2009-10-05

Predigt über Hebräer 13,15-16 / Pfarrer Dr. Heiko Krimmer, Dettingen u. T. 

 

 

Der Predigttext für das Erntedankfest aus Hebräuer 13, Verse 15 und 16:

"15 So lasst uns nun durch ihn Gott allezeit das Lobopfer darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. 16 Gutes zu tun und mit anderen zu teilen vergesst nicht; denn solche Opfer gefallen Gott." 

 

Liebe Gemeinde,

Erntedankfest – das ist zum Staunen, das ist ein Wunder-Tag: ein Tag des Wunders nämlich, dass Gott wieder hat Früchte wachsen lassen. »Uns mit allem, was Not tut für Leib und Leben reichlich und täglich versorgt«, so sagt es Martin Luther in der Erklärung zum ersten Glaubensartikel.

 

Das ist ja nicht selbstverständlich. Gott der Schöpfer und Erhalter macht seine Garantie wahr, die er mit dem Noah-Bund gegeben hat, wenn er sagt: »Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte…« (1).  Er also sorgt dafür, dass Ernte sein kann. Darum ist Erntedankfest Gottes-Dank-Fest. Wenn wir Gott als den Schöpfer bekennen, weist das nicht nur zurück auf den Beginn; vielmehr zielt dieses Bekenntnis mitten hinein ins Heute.

 

Er hat nicht einmal die Welt erschaffen und sich dann in den Ruhestand zurückgezogen und seitdem läuft alles nach Eigengesetzlichkeiten ab. Er ist und bleibt der Schöpfer. Jeder Grashalm, jedes Blatt, jede Blume und jede Frucht bezeugt Gottes Schöpferkraft heute. Oder gibt es irgendwo eine Fabrik, in der etwa Äpfel hergestellt werden? Können wir Menschen auch nur einen lebendigen Grashalm künstlich machen? Nein – das ist Gottes bleibende Schöpferkraft, die wir heute an diesem Erntedankfest loben.

 

Gott lässt Früchte werden – das gilt noch viel umfassender. Nicht nur die äußeren Lebensmittel sind dabei im Blick, sondern Frucht, die unser Leben wirken und her-vorbringen darf. Davon redet unser Bibeltext, und wir wollen das in drei Linien entfalten:

 

Frucht bringen

Wir Menschen sollen mit unserem Leben Frucht wirken. Dazu gab uns Gott das Leben, und dazu erhält er es. Erntedankfest – der Dank für die äußeren Lebensmittel – fragt uns, was wir aus unserem Leben machen, fragt nach unseren Lebens-Früchten. Ganz wichtig ist dabei – und das entfaltet der Hebräerbrief in vielen eindrücklichen Beispielen –, dass in einem Menschenleben erst durch Jesus Christus wahre Frucht wachsen kann. Er, »der An-fänger und Vollender des Glaubens (2)«, verschafft unserem Leben erst den Boden, auf dem Frucht werden kann. Ohne Jesus Christus gibt es keine Frucht in einem Leben. So deutlich wollen wir es sagen.

 

Sicher, es gibt beeindruckende Lebensleistungen von Menschen, die viel gewirkt und bewirkt haben. Aber das vergeht mit ihnen, hat nur zeitliche Dauer. Jesus spricht von bleibender, von ewiger Frucht aus einem Men-schenleben, wenn er sagt: »Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibe…« (3).

 

Bleibende Frucht darf in unserem Leben werden durch Jesus Christus. Wer an ihn glaubt, ihm sein Leben anvertraut, der ist in die Neuschöpfung hinein genommen. Da gewinnt ein Leben Zukunft, ja Ewigkeit. 

 

Jesus hat unsere Schuld auf sich genommen und uns mit Gott versöhnt. Das bekennen wir als Christen dankbar und staunend. Unser Text nennt das die »Frucht der Lippen«. Das Christusbekenntnis ist die erste, die wichtigste und die bleibende Frucht, die in unserem Leben wachsen darf. So kommt unser Leben zu seiner eigentlichen Be-stimmung: Wir dürfen leben zum Lob Gottes, des Schöp-fers, Erlösers und Vollenders.

 

Am Erntedankfest loben wir Gott für seine lebenserhal-tende Güte. Nur der aber kann wirklich Gott loben, der aus der lebensrettenden Heilstat Gottes lebt. Als Kinder Gottes, zu denen wir durch Jesus Christus geworden sind, loben wir unseren Vater für das Heil, das er in unserem Leben gewirkt hat. Ernte-Dankfest wird so zum Christus-Dankfest.

Dietrich Bonhoeffer zeigt in einem Gedicht, wie unser Leben durch den Dank und das Gotteslob zur Frucht kommt, wenn er etwa so sagt: »Es gibt eine Linie des Unterganges bei Menschen. Das beginnt mit der Un-dankbarkeit; daraus wird Gleichgültigkeit; aus solcher Gleichgültigkeit erwächst Bitterkeit; Bitterkeit schlägt um in Verzweiflung. Die Verzweiflung führt in den Untergang.« 

Dagegen setzt er den Dank: »Aus Dank wächst staunendes Lob; aus dem Lob die Freude, aus der Freude die Fülle; und ein gefülltes Leben reift zur Vollendung.«

 

In welcher Lebenslinie lebst Du? Hin zum Untergang oder hinauf zur Vollendung? Ein Leben, das zum Ziel kommt, ist ein Leben, das aus dem Danken in das staunende Lob hineinwächst. Solches Danken, Staunen und Loben erweist sich im täglichen Leben. Deshalb sagen wir zum Zweiten:

 

Teilen können

Das ist hier zunächst ganz praktisch gemeint: »Gutes zu tun und mit anderen zu teilen...«. Gemeint sind Taten der Barmherzigkeit. Wo ich von dem Meinen abgebe zur Hilfe für andere in Not. Denn das gilt: Wo wir mit Jesus Christus leben in seiner Nachfolge, da kommen wir mit ihm zu den Notleidenden. Wir sind befreit von uns selber und bekommen den Blick für die Nöte der anderen Men-schen, und das führt uns zur Tat.

 

Wir können als Christen nicht anders Erntedankfest feiern, als dass wir mit-teilen, anderen, die im Mangel leben, von unserem Überfluss abgeben. Das hat heute eine bedrückende, weltweite Dimension, solcher Mangel. Eine unzählbare Menge von Menschen lebt unter der Armutsgrenze, in lebensbedrohender Not. Hier dürfen und können wir als christliche Gemeinde bewusst Zeichen setzen, bewusste Opfer bringen, damit andere die Dringlichkeit solcher Hilfe mit erkennen.

Da legen etwa bei uns in Württemberg Monat für Monat Christen Geld zusammen, mit denen in Indien geholfen werden kann. Sagen wir nie, das sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein! Das ist eine gängige Ausrede, um sich vor dem wirklichen Gutestun zu drücken. Mit diesen Geldern wurde in den letzten drei Jahrzehnten in Indien eine Hilfsarbeit möglich, die ein Gebiet von der Größe unseres Bundeslandes erreicht. Eine umfassende medizi-nische Hilfe ist möglich geworden, bis hin zur gezielten Hilfe für Aussätzige und Tbc-Patienten. In Werkstätten und Schulen, Kinderheimen und Kindertagesstätten ent-standen Bildungs- und Berufsmöglichkeiten. Hilfe zur Selbsthilfe. Das ist nur ein Beispiel unter anderen.

 

Wir müssen uns fragen lassen: Wo tust Du Gutes, und wo teilst Du? Wo wir wirklich anfangen zu teilen, wird Gott segnen. Erntedankfest ist Teilen-Fest. Wir wollen bewusst, gezielt und reichlich weitergeben von dem, was wir haben.

 

Solches Wohltun und Mitleiden beginnt in unserer nächsten Umgebung. Mit wem teilst Du die Zeit? Da ist dieses große Altenheim. 120 Bewohner. Etwa 20 davon bekommen nie einen Besuch. Du sagt: Woher soll ich das wissen? Gutes zu tun erfordert Einsatz. Frag doch einmal nach. Du wirst viele Möglichkeiten zum Wohltun finden. Frage einmal beim Pfarramt an: Wo sind Menschen in unserer Gemeinde, die Hilfe brauchen? Alte, Kranke, Alleinstehende, psychisch Belastete? Und dann wirst Du viele Möglichkeiten finden, Deine Zeit mit anderen zu teilen, Gutes zu tun.

 

Ich denke an die junge Frau. Sie hat Familie, zwei kleine Kinder. Aber sie steht Tag für Tag um halb fünf morgens auf und trägt bis sieben Uhr Zeitungen aus. Dann ist sie zuhause, wenn die Kinder aufwachen. Was sie verdient, überweist sie gezielt einer christlichen Mission für Aussätzigen-Hilfe.  

Gutes tun und teilen, das hat noch eine umfassendere Dimension: Wir wollen und sollen das Beste und Schönste teilen, mitteilen, was wir kennen und haben – die Gemeinschaft mit unserem Herrn Jesus Christus, das Heil, das er gibt. Wir Christen dürfen unseren Glauben freimütig und einladend bezeugen und so der Welt das Beste sagen, was es gibt. Wir sagen das so klar: ohne solches Mitteilen ist alles Wohltun und Teilen nur ober-flächliche Hilfe.

 

Die tiefste Hilfe, die der Mensch braucht, ist die Rettung durch Jesus Christus. Darum ist all unser Helfen einge-bettet in diese umfassende Hilfe; darum kann bei dem, was Menschen not tut, nie das Eine fehlen, was not ist! 

Die Krankenschwester, die zu ihren Patienten ganz selbstverständlich vor der Operation sagt: »Ich bete für Sie. Darf ich auch mit Ihnen beten?« Sie tut Hilfe, die umfassend hilft. Wie auch der junge Bankbeamte, der in dem Kreditgespräch auch ganz natürlich darauf zu sprechen kommt, dass Geld nicht alles ist und auf seinen Herrn Jesus Christus hinweist. Später sagt ihm sein Kun-de: »Das ist bei mir haften geblieben.«

 

So bringt unser Leben Frucht und ehrt Gott. Daran hat er Gefallen. Das sagen wir zum Dritten:

 

So Gott gefallen

Am Ende des sechsten Schöpfungstages heißt es: »Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut (4)«. Gott freute sich an seinem Werk und damit auch an seinem Vollendungswerk, dem Menschen. Doch dann begann die »Leidensgeschichte« Gottes eben durch den Menschen. 

 

Wir bekennen am Erntedankfest die unendliche Geduld Gottes mit uns. Er hat den Menschen nicht untergehen lassen wegen seiner Sünde. In seiner Schöpfungsgüte lässt er seine Sonne aufgehen über Gerechte und Un-gerechte. Er erhält unser Leben, indem die Erde weiter ihre Früchte bringen darf. Aber – Gefallen hatte Gott nicht mehr an uns. Doch dann kommt Jesus Christus, und da sagt Gott: »Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe! (5)« 

 

Und durch ihn wird unser Leben ein neues, ein Gott wohlgefälliges. Nun hat der Vater wieder Gefallen an uns. 

 

Gott gefallen, das meint, ihm zu Gefallen zu leben. Das wollen doch rechte Kinder: den Eltern gefallen, ihnen Freude machen. Das wollen wir als Kinder Gottes: unse-rem himmlischen Vater zur Freude sein, ihm zuliebe leben. Wir können es nicht aus uns, aber durch ihn, durch Jesus Christus. Er wirkt in unserem Leben die Früchte, die Gott gefallen. Durch Jesus Christus wandelt sich die Leidensgeschichte Gottes mit uns zu einer Liebesgeschichte.

 

Weil uns Jesus Christus durch seinen Geist zur Liebe entzündet, wird an uns wieder Liebenswertes sichtbar. Das ist tiefster Sinn unseres Lebens, dass wir Gott gefallen, dass Gott seine Freude an uns hat.

 

Dabei wollen wir das noch einmal deutlich betonen: Es sind nicht unsere Werke. Wir können uns auch mit den höchsten Anstrengungen das Gefallen Gottes nicht erzwingen. Der Sohn Gottes hat es durch seinen Gehorsam und durch seine Liebe zum Vater erworben und zieht uns mit hinein.

 

Merken wir, liebe Gemeinde: 

Wir können auch am Erntedankfest nicht reden, ohne von Jesus Christus zu reden. Er ist die Mitte der ganzen bibli-schen Botschaft. 

 

Von Gott, dem Schöpfer und Geber aller guten Gaben, können wir nicht anders reden, als dass wir ihn als den Vater Jesu Christi bekennen. Gott für seine Gaben zu danken, das geht nicht anders, als dass wir ihm für die Gabe aller Gaben danken, ihn loben für die Gabe des Sohnes. Wer solches Loben und Danken gelernt hat, bei dem ist nicht nur ein Tag Ernte-Dank-Fest, sondern ein ganzes Leben lang.   Amen. 

 

Anmerkungen:

(1)  1. Mose 8, 22

(2)  Hebräer 12, 2

(3)  Johannes 15, 16

(4)  1. Mose 1, 31

(5)  Matthäus 3, 17

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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