2010-03-07

Predigt über Epheser 5,1-9 / Pfarrer Uwe Schaal, Hülben

Liebe Gemeinde,
»meine Augen sehen stets auf den Herrn«  so ist der heu-tige Sonntag Okuli überschrieben. Für Christen bedeutet das: Jesus im Blick haben; den ständig im Blick haben, der von sich sagt: Ich bin das Licht der Welt.
Die Gemeinde in Ephesus wird im heutigen Predigttext ermutigt und ermahnt, im Licht Gottes als Kinder des Lichts zu leben. Ein Blick zurück in ihre Vergangenheit, also in die Zeit, als dieses Licht der Welt in ihrem Leben noch keine Bedeutung hatte, erinnert an dunkle Zeiten und Seiten des Lebens. Aber hören Sie selbst (Epheser 5,1-9):
"1 So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder 2 und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch. 3 Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört. 4 Auch schandbare und närrische oder lose Reden stehen euch nicht an, sondern vielmehr Danksagung. 5 Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger - das sind Götzendiener - ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes. 6 Lasst euch von niemandem verführen mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. 7 Darum seid nicht ihre Mitgenossen. 8 Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Lebt als Kinder des Lichts; 9 die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit."

(1.) Wo Licht ist, ist auch Finsternis


Nein, das ist kein grundsätzlich dunkles Kapitel. Das ist keine Aburteilung und schon gar kein vernichtendes Ur-teil, das hier die Gemeinde in Ephesus erreicht. Im Ge-genteil: Da leuchtet hell und strahlend auf, was geworden und gewachsen ist unter den noch jungen Christen. Das ist mehr als ein Kompliment an die Gemeinde: Die Liebe Gottes hat Raum gefunden. Zur Ehre Gottes wird hier bezeugt, was werden kann, wenn ein Mensch bereit ist, dem Wort Gottes zu vertrauen. Was früher bestimmend war, ist überwunden. Ein neuer Ton, ein neues Sein wird Lebenswirklichkeit. »Das Alte ist vergangen, siehe Neu-es ist geworden« (2. Korinther 5, 17).

Vor allem anderen müssen wir das hier festhalten: Die Liebe – Gottes Liebe – hat sich durchgesetzt und Men-schen verändert. Durch ihre Kraft werden Menschen in ein neues Licht gestellt. Sie hat sich dort in der Gemein-de durchgesetzt. Sie hat es hell werden lassen und Dunkles überwunden.

Unter diesem Vorzeichen, unter dieser Voraussetzung ist dann auch die Rede von den Schattenseiten des Lebens.
Zur Erinnerung an das, was überwunden wurde! Zur Ermutigung, auch dort dran zu bleiben und weiter an sich zu arbeiten, wo die Finsternis noch immer Zugriff hat! Als Anstoß, weiterhin auf Gottes Kraft zu vertrauen, die aus dem Dunkel ins Licht holt.

Sie wird benannt, die Finsternis. Sie wird gar in einem Maß benannt, das uns erschrecken lässt. Weil es da nicht nur heißt: Ihr wart in der Finsternis. Viel stärker dringt es der Gemeinde ans Ohr: Ihr wart Finsternis – durch und durch. Ihr selbst, mit eurer ganzen Person.

Hier wird Licht und Schatten, Licht und Finsternis, Gut und Böse scharf und eindeutig getrennt. Wird hier zu sehr schwarz-weiß gemalt?

Der Lasterkatalog nennt die Dinge beim Namen: Un-zucht, Unreinheit, Habsucht, loses Geschwätz, Götzen-dienst. Es sind die Dinge, die Menschen zusetzen, sie in ihren Bann ziehen und in Abhängigkeiten zwingen.

Da geht es um die Befriedigung sexueller Triebe. Das Ausleben und das Breittreten von Phantasien, die den andern aus dem Blick verlieren. Die eigene Befriedigung ist das Maß der Dinge; es geht um das eigene Ich. Immer wieder und immer mehr – so bekommt man den Ein-druck – lassen sich Menschen davon gefangen nehmen. Und zwar in einer Art und Weise, durch die andere Men-schen zu leiden haben. Weil sie benutzt werden, ge-braucht werden wie ein Gegenstand. Wir erschrecken darüber, dass im schlimmsten Fall gar der Tod des ande-ren in Kauf genommen wird. Und dass dabei nicht ein-mal Kinder verschont bleiben. Schlimme, schlimmste Fälle und die dazugehörigen Schlagzeilen kommen ei-nem sofort in den Sinn – 10, 20, 30 Jahre Gefangenschaft im eigenen Haus. Ständig verfügbar zur Befriedigung der eigenen Lust.
Da wird es für uns alle offensichtlich, da sind wir uns einig, dass sich da tiefste Finsternis breit gemacht hat. Aber wo fängt sie an – diese Dunkelheit? Erst dann, wenn es eine Zeitungsmeldung wert ist? Ist es nicht schon die Art und Weise, wie wir über Sexualität und das andere Geschlecht reden? Nicht schon da, wo zweideuti-ge oder gar eindeutige Witze die Runde machen? Sie sollen für ausgelassene Stimmung sorgen. Was für eine Stimmung – auf Kosten meist des andern Geschlechts?!
Wie geht es uns, wenn wir von Eheproblemen und Schwierigkeiten in der Beziehung bei anderen hören? Macht es uns noch betroffen? Ist es für uns noch Auffor-derung zur Hilfe? Oder ist es willkommenes Futter für den Klatsch und Tratsch am Ort? Die Regenbogenpresse vor Ort, der »Landfunk« oder wie sonst die Gerüchte-küche vor Ort genannt wird, funktioniert doch in diesem Bereich am besten.

Können wir uns, liebe Gemeinde, gerade an dieser Stelle, »von dem bei euch davon nicht einmal die Rede sein soll« einfach zurücklehnen unter dem Motto: Geht uns nichts an?

Wenn es hier genannt und in Erinnerung gerufen wird, dann soll das Anlass sein, dass wir damit auch ehrlich umgehen. Statt zu beschönigen wollen wir Gott neu um Orientierung bitten. Wo wir schuldig geworden sind, brauchen wir seine Vergebung und den Neuanfang, den er uns schenkt. Wo wir Verwundete sind und andere verwundet haben, da soll so davon die Rede sein, dass wir beten und Christus bitten, uns und andere zu heilen.

Noch eine Finsternis wird ausdrücklich und klar genannt: Die Gier nach Hab und Gut, nach Geld und Macht. Sie lässt Menschen maßlos und verantwortungslos werden. Auch hier verschwindet der andere als Mensch aus dem Blick, weil das eigene Ego, das Ich ausschließlich im Mittelpunkt steht. Dabei muss es nicht um Millionen und Vorstandsposten in hohen Etagen gehen. Das spielt sich oft genug in den eigenen vier Wänden ab, am Arbeits-platz, ja, in zunehmend bedrückender Weise auch in Klassenzimmern und auf Schulhöfen. Wer kann mehr vorzeigen als die anderen? Wer ist allen einen Schritt voraus? Wer kann den andern ausstechen? Wer hat das Sagen und wer hat gefälligst zu schweigen? Sind wir, die wir hier heute Morgen in dieser Kirche beieinander sind, dagegen gefeit? Geht uns das nichts mehr an, weil es früher so war – aber heute ist doch alles ganz anders un-ter uns? Sind wir nicht auch Betroffene? Sind wir nicht auch solche, die unter anderen zu leiden haben? Und, womöglich in ein und derselben Person auch die, die andern in dieser Hinsicht Leid zufügen, um selbst besser dazustehen?

Auch wenn wir als »Kinder des Lichts« leben wollen: Die Gefahr der alten Finsternis ist auch bei uns nicht automatisch ausgeschlossen. Oft erliegen doch auch wir der Versuchung, uns selber ins rechte Licht zu rücken und den andern im Dunkel stehen zu lassen. 

Loses Geschwätz, das hier auch genannt wird, gehört ebenfalls in diese Kategorie. Das scheint ein gewisser Volkssport zu sein. Das Ziel: Ich selbst stelle mich ins Rampenlicht, kann vor den anderen glänzen, erscheine von der besten Seite. Die Kosten dafür hat der andere zu tragen: Ihm wird der »schwarze Peter« zugeschoben.
An dem, was mir an ihm nicht passt, richte ich mich auf. Ich selbst trage ja eine weiße Weste! Das gibt es leider doch auch unter Christen. Wir spüren es und wir leiden darunter – bis in unsere engsten Gemeinschaften hinein: Wir sind – auch als Christen – für all das Finstere, das hier aufgezählt wird, immer noch empfänglich. Wir sind nicht dagegen gefeit und schon gar nicht immun.
Doch da hinein wird uns gesagt: »Davon soll bei euch nicht einmal die Rede sein«. Wir, die wir immer noch so empfänglich für die alte Finsternis sind, werden aufge-fordert: »Lebt als Kinder des Lichts«. Doch wie kann dieses Kontrastprogramm des Lichtes Gottes in unserem Leben Wirklichkeit werden?


(2.) Die Finsternis überwinden

Es kann nicht darum gehen, auf´s Neue den Zeigefinger zu heben und zum x-ten Male Moral zu predigen. Mit anderen Worten: dem andern von oben herab ein schlechtes Gewissen zu machen. So wird die Finsternis nicht überwunden.

Sie wird auch nicht überwunden, wo wir uns ihr nicht ehrlich stellen. Wo wir als Christen so tun, als ginge uns das alles nichts mehr an. Gerade an diesen Punkten, die Paulus hier ausdrücklich nennt, ragt die Finsternis doch auch in unser Christenleben und in unsere Gemeinden hinein. Die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit im Leben der Christen wird von außen sehr aufmerksam wahrgenommen. Wenn wir dann einen »frommen Schein« nach außen aufbauen und unsere Schwächen dahinter zu verstecken versuchen, dann wirkt das nach außen nur noch abschreckender. Nach innen aber verhindert es jede Erneuerung und Veränderung, die Gott doch will.

Was wir brauchen, damit es bei uns licht wird, ist Ehr-lichkeit und Aufrichtigkeit. Wir müssen darüber reden und es bekennen, dass es Schuld und Schuldigwerden auch bei uns gibt. Nur so kann falsche Harmonie echter, zugewandten Liebe Platz machen. Nur so wird die Scheinheiligkeit einem echten authentischen Glaubens-
leben weichen. Nur so können wir mit  neuer Vollmacht von dem reden, was und wer uns Kraft, Mut und Liebe gibt zur Vergebung und Veränderung.

Wenn, dann kann das in der Gemeinde Jesu geschehen: Sie muss nicht bei der Anklage stehen bleiben. Wenn, dann kann in ihr auf Schuld und Versagen das Wort der Vergebung und Versöhnung folgen. Weil es ihr gegeben wurde, in Jesus Christus anvertraut und in unser Leben mit all seinen Facetten hineingegeben wurde.

Darum geht es hier. Das ist zu bezeugen und weiter zu sagen: Nicht unsere Programme, nicht unser Wollen und unsere noch so wohl gemeinte Anstrengung; aber Gottes Liebe schafft das in uns. Gottes Liebe schafft Verände-rung, Neuorientierung, neues Leben in uns. Das ist die Kraft, die Kraft Gottes, durch die wir neu denken, reden und handeln lernen. Sein Wort und sein Geist schaffen
in uns, was sie uns zusagen, lassen es hell und licht in unserem Leben werden und vertreiben immer mehr das Dunkle und Finstere.

Nicht an unsere Kraft wird appelliert: »Streng dich an! Hab dich im Griff!« Denn, wenn wir Menschen auf uns selbst gestellt bleiben, verpuffen solche Aufforderungen. Sie lösen sich auf in Wohlgefallen trotz unseres guten Willens. Doch dort, wo wir uns Gottes Liebe gefallen lassen, wo wir uns in ihr Licht stellen, wo sie unser Le-ben mehr und mehr erfüllt, dort wird das in gleichem Maß zu greifen sein: Dass wir tatsächlich unterscheiden können zwischen einem »Früher« und »Heute« – auch wenn noch nicht alles bei uns strahlt und dem Licht
Gottes standhält. Und das, weil uns Jesus auf diesem Weg leitet und uns immer mehr zu sich hinziehen will. Weil er uns bestärkt und durch seinen Geist befähig,
mitten in dieser Welt mit ihren eigenen Vorstellungen und Gesetzen, hier an unserem Ort, seinem Wort Gehör zu schenken, es aufzunehmen und durch uns hindurch
zur Tat werden zu lassen.

(3.) Lebt als Kinder des Lichts


Lebt als Kinder des Lichts. Das, was Gott an mir wirkt, soll zum Leuchten kommen. Und damit brauchen wir uns wahrlich nicht zu verstecken. Nicht so, als wäre ich mit allem bereits auf der Sonnenseite meines Lebens ange-langt. Aber ich darf ehrlich und aufrichtig davon reden, was Gottes Geist in mir bewirkt hat. Das muss ich nicht verschweigen. Das soll durch mich in diese Welt hinein-strahlen: Es gibt diese Kraft, es gibt diesen Gott, der mich herausholt aus meinem »Früher«. Er lässt mich nicht, weil »ich halt so bin«. Er setzt alles daran und schafft alle Voraussetzungen. Er gibt sich für mich in Jesus Christus in diese Welt hinein, damit das Dunkle weichen, und sein Licht sich mehr und mehr in mir durchsetzen kann.

Diese Hoffnung und Perspektive brauchen wir. Diese Hoffnung und Perspektive brauchen die Menschen um uns herum. Darum ist das nicht in mein Belieben gestellt, wie ich meinen Glauben lebe und ob ich davon rede, was Gott an mir »Gutes getan hat« oder nicht. Andere sollen in dieses Licht – zu Jesus – finden, damit auch sie die Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit Gottes erfahren und sich darauf einlassen können. Dazu beruft und beauftragt uns Gott.

Andere sollen es hören und davon leben, dass wir als Menschen nicht ein für allemal festgelegt sind mit unse-ren Mühen, Plagen, Süchten, Lastern und dunklen Seiten. Andere sollen von der Liebe Gottes hören, sie in ihr Le-ben lassen und erleben, wie Gott vergeben, neu machen, heilen will.

Mit dem heutigen Sonntag beginnt eine neue Woche. Zeit und Raum genug um das zu leben: Ich bin ein Kind des Lichts, ich lebe im Licht Jesu, ich lebe aus seiner Liebe. Andere sollen es hören und erleben, wie Gottes Liebe verändert und Licht ins Leben bringt.  Amen.




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 24.06.2018
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10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer M.Gerlach)
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Mittwoch, 27.06.2018
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Donnerstag, 28.06.2018
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