2009-12-25 Christfest

Predigt über Titus 3,4-7 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den etwas ungewöhnlichen Predigttext für das 

Weihnachtsfest aus dem Brief des Apostels Paulus an seinen 

Mitarbeiter Titus, Kapitel 3, die Verse 4 - 7:

„Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschliebe Gottes, 

unseres Heilandes, machte er uns selig, nicht um der 

Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan haben, sondern 

nach seiner Barmherzigkeit durch das Bad der Wiedergeburt

und Erneuerung im Heiligen Geist, 

den er über uns reichlich ausgegossen hat durch Jesus 

Christus, unserem Heiland, damit wir durch dessen Gnade

gerecht geworden, Erben des ewigen Lebens würden 

nach unserer Hoffnung.“

Sie haben gemerkt: In der Luther-Übersetzung ist der ganze Text ein 

langer (Schachtel-)Satz. In der Übertragung „Hoffnung für alle“ ist er 

aufgelöst in mehrere Sätze und in diesem Fall leichter verstehbar: 

4 „Aber dann haben wir Gottes Liebe und Güte erfahren durch 

unseren Erlöser und Retter Jesus Christus.

5 Nicht, weil wir etwas geleistet hätten, womit wir diese Liebe 

verdienten, nein, seine Barmherzigkeit war es, die uns durch 

eine neue Geburt zu neuen Menschen gemacht hat. 

Das war ein Werk des Heiligen Geistes,

6 den Gott uns durch unsern Erlöser Jesus Christus 

in reichem Maße geschenkt hat.

7 So sind wir allein durch seine unverdiente Güte von aller 

Schuld befreit und warten voller Hoffnung auf sein himm-

lisches Reich, das wir als seine Kinder erben werden.“ 

Liebe Gemeinde, 

und dennoch eine Weihnachtspredigt! (1.)

Bei diesem Bibeltext wird wahrscheinlich mancher aufmerksame

Hörer heute morgen kritisch anmerken: „In diesen Worten des Paulus

kann ich nichts von Weihnachten entdecken. 

Die Worte Gerechtigkeit und Barmherzigkeit erinnern mich nur 

daran, wie ungerecht es vielfach in der Welt zugeht und wie wenig 

Menschen bereit sind, im Umgang miteinander barmherzig zu sein!?“  

Einige Ausleger haben in diesem Predigttext eine wichtige Erklärung

des Paulus zur Bedeutung der christlichen Taufe gesehen: „Bad der

Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes ...“ (

Aber, wenn wir zurückfragen könnten: Paulus, was ist denn das Wichtigste,

worauf du deinen Mitarbeiter Titus hinweisen willst? würde er nicht mit 

der Taufe antworten, sondern sagen: 

- Gott hat uns errettet!

- Das ist die zentrale Botschaft! 

Und wie hat das angefangen?

Damit, dass Gottes Sohn Mensch wurde. 

Darin erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes!

Und damit - sind wir bei Weihnachten! 

„Gott lädt uns ein zu seinem Fest ...“ (2.) 

(a) Weihachten lässt Gott uns sagen, dass er uns liebt, es gut mit 

uns meint, dass er alles für unsere Errettung getan hat!

Für viele Menschen unserer Zeit ist das uninteressant. 

Wieso brauche ich Rettung? 

Ich fühle mich nicht „verloren“.

Ich bin gesund und brauche weder den Notarzt noch den Rettungswagen!

Ich werde aufpassen, dass der Weihnachtsbaum nicht Feuer fängt!

Dann brauche ich keine Feuerwehr, die mich aus dem Flammen rettet! 

Mich interessieren ganz andere Fragen:

- Behalte ich im kommenden Jahr meinen Arbeitsplatz (oder

finde ich einen neuen)?

- Bleibt meine Familie gesund?

- Was wird einmal aus meiner Rente? 

Gott, wenn es ihn denn gibt, wird sicher mit mir zufrieden sein, 

ich bemühe mich, als anständiger Mensch zu leben! 

Warum ist das für Paulus so wichtig, dass Gott uns errettet hat? 

Paulus gibt seine Beobachtungen weiter, die er an sich selbst

und an anderen gemacht hat. 

Direkt vor unserem heutigen Textsagt er (1) :

 „Vergessen wir nicht: Auch wir wussten es früher nicht besser. 

Wir waren Gott ungehorsam, kannten den richtigen Weg nicht und 

wurden von allen möglichen Wünschen und Leidenschaften beherrscht. 

Bosheit und Neid bestimmten unser Leben ...“ 

Menschen ohne Gott leben in eine falsche Richtung. 

Von Natur aus sind wir blind für Gott ...

Wir leben wie Tiere der Wildbahn, die im Zoo geboren wurden: 

Sie kennen die eigentliche Freiheit  überhaupt nicht, 

nur die Grenzen ihres Geheges. 

Deshalb stoßen sie ständig an die Gitterstäbe.

Es muss jemand von außen kommen,

ihren Käfig öffnen und sie in die Freiheit führen! 

(b) Paulus erzählt, auf welche Weise uns Gott errettet hat. 

Gott hat uns sein Herz aufgetan, seine Barmherzigkeit zugewandt.

Er hat den Retter gesandt!

„Die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes ist erschienen ...“, das  

wurde sichtbar, als Jesus geboren wurde. 

Paulus spricht hier von Weihnachten, aber im gleichen Satz weist

er schon schon auf Pfingsten. 

Da hat sich Gott auf eine großartige Weise mit Menschen verbunden, 

die ihm ihr Leben ausgeliefert haben:

„Gott hat den Heiligen Geist reichlich über uns ausgegossen ...“.

Er nennt somit die beiden Eckpunkte von Gottes Handeln zu 

unserer Rettung: 

- Jesu Geburt und die Ausgießung des Heiligen Geistes.

Immer wieder hat er auch von dem gesprochen, was dazwischen liegt (2):

Am Kreuz hat Jesus die Schuld unseres Lebens nicht „unter den 

Teppich gekehrt“, sondern ans Licht gebracht, auf sich genommen

und dafür mit dem höchstmöglichen Preis - mit seinem Leben - bezahlt (3).

Und Gott hat die Bezahlung angenommen und das dadurch bestätigt,

dass er seinen Sohn aus dem Tod herausgeholt hat (4). 

Und Christus - hat als auferstandener Herr - den Heiligen Geist in die

Herzen der Glaubenden gepflanzt, wodurch sie Anteil bekommen 

an Gottes Leben. 

Gott ist ein menschenfreundlicher Gott! 

Er liebt uns!

Wir sollen als seine Kinder teilhaben an seiner Herrlichkeit, 

wir sollen Erben des ewigen Lebens sein. 

Gott will alles mit uns teilen. 

Alles, was er hat. 

Wenn wir uns zu Weihnachten gegenseitig ein frohes Fest wünschen, 

dann ist das manchmal ernst gemeint, manchmal auch nur eine 

nette Floskel. 

Jedenfalls wartet auf uns ein noch ein viel größeres Fest, 

so schön, dass es sich mit menschlichen Worten gar nicht beschreiben 

lässt! (5). 

Und zu diesem Fest lässt uns Gott durch seine Boten einladen! 

(c) Für Gottes Fest ist eine Eintrittskarte nötig! 

Paulus spricht hier vom „Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung

des Heiligen Geistes“ 

Durch die natürliche Geburt treten wir in eine Beziehung zur sichtbaren,

irdischen Welt und zu den Menschen um uns herum. 

Durch die Wiedergeburt treten wir in eine Beziehung zur unsichtbaren,

himmlischen Welt, zu Gott unserem Vater und zu Jesus Christus, 

der uns zu seinen Brüdern und Schwestern erhebt. 

Niemand hat etwas dazu getan, dass er geboren wurde.

Die Geburt ist jedem von uns quasi widerfahren. 

So ist es auch bei der Wiedergeburt!  

Nicht wir selbst erneuern uns, 

sondern Gott erneuert uns durch seinen Heiligen Geist! 

Wir müssen es nur Gottes Geist zulassen, dass er das auch tun kann! 

Ja, noch mehr: Wir dürfen darum bitten, dass Gott uns seinen Geist gibt! (6).

Und wo er es tut, da wird unser Leben neu. 

Sicher nicht fehlerfrei oder sündlos, aber sein Geist macht uns zu 

Gottes Kindern, die wissen: Meine Sünden sind mir vergeben und 

ich unterstelle mich jetzt bewusst der Führung Jesu. 

Gott ist es, der uns durch seinen Heiligen Geist „in das Reich seines

lieben Sohnes versetzt hat“, wie es im Kolosserbrief heißt (1,13). 

Und das „Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist ...“, 

von dem Paulus hier schreibt, ist die Eintrittskarte zum letzten

und immerwährenden Fest Gottes. 

Was machen wir mit Gottes Einladung? (3)

Das Weihnachtsfest ist für viele von uns ein Anlass, sich gegenseitig

einzuladen, gemeinsam zu feiern und zu festen. 

Doch alle diese Feierlichkeiten haben ihre Wurzel darin, dass Gott 

uns Menschen zu Weihnachten in einmaliger Weise 

mit seiner Liebe beschenkt hat und uns zu seinem Fest 

in der ewigen Herrlichkeit einlädt. 

Gottes Liebe gilt allen Menschen!

Jede und jeder ist persönlich eingeladen! 

Ich bekomme ganz oft Briefe, die „persönliche Einladungen“ sind. 

Und auf die kann ich ganz unterschiedlich reagieren!

- Ich kann den Brief z. B. zurückgehen lassen („Annahme verweigert“), 

- oder in den Papierkorb werfen 

- oder unbeantwortet auf dem Schreibtisch liegen lassen 

- oder aber ich kann den Brief mit der Einladung öffnen, 

ihn lesen und die vier Buchstaben unten beachten: 

„u.A.w.g. - um Antwort wird gebeten!“.  

Darauf kommt es auch hier an: 

Dass ich die Einladung annehme, die mir Gott ausgesprochen hat!

Nur dann ist Weihnachten zu seinem Ziel gekommen. 

Nur dann zieht die Freude bei mir ein. 

Amen

Anmerkungen:

(1) Tit 3,3 (HfA)

(2) Vgl. Tit 2,14

(3) 2. Kor 5,21

(4) Röm 4,25

(5) 2. Kor 12,4

(6) Lk 11,13




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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