

Dass Jesus ein besonderer Mensch war, 

dass er viel Gutes getan hat, 

dass seine Botschaft der Nächstenliebe wichtig ist, 

dass er unschuldig am Kreuz sterben musste – da sind sich alle einig,

das wird von niemand angezweifelt.

Aber dass er nach drei Tagen auferstanden ist? 

Dass Gott seinen Sohn nicht dem Tod überließ, 

sondern ihm neues Leben geschenkt hat? 

Da schütteln viele den Kopf, das wollen sie nicht wahrhaben. 

»Es ist noch keiner zurückgekommen«, sagt der Volksmund. 

»Eine Auferstehung ist medizinisch unmöglich«, sagt der Arzt, 

der schon viele Totenscheine unterschrieben hat. 

»Ich glaube nur, was ich sehe«, sagen moderne Menschen und 

halten die Bibel für ein Märchen. 

Aber wenn wir meinen, erst unser aufgeklärtes Zeitalter würde an 

der Auferstehung zweifeln, dann liegen wir falsch. 

Die Menschen zur Zeit der ersten Christen hatten die gleichen Fragen. 

Sie versuchten, eine Erklärung für das leere Grab zu finden. 

»Die Jünger haben seinen Leichnam gestohlen« – diese Lüge 

ließen die Mitglieder des jüdischen Hohen Rates in die Welt setzen. 

Mit viel Geld erkauften sie eine Falschaussage von den römischen 

Soldaten, die vor dem Grab Wache gehalten hatten (Matthäus 28, 11ff). 

Andere behaupten, Jesus sei am Kreuz nur scheintot gewesen und 

in der Grabkammer wieder aus seiner Ohnmacht erwacht. 

Von Anfang an ist die Auferstehung geleugnet und als Schwindel 

abgetan worden. 

Aber die Jünger Jesu blieben dabei und haben sich nicht beirren lassen: 

»Er ist wahrhaftig auferstanden«. 

Und davon spricht auch unser heutiger Predigttext. 

Denn auch in der Gemeinde in Korinth werden kritische Fragen gestellt. 

Die Auferstehung wird nur als ein geistliches Geschehen verstanden. 

Schon jetzt haben die Christen die Gaben des Heiligen Geistes und 

brauchten nicht mehr auf die Auferweckung der Toten am Ende der Zeit 

zu warten. 

Dem widerspricht Paulus mit Nachdruck: Die Auferstehung ist Wirklichkeit, 

damals am Ostermorgen genauso wie in der zukünftigen Herrlichkeit. 

Und so fasst der Apostel im 1. Korintherbrief, Kapitel 15 zusammen,

was es zu diesem Thema zu wissen und zu sagen gibt. 

Paulus schreibt an seine Gemeinde, nachzulesen in 1. Korinther 15, 1-11:

1 Ich erinnere euch aber, liebe Brüder, an das Evangelium, das ich euch 

verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest 

steht, 2 durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr's festhaltet in der 

Gestalt, in der ich es euch verkündigt habe; es sei denn, dass ihr 

umsonst gläubig geworden wärt. 3 Denn als Erstes habe ich euch 

weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus 

gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; 4 und dass er begraben 

worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der 

Schrift; 5 und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von 

den Zwölfen. 6 Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert 

Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige 

aber sind entschlafen. 7 Danach ist er gesehen worden von Jakobus, 

danach von allen Aposteln. 8 Zuletzt von allen ist er auch von mir als 

einer unzeitigen Geburt gesehen worden. 9 Denn ich bin der geringste 

unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße, 

weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. 10 Aber durch Gottes Gnade 

bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, 

sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern 

Gottes Gnade, die mit mir ist. 11 Es sei nun ich oder jene: so predigen 

wir und so habt ihr geglaubt.“


Was Paulus hier schreibt, sind Worte ohne jeden Zweifel. 

Woher nimmt der Apostel diese Gewissheit? 

Was gibt ihm die Sicherheit, die Auferstehung voller Überzeugung zu 

verkündigen? 

Ganz einfach: Paulus hat mit Augenzeugen gesprochen und ist selber 

ein Augenzeuge. 

Die Predigt von Ostern, das macht der Apostel klar, hängt nicht in der Luft, 

sondern ist fest in der Geschichte des Jahres 30 nach Christus verankert. 

Früher ist in der Kirche gern das Lied  »Ein Schiff, das sich Gemeinde 

nennt« gesungen worden. 

Wie eine Ankerkette ein Schiff an seinem Platz hält, so ist die Kirche 

in der Auferstehung verankert. 

Und eine Ankerkette setzt sich aus vielen Gliedern zusammen. 

Paulus nennt eine ganze Kette von Zeugen: Petrus, die zwölf Jünger, 

mehr als 500 Gläubige. 

Vielleicht fragen Sie jetzt: Was ist mit den Frauen, die am Ostermorgen 

als erste das leere Grab entdeckt haben? 

Vielleicht werden deshalb nur Männer genannt, 

weil die damalige Zeit nur ihnen eine gerichtsfeste Aussage zugetraut hat!? 

Aber aus den Berichten der Evangelien wissen wir, 

dass der auferstandene Jesus gerade den Frauen zuerst begegnet ist

(Matthäus 28, 9). 

Sie haben unter dem Kreuz ausgeharrt, 

sie haben seinen Leichnam ins Grab gelegt (Matthäus 27, 55f.61; 28, 1). 

Und nicht einmal die Jünger konnten anfänglich glauben, 

was Maria und die anderen zu berichten hatten (Lukas 24, 10). 

Die Frauen vom Ostermorgen stehen an erster Stelle unter den mehr 

als 500 Gläubigen, die den auferstandenen Christus leibhaftig 

gesehen haben. 

Der Apostel führt uns an den Ankerpunkt der Heilsgeschichte. 

Er macht nicht viele Worte, sondern fasst die Botschaft zusammen, 

die er im Auftrag Gottes zu verkündigen hat: »Dass Christus gestorben 

ist für unsere Sünden nach der Schrift; und dass er begraben worden 

ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift« 

(Vers 3.4). Und dann fängt die lange Kette der Osterzeugen an, 

die bis zu Paulus selber reicht. 

Der Apostel ist last, but not least, letzter, aber nicht der Letzte. 

Auch ihm ist der auferstandene Jesus erschienen, 

auch er hat sich mit eigenen Augen von der Wahrheit der Osterbotschaft 

überzeugen können.

Und von Paulus führt die Kette weiter durch die Jahre seiner Missions-

reise und die Menschen, die durch ihn zum Glauben gekommen sind: 

Der junge Timotheus, 

die Purpurhändlerin Lydia, 

der Kerkermeister von Philippi. 

Die Osterbotschaft wandert von Israel über die heutige Türkei nach 

Griechenland und Europa. 

Die Osterbotschaft geht durch die Jahrhunderte, fest und stark im 

Zeugnis der Apostel, verankert im Sterben und Auferstehen Jesu. 

Aber da ist nicht nur Freude und Sieg. 

Zu manchen Zeiten und an manchen Orten sind die Christen verfolgt worden, 

viele sind für die Auferstehungshoffnung sogar in den Tod gegangen. 

Aber ihr Glaube hat ihnen Kraft gegeben, an ihrer Überzeugung festzuhalten. 

Am 9. April vor 65 Jahren ist der evangelische Pfarrer und Widerstands-

kämpfer Dietrich Bonhoeffer von den Nazis hingerichtet worden. 

Als sie ihn im KZ Flossenbürg die Stufen zum Galgen hinauf geführt haben, 

da sagt ein Gestapooffizier zu ihm: »Das ist das Ende«. 

Aber Bonhoeffer widerspricht: »Nein, das ist der Anfang!« 

Das waren seine letzten Worte: »Das ist der Anfang!« 

Er hat darauf vertraut: Der Christus, der an Ostern von den Toten aufer-

standen ist, wird auch mir neues Leben schenken. 

So geht die Kette der Osterbotschaft durch die Jahrhunderte. 

Sie verbindet Menschen verschiedenster Herkunft. 

Menschen, die ganz unterschiedlich Verantwortung zu übernehmen 

hatten. 

Friedrich Raiffeisen z. B., der sich als Christ mit einer Genossenschaft 

für notleidende Landwirte eingesetzt hat und viele andere. 

Eine lange Kette, die in der Auferstehung verankert ist. 

Auch viele von uns gehören dazu. 

Jeder, der glaubt; 

jeder, der sich zu Jesus Christus bekennt, gehört dazu. 

Jeder kann Teil dieser Kette werden. 

»Ach nee,« sagen jetzt vielleicht manche, »ich doch nicht. Ich habe keinen 

solchen Glauben. Mir ist das alles fremd.« 

Wissen Sie was? Genauso ist es Paulus ergangen. 

Ursprünglich hieß er Saulus und war ein jüdischer Schriftgelehrter 

mit glänzenden Zeugnissen. 

Aber das Gerede vom auferstandenen Christus hat er nicht ertragen können. 

Ein gekreuzigter Verbrecher als Messias – das ist Gotteslästerung! 

Paulus hat die Christen gehasst und verachtet. 

Er hat seine ganze Kraft dafür eingesetzt, den Christus-Glauben auszurotten. 

Als der erste Märtyrer Stephanus gesteinigt wird, 

da steht er daneben und freut sich darüber (Apostelgeschichte 8, 1). 

Und bald darauf macht Paulus sich auf den Weg nach Damaskus, 

um die Christen dort einsperren zu lassen. 

Aber dort auf der Straße umstrahlt ihn plötzlich ein heller Schein. 

Er fällt herunter von seinem hohen Ross. 

Und er hört eine Stimme: »Ich bin Jesus, den du verfolgst« 

(Apostelgeschichte 9, 5). 

Da ist Paulus ein Licht aufgegangen.  

Wie blind ist er nach Damaskus getappt.

Aber in seinem Innern ist im ein Licht aufgegangen. 

Er erkennt: Ich habe den auferstandenen Christus gesehen. 

Die Osterbotschaft ist wahr!

Paulus musste von seinem hohen Ross runter, 

bevor er glauben konnte. 

Aber dann war er Feuer und Flamme. 

Keiner der anderen Apostel war so rastlos unterwegs wie er. 

Keiner hat der Kette der Osterzeugen so viele neue Glieder 

hinzugefügt. Das war sein Evangelium: Gott hat Christus von den 

Toten auferweckt. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!

Am eigenen Leib hat Paulus erlebt, dass diese Botschaft einen 

Neuanfang bedeutet. 

Eindrücklich beschreibt sich der Apostel im Rückblick als »unzeitige 

Geburt« (Vers 8) – das heißt, ich war nicht lebensfähig, 

ich hatte eigentlich keine Chance. 

Aber jetzt darf Paulus dankbar bekennen: »Durch Gottes Gnade 

bin ich, was ich bin« (Vers 10). 

Sein Zum-Glauben-kommen ist ein Auferstehungswunder gewesen. 

Als er aus dem Straßenstaub aufgestand ist, da war er ein anderer Mensch, 

da hat für ihn ein neues Leben begonnen. 

Ein Leben in der Gemeinschaft mit dem auferstandenen Jesus, 

ein Leben in seiner Nachfolge, ein Leben mit Ewigkeitswert 

und ohne Verfallsdatum.

Und jetzt sind wir gefragt: Soll bei uns alles so bleiben wie es ist? 

Leben wir unsere 70 oder 80 Jahre bis zum Ende und kommen 

dann auf den Friedhof? 

Oder haben wir eine Hoffnung, die über den Tod hinausreicht? 

Leben wir in der Gemeinschaft mit Gott, der uns die Osterfreude 

schenkt? 

Auch wir können den neuen Anfang wagen. 

Auch wir sollen aus dem geistlichen Tod auferweckt werden zu 

neuem und ewigem Leben. 

Gott lädt uns ein zum Glauben an Jesus Christus. 

Auch wir dürfen uns einreihen in die Kette derer, die in der Auferstehung 

ihren Ankerpunkt haben. Amen.

(Diese Predigt nimmt die Vorarbeiten von Pfarrer Tobias Geiger, Sielmingen auf). 

Hier geht's zu den Bildern vom Osterfrühstück




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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