2009-11-01 Reformationsfest

Predigt über Matthäus 5,1-10 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, 

wie geht es uns doch gut, wenn wir auf die Werbung schauen

 - Wir tragen Wäsche, nicht nur sauber, sondern rein, 

 - wir spülen himmlischen Käsegenuss mit wunderbarem Kaffee herunter, 

 - wir fahren Autos, die sind einfach traumhaft, geradezu göttlich, 

und doch sind wir alle Menschen, die weiter auf der Suche sind nach Leben, 

nach Gesundheit, Glück und Zukunft, auch heute noch. 

Man lockt uns an allen Ecken und Enden mit vollmundigen 

Versprechungen, mit geschäftsmäßiger Begeisterung, 

verspricht uns nicht nur das Blaue vom Himmel herunter, 

sondern manchmal sogar noch mehr - die Glückseligkeit selbst. 

Göttliche Genüsse, himmlische Vergnügen, traumhafte Preise: 

- Den Platz an der Sonne; 

  - die Volksbanken machen uns den Weg frei und 

- die LBS gibt unserer Zukunft ein Zuhause! 

Lassen Sie sich das einmal auf der Zunge zergehen! 

Meine Güte, was sind das für Versprechen: 

Ein Zuhause - für meine Zukunft! 

Achten Sie einmal darauf in den nächsten Tagen beim Einkaufen,

oder auch beim Fernsehen, wie religiös die Sprache unserer Werbe-

strategen ist und das ist kein Zufall! 

Da sind Fachleute am Werk. 

Die wissen, wie wir Menschen gestrickt sind. 

Und darum zielen sie nicht auf unseren Kopf, sondern 

- auf unser Herz, 

- auf unsere Seele, 

- auf unsere Sehnsucht nach Leben und Glück, 

nach Sicherheit, Geborgenheit und - Ewigkeit. 

Menschen auf der Suche nach dem Leben. 

Wir feiern heute das Reformationsfest. 

Manchmal denke ich: Du liebe Zeit, wie hat sich die Welt verändert 

seit damals, als der kleine Mönch Martin Luther seine Thesen ange-

schlagen hat. Aber dann komme ich auf einmal ins Stutzen und 

Grübeln und muss denken: Hat sich wirklich so viel geändert? 

Oft steckt der alte Tetzel, Sie erinnern sich: Das war der Ablasseintreiber

damals, doch nur in einem neuen Gewand. 

Aber er ruft noch immer: „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele 

in den Himmel springt!“

 

Du suchst das Leben, den Himmel, die Gnade? 

„Komm her! Ich versprech’ dir alles! Selig sind die Kaufenden: 

Sobald dein Geld im Kasten klingt, sobald du das kaufst, 

was ich dir anpreise - die Seele in den Himmel springt!“ 

Selig sind die Kaufenden? 

Menschen auf der Suche nach dem Glück – 

Was sagt Jesus den Menschen, die sich auf den Weg gemacht haben 

und zu ihm gekommen sind mit ihrem Hunger nach Glück und Leben? 

Wir hören Gottes Wort für das Reformationsfest aus dem Evangelium 

nach Matthäus, Kapitel 5, Verse 1-12:

„Als Jesus aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich;

und seine Jünger traten zu ihm.

Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach: 

Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.

Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.

Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen.

Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit;

denn sie sollen satt werden.

Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.

Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen. 

Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn 

ihrer ist das Himmelreich.“ 

Menschen auf der Suche nach dem Leben und dem Glück. 

Wo suchen wir eigentlich unser Glück? 

Finden wir uns nicht alle immer wieder auf dem Holzweg, 

den die Werbestrategen uns anpreisen? 

Nicht, dass das alles schlecht ist, was sie uns bieten und 

dass Christen alles Irdische meiden und aus dieser Welt 

fliehen müssten. Nein. 

Aber machen wir uns nicht alle immer wieder auf den Holzweg 

und suchen nicht nur Essen und Trinken und Kleidung und ein 

Fortbewegungsmittel, sondern in all dem die Seligkeit, 

da, wo sie gar nicht zu finden ist? 

Bei dem, was wir kaufen und verdienen, was wir auf die Beine stellen 

und uns schaffen und erkämpfen können? 

Wie strampeln wir uns ab auf der Jagd nach unseren Etappenzielen, 

bei denen wir das Glück vermuten: Das neue Auto, der Urlaub, das Häusle,

aber dem Leben selbst kommen wir dabei keinen Schritt näher. 

Jesus weist uns heute morgen in eine ganz andere Richtung. 

SEINE Seligpreisungen lauten anders. 

Die Frage ist aber: Wem glauben wir - Jesus oder uns selbst? 

Kehren wir um?  

Die Seligpreisungen Jesu, sie sind ein Ruf zur Umkehr. 

Und deshalb drei Fragen heute Morgen: 

1. Umkehr - warum? 

2. Umkehr - wie? 

3. Umkehr - wohin? 

1. Umkehr - warum? 

Deshalb, weil das Leben da, wo wir es bisher gesucht haben, 

nicht zu finden ist. 

Nicht: Selig sind die Kaufenden, die, die es geschafft haben, 

die ihre Ziele erreichen. 

Jesus sagt: 

Selig sind die, die geistlich arm sind 

und die, die Leid tragen 

und die Sanftmütigen, 

die, die hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, 

die Barmherzigen und die Friedfertigen 

und die, die reines Herzens sind. 

Die Armen und die Leidtragenden,  

das sind für uns doch eigentlich die Menschen, die einen Mangel haben. 

Wir wollen nicht arm sein, weder arm an Geld und Gut, 

noch geistlich arm, arm in den Augen Gottes. 

Wir wollen etwas vorweisen können. 

Geistlich arm sein, mit leeren Händen vor Gott hintreten müssen, 

das wollen wir nicht. 

Genau wie Martin Luther damals in seiner Mönchszelle bei der 

Suche nach dem gnädigen Gott: Nur nicht mit leeren Händen vor Gott 

zu stehen kommen. 

Wir müssen Gott doch etwas bieten können, gute Werke. 

Und so hat er sich gequält mit Fasten und mit Beten. 

Und das kommt ja nicht von ungefähr, dass wir so sind 

und dass wir auf diesem Weg unser Glück suchen. 

Das hat mit Erfahrungen zu tun, die wir miteinander machen. 

Wir projizieren nämlich das, wie es unter uns zugeht, auf Gott. 

Und da zählt eben derjenige, der was zu bieten hat: 

- Nicht die Schwachen, sondern die Starken. 

- Die, die etwas leisten, die Qualifikationen vorweisen können, 

die etwas bringen, die kriegen die Jobs, nicht die Armen. 

Und wie ist das mit der Sanftmut und der Barmherzigkeit? 

Jesus sagt: Die so sind, die sind „glücklich zu preisen“! 

Aber bei uns - setzen sich da nicht gerade die durch, die sich den Weg 

notfalls auch mit ihren Ellenbogen frei räumen?

Schafft Barmherzigkeit nach unseren Berechnungen nicht eher Nachteile? 

 

Jesus macht uns durch seine Seligpreisungen gerade das Eine deutlich: 

dass hier wirklich Umkehr nötig ist. 

Warum? 

- Weil das Leben da, wo wir es bisher vermutet haben, 

nicht zu finden ist. 

- Weil man hier zwar Erfolg haben kann und es zu Wohlstand bringen. 

Aber ich durch all das nicht wirklich satt werde!

Weder unser irdischer Besitz, den wir alle am Ausgang 

abgeben müssen, noch unser geistlicher Besitz, die guten 

Werke, der ganze religiöse Habitus.  

„Mein guten Werk die galten nicht, 

es war mit ihn verdorben. 

Der frei Will hasste Gott’s Gericht, 

er war zum Gut‘n erstorben. 

Die Angst mich zu Verzweifeln trieb, 

dass nichts denn Sterben bei mir blieb 

zur Hölle musst ich sinken.“ - Das hat Martin Luther gedichtet (EG 341,3) 

Umkehr - warum? 

Weil wir Menschen von Natur aus auf dem verkehrten Denkweg sind. 

Auf eigenen Wegen, aber weg von Gott.  

 

2. Umkehr – aber wie? 

Umkehr ist also nötig, sagt uns Jesus!

Aber wie soll das zugehen? 

Muss ich jetzt doch wieder bestimmte Qualifikationen mitbringen? 

Jesus sagt: 

„Selig“ (griech. „makárioi“), „glücklich zu preisen“ sind in Gottes Augen, 

- die, die gerade an ihren Qualifikationen verzweifeln (also genau

umgekehrt!),

- die, die wissen, wie arm und erbärmlich sie vor Gott sind, 

- die aber auch nicht mehr vor Gott davonlaufen, sondern 

umkehren und mit ihrer Armut zu diesem reichen Gott kommen. 

- die, die wissen, wie ungerecht sie selbst und andere sind, 

- und die darunter leiden und die Hunger haben nach Gerechtigkeit, 

und die gerade mit diesem Hunger zu Gott umkehren. 

Selig sind die, die von sich aus kein reines Herz haben, 

die aber umkehren in die offenen Arme Gottes und die dort ein reines

Herz geschenkt bekommen. 

Selig sind die, deren Herzen, entzündet von der Liebe Gottes, 

anfangen am Leid anderer mitzuleiden, die nicht mehr einfach weiter-

gehen können, sondern barmherzig geworden sind, 

die stehen bleiben und helfen müssen. 

Solche Leute sind nach Gottes Urteil glücklich zu preisen, sagt Jesus.

 

Aber dazu braucht jeder Mensch eine Kehrtwendung in seinem Leben. 

Wie das geht, haben wir gefragt? 

Es geht so, dass ich mich mit meiner Armut an Liebe und Erbarmen 

zu Gott aufmache und mir von ihm die Hände füllen lasse.

 

Kommen wir noch zum Dritten: 


3. Umkehren – wohin? 

Wohin geht die Fahrt? Wohin denn umkehren? 

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass Jesus hier sagt: Selig SIND? 

Selig SIND - nicht: selig werden sein. 

Selig SIND - die geistlich Armen - schon jetzt! 

Wohin geht die Fahrt? 

Die Fahrt der Umkehr führt zu Gott. 

Die Bibel sagt dazu auch Himmel oder Himmelreich. 

Und dort, wo Gott ist, da ist auch der Himmel. 

Und das Unglaubliche: Bereits in dem Augenblick, in dem ein Mensch 

sich auf den Weg macht (wo er umkehrt zu Jesus Christus und mit ihm 

geht), ist er bereits im Himmel angekommen. 

Obwohl sein Todestag hoffentlich noch lange aussteht. 

Schon an dem Tag, an dem ich erkenne, dass ich nur mit leeren Händen 

zu Gott kommen kann und das auch tue, 

da BIN ich schon da, da BIN ich schon „selig“ (glücklich), 

am Ziel bei Gott angekommen. 

Martin Luther sagte über seine Entdeckung der Gnade Gottes: 

„In dem Augenblick taten sich mir die Tore auf. Und ich war in das 

Paradies selber eingetreten.“ 

Da bin ich schon im Paradies, denn ich muss dem Leben nicht mehr hinter-

her jagen wie einer Fatamorgana. 

Wo jedes Mal, wenn ich meine, es geschafft zu haben, sie mir wieder

zerplatzt wie eine Seifenblase. Und nur der Durst zurückbleibt. 

Durst nach mehr. Nach Erfüllung. 

Nein, wo ein Mensch umkehrt und Jesus nachfolgt, ist das Leben 

schon da! Das irdische und das ewige Leben. 

Da gibt es den „Himmel auf Erden“ - „Leben“, das diesen

Namen verdient. 

Weil Gott das Leben schon jetzt schenkt. 

Wie im Gleichnis vom verlorenen Sohn in der Bibel: An einem 

bestimmten Punkt seines Lebens erkannte dieser Sohn die eigene Armut. 

Er erinnerte sich an die Güte des Vaters und machte sich auf den Weg. 

Und bereits in diesem Augenblick war er eigentlich schon gerettet. 

Sein Vater wartet nur noch darauf, bis er endlich am Horizont

auftauchen wird. 

„Selig SIND“, bis hierher hat Jesus über das JETZT gererdet.

Und trotzdem mündet dieses JETZT auch in die ZUKUNFT. 

Denn für alle Menschen, die schon jetzt Hoffnung haben, 

steht noch ein neuer Himmel und eine neue Erde in Aussicht. 

Nämlich dann, wenn Gottes Reich offenbar werden wird - mit Macht  - 

vor unser aller Augen: 

- Ihr WERDET das Erdreich besitzen 

- Ihr WERDET Gott schauen 

  - Ihr WERDET „Kinder Gottes“ heißen 

- Seid fröhlich und getrost; was ihr hier um meinetwillen duldet, 

    es WIRD euch im Himmel reich belohnt werden. 

Wir sehen:

Jesus spricht vom HEUTE als einer Zeit der Entscheidung. 

Vom Leben in einer Welt, die schon den Himmel „enthalten“ kann. 

In Gestalt von Menschen, die das Leben gefunden haben. 

Durch Jesus Christus. 

Obwohl der Tag der Offenbarung noch auf sich warten lässt. 

Christen reden also vom Himmel nicht im Sinne einer  Art Selbsthypnose, 

so nach dem Motto: Wir nennen jetzt einfach mal 

  - arm = reich (und)

- hungrig = satt (und)

- schwach = stark. 

Nein! Das, was Jesus in den Seligpreisungen verheißt, 

das hat alles seinen Anker bei Gott. Und

  - Wir werden es sehen. 

  - Wir werden IHN sehen! 

Da werden die Armen im Geist die Klugen sein.

Und die da hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit Gottes, die 

werden satt sein, endgültig am Ziel. 

Deshalb: Selig zu preisen sind die, die dieses Wort hören und bewahren. 

Amen. 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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