2010-02-21

Predigt über Hebräer 4,14-16 / Pfarrer Ekkehard Graf, Owen

Liebe Gemeinde,

es tut so gut, dass wir jeden Sonntag als Gemeinde Got-tesdienst feiern können. Es ist so wichtig, gemeinsam mit anderen von Gott angesprochen und ermutigt zu werden. Das ist nun schon seit zweitausend Jahren so, dass 

Christen sich gegenseitig stärken. So ermuntert auch der anonym gebliebene Schreiber des Hebräerbriefs seine Mitchristen mit begeisterten Worten, die für uns auch heute Morgen gelten: 

Wir hören das Wort Gottes für diesen Sonntag aus Hebräer 4,14-16:

14 Weil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis. 15 Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde. 16 Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben.“

Jesus Christus wird uns in diesem Bibelabschnitt sehr ermutigend geschildert. Dem wollen wir in drei Gedan-kengängen nochmals nachdenken: 1. Einer, der uns gut versteht – 2. Einer, der den Überblick hat – 3. Einer, der für uns eintritt.

1. Einer, der uns gut versteht

Ja, wir brauchen andere, die uns gut verstehen, die Sym-pathie zu uns haben. Gerade das macht uns als Menschen aus – gegenüber allen Pflanzen und Tieren, dass wir Empfindungen für andere haben. 

Da ist die einfühlsame Mutter, die mit ihrem Sohn so gut mitempfindet, wenn er von den anderen geärgert wird. Da ist der Geschäftskollege, der verhindert, dass man zu Unrecht vom Chef getadelt wird. Da ist die Nachbarin, die ohne große Worte einem rasch die Wäsche von der Leine nimmt, während der Streit der Kinder geschlichtet werden muss. Menschen, die uns in unserer aktuellen Situation verstehen und für uns da sind, die tun einfach gut.

Und genau so einer ist auch Jesus. Er ist so ein guter Versteher. Er ist voller Sympathie. So heißt es in unse-rem Bibelabschnitt: »Denn wir haben nicht einen Hohen-priester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir.« Im Griechischen steht da für »mit leiden« das Wort Sympathie. Als der Hebräerbrief entstanden ist, da gab es noch einige, die Jesus zu seinen Lebzeiten miter-lebt hatten. Seine Sympathie zu allen Menschen, seine liebevolle Art, sich anderer anzunehmen, war in guter Erinnerung. Denken wir nur daran, wie Jesus sich mit dem von allen verachteten Zöllner Zachäus an einen Tisch gesetzt hat und der dadurch Gottes Liebe erfahren hat und sein Leben änderte. Oder an Martas Schwester Maria, die sich Zeit nehmen wollte, um Jesus zuzuhören. Als sie dafür von der Schwester getadelt wurde, hat Jesus sie in Schutz genommen. Oder ich denke auch an die Sympathie Jesu für den Petrus. Obwohl der seinen Meister verleugnet hatte, vergab ihm Jesus dies und gab ihm wieder einen Auftrag. Oder ganz besonders war, wie Jesus noch in seinem Sterben am Kreuz für seine Henker um Vergebung betete und sich unter größten Schmerzen dem mitgekreuzigten Mörder zuwandte mit den Worten: »Heute wirst du mit mir im Paradies sein.« 

Jesus hat sich immer den Menschen liebevoll zugewen-det und sie in ihrer Situation verstanden. Und so ist er auch heute noch. Jesus versteht uns. Er weiß, was es heißt unter Krankheit und Schmerzen zu leiden – und da will er uns nahe sein. Er weiß, was es heißt, von anderen ausgelacht und ausgestoßen zu werden – und da will er uns nahe sein. Jesus weiß, was Einsamkeit und scheinba-re Gottverlassenheit ist – und da will er uns nahe sein. Er kennt die Sorgen im Alltag und den Ärger mit anderen Leuten – und da will er uns nahe sein.

Es lohnt sich deshalb, dass wir uns Jesus Christus anver-trauen, der uns so gut versteht und uns nahe sein will. Denn er ist auch derjenige, der einen besseren Überblick hat als wir.

2. Einer, der den Überblick hat

Die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise spüren wir immer noch deutlich. Wie es genau weitergehen wird, wissen weder die neue Bundesregierung noch die Vor-standsetagen der Konzerne. Und auch wir wissen nicht, was die nächste Zeit in unserem Leben bringen wird. Werde ich meinen Arbeitsplatz behalten? Wird mir wei-terhin Gesundheit beschieden sein? Werde ich einen lie-ben Menschen durch den Tod verlieren? Wird es ein-schneidende Veränderungen geben? Wir wissen es nicht. Uns fehlt der Überblick.

Aber Gott sei Dank, Jesus hat den Überblick. Von ihm heißt es, dass er den Himmel durchschritten hat. Damit ist nicht der Himmel gemeint, der unsere Atmosphäre begrenzt und das Wetter mit Sonne, Wind und Regen beeinflusst. Gemeint sind da all diese für uns unsichtba-ren Dimensionen und Zeiten. Durch die ist Jesus bereits hindurchgegangen. Daher hat Jesus den Überblick über unser ganzes Leben. So weiß er auch ganz genau Be-scheid, was sich in der Zukunft ereignen wird. Das ist faszinierend! Es gibt einen, der den Überblick hat, einen, der unendlich groß ist. 

Und trotzdem ist der immer noch derselbe, der so viel Sympathie mit uns hat. Es ist immer noch derselbe Jesus, der uns gerade in schweren Zeiten so nahe ist. Deswegen bekommen unsere Lebensfragen eine ganz andere Wen-dung. Wir haben nicht nur einen anteilnehmenden und einfühlsamen Gott an unserer Seite, sondern zugleich den einzigen, der den Überblick hat. Das verändert aus unse-rer Perspektive noch nicht jede Situation, aber es verän-dert unsere Haltung. Aus einer großen Angst kann eine Gelassenheit werden, weil wir dem vertrauen, der den Überblick hat. Aus den Sorgen um die Zukunft kann eine große Ruhe werden, weil sich Jesus persönlich um uns kümmert.

Das ist wie bei jenem Hobbypiloten, der mit seiner klei-nen Cessna über den Alpen in ein undurchschaubares Nebelfeld geriet und dem dann auch noch der Höhen-messer ausfiel. In seiner großen Verzweiflung bekam er Todesangst, weil er nicht wusste, wie er in dieser Situati-on je nochmals landen könnte, ohne mit einem der Berge zu kollidieren. Er setzte einen Notruf über Funk ab. Da meldete sich kurz darauf die Flugsicherung: »Ich habe sie gerade auf meinem Radarschirm entdeckt. Sie fliegen exakt 400 Meter über den Gipfeln der Berge. Es besteht keine Gefahr. Drehen Sie nun ab Richtung Norden. Über dem Allgäu herrscht freie Sicht, dort können Sie problem-los bei Kempten landen.« Dem Piloten fiel ein Stein vom Herzen. Einer, der mehr Überblick hatte, konnte ihn aus seiner Not befreien und so kam es im Allgäu zur sicheren Landung bei Sonnenschein. Der Fluglotse wusste aufgrund seiner Instrumente über die Flughöhe und über die Sichtverhältnisse Bescheid und wurde so zum Retter, obwohl er weit entfernt und nicht zu sehen war.

So ist Jesus auch für uns. Er hat den Überblick und hilft uns durch schwierige Phasen hindurch, auch wenn wir ihn nicht sehen können. Dennoch ist uns Jesus ganz nahe.

Und er ist 

3. Einer, der für uns eintritt

Der Schreiber des Hebräerbriefs ist begeistert von Jesus, der, wie die Hohenpriester des Alten Testaments, den 

Zugang zu Gott eröffnet. Einmal im Jahr war es dem Hohenpriester erlaubt, den allerheiligsten Bereich des Tempels zu betreten. Dort stand die Bundeslade. Diese mit Gold überzogene Kiste enthielt die von Gott ge-schriebenen Zehn Gebote. Auf dem Deckel waren zwei goldene Gestalten, sogenannte Cherubim, angebracht und zwischen ihnen war Gottes Thron. Natürlich saß Gott dort nie, aber an dieser Stelle vollzog der Hohepriester seit Aarons Zeiten einmal im Jahr die Versöhnung für alle Israeliten. Die Schuld und Sünde des ganzen Volkes wurde durch den Hohenpriester vor dem Thron Gottes gesühnt.

Daran erinnert unser Bibelabschnitt, wo es heißt: »Weil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden.«

Jesus selbst sorgt dafür, dass wir Gnade und Barmher-zigkeit von Gott empfangen. Jesus, Gottes Sohn, tritt selbst für uns ein. Er macht den Zugang zu Gottes Thron frei. Er lädt uns ein, als Kinder Gottes direkt zu seinem Vater zu kommen. Denn nur hier bekommen wir Verge-bung für unsere Schuld. Nicht durch Fastenaktionen, wie sie jetzt auch wieder von vielen Christen praktiziert wer-den, erhalten wir Gottes Gunst. Sondern dadurch, dass Jesus selbst uns den Zugang zu Gott geschaffen hat. Erst wer das im Glauben erkannt und angenommen hat, der kann auch sinnvoll fasten. Wir müssen nämlich nicht für uns selbst etwas erarbeiten, sondern Jesus hat für uns alles bei seinem Vater getan. Wer jetzt noch fastet, tut dies aus Dankbarkeit gegenüber Gott und seiner Gnade. Wer als Christ fastet, der hat schon den Zugang zu Gottes Thron und nutzt die Fastenzeit, um noch viel bewusster und viel öfter mit Gott in Verbindung zu treten, ohne abgelenkt zu werden.

Und weil Jesus für uns eintritt, sorgt er auch für Hilfe zur rechten Zeit. Je enger wir mit dem dreieinigen Gott in Verbindung sind, desto mehr erfahren wir Unterstützung, Ermutigung und Wegweisung durch den Heiligen Geist. 

Dass wir Hilfe erhalten, dafür tritt Jesus persönlich ein, denn er bekennt sich zu uns. Der begeisterte Briefschrei-ber ruft uns allen zu: »So lasst uns festhalten an dem Bekenntnis!« Das heißt nicht nur, dass wir uns immer zu Jesus bekennen sollen, sondern das bedeutet genauso, dass Jesus sich zu uns bekennt. So hat er es zu Lebzeiten schon versprochen: »Wer mich bekennt vor den Men-schen, den will ich auch bekennen vor meinem himmli-schen Vater.« (Matthäus 10, 32) Sein Versprechen gilt, er wird sich für uns vor dem Thron Gottes einsetzen. Jesus wird alles tun, dass wir Vergebung erhalten. Jesus küm-mert sich darum, dass wir ewiges Leben bekommen. Und er schenkt uns immer wieder Ermutigung und Orientie-rung im Leben. Dafür tritt er ein.

Nun ist es nur noch an uns, im Bekenntnis zu Jesus treu zu bleiben. Denn dann haben wir einen, der uns gut ver-steht, einen, der den Überblick hat, und einen, der für uns eintritt.   Amen.




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 24.06.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer M.Gerlach)
10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer M.Gerlach)
Dienstag, 26.06.2018
17:45 Uhr:
Jungschar für alle Jungen und Mädchen im GH in Dennach
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 27.06.2018
19:00 Uhr:
Teenkreis 13+ im GH Schwann
Donnerstag, 28.06.2018
18:30 Uhr:
Biblellesen und Austausch für Jugendliche im GH Schwann