2010-04-02 Karfreitag

Predigt über 2. Kor 5,14-21 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören auf den Predigttext für den Karfreitag aus dem 2. Brief

des Apostels Paulus an die Korinther, Kap. 5, die Verse 14-21:

"Denn die Liebe Christi drängt uns, zumal wir überzeugt sind, dass, 

wenn einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben. 

Und Jesus ist darum für alle gestorben, damit, die da leben, jetzt

nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben 

und auferstanden ist. 

Deshalb kennen wir von nunan niemand mehr nach dem Fleisch;

und auch wenn wir Christus gekannt haben nach dem Fleisch, 

so kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr.

Darum: Ist jemand in Christus, dann ist er eine neue Kreatur; das

Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

Aber das ist alles von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat 

durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung

predigt. 

Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber

und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns auf-

gerichtet das Wort von der Versöhnung.

So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott ermahnt

durch uns; 

so bitten wir nun an Christi Statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!

Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde 

gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt" 

Liebe Gemeinde, 

vor etwa einem Jahr ist die deutschlandweit bekannte Versandhaus-

firma "Quelle" nach mehreren Sanierungsversuchen zum Ausverkauf

freigegeben worden. Insolvenz war der Grund. 

Und das nach einer beispiellosen Erfolgsgeschichte in den Nachkriegs-

jahren. Zuletzt aber wirtschaftlich ins Trudeln geraten. Nicht mehr zu retten. 

Trotz intensiver Bemühungen hat sich kein Investor gefunden, 

der die Versandfirma aufkaufen und übernehmen wollte. 

Sie war zu verschuldet, die Zukunftsaussichten zu trübe und ungewiss!  

So  blieb dem Insolvenzverwalter nur die Zerschlagung des 

Unternehmens, er ging daran, die einzelnen Firmenteile einzeln 

"abzuwickeln", wie das dann beschönigend heißt. 

Und die Firma Quelle ist leider kein Einzelfall in den vergangenen Jahren!

Vielleicht kommt es Ihnen jetzt als Zumutung vor, wenn ich auch unser

menschliches Leben einmal mit einer insolventen, abgewirtschafteten 

und überschuldeten Firma vergleiche. 

Aber Paulus, von dem unser Bibelwort heute stammt, hat das mit 

etwas anderen Worten getan. In Römer 3, Vers 23 sagt er 

unumwunden: 

"Es gibt hier keinen Unterschied. 

Alle (Menschen auf dieser Erde) haben gesündigt und die 

Herrlichkeit verloren, die Gott ihnen (einst) zugedacht hat."

Er sagt damit: Wir sind überschuldet, und aus der Schuldenfalle 

können wir uns mit eigener Kraft nicht mehr befreien! 

Über unserem Leben kreist der Pleitegeier. 

Es bleibt nur noch die Zerschlagung, die Abwicklung, ja letztlich 

der Tod übrig! 

So beinhart ist die Lage, sagt der Apostel.

Selbst eine Insolvenz, also der Versuch, aus dem Verhandenen 

noch einen Vergleich mit dem Gläubiger hinzubekommen, 

scheidet von vorneherein aus: Mangels Masse, die Konkurs-Masse

ist einfach zu gering. 

Kein Investor kann daran noch Interesse haben!

Aber dann ist an Karfreitag das Wunder passiert

und Paulus beschreibt es in unserem Predigttext heute so:

"Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber 

und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu." 

Jesus Christus bezahlte am Kreuz für unsere Überschuldung.

Er investierte in unser insolventes Leben. 

Und machte so nochmal einen Neueanfang möglich.

Darüber, welche Konsequenzen dieses Kreuz für Christen jetzt hat, 

spricht Paulus hier zu den Korinthern:

(Fünf Stichworte dazu:)

1. Besitzerwechsel

"Er ist darum für alle gestorben, damit, die da leben, hinfort nicht

sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstan-

den ist."

Den neuen Besitzer, liebe Gemeinde, hat es viel gekostet, uns von 

unserer Überschuldung zu befreien. 

Er hat dafür sein Leben eingesetzt.

Christen gehören deshalb nicht mehr sich selber, sondern ihm. 

Ihre Schaffenskraft, ihre Zeit, ihre Phantasie und Energie, 

sie gehören jetzt ihm.

Jesus Christus ist jetzt ihr Chef.

Das sieht zunächst wie eine unangenehme Einschränkung aus, 

ist es aber genau besehen überhaupt nicht. 

Weil ein überschuldetes Unternehmen keinen Handlungsspielraum

mehr hat, an der Wand steht, 

ein von den Schulden befreites dagegen ganz neu in die Zukunft 

blicken kann. 

Erst ein von Schuld befreites Leben ist ein freies Leben 

mit vielen Möglichkeiten zur Entfaltung. 

2. Perspektivenwechsel

Der neue Besitzer bringt neue Ideen und neue Perspektiven mit. 

Jesus Christus gibt den Menschen, die er entschuldet hat, 

eine ganz neue Sichtweise: "Darum kennen wir von nun an niemanden 

mehr nach dem Fleisch." 

Mit dieser für uns seltsam klingenden Ausdrucksweise beschreibt 

Paulus eine großartige Verwandlung unserer Sichtweise:

Jesus Christus befreit von unserer alten - menschlichen - Perspektive, 

vom eigensüchtigen Denken, von Lebensinhalten und Zielen, 

die vielleicht "alle" haben und leben, die aber in den Ruin führen

Da wird mein heißgeliebtes Hobby, das bisher so viel Zeit und Kraft 

beanspruchen kann, dass es in meinem Leben - praktisch - vor 

dem Gottesdienst und meinem Einsatz für Jesus steht, 

plötzlich enttarnt und ich setzte es bewusst an die zweite oder dritte

Stelle in meinem Leben - Perspektivenwechsel!

Wen Christus entschulden durfte, der kriegt eine neue Perspektive, 

die Jesus und seine Führungsrolle für mein Leben, 

aber auch alle Menschen um mich herum, 

mit den Augen der Liebe Gottes, aber auch der Barmherzigkeit sieht. 

In einer Firma, in der die Mitarbeiter nicht wie lästige Konkurrenten 

aufeinander losgelassen werden, verändert sich das Betriebsklima!

Auch den Christen in Korinth hat das Paulus mit auf den Weg gegeben. 

Und er sagt es uns heute in Dennach und in Schwann. 

Nur der von Jesus Christus geschenkte Perspektivwechsel macht es, 

dass wir die Menschen richtig kennen, 

dass wir sie erkennen als Menschen, die Gott mindestens so 

sehr wie mich nach Hause liebt. 

Und er beginnt, wo ich mich zum Gekreuzigten hinwende. 

Umgekehrt braucht es uns nicht verwundern, wenn heute der Karfreitag

in den Köpfen der meisten Menschen immer mehr an Bedeutung verliert. 

Auch das drückt viel aus in der Frage, von wem oder was ein Mensch

sich leiten lässt ...

Das ist für mich ein ganz wichtiger Punkt geworden: "Die Liebe Christi

drängt uns ..." (V14) und diese Liebe kommt in das Herz eines Menschen

mit seiner Bekehrung, die dem "alten" (in umgekehrter Perspektive 

angelegten) Leben absagt um jetzt Jesus als neuem Firmenlenker folgt. 

Damit sind wir beim 

3. Imagewechsel

Ist ein Unternehmen einmal insolvent und alle Welt weiß davon, 

dann haftet dieses negative Image an ihr wie ein Klotz am Bein. 

Und sie muss versuchen, so schnell wie möglich das Verlierer-Image

wieder los zu werden. 

Das ist dann die Aufgabe von Marketingexperten, die mit viel 

Hirnschmalz, Know how und Geld daran gehen, wieder für ein 

gutes Image zu sorgen. 

Erst wenn der Imagewechsel erfolgreich angelaufen ist, haben 

die Produkte des Unternehmens wieder eine Chance am Markt 

(Wer würde sonst z. B.  für Garantieleistungen und Ersatzteile bürgen 

können?). Erst dann geht es wieder aufwärts. 

Für diesen Imagewechsel in einem Leben sorgt Jesus Christus, 

liebe Gemeinde. 

Aber nicht nur für einen Wechsel des äußeren Erscheinungsbilds, 

das ja auch Etikettenschwindel sein könnte, 

Vortäuschung falscher Tatsachen, 

nein, Jesus leitet einen Imagewechsel im eigentlichsten Sinn 

des Wortes ein. 

Denn hinter dem Wort "image" steht das lateinische Wort "imago" 

("Bild").

Nach seinem Bild hat Gott den Menschen einst entworfen und geschaffen. 

Aber durch die Sünde und ihre Folgen ist davon nur noch ein kläglicher

Rest geblieben. 

Durch die Sünde sind wir von Natur aus keine Kinder Gottes mehr, 

sondern von ihm getrennte, verlorene Kinder. 

"Imagewechsel" bedeutet deshalb, dass Gott am Kreuz die 

zerbrochene Gott-Ebenbildlichkeit wieder herstellt. 

"Das Alte ist vergangen ... siehe, ein Neues ist geworden ..."

Für einen Imagewechsel muss Gott den Menschen noch einmal von 

Grund auf neu erschaffen, geistlich betrachtet.  

Am Kreuz schafft Gott dafür die Voraussetzungen: Die Macht der 

Sünde wird zerbrochen. 

Der Tod ist nicht mehr das Letzte. 

Ab jetzt können neue Menschen geboren werden, 

Menschen, die der Sünde nicht mehr dienen, 

sondern Jesus Christus. 

"Ist jemand in Christus, dann ist er eine neue Kreatur; 

das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden."  stellt Paulus 

mit großer Begeisterung fest. 

Der alte Grundsatz "Es gibt nichts Neues unter der Sonne" gilt 

nicht mehr, ist endgültig passé. "Jesus can ..."

4. Aufgabenwechsel

Ist die Firma einmal erfolgreich saniert worden,

dann ist das nicht selten verbunden mit einer Neuausrichtung der 

Produktion und einem Umbau in der Führung,

die das Unternehmen dann wieder zukunftsträchtig macht. 

Viele Firmen entdecken ganz neu die Bedeutung von Kundennähe, 

Service und Dienstleitung.

Das Alte - "abwarten, bis einer was bestellt und dann liefern wie's 

halt geht ..." - kann jetzt nicht mehr genügen. 

Die Aufgabenbeschreibung im neuen Unternehmen ist jetzt viel 

weit reichender: Auf mögliche Kunden direkt zugehen, kreativ und

phantasievoll Wege zu ihnen suchen ... 

Das gilt auch für Christen, dieser Aufgabenwechsel.

Paulus sagt hier: "Gott hat uns durch Christus das Amt gegeben, 

das die Versöhnung predigt". 

Das Wort, das Luther mit "Amt" übersetzt hat, heißt im Griechischen

"diakonia". Da sieht man, dass "Diakonie" weit mehr als soziale Tat ist. 

Die eigentliche Dienstleistung ("Diakonie") der Christen an den 

Menschen soll darin bestehen, dass sie ihnen die Versöhnung 

nahebringen, sie predigen in Wort und Tat. 

Sie sollen also von Jesus erzählen, der sie mit Gott versöhnt. 

Und das schließt natürlich auch die praktische Hilfe mit ein. 

Eigentlich müsste es doch selbstverständlich sein, dass Christen 

anderen von dem berichten, der ihr eigenes insolventes Leben neu 

gemacht hat, der sie auf einen neuen, zukunftsweisenden Kurs 

gebracht hat, oder etwa nicht?!

Für Paulus war das selbstverständlich.

Er sieht sich regelrecht als Botschafter an Christi Statt. 

Gibt es nicht auch bei uns in Dennach und Schwann wirklich viele, 

viele Menschen mit einem vielfach beladenen Leben, 

mit einem Leben, mit dem sie nicht mehr zurecht kommen

und die im Grunde ihres Herzens schon lange darauf warten, 

dass sie einer liebevoll und einfühlsam in die Nähe von Jesus

bringt, ihnen Mut macht und sie einlädt:

 "Lass Dich doch versöhnen mit Gott!"

Auch für Dich gibt es einen neuen Anfang!

Und ich helfe Dir gerne dabei ...

Noch ein Wechsel ist hier angesprochen: 

5. Zielgruppenwechsel

Während insolvente Unternehmen sich schon viel zu lange um sich 

selbst und ihre hausgemachten Probleme gedreht haben, 

sind kundenorientierte Unternehmen in der Regel viel erfolgreicher!

Das lässt sich auch auf den Glauben übertragen. 

Wer noch ein Leben ohne Versöhnung in Christus lebt, 

dessen Leben muss sich ebenfalls nur um sich selber und die 

eigenen Probleme drehen. 

Jesus Christus aber verändert diesen Blick.

Denn er hat am Kreuz von Golgatha die ganze Welt im Blick gehabt:

"Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber!"

Um nichts Geringeres als um die Versöhnung der Welt geht es!

So schön und gemütlich es auch in Dennach und Schwann ist.

Der Apostel schreibt es den Korinthern und uns ins Stammbuch: 

Hört her: Die ganze Welt soll von der Versöhnung erfahren. 

Die Mission beginnt vor der eigenen Haustür.

An meinem Arbeitsplatz, in meiner Klasse und bis heute spricht

Gott Berufungen aus für die weltweite Missionarbeit. 

Alle sollen das Angebot der Versöhnung hören, 

bei uns hier im Ort,  in Deutschland, in Europa, 

auf der ganzen Welt. "Die Liebe Christi drängt uns ...",

schreibt Paulus. Auch uns?

Die Weltmission hat ihren Ursprung am Kreuz von Golgatha 

und am leeren Grab ganz in der Nähe des Kreuzes genommen.

Diese Aufgabe fordert die Christen ganz. 

Die ganze Welt ist Zielgruppe der Versöhnung, nicht nur wir selber.

Deshalb gibt's in unserem Kirchenbezirk missionarische

Programme wie die "Zelttage" in Neuenbürg ab 1. Mail oder die 

"Zeltwochen" in Feldrennach im September.

Ich mache ihnen Mut, selber hinzugehen und andere einzuladen!

Deshalb machen wir Jugendarbeit, Kindergottesdienst, Glaubenskurse  ..., 

weil uns die Liebe Christi drängt ... und weil die Zeit läuft ...

denn jeden Tag und jedes Jahr sterben Menschen ohne Hoffnung. 

Manchmal werden insolvente Unternehmen aber auch das Opfer

von Finanzhaien, die gar kein Interesse daran haben, eine Firma

wieder auf gesunde Beine zu stellen, 

sondern die nur am Know How interessiert sind, 

die einen lästigen Konkurrenten einfach loswerden wollen. 

Wie gut, dass wir solche Befürchtungen bei Jesus wirklich nicht

zu haben brauchen.

Dafür bürgt sein Kreuz!

Hier hat er gezeigt, was wir ihm wert sind: Es selber ist für uns 

an diesem Ort einen furchtbaren Tod gestorben. 

Jeder, der dem Führungswechsel in seinem Leben zustimmt, 

wer dem Auferstandenen sein Leben anvertraut, 

wird die Erfahrung machen, dass sich dadurch in seinem Leben 

so gut wie alles verändert. Zum Guten. 

Der Besitzer - die Perspektive - das Image - die Aufgabe und 

die Zielgruppe. 

"Jesus can ..."

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 21.10.2018
9:15 Uhr:
Kirchweih in der Schwabentorhalle in Dennach (Pfarrer Held)
10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikant Schäfer)
Dienstag, 23.10.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 24.10.2018
18:00 Uhr in Schwann:
Gitarre für Anfänger
19:00 Uhr in Schwann:
Gitarre für Fortgeschrittene
20:00 Uhr in Schwann:
Hauskreis Tankstelle für junge Erwachsene bei Steffi