2010-01-31

Predigt über 1. Korinther 9,24-27 / Dekan Werner Trick, Neuenbürg

Wir hören Gottes Wort für diesen Sonntag aus 1. Korinther 9,24-27:

„ 24 Wisst ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt. 25 Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge; jene nun, damit sie einen vergänglichen Kranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen. 26 Ich aber laufe nicht wie aufs Ungewisse; ich kämpfe mit der Faust, nicht wie einer, der in die Luft schlägt, 27 sondern ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn, damit ich nicht andern predige und selbst verwerflich werde."

Liebe Gemeinde,

in knapp zwei Wochen beginnen die olympischen Win-terspiele in Vancouver. Viele Sportler werden an den Wettkämpfen teilnehmen. In den verschiedensten Dis-ziplinen werden sich Athleten messen: im Langlauf und im Biathlon, im Slalom und in der Abfahrt. Und jeder wird natürlich in seiner Disziplin das Beste geben. Jeder wird sich anstrengen, um möglichst gut abzuschneiden und vielleicht sogar eine Medaille zu erringen. Und was nehmen diese Athleten nicht alles auf sich, um eine gute Leistung zu erbringen! Schon lange vor den Spielen wird täglich hart trainiert. Beim Essen und Trinken wird auf manches verzichtet, damit die Kondition nicht beein-trächtigt wird. Jeder strengt sich an. Jeder will gut ab-schneiden, vielleicht sogar die Goldmedaille erreichen.

In unserem heutigen Bibelwort greift auch Paulus dieses Bild von einem Wettkampf auf. Mit einem Wettlauf ver-gleicht er das Leben eines Christen. Dieses Bild haben die Korinther gut verstanden, fanden doch im Sommer in Korinth die isthmischen Spiele statt. Dabei gab es natür-lich keinen Skilanglauf. Aber es gab einen Wettlauf im Stadion. 

Vier Dinge wollen wir uns von Paulus heute Morgen mitgeben lassen: 


1. Wir sind zum Lauf berufen

Bei den olympischen Spielen kann nicht jeder mitma-chen, sondern nur der, der die Qualifikation geschafft hat. Und das sind nur Topathleten! Alle anderen müssen zuschauen! 

Nun vergleicht Paulus das Christsein mit einem Lauf. Zu diesem Lauf ist allerdings nicht nur die Elite eingeladen. An diesem Lauf dürfen nicht nur Spitzenleute teilneh-men. Zu einem Leben mit Jesus Christus ist jeder einge-laden. Nicht als Zuschauer will uns Jesus dabei haben. Läufer möchte er. Jeder ist berufen, in die Spur zu gehen, Jesus nachzufolgen und sein Leben Jesus Christus anzu-vertrauen. Keine Vorleistungen sind nötig, um am Lauf des Glaubens teilzunehmen. Keine besonderen Voraus-setzungen werden dafür gefordert. Ganz egal, ob wir jung sind oder alt, ob wir gesund sind oder krank, ob wir Ar-beit haben oder arbeitslos sind, wir sind zum Lauf ein-geladen. Bei Jesus kommt es nicht darauf an, ob wir bei anderen Menschen angesehen oder übersehen sind – wir sind alle von Jesus persönlich eingeladen, an diesem Lauf teilzunehmen. Und Jesus selbst verbürgt sich dafür, dass dieser Lauf ein lohnendes Ziel hat.

Allerdings, liebe Gemeinde, sind bei diesem Lauf des Glaubens einige Dinge anders als bei einem Wettlauf, wie wir ihn aus dem Sport kennen. 

Bei einem olympischen Wettkampf kann nur einer ge-winnen. Nur einer hält nachher die Goldmedaille in der Hand. Und nur noch der Zweite und der Dritte bekom-men eine Medaille. Die anderen gehen leer aus. 

Bei Jesus ist das anders. Bei ihm bekommt jeder, der an den Start geht und ans Ziel kommt, die Goldmedaille, den Siegespreis. Paulus sagt: »Wisset ihr nicht, dass die, so in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt« (V. 24).

Was bedeutet dies für uns? Doch zunächst einmal, dass wir es für uns gelten lassen, dass Jesus auch für uns ge-storben ist und dass wir unser Leben Jesus anvertrauen. Und zum anderen, dass wir bei Jesus bleiben. Immer wieder hat Jesus seinen Jüngern gesagt: »Bleibt bei mir« (1). Dann dürfen wir ganz gewiss wissen: Wer sein Leben Jesus anvertraut und bei Jesus bleibt, der kommt ans Ziel und bekommt den Siegespreis. 

In einem alten Lied heißt es: »Nicht der Anfang, nur das Ende, krönt des Christen Glaubenslauf«. Nicht nur das ist wichtig, dass wir an den Start gehen beim Lauf des Glau-bens. Wie ein Trainer seinen Athleten Wichtiges für den Wettkampf mitgibt, so gibt uns Jesus für den Wettkampf des Glaubens mit: »Bleibt bei mir! Wenn in eurem Leben nicht alles glatt läuft, dann lasst euch dadurch nicht von mir wegtreiben. Wenn ihr in eurem Leben eine Last zu tragen habt, die euch schwer fällt, dann lasst euch dadurch nicht von mir wegtreiben. Wenn euch auf eurem Lebensweg etwas begegnet, das ihr nicht versteht, dann lasst euch davon nicht von mir wegtreiben. Ihr könnt alles mir sagen und mit allem zu mir kommen. Ich verstehe euch. Bleibt bei mir«, sagt Jesus, »ich trage euch durch«.

Aber auch wenn es uns im Leben gut geht und wir alles haben, was wir brauchen, auch dann sagt uns Jesus: »Bleibt bei mir! Werdet nicht gleichgültig. Und denkt auch nicht: Ich komme doch auch ganz gut ohne Jesus zurecht. Verliert mich nicht aus dem Blick. Bleibt bei mir«. Wer bei Jesus bleibt, bekommt den Siegespreis. Das steht fest. Das ist versprochen. Und was er ver-spricht, das gilt unumstößlich.

Vielleicht fragt nun jemand: »Was hilft mir, bei Jesus zu bleiben?« Drei Dinge möchte ich nennen, drei »Gs«, die für unser geistliches Leben wichtig sind.

Das eine »G« ist Gottes Wort. Wenn wir im Gottesdienst auf ein Wort Gottes hören, dann stärkt das unsere Bezie-hung zu Jesus. Und wenn wir in unseren Gemeindekrei-sen gemeinsam oder daheim für uns alleine einen Bibel-abschnitt oder das Losungswort lesen, dann stärkt das unsere Beziehung zu Jesus. Das Hören auf Jesus stärkt im Bleiben bei ihm. 

Das zweite »G« ist das Gebet. Wenn uns ein anderer Mensch wichtig ist, dann reden wir mit ihm. Das stärkt unsere Beziehung zu ihm. So ist es auch bei Jesus. Wenn er uns wichtig ist, dann reden wir mit ihm, wie mit einem Freund. Alles, was uns bewegt, persönlich und im Blick auf unsere Gemeinde, können wir mit Jesus besprechen. Auch mit dem, was uns schwer fällt, mit unseren Problemen und Fragen, können wir zu ihm kommen. 

Das tägliche Gespräch mit Jesus hilft uns, bei ihm und in seiner Spur zu bleiben. 

Und das dritte »G« ist die Gemeinschaft mit anderen Christen. Die Gemeinschaft mit anderen Christen im Gottesdienst, in einer Gemeindeveranstaltung, im Haus-kreis oder in der Gemeinschaftsstunde stärkt unseren Glauben. Gemeinschaft mit anderen Christen kann uns stärken auf dem Weg zum Ziel der Ewigkeit. 

Gottes Wort, Gebet und Gemeinschaft sind Vitamine für unsere Beziehung zu Jesus. 

Beim Lauf des Glaubens bekommt nicht nur einer den Siegespreis. Jeder, der bei Jesus bleibt, ist Sieger und bekommt die Goldmedaille, den Siegespreis.

Und noch etwas ist anders beim Lauf des Glaubens als bei sportlichen Wettläufen. Beim sportlichen Wettlauf kämpft jeder gegen jeden. Der Lauf des Glaubens – das Leben mit Jesus – ist ein Mannschaftswettbewerb. Wer zu Jesus gehört, ist immer mit anderen unterwegs. Jeder Konkurrenzkampf in der Gemeinde schadet. Es geht doch nicht darum, dass ich mit meiner Gabe groß herauskomme. Es geht darum, dass Jesus groß wird und sein Reich gebaut wird. Jeder wird mit seiner Gabe an seinem Platz gebraucht. 

Beim Lauf des Glaubens sind wir miteinander unterwegs. Wir sind einander an die Seite gestellt, damit wir uns auf dem Weg zum Ziel stärken. Das ist unsere Aufgabe, dass ein Läufer den anderen unterstützt. 

Wenn einer im Glauben angefochten ist, dann ist es unse-re Aufgabe, dem anderen Glaubensmut zuzusprechen. Wenn einer schuldig geworden und im Lauf gestürzt ist, dann ist es nicht unsere Aufgabe, den anderen fertig zu machen, sondern ihm wieder zurecht zu helfen. Wir sind miteinander unterwegs zum Ziel, damit wir einander wieder aufhelfen (2). 

Und wenn jemand im Glauben lau geworden ist, dann sagt uns der Apostel: »Ihr seid miteinander unterwegs, damit ihr einander stärken könnt«. Nicht um Konkurrenz geht es. Jesus hat uns in seiner Gemeinde zusammen gestellt, damit wir miteinander ans Ziel kommen. Keiner soll abhängen. Keiner soll zurückbleiben. 

Und liebe Gemeinde, nicht nur wir dürfen einander auf dem Weg des Glaubens stärken. Noch wichtiger ist es: Jesus geht mit auf dem Weg durch das Leben. Er, der Auferstandene, kümmert sich um uns auf dem Weg des Glaubens. Er hilft uns auf, wenn wir gefallen sind. Er schenkt uns neue Kraft, wenn uns die Kraft ausgehen will. Er will doch, dass wir den Siegespreis bekommen.


2. Lasst uns laufen mit Hingabe

Bei den olympischen Wettkämpfen in den kommenden Tagen werden wir es wieder erleben, dass die Sportlerin-nen und Sportler ihre Wettkämpfe ganz ernst nehmen. Wir werden es sehen: Jeder Läufer und jede Läuferin wird sich auf ihren Wettkampf konzentrieren. Keiner wird halbherzig an den Start gehen. Jedem wird man es abspüren können: Der nimmt seinen Lauf ernst. Der ist ganz bei der Sache.

So möchte uns Paulus heute Morgen deutlich machen: Auch uns soll der Lauf des Glaubens wichtig sein. Wenn schon Jesus alles dafür getan hat, dass wir zum Lauf des Glaubens berufen sind und wenn schon Jesus sein Leben für uns eingesetzt hat, damit wir zu ihm und zum Vater gehören können, sollten wir dann nur halbherzige Nach-folger sein? Wenn schon Jesus sich für uns gegeben hat, damit jeder, der an ihn glaubt, ein großartiges Ziel vor Augen hat, sollte es uns dann nicht wichtig sein, auf ihn zu vertrauen? Sollte es uns dann nicht wichtig sein, auf ihn zu hören und bei ihm zu bleiben? 

Schon aus Dankbarkeit und Liebe zu Jesus soll man es uns doch abspüren können: »Dem ist sein Lauf wichtig. Der ist ganz bei der Sache«. Man soll es uns doch abspü-ren können: Jesus ist nicht nur etwas Wichtiges in mei-nem Leben. Er ist die Mitte meines Lebens. Jesus ist nicht nur eine Randfigur. Er ist die Hauptperson meines Lebens. Auf ihn will ich hören. Was er zu sagen hat, das ist mir wichtig. Auf ihn will ich mich verlassen und zu ihm will ich mich halten. Und wenn mir in meinem Le-ben etwas anderes wichtiger werden will als er, dann will ich ihn bitten: »Herr, tritt du doch wieder an die erste Stelle in meinem Leben. Hilf mir, Herr, auf dich zu ver-trauen und alles von dir zu erwarten«. 

Paulus will uns ermutigen: Lasst uns laufen mit Hingabe aus Liebe zu unserem Herrn. 

3. Lasst uns laufen mit Glaubwürdigkeit

»Ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn, damit ich nicht anderen predige und selbst verwerflich werde« 

(V. 27). Auch das ist Paulus also wichtig bei seinem »Lauf«: Er möchte glaubwürdig sein. Er möchte nicht nur wie ein Zuschauer von außen den Läufern gute Ratschläge zurufen. Was er sagt, das will er selbst bewähren. Das will er selbst in seinem Christsein umsetzen. Er möchte glaubwürdig sein. Die Botschaft, die er verkündigt, sagt er auch sich selbst. Was er verkündigt, daran will er sich auch selbst halten. Man soll ihm nicht nachsagen müssen: »Paulus, deine Taten streichen deine Worte durch. Paulus, dein Leben deckt sich nicht mit deiner Botschaft«. Er möchte ein glaubwürdiger Zeuge Jesu sein. Und das gibt Paulus auch uns mit: Lasst uns laufen mit Glaubwürdigkeit.

Gewiss, liebe Gemeinde, werden auch wir immer wieder schuldig werden. Immer wieder bleiben auch wir hinter dem zurück, was wir als Christen sagen oder von anderen erwarten. Wie oft sind wir kleingläubig? Wie oft verlas-sen wir uns auf unsere eigene Kraft und Weisheit? Wie oft rechnen wir, wenn es darauf ankommt, nicht damit, dass Jesus doch auch noch da ist? Und immer bleiben doch auch wir in der Liebe und im Gehorsam gegen Je-sus schuldig. Wo wir das merken, müssen wir nicht ver-zagen. Wir dürfen damit zu Jesus kommen. Dafür ist er gestorben. Solange wir leben, werden wir auf die Verge-bung angewiesen bleiben. Aber, liebe Gemeinde, könn-ten wir nicht auch das zu unserer Bitte machen, was Paulus wichtig war: »Herr Jesus, präge du mein Leben. Gib, dass ich nicht nur von dir rede. Lass mein Leben ein Brief von dir sein, in dem andere Menschen von dir und von meinem Glauben an dich lesen können« (3). 

Paulus möchte ein glaubwürdiger Bote sein. Sein Leben soll nicht das Zeugnis von Jesus durchstreichen, sondern unterstreichen.

4. Der Lauf hat ein lohnendes Ziel

Heute bekommt der Sieger eines Wettlaufs eine Goldme-daille, früher einen Fichten- oder Lorbeerkranz. Und wie freut sich ein Sieger über seine Goldmedaille! 

Jesus verspricht denen, die an ihn glauben und bei ihm bleiben, nicht nur einen vergänglichen Kranz. Auch nicht nur eine Goldmedaille, die nach einigen Jahren nur noch Erinnerungswert besitzt. Sein Siegespreis ist unver-gleichlich größer. Diesen Siegespreis müssen wir uns nicht verdienen. Er ist immer Geschenk. Und diesen Sie-gespreis schenkt er jedem, der an ihn glaubt und bei ihm bleibt. Sein Siegespreis ist unvergänglich. Sein Sieges-preis ist das ewige Leben, Leben in der Gemeinschaft mit Jesus und dem Vater. Aus dieser Gemeinschaft kann uns auch der Tod nicht mehr heraus reißen. 

Was für ein Siegespreis! Wenn ich zu Jesus gehöre und bei ihm bleibe, darf ich wissen: Er ist an jedem Tag bei mir. Es gibt keine Höhe und kein Tiefe in meinem Leben, wo er nicht bei mir ist. Dann darf ich aber auch wissen: Ich werde einmal bei Jesus sein, in seinem Reich, wo es kein Leid und keine Tränen, keinen Tod und keine Unge-rechtigkeit mehr gibt. Ich werde ihn sehen und bei ihm sein und – wie es Sören Kierkegaard einmal gesagt hat – »...ewig, ewiglich mit Jesus sprechen«. Das ist keine Vertröstung, wie es Kritiker des Glaubens immer wieder sagen. Das ist reale Hoffnung. Wer dieses Ziel vor Au-gen hat, legt nicht die Hände in den Schoß. 

Peter Hahne hat einmal gesagt: »Wer den Himmel zum Ziel hat, dem darf die Erde nicht gleichgültig sein«. Dieses Ziel vor Augen gibt uns immer wieder Mut und Kraft, auch dann, wenn unser Lebensweg durch Tiefen geht. Es gibt uns Mut und Kraft, die Aufgaben anzupa-cken, die uns Jesus vor die Füße legt. 

Die Athleten bei den olympischen Spielen gehen an den Start. Sie sind bei ihrem Lauf ganz bei der Sache und wollen den Siegespreis bekommen. Auch jeden von uns möchte Jesus bei seinem »Lauf« dabei haben. Er möchte, dass wir bei ihm bleiben und den Siegespreis bekommen. Denn dieser Lauf hat ein lohnendes Ziel. 

Wenn sich schon Sportler über eine Medaille freuen, um wie viel mehr können wir uns freuen über den Siegespreis, den Jesus für uns bereit hat!   Amen. 

(1) z.B. Johannes 15, 4; 1. Johannes 2, 28

(2) Galater 6, 2

(3) 2. Korinther 3, 3





Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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