2009-11-15

Predigt über Römer 8,18-23 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören auf den Predigttext für diesen Sonntag aus Römer 8, die 

Verse 18-23:

„Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht

fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. 

Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die 

Kinder Gottes offenbar werden. 

Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit - ohne ihren 

Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat -, doch auf 

Hoffnung; denn auch die Schöpfung wird freu werden von der Knecht-

schaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.

Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augen-

blick mit uns seufzt und sich ängstet. 

Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir den Geist als

Erstlingsgabe habe, seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der 

Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes.“ 

Liebe Gemeinde,

hoffentlich haben Sie nicht bereits beim ersten Vers des 

Predigttextes »abgeschaltet«! 

Traditionell wird der heutige Sonntag auch als »Volkstrauertag« 

begangen. An den Gedenkstätten für die Gefallenen der beiden 

Weltkriege werden Kränze niedergelegt. 

In den Ansprachen wird des unermesslichen Leids von Millionen

und Abermillionen Menschen gedacht (unter Hinweisen auf die 

vielen Leid-Schauplätze dieser Welt, so auch heute in Schwann 

und Dennach)

Von der Kanzel aber hören wir: »dieser Zeit Leiden fallen nicht 

ins Gewicht«! Ganz bestimmt: Römer 8 ist keine Ansprache zum 

Volkstrauertag. 

Aber Paulus spricht hier so allgemein, dass sich auch ein 

solcher Anlass nicht ausschließen lässt. 

Muss man deshalb einen solchen Bibelabschnitt nicht 

einfach abhaken? 

Wenn wir die Bibel abhaken, bleiben wir aber mit unseren

Fragen allein.

Dann stört uns zwar niemand mehr, aber wir bekommen 

eben auch keine Antworten mehr. 

Das war auch Luthers Erfahrung: Wenn die Bibel abgehakt oder 

hintenan gestellt wird, dann bekommt man u.U. selbst in der Kirche 

die falschen Antworten!

Heute morgen haken wir deshalb nach und nicht ab:

Stimmt das wirklich: »dieser Zeit Leiden fallen nicht ins Gewicht«? 

Wenn wir uns auf dieses Wort einlassen, erschließt uns Gott 

einen Ausblick, den wir nirgendwo sonst bekommen. 

Unsere Augen werden für eine Wirklichkeit geöffnet, 

die wir ansonsten nicht einmal erahnen würden. 

»Hoffnung, die Durchblick verschafft«: 

Das ist das Thema dieses Abschnitts, der drei Fragen aufwirft 

und auch beantwortet:

1. Was wird aus unserer Welt?

2. Was wird aus uns?

3. Was wirkt der Heilige Geist? 

1. Was wird aus unserer Welt?

In dieser Welt wird maßlos gelitten. 

Und Paulus verschweigt das keinen Augenblick. 

Er spricht von Seufzen und Stöhnen. 

Er vergleicht das mit Geburtswehen, die die Betroffenen in Sorge 

versetzen (Vers 22). Die gesamte Umwelt ist eingeschlossen. 

Alles ist gepackt vom ängstlichen Warten. 

Doch das alles ist kein blindes, sinnloses Schicksal. 

Es steht in einem großen Zusammenhang mit dem Beginn der 

Weltgeschichte: Die Welt ist kein vor sich hin taumelnder Planet, 

sondern sie ist Schöpfung Gottes! 

Und das Leid ist die Folge unserer zerbrochenen Gottesbeziehung. 

Sogar die Tiere und die Natur sind da einbezogen. »Der Acker ist 

verflucht. Er wird dir Dornen und Disteln tragen. Mit mühevoller Arbeit 

sollst du dich am Leben erhalten!« (1. Mose 3, 17f.). 

Gottes Strafwort an Adam zeigt Folgen bis heute. 

Aber das Strafwort ist nicht das Letzte. Diese Welt ist Gottes Welt. 

Er hat sie geschaffen. Und er will und wird sie neu schaffen. 

Das Stöhnen soll wirklich einmal aufhören! 

Wann wird das passieren? 

Paulus sagt: Das Ergehen dieser Welt ist verknüpft 

mit dem Ergehen der Christen. 

Und das Ergehen der Christen ist verknüpft mit dem Ergehen 

des Christus. 

Am Ostermorgen sind die Fesseln von Sünde, Leid und Tod 

durchbrochen worden. 

Jesus Christus hat dem Tod die Macht genommen. 

Das Leid hat nicht mehr das letzte Wort.

»Neue Schöpfung« – seit Ostern - gibt es das!

Aber der Zielpunkt ist noch nicht erreicht. 

Deshalb leben wir jetzt in der Zeit des Wartens, der Sehnsucht, 

des „Seufzens“, einer Zeit, in der selbst in der Kirche nicht alles 

Gold ist, was glänzt. 

Wann ist die Hoffnung erfüllt? 

Wann wird aus Sklaverei Freiheit?  

Paulus sagt: Wenn Christus seine Gemeinde (die, die an ihn glauben) 

an ihr Ziel bringt, dann ist die ganze Schöpfung mit dabei: »Die 

Schöpfung wird frei werden ... zu der herrlichen Freiheit der Kinder 

Gottes« (Vers 21)! 

So wie beim Strafwort Mensch und Natur miteinander betroffen waren,

so sind auch bei Gottes endgültigem Heil die an Jesus Glaubenden und 

die Schöpfung gemeinsam „befreit“. 

2. Was wird aus uns?

»Hoffen und Harren macht manchen zum Narren«, sagt der 

Volksmund. 

Ist es realistisch, heute noch auf Gottes Erlösung zu hoffen 

und zwar auf eine solche, von der unser Abschnitt spricht: 

»herrliche Freiheit«, »Erlösung unseres Leibes«? 

Vieles spricht gegen diese Hoffnung. 

Ich brauche Ihnen nicht das aufzuzählen, was Sie jeden Tag selber 

hören und sehen: In den im Fernsehen, in den Zeitungen, 

den Erzählungen im Bekanntenkreis:

da bleibt für solche Hoffnung wenig Platz. 

Aber genau deshalb sind wir ja hier im Gottesdienst! 

Nicht die Zeitung allein soll Grundlage unseres Lebens sein!

Gott richtet sein Wort an uns. 

Und dieses Wort haben wir nicht schon in uns. 

Nein, dieses Wort ist atemberaubend anders als alles, was wir in 

uns und um uns herum hören. 

Dieses Wort muss uns zugesprochen werden. 

Sonst bleiben wir gefangen in unseren menschlichen Möglichkeiten 

und Unmöglichkeiten.

Dieses Wort kommt an unser Ohr: Gott hat euch erlöst! 

Er hat euch befreit von den Ketten der Sünde! 

Er hat euch zu seinen Kindern berufen, eingeladen, will euch alles

schenken! 

Diese Botschaft muss uns doch zu Flügel verleihen, so dass wir 

gar nicht mehr anders können, als Gott zu danken und zu loben! 

Leben mit Jesus Christus, das heißt jetzt: Leben in der Freude! 

Andererseits klammert Paulus aber auch die andere Seite nicht aus: 

»Auch wir (er meint die, die Jesus nachfolgen) seufzen in uns selbst 

und sehnen uns nach der Kindschaft, nach der Erlösung unseres 

Leibes« (Vers 23).

Wie passt denn das aber zusammen? 

Kind Gottes sein und gleichzeitig auf die Kindschaft warten

Von den Fesseln des Bösen befreit sein und doch immer noch 

so viel Leid erleben? 

Die Antwort darauf liegt im Wort »Hoffnung«.  Er sagt zu den Christen:

„Wir sind gerettet – doch auf Hoffnung!“ 

Seit Ostern ist es nicht mehr zu übersehen: Gott hat ein neues Kapitel 

in seiner Geschichte aufgeschlagen. 

Der Tod ist besiegt. Menschen werden neu, bekommen bleibendes, 

ewiges Leben. 

Aber während das Neue bereits begonnen hat, dauert das Alte 

noch an. Christen gehören schon zur neuen und ewigen Welt Gottes, 

und doch stehen sie mit allen anderen zusammen noch mitten drin 

in der alten Welt. 

Diese Spannung ist die Spannung des Glaubens. 

Gefragt ist hier ein Blick, 

- der durch alles Vordergründige hindurch schaut; 

- der hinter den düsteren Geschehnissen Gottes Herrlichkeit 

aufblitzen sieht. 

Aber wie soll das gehen? 

Zum Beispiel so, wie bei jenem Christen aus China, M.Y. Chan: 

Er hatte zwanzig Jahre Haft in einem Gefangenenlager zu verbüßen, 

weil er Zeuge Jesu Christi sein wollte. 

Zu den widerlichsten Aufgaben gehörte für die Gefangenen das 

Ausschaufeln der Kloake. Der Gestank war dort beinahe unerträglich. 

Trotzdem war Chan froh, wenn er gerade diese Arbeit zu tun bekam. 

»Hier haben mich alle in Ruhe gelassen«, sagte er, »weil jeder 

möglichst weit von diesem Ort entfernt sein wollte. 

Deshalb konnte ich dort Gott loben, so laut ich wollte; 

ich konnte Bibelverse aufsagen, konnte Choräle singen. 

In dieser Kloake war mir mein Herr ganz nahe.« 

Und dann sang er ein Lied, wie er es vorher dort im Lager getan hatte: 

»Ich komme allein in den Garten, während der Tau noch auf den Rosen 

liegt  ... Und mein Herr geht mit mir und er spricht mit mir und er sagt mir, 

dass ich zu ihm gehöre.«  

Wer so durchblickt, beginnt zu ahnen, was Paulus am Anfang sagt: 

»Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen 

gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.« 

Nicht, dass damit das Leid von Menschen abgewertet sein soll. 

Es ist umgekehrt: Wer auf Gottes Wort hört, lernt Stück um Stück die 

Herrlichkeit Gottes kennen. 

Und lernt damit den kennen, der größer ist als alles Leid, aller 

Schmerz, alle Not. 

»Ich bin überzeugt«, so bekräftigt Paulus am Ende dieses Kapitels, 

»dass überhaupt nichts uns trennen kann von der Liebe Gottes« (Vers 38f.). 

Diese Liebe hat er uns in seinem Sohn Jesus Christus erwiesen. 

Und diese Herrlichkeit wird am Ende auch das tiefste menschliche 

Leid umhüllen.

3. Was wirkt der Heilige Geist?

Woher stammt diese Hoffnung? 

Paulus erinnert uns daran: Diese Art von Hoffnung kann man sich nicht 

aus den Fingern saugen. Sie ist Geschenk. 

Christen haben den Geist als »Erstlingsgabe«, als Pfand erhalten.

Was lässt sich über diesen Geist sagen? 

Paulus sagt: Dieser Geist hat Jesus von den Toten auferweckt. 

Derselbe Geist wohnt in jedem, der Jesus vertraut. 

Das heißt: Er wird auch ihn (oder sie) lebendig machen (Vers 11). 

Das also bedeutet Pfand: Wenn Gott mir den Geist von Ostern 

geschenkt hat -, dann ist damit eine unüberwindliche Hoffnung verknüpft. 

Wenn er in der Lage war, Jesus aus dem Grab zu holen, dann wird er 

das auch gewiss mit uns tun. 

Deshalb steht die christliche Hoffnung - auf einen tragfähigen Grund.

»Wir haben diesen Geist empfangen und trotzdem seufzen wir 

und sehnen uns nach Erlösung« (Vers 23). 

Passt das denn zusammen: Geist von Ostern und Seufzen? 

Müsste es nicht umgekehrt laufen: Der Geist von Ostern vertreibt 

alles Leiden und Stöhnen, er stimmt das nie endende Halleluja an?!  

Aber Paulus entgegnet: Ihr habt richtig gehört: Wir haben Gottes Geist 

empfangen, wir sind seine Kinder geworden und trotzdem seufzen 

wir und warten auf die Kindschaft. 

Gottes neue Welt hat an Ostern die alte nicht einfach abgelöst. 

Die neue Welt hat begonnen, aber die alte dauert noch an.

Christen leben gewissermaßen in zwei Welten gleicheitig: 

In der neuen, vom ewigen Leben, vom Heiligen Geist bestimmten, 

und in der alten, in der Leid, Schmerz und Tod noch an der 

Tagesordnung sind. 

Der Heilige Geist wischt die alte Welt nicht einfach mit einem 

Handstreich weg. 

Er beendet nicht in einem Atemzug alles Leiden der Christen. 

Er macht etwas ganz anderes: 

- Er seufzt mit uns, für uns, an unserer Stelle. 

- Er ist unser Assistent und Stellvertreter. 

Er bringt unser Anliegen vor Gott; denn wir selbst wissen oft genug 

selber nicht recht, was für uns gut ist und wie wir deshalb recht 

beten sollen (Vers 26). 

So lässt sie sich ertragen – die Spannung 

- zwischen dem Alten und dem Neuen,

- zwischen dem Leiden und der Herrlichkeit. 

- Kind Gottes sein und trotzdem seufzen: das schließt sich 

jetzt nicht mehr gegenseitig aus, sondern lässt sich gar 

nicht voneinander trennen. 

Auch Christen stehen mit beiden Beinen in dieser Welt. 

Sie leiden mit allen anderen Menschen mit. 

Sie erleiden den Tod von anderen und den von sich selbst. 

Und das tut weh. 

Aber in all dem strahlt schon Gottes ewiges Licht auf. 

Gott hat an Ostern ein neues Kapitel in seiner Geschichte aufgeschlagen. 

Jesus lebt, und deshalb werden leben, die sich ihm heute anvertrauen.

Sie sind schon heute frei (im Glauben), wenn auch noch „jedermanns

Knecht und Diener“ in dieser Welt (um noch einmal Luthers Worte zu 

gebrauchen). 

Am „Tag X“ aber werden sie völlig frei sein. 

Deshalb kommen wir am Schluss nochmals auf den Anfang zurück: 

»Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen 

gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.« 

Weil Gottes neue Welt bereits eingeläutet wurde, weil seine 

Herrlichkeit bereits aufblitzt, deshalb verblassen in diesem Licht all 

die Leiden der alten Welt. 

Sie sind bestimmt nicht vergessen, weil Gott alle Tränen kennt. 

Aber sie treten zurück angesichts des gewaltigen Neuen, das Gott 

ins Werk setzt.

Gottes Wort erreicht uns sogar in der Tiefe unserer Hoffnungslosigkeit, 

unseres Leids, unserer Angst. 

Er eröffnet einen grandiosen Ausblick auf das, was er tut, auch in unserer 

Welt und in unserem Leben. 

(Beispiel des Paul Gerhardt - Liederdichter im EG - gelebt

im 30-jährigen Krieg - alles verloren - froher Christ geblieben ...)

Lasst uns deshalb fest auf sein Wort hören, selbst dann, wenn es uns 

auf den ersten Blick ziemlich (welt-)fremd vorkommt. 

Es bewahrheitet sich immer. 

Amem




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 24.06.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer M.Gerlach)
10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer M.Gerlach)
Dienstag, 26.06.2018
17:45 Uhr:
Jungschar für alle Jungen und Mädchen im GH in Dennach
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 27.06.2018
19:00 Uhr:
Teenkreis 13+ im GH Schwann
Donnerstag, 28.06.2018
18:30 Uhr:
Biblellesen und Austausch für Jugendliche im GH Schwann