2009-11-08

Predigt über Lukas 17,20-30 / Pfarrer Fabian Keller, Nagold-Hochdorf

Liebe Gemeinde, 

über dem Predigttext steht eine Frage, die in unserer heutigen Welt nur sehr selten gestellt wird. Sie lautet: »Wann kommt eigentlich das Reich Gottes?« Man hat den Eindruck, dass diese Frage die Menschen von heute nur sehr wenig beschäftigt und auch nur sehr wenig inte-ressiert. 

Die Fragen von heute lauten eher: »Ist mein Arbeitsplatz sicher?« – »Wann kommt endlich wieder der Auf-schwung?« – »Sind unsere Renten wirklich sicher?« 

Das sind die Fragen, die in unseren Tagen relevant sind. Aber wann das Gottesreich kommt, diese Frage scheint sehr weit zu sein. 

Für die Pharisäer und Schriftgelehrten, die zur Zeit von Jesus lebten, war diese Frage jedoch alles andere als nebensächlich. Das war die Frage für sie, mit der sie täglich lebten. Denn sie wussten: Was heute geschieht, kann morgen schon völlig nebensächlich und bedeutungslos sein. Diese Menschen wollten sich mit Dingen beschäftigen, die wirklich Bestand haben – auch über ihre eigene Zeit hinaus. Sie lebten in einer brennenden Erwartung auf diesen Tag hin: Auf diesen Tag, an dem der Messias kommen wird; auf den Tag, an dem er dann seinen Heilsplan vollenden und alles neu machen wird. Auf diesen Tag lebten sie hin. 

Und so verwundert es auch nicht, dass sie auch Jesus immer wieder mit dieser Frage konfrontierten. So auch im heutigen Predigttext (Lukas 17,20-30):

20 Als er aber von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes?, antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man's beobachten kann; 21 man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es!, oder: Da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.1 22 Er sprach aber zu den Jüngern: Es wird die Zeit kommen, in der ihr begehren werdet, zu sehen einen der Tage des Menschensohns, und werdet ihn nicht sehen. 23 Und sie werden zu euch sagen: Siehe, da!, oder: Siehe, hier! Geht nicht hin und lauft ihnen nicht nach! 24 Denn wie der Blitz aufblitzt und leuchtet von einem Ende des Himmels bis zum andern, so wird der Menschensohn an seinem Tage sein. 25 Zuvor aber muss er viel leiden und verworfen werden von diesem Geschlecht. 26 Und wie es geschah zu den Zeiten Noahs, so wird's auch geschehen in den Tagen des Menschensohns: 27 Sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie ließen sich heiraten bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche ging und die Sintflut kam und brachte sie alle um. 28 Ebenso, wie es geschah zu den Zeiten Lots: Sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten; 29 an dem Tage aber, als Lot aus Sodom ging, da regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte sie alle um. 30 Auf diese Weise wird's auch gehen an dem Tage, wenn der Menschensohn wird offenbar werden.“

»Wann kommt das Reich Gottes?« Das war die Frage dieser Pharisäer. An dieser Stelle – muss man sagen – sind die Pharisäer besser als ihr Ruf. Diese Erwartungshaltung und diese Sehnsucht nach dem Gottesreich sind beschämend für uns. 

Wie selten reden wir über das Reich Gottes! Die Dimension der Ewigkeit hat auch bei uns Christen meist wenig Raum, und auch wir sind sehr mit diesseitigen Problemen beschäftigt: Essen, trinken, einkaufen, verkaufen, pflanzen und bauen. Daran hat sich in den letzten 3.000 Jahren wenig geändert. 

Sie haben schon gesehen, dass ich Ihnen heute einige Gegenstände mitgebracht habe. Sie kennen alle diese Gegenstände, weil sie tagtäglich unseren Tagesablauf bestimmen.

(Wecker) Ich wache auf, der Wecker holt mich tagtäglich aus meinen Träumen und sagt mir, dass es Zeit zum Aufstehen ist, obwohl ich es doch eigentlich nicht will. Zumindest nicht so früh. Und bei uns Deutschen ist es eigentlich ein Wunder, dass noch niemand eine Bürgerinitiative zum Schutz unserer Wecker gegründet hat, werden sie doch regelmäßig von ihren Besitzern geschlagen.

Ich stehe also auf, trotte ins Bad, schaue entsetzt in den Spiegel und setzte mich schließlich an den Frühstücks-tisch und beginne meine (Zeitung) zu lesen. Meistens komme ich nicht einmal auf die zweite Seite, ohne dass ich mich über irgendwelche Politiker irgendeiner Partei furchtbar aufrege oder dass mich ein Unglück oder eine Katastrophe schockiert.

Noch bevor ich ins Geschäft komme, habe ich schon mindestens fünf Menschen alles Mögliche gewünscht, weil sie meiner Meinung nach mal wieder viel zu langsam gefahren sind. 

Bei der Arbeit (Schraubenzieher und Bleistift) läuft vieles wie immer und manches eben auch schief. Mit manchen Kollegen kann ich es ganz gut, mit anderen hingegen möchte ich eigentlich gar nichts zu tun haben. Klammer auf: Das ist in der Schule auch nicht anders. Klammer zu.

Mittags gibt es etwas zu essen (Banane). Danach geht es wieder an die Arbeit. Ich esse zu Abend, setze mich vor den Fernseher (Fernbedienung) und falle schließlich ziemlich müde ins Bett.

So oder so ähnlich sieht das Leben von den allermeisten von uns aus. »Sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten und sie bauten.« So sieht unser Leben aus. Ob Sie nun Christ sind oder nicht. Das ist völlig egal.

Sie werden jetzt vielleicht fragen, was daran so schlimm ist und was das alles mit unserer Frage von heute Morgen zu tun hat: »Wann kommt das Reich Gottes?« 

Jesus sagt den Pharisäern und uns heute Morgen etwas Erstaunliches, so wie Jesus seine Zuhörer meist mit Unerwartetem überrascht. Er sagt: »Ihr könnt das Reich Gottes nicht an äußeren Zeichen festmachen. Es gibt auch keinen Termin, den Ihr Euch in Euren Terminkalender eintragen könnt. Das Reich Gottes fängt nicht an einem bestimmten Tag an. Nein. Das Reich Gottes ist vielmehr jetzt schon mitten unter Euch, ja es ist sogar in Euch. Wo das Reich Gottes in dieser Welt anfängt, das entscheidet sich bei Euch. In Eurem Herzen. Das Reich Gottes hängt davon ab, ob Ihr an mich glaubt oder nicht.«

Jesus sagt uns: »Das Gottesreich ist bereits da. Mit meinem Kommen ist es angebrochen in dieser Welt. Worauf wartet Ihr also noch? Ich selber bin der Mittelpunkt des Gottesreiches und ich bin mitten unter Euch.« 

Gottes Reich ist überall dort, wo ein Mensch von Jesus Christus geleitet wird, wo er sein Leben ihm anvertraut hat. Und das sieht man einem Menschen eben gerade nicht an. Oder doch? 

Ich finde, das ist eine spannende Frage: Sieht man einem Menschen an, dass er das Reich Gottes, sprich Jesus Christus selber, in sich trägt?

Stellen Sie sich mal einen Menschen vor, der gerade einen Sechser im Lotto gewonnen hat. Der strahlt über alle Backen. Oder wenn ein Mann das erste Mal Vater geworden ist; der ist richtig stolz und dankbar. Und das sieht man dem an. Oder ein Schüler, der gerade das Abitur erfolgreich hinter sich gebracht hat. Oder einen Fußballfan, der gerade eine Freikarte für das nächste Meisterschafts-Spiel bekommen hat. Der führt einen Freudentanz auf.

Warum aber sieht man es uns Christen so wenig an, dass wir eine Fahrkarte für die Ewigkeit in der Tasche haben? Und dagegen können Sie eine Eintrittskarte zu einem Fußballspiel nun wirklich vergessen.

Aber wenn mit diesem Reich Gottes gar nicht in erster Linie der Jüngste Tag gemeint ist, sondern eigentlich jeder Tag, den wir als Christen in dieser Welt leben, dann lohnt es sich doch, dass wir uns jeden Tag aufs Neue Gedanken machen, wie sich dieses Reich Gottes – in mir und in meinem Alltag – auswirkt. 

Wir bemühen uns ja, als Christen zu leben, aber immer wieder stellen wir fest, dass man uns das Reich Gottes vielleicht doch nicht so ganz ansieht, geschweige denn abnimmt. Es fällt uns eben gar nicht so leicht, unseren Glauben wirklich im Alltag zu leben. Und zwar so, dass andere uns das auch noch abspüren. Wir wollen als Christen leben. Wir bemühen uns, wir strengen uns an – und wir scheitern. Unser Wille ist gut, aber das reicht nicht. 

Jesus selber gibt uns einen anderen Tipp. Der wichtigste Vers im neuen Testament, wenn es um geistliches Leben geht, steht in Lukas 6,45. Und dieser Vers ist ein Schlüs-sel zu einem Leben mit Jesus – im Alltag. Dort sagt Jesus selber: »Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens; und ein böser Mensch bringt Böses hervor aus dem bösen. Denn wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.«

Jesus sagt uns, wir brauchen zuerst etwas Gutes in unserem Herzen, damit auch etwas Gutes rauskommen kann. Einfach gesprochen: Wo kein Reich Gottes drin ist, kommt auch kein Reich Gottes raus. 

Das heißt: sammle jeden Tag ein wenig Gutes in dein Herz, damit schließlich viel Gutes drin ist. Dann wird sich dein Glaube, dein Denken und dein Handeln verän-dern. Und dann werden auch andere dieses Reich Gottes in dir spüren.

Wir haben vorhin einen ganz gewöhnlichen Tagesablauf angeschaut. Da war nichts falsch dran. Aber: Wenn wir so leben, – »essen, trinken, arbeiten, usw.« – dann wird sich in meinem Leben nichts ändern und mein Glaube wird lauwarm bleiben und kein Mensch wird bemerken, dass das Gottesreich bereits angefangen hat. Ich möchte Ihnen jetzt einen Tagesablauf vorstellen, der nur ein wenig verändert ist.

Wenn der Wecker klingelt, dann falle ich nicht aus dem Bett und trotte in die Dusche. Sondern als aller erstes sage ich: »Danke Gott für den neuen Tag. Ich nehm’ ihn aus deiner Hand und ich bitte dich, dass du heute mit mir gehst.« Und ich sage zu meinem Herrn: »Lass uns diesen Tag gemeinsam verbringen.« 

Dann schaue ich in mein Losungsbuch und bin gespannt, was mir Gott an diesem Tag mit auf den Weg geben will. 

Beim Frühstück lese ich die Zeitung nicht nur, sondern wenn ich mich über etwas ärgere oder über etwas schockiert bin, dann mache ich ein Gebet daraus. 

Wenn ich mit dem Auto zur Arbeit fahre, dann höre ich Nachrichten oder Musik und rege mich über die anderen Autofahrer auf. Oder: Ich höre gute Lobpreismusik. Und ob das ein Bachchoral oder ein neues Lobpreislied ist, ist völlig egal. Aber ich tue mir was Gutes an, was meinen Blick auf meine Mitmenschen verändert. Und manchmal werde ich daran erinnert, dass ich meine Mitmenschen segnen soll und nicht verwünschen. Und ich mach das dann auch. Ich sage dann: »Herr, ich segne diesen Menschen in deinem Namen. Er kann zwar nicht Autofahren, aber viel wichtiger ist: Du sehnst dich nach ihm – lass es ihn spüren.« Und was meinen Sie, wie sich solche Sätze auf meinen Fahrstil auswirken. 

Wenn ich dann bei der Arbeit bin, überlege ich mir: Was hat Gott hier verloren? Das ist ein Denkfehler vieler Christen: Wenn ich bei der Arbeit bin, schalte ich Gott ab. Wir sollten immer zwei Kanäle offen haben: Einen auf meine Arbeit und den anderen nach oben zu Gott. Und ich frage oft am Tag: »Herr, was willst du mir sa-gen?« Oder was glauben Sie, warum uns Gott zwei Ohren gab? Ich habe vorher von den Losungen gesprochen. Die gibt es auch für den Computer. Und sobald man ihn anschaltet, wird man mit einem Bibelwort begrüßt. Da fängt der Arbeitstag gleich ganz anders an. Ich habe auf meinem Schreibtisch immer ein Blatt liegen für Notizen. Und manchmal schreibe ich Namen darauf, die mir in den Sinn kommen. Wenn ich Zeit habe, dann bete ich für diese Menschen. Gott redet auch im Alltag zu uns. 

Unsere Aufgabe ist es, zu hören.

Dann kommt das Mittagessen: Beten wir vor dem Essen und danken Gott dafür? Oder ist es für uns zur Selbstver-ständlichkeit geworden, dass unser Tisch stets reich ge-deckt ist?

Abends schaue ich dann fern. Das ist o.k., aber vielleicht nicht die ganze Nacht. Mir tut es gut, immer wieder christliche Bücher zu lesen, die mich in meinem Glauben weiterbringen. Und am Ende des Tages, wenn ich ins Bett gehe, überlege ich mir, was alles gut war, und dann danke ich Gott dafür. Und ich bin immer wieder erstaunt, an wie vielen Punkten an so einem Tag Gott eingreift.

Das waren jetzt nur ein paar wenige Dinge, die anders liefen. Aber es war ein komplett anderer Tag. Ein Tag mit Gott. Und weil es uns als Christen in dieser Welt einfach nicht so leicht fällt, unseren Glauben gerade auch im Alltag zu leben, deshalb ist es für uns gut, wenn wir uns immer wieder daran erinnern lassen, dass wir einen Herrn haben, der nicht nur sonntagmorgens mit uns leben will, sondern jeden Tag und jede Minute in meinem Le-ben. Und je mehr ich mich mit Gott beschäftige, indem ich viel Gutes in meinem Herzen sammle, umso mehr Gutes wird auch wieder rauskommen. Und diese Verän-derung werden dann auch die Menschen sehen und erleben, mit denen ich tagtäglich zusammen bin. Und dann werden wir erleben, dass das Reich Gottes bereits mitten unter uns ist, weil Jesus durch den Heiligen Geist mitten in uns ist.   Amen.




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 21.10.2018
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Hauskreis Tankstelle für junge Erwachsene bei Steffi