2010-03-28

Predigt über Philipper 2,5-11 / Pfarrer Siegbert Betz, Grabenstetten

Wir hören Gottes Wort für diesen Sonntag aus Philipper 2,5-11:
„5 Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht: 6 Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, 7 sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. 8 Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. 9 Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, 10 dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, 11 und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.“

Liebe Gemeinde,
immer wieder begegnen wir Christen, die ein Armband mit der Aufschrift »W.W.J.D.« tragen. »What would Jesus do?« – »Was würde Jesus tun« bedeutet diese Ab-kürzung. Durch dieses Armband wollen die meist jünge-ren Christen im Alltag immer wieder an die Frage erin-nert werden: »Was würde Jesus tun?« Was würde er tun, jetzt in diesem Augenblick, jetzt in der Entscheidung, die ich zu treffen habe. Was würde er tun, wenn er meinem Vorgesetzten begegnet? Oder in der angespannten Situation in meiner Familie? In der Begegnung mit diesem oder jenem Gemeindeglied?

Unser Predigttext stellt uns vor dieselbe Frage. Mehr: Er malt uns das Beispiel des Lebens von Jesus vor Augen. So, sagt Paulus: So sollt ihr auch leben, so sollt ihr »unter euch gesinnt sein«. Es geht also darum, konkret über Jesu Leben nachzudenken. Dann soll die Gesinnung, die wir in Jesus sehen, unsere eigene werden; seine Prinzipien sollen unsere Prinzipien werden; sein Denken und Han-deln soll unser Denken und Handeln bestimmen. Dazu stellt uns Paulus den sogenannten »Philpperhymnus« vor Augen, ein Glaubensbekenntnis, wie es die Gemeinden schon zur Zeit des Paulus formuliert hatten. Dreierlei wird uns daran deutlich:

1. Jesus unterwirft sich total – freiwillig


Zunächst wird hier Jesus beschrieben, wie er vor seiner Menschwerdung war: »in göttlicher Gestalt«, »Gott gleich«. Das bedeutet nicht, dass er nur die äußere Form Gottes hatte, so aussah wie Gott. Die »Gestalt Gottes« zeigt, wer Gott ist. Gottes Gestalt zeigt uns sein Wesen und wie er sich den Menschen gegenüber verhält. Beim Blick in die Bibel fällt auf, dass nirgends Gott oder seine äußere Erscheinung beschrieben werden. Selbst wenn Gott mit menschlichen Zügen dargestellt wird, sind dies nur Vergleiche, sein Handeln darzustellen. Z.B. wenn von seinem Arm, Mund oder seinem Auge die Rede ist, wird damit deutlich gemacht, wie er uns behandelt, mit uns redet, oder uns sieht.

Nun sagt unser Text: Jesus war in göttlicher Gestalt. Das bedeutet, dass er denselben himmlischen Lichtglanz der Herrlichkeit und Unnahbarkeit des himmlischen Vaters hatte – eine für uns unvorstellbare Pracht (eventuell mit dem Prunk in einem Königsschloss oder Palast vergleich-bar, was aber nichts ist gegenüber Gottes Herrlichkeit). Dazu gehört die göttliche Allmacht, seine Allwissenheit und Allgegenwart. Alles, was wir aus der Bibel als »Eigenschaften Gottes« kennen. Jesus hatte das alles zu seiner Verfügung; alles war ihm unterworfen und alles hatte sein Leben aus ihm, wie es am Anfang des Johan-nesevangeliums steht (1). Kurz gesagt: Jesus war einfach Gott gleich und damit Herr über alles.

Das ist nicht nur eine hohe Stellung, die er hatte, sondern das ist sein ganzes Sein, seine Art, sein Wesen. Und trotzdem hält er nicht daran fest. Er klammert sich nicht daran wie ein ertrinkender an den Rettungsring. Nach unseren Vorstellungen hätte er eigentlich in seiner Herr-schaft, Ehre und Herrlichkeit bleiben müssen. Doch Jesus hielt nicht daran fest wie an einem Besitz; er dachte nicht einmal daran, dass er mit Gewalt daran festhalten sollte wie das Raubtier an seiner Beute. Aus freien Stücken, ohne Zwang, freiwillig lässt er dies alles los.
Wenn wir dies so sehen, müssen wir uns selbst fragen: Woran halte ich fest? Welche Position, welchen Ehren-platz in der Kirchengemeinde verteidige ich für mich selbst? Bin ich bereit loszulassen, alles loszulassen?

Alle Privilegien, alles, was auf seine Macht und Herrlichkeit hinweist, gibt Jesus preis. Er entfernt es selbst von sich. Er gibt sein Herr-Sein auf – das ist gemeint, wenn hier steht »er entäußerte sich selbst«. Anstatt Herr zu sein, unterstellt er sich total der Herrschaft des Vaters, selbst den Naturgesetzen von Raum und Zeit: er wird Mensch. Mehr noch: Er nimmt die Knechtsgestalt an, die Erscheinungsform und Gestalt eines Sklaven, der ganz und gar von einem fremden Willen abhängig ist.

Der Sklave hat nur das, was er empfängt, denn er gehört einem anderen und arbeitet für einen andern; kann nicht einmal seinen Willen tun, sondern nur gehorchen.
Jesus stellt sich unter Gott als Knecht – in vollkommener Unterwerfung: er tut nur das, was der Vater ihm befiehlt. Wir sehen dies an dem wie Jesus dann in Gethsemane betet: »...nicht mein, sondern dein Wille geschehe« (2).

Diese  »Knechtsgestalt«, die Jesus freiwillig annahm, steht in denkbar stärkstem Kontrast zu der göttlichen Gestalt. Wir sind von Natur aus Menschen und können uns keine andere Lebensweise vorstellen; Jesus dagegen wurde freiwillig Mensch, obwohl seine Natur göttlich ist. So erniedrigt er sich von der Gottesgestalt in die Knechtsgestalt, vom Herrscher zum Untergebenen, der Gehorsam zu leisten hat. Als Gott von Natur musste er in dem, was er litt, Gehorsam lernen (3). In diesem Gehorsam gegen den Vater nimmt Jesus sogar die
tiefste Schmach eines Verbrechertodes am Kreuz auf sich.

Dieser Tod ist so menschenverachtend, entehrend, erniedrigend, denn in der Regel wurden die Verurteilten ohne jegliche Kleidung ans Kreuz gehängt und damit noch der letzten menschlichen Würde beraubt. Darin zeigt sich deutlich, dass Jesus nicht herrschen wollte, sondern gehorchen. Jesus beugt sich aus einer Höhe, die unvergleichlich größer ist als alles, was ein Gemeinde-glied über das andere erhebt, in eine Tiefe hinab, die unvergleichlich tiefer ist als der größte menschliche Ver-zicht auf Ehre, Macht und Ansehen (4).
Darum steht jeglicher menschlicher Hochmut in krassem Gegensatz zu dem, was Jesus tat. Uns wird heute und in Andachten und Gottesdiensten der kommenden Woche Jesus vor Augen gemalt, auch (neben all dem, was sein Tod an Heil für uns beinhaltet,) um an ihm ein Vorbild zu nehmen. Er erniedrigte sich selbst, wurde gehorsam bis zum Tod am Kreuz – und wie sieht mein Leben, wie sieht Dein Leben als Christ aus?

2. Jesus erhält die höchste Position

Bis hierher wird in diesem urchristlichen Bekenntnis die Erniedrigung beschrieben, eine Bewegung von oben nach unten. Das tat Jesus – ganz freiwillig.

Doch nun wechselt das Subjekt: nicht mehr Jesus selbst ist der Handelnde, sondern Gott, der Vater. Er greift ein und kehrt die Bewegung um: von unten nach oben. Die Erhöhung Jesu geschah also nicht automatisch, auch erhöhte sich Jesus nicht selbst als wäre das Ganze nur ein Rollenspiel gewesen. Nein, Gott, der Vater handelt an seinem Sohn und »belohnt« den absoluten Gehorsam des Sohnes. Gott »über-erhöht« (5) ihn über alles. Von der tiefste Stufe des Kreuzestodes kommt Jesus auf die höchste Stufe der Herrschaft: auf Gottes Thron.

Nach aller Entehrung und Demütigung bekommt er vom Vater selbst den höchsten aller Namen verliehen. In die-sem Namen »Jesus« schwingen alle Ehrentitel mit, die wir auch sonst in der Bibel finden. Dieser Name be-schreibt ihn in seinem Wesen, denn er ist »so viel höher geworden als die Engel, wie der Name, den er ererbt hat, höher ist als ihr Name«  (6). Der Name drückt aus, dass er nun eingesetzt ist »über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was sonst einen Namen hat« (7). Weil er alles Gott gab und nur an Gottes Willen sein Ziel hatte, empfing er aus den Händen des Vaters diese Herr-lichkeit.

Das Ziel des Vaters ist, dass in dem Namen Jesus Chris-tus alle Knie sich beugen sollen. Ihm muss die Ehre er-wiesen werden von allen Kreaturen und Geschöpfen. Da gibt es keine Ausnahme. Alle im Himmel: das sind alle Engel, die Auferstandenen und alle dienstbare Geister Gottes – sie müssen ihre Knie beugen. Alle auf Erden: also alle noch lebenden Menschen und Kreaturen beugen ihre Knie. Alle unter der Erde: das ist die Totenwelt, einschließlich Satan und seinen Engeln – auch sie beugen ihre Knie vor dem Namen Jesus. Damit ist Jesus als universaler Herrscher, eben »der Herr«, anerkannt. Denn »Knie beugen« ist hier das Zeichen der Unterwerfung. Der Besiegte beugte seine Knie, damit der Sieger auf seinen Nacken treten konnte und damit zum Ausdruck brachte, dass er Anspruch auf sein ganzes Leben hatte. So ist Jesu Macht und Majestät universal anerkannt.

Doch was sehen wir heute davon? Ist dies nicht ein idea-listisches Bild? Wir leben ja in einer nachchristlichen Zeit, in der Toleranz und Pluralismus groß geschrieben werden. Doch dass Jesus »der Herr ist«, getrauen sich selbst viele Christen nicht öffentlich zu sagen. Nicht einmal in der Kirche ist dieses Bekenntnis unumstritten.

Da wird beispielsweise in einer Kirchengemeinde ge-stritten, ob bei Vermietungen eines Gemeinderaums christliche Symbole und auch das Kreuz mit Tüchern verhüllt werden. Andere nennen Jesus »unseren Bruder«, aber nicht mehr »Herr«.

Doch hier steht, dass alle Knie sich beugen sollen und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes. Dieser letzte Abschnitt weist also noch in die Zukunft, auf den Tag hin, an dem Jesus in seiner Macht und Herrlichkeit sich offenbaren wird. Dann müssen unter dem Eindruck dieser überwältigen-den Erscheinung sich auch die beugen, die ihn jetzt ab-lehnen. Diese Anbetung und Ehrerbietung gegenüber Jesus dient zur Verherrlichung des Vaters.


3. Jesus soll unser Vorbild sein

Dieser ganze Abschnitt ist keine theologische Abhand-lung über Jesus. Paulus nimmt zwar dieses Glaubensbe-kenntnis auf, das schon zu seiner Zeit so formuliert war. Doch er möchte uns allen damit Jesus vor Augen stellen. Jesus soll unser Vorbild sein. »So sollt ihr untereinander gesinnt sein«, schreibt er ganz am Anfang, und auch an-schließend geht es mit »Ermahnungen« weiter.
Der ganze Abschnitt steht in dem Teil des Philipperbriefes, in dem es um das Leben als Christ in der Gemeinde geht. Darum ist unser Leben als Christ gefragt.

Gerade jetzt in der Passionszeit und kommenden Kar-
woche wollen wir über das Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus nachdenken. Was wir da aufs Neue von seinem Leiden und Sterben bedenken, darf nicht nur abstraktes Wissen und Für-Wahr-Halten bleiben. Denn im Leiden und Sterben ist er uns auch ein Vorbild, dem es nachzusinnen gilt, damit wir ebenso »gesinnt« sind.

So stellt uns dieser Abschnitt heute am Palmsonntag schon ganz konkrete Aufgaben. Es geht darum, mein eigenes Leben zu bedenken: Handle ich, wie Jesus das tat? Unterwerfe ich mich total im Gehorsam gegen Gott? Erniedrige ich mich selbst, wie Jesus – auch in meiner Kirchengemeinde? Oder halte ich an irgendetwas krampfhaft fest, vielleicht an einer Position, die ein anderer besser ausfüllen könnte als ich?

Da ist ein Gemeindeglied: Ganz treu hilft sie/er bei je-dem Gemeindefest in der Küche, beim Putzen im Ge-meindehaus, Vorbereiten von Veranstaltungen, ... Doch dann wird immer nur dem Klavierspieler gedankt; nie bekommt dieses Gemeindeglied einen Dank. Zunächst ärgert sie/er sich; doch nach ein paar Jahren arbeitet sie/er nicht mehr mit – aus Verbitterung. Aber niemand weiß das.
Ganz offen gesagt: Gibt es nicht manchen versteckten Stolz und Hochmut in unserem Herzen? Steht das nicht manchmal hinter unserer »Empfindlichkeit«?
Das weiß niemand, aber was denkst Du für Dich selbst über die Personen, die heute im Gottesdienst um Dich herum sitzen? Bist Du bereit, Dich unter sie zu erniedrigen? Stolz oder Hochmut ist der krasse Gegensatz zu dem, was wir in Jesus sehen.

Dort, wo wir bereit sind, den andern höher zu achten als uns selbst (Vers 3) und dem Beispiel Jesu folgen, da wird Gott auch uns einmal erhöhen wie er es mit seinem Sohn Jesus tat. Jesus selbst sagte: »Wer sich selbst erhöht, der soll erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der soll erhöht werden (8).Darum lohnt es sich, mein eigenes Leben an Jesus zu orientieren, auch wenn es dabei manchmal gegen mein menschliches Empfinden geht.
Ihn möchte ich doch jetzt schon in meinem Leben be-kennen und ehren, mich vor IHM beugen und sagen:
»Herr ist Jesus Christus.« Dazu hilft es, sich immer wieder Jesus selbst vor Augen zu halten und die Frage zu stellen: »Was würde Jesus tun?«   Amen.

(1)  Johannes 1, 1–4
(2)  Lukas 22 ,42
(3)  Hebräer 5, 8; Predigttext am Sonntag Judika;
(0)  eventuell Bezug herstellen
(4)  Schlatter, Adolf: Erläuterungen zum Neuen Testament. Bd.2:
(0)  Die Briefe des Paulus. Calwer Vereinsbuchhandlung,
(0)  Stuttgart, 1936, Seite 71
(5)  so wörtlich
(6)  Hebräer 1,4
(7)  Epheser 1, 21
(8)  Lukas 14, 11




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 21.10.2018
9:15 Uhr:
Kirchweih in der Schwabentorhalle in Dennach (Pfarrer Held)
10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikant Schäfer)
Dienstag, 23.10.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 24.10.2018
18:00 Uhr in Schwann:
Gitarre für Anfänger
19:00 Uhr in Schwann:
Gitarre für Fortgeschrittene
20:00 Uhr in Schwann:
Hauskreis Tankstelle für junge Erwachsene bei Steffi