2009-09-13

Predigt über Römer 8,12-17 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde,

in der Zeitung war zu lesen (- einige Jahre ist es her):

»Drei Jahre lang das falsche Kind aufgezogen!«

Im Krankenhaus hat man offenbar aus Versehen zwei Kinder verwechselt. 

Niemand hat es bemerkt. 

Durch Zufall - wie man so sagt - kommt es drei Jahre später ans 

Tageslicht. Irre, nicht wahr! 

Stellen Sie sich das vor, Sie als Taufeltern - und Ihr, als Konfirmanden!

Wo gehören die beiden Kinder wirklich hin?

Was ist wichtiger - leibliche Eltern oder eine Prägung, die über Jahre 

der Kindheit hin entstanden ist?

Was empfinden Eltern, was die Kinder?

Was sagen die Kinder, wenn sie die Wahrheit erfahren?

Was würden sie sagen - je nach getroffener Entscheidung - 

im Alter von 14, von 25 Jahren? 

Es stand nie in der Zeitung, wie die Beteiligten sich entschieden haben, 

aber es muss unfassbar schwierig gewesen sein. 

Eigentlich ist nur eines ganz klar:

Die Familien können nicht verdrängen, was passiert ist. 

Ein Mensch will, ein Mensch muss wissen, wo er herkommt.

Mir ist jener Zeitungsausschnitt zum Bild geworden.

Wir Menschen wissen im Grunde zunächst nicht, wo wir letztlich 

herkommen, wir kennen unsere leiblichen Eltern - in der Regel - 

aber da ist etwas offen, da ist eine Unruhe, ein Suchen: 

Wer bin ich? 

Und da ist gleichzeitig ein Ahnen - oft selbst bei Atheisten -, 

vielleicht sogar bei denen, die mit Bussen durch Deutschland touren

und laut verbreiten: Es gibt keinen Gott, sei glücklich und zufrieden: 

Und wenn doch ein Gott wäre ...

»Gott sei Dank«, sagte eine Bäuerin, »es kommt jetzt Regen«.

»Aber Genossin«, antwortet der Leiter der Kolchose in der 

alten Sowjetunion, »einen Gott gibt es - Gott sei Dank - nicht.«

»Sicher, Genosse, aber wenn es nun“ erwidert sie leise, „was Gott 

verhüten möge, doch einen gibt?« 

Nur eine kleine, humorvolle Szene aus der alten Sowjetunion, 

und doch gar nicht weit hergeholt, auch für unsere Zeit zutreffend. 

Augustinus sagt: »Unruhig ist unser Herz, bis es ruht, Gott, in dir!«

Wir hören Gottes Wort für den heutigen Sonntag aus Römer 8, 12-17:

„So sind wir nun, liebe Brüder, nicht dem Fleisch schuldig, dass

wir nach dem Fleisch leben. Denn wenn ihr nach dem Fleisch 

lebt, so werdet ihr sterben müssen; wenn ihr aber durch den 

Geist die Taten des Fleisches tötet, so werdet ihr leben. 

Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. 

Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, 

dass ihr euch erneut fürchten müsstet; sondern ihr habt einen

klndlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater!

Der Geist selbst gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Kinder 

Gottes sind. Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich

Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, 

damit wir auch mit zur Herrlichtkeit erhoben werden.“

Pause: »Herr, zeig uns dein königliches Walten,

bring Angst und Zweifel selbst zur Ruh,

du wirst allein ganz recht behalten,

Herr, mach uns still und rede du.«

Liebe Gemeinde, das bejubelt Paulus gerade in Römer 8. 

Das Geheimnis der Christenleute ist:

sie wissen, wo sie herkommen,

sie wissen, dass sie Gottes Kinder sind,

dass sie nicht mehr Knechte in der Fremde sind,

dass sie als Geliebte Gottes ihren Weg gehen

und er fragt damit auch in unser Leben hinein: 

Und du, lebst du noch in der Unruhe? 

Oder kennst du solche Gewissheit? 

Manchmal heißt es ja: Wir sind alle Gottes Kinder. 

Die Bibel sagt: Nein! Wir sind alle Gottes Geschöpfe, sogar 

geliebte Geschöpfe, wertvolle Geschöpfe, einzigartig, 

aber die Gotteskindschaft, die haben wir nicht von Natur aus.

Manchmal heißt es: Gottes Kinder werden wir durch die Taufe. 

Aber die Bibel kennt keinen Automatismus. 

In der Taufe wird einem Menschenkind öffentlich zugesagt: 

»So sehr hat Gott die Welt geliebt und auch dich, (N. N.), 

dass er Jesus dahingab, damit alle, die an ihn glauben, nicht 

verloren werden, sondern das ewige Leben haben.« (Joh. 3, 16).

Der vielleicht wichtigste Satz unserer Bibel, liebe Konfirmanden, 

ohne den ihr nicht konfirmiert werden könnt!

Und dann wächst da die Geschichte Gottes mit seinem Menschen-

kind, und die Geschichte des Menschen - mit Gott. 

Das Ziel ist, dass diese Menschen im Vater Jesu Christi ihr tiefstes 

und letztes Zuhause finden, ein Kind Gottes werden. 

Aber wir werden nicht automatisch in der Taufe - zu einem Gotteskind.

Manchmal sagen Menschen: Du musst wissen, wann du Gottes Kind 

geworden bist, wann du wiedergeboren, aus Gott geboren worden bist. 

Auch das ist nicht wahr.

Kein Kind muss wissen, wann es geboren wurde, 

um zu wissen, dass es lebt. 

Über dem Wann bleibt oft ein Geheimnis.

Paulus - wie die Bibel überhaupt - redet nicht über das Wann, 

sondern er gibt uns in diesem Abschnitt aus Römer 8 zwei Kennzeichen 

dafür, dass ein Kind Gottes lebt.

(1) Das erste Kennzeichen: Kinder schreien!

So einfach, das kennen wir alle. Kinder schreien. Klar! 

Seltsam, dass Paulus dieses Wort hier benützt. 

Gottes Kinder schreien, schreien zu ihrem Vater im Himmel. 

Dieses Wort schreien wird in der Bibel verwendet von Wahnsinnigen, 

vom Schreien der Mutter, die ein Kind gebiert und ebenfalls vom 

Schrei des sterbenden Christus am Kreuz.

Ein ganz lautmalendes, eindringliches Wort. 

Gottes Kinder schreien, ja, und was schreien sie?

Abba, Vater - lieber Vater, schreien sie, 

Papa, so wie die kleinen Kinder stammeln, plappern.

 

Sie kennen wahrscheinlich die Szene vor der Kreuzigung Jesu:

Gethsemane, Jesus auf dem Weg in den Karfreitag. 

Tiefe Erschütterung an Leib und Seele, und dann diese Worte: 

»Abba, mein Vater, ...nicht was ich will, sondern was du willst.«

Abba - merkwürdig ..., spüren Sie:

Da geht es ganz intensiv zu zwischen Vater und Kind. 

Da ist die ganze Nähe der Beziehung drin, 

und da ist absolute Dringlichkeit drin.

Paulus sagt: Der Geist Gottes, den ein Kind Gottes hat, bekommen 

hat, der bewirkt die ganze Innigkeit der Beziehung. 

Da können Schmerzen sein, die ein Kind schreien lassen. 

Es versteht nicht, warum Dinge im Leben so sehr weh tun, 

aber im Gegenüber zum Abba weiß dieses Kind: Ich - gehöre zu 

ihm, bei ihm bin ich zuhause, mit allen Schmerzen.

Wenn Sie sich fragen: Bin ich ein Kind Gottes, dann fragen 

Sie nach in Ihrem Leben:

- Gibt es solche Innigkeit und Intensität gegenüber Gott? 

- Zieht es mich zu Gott hin? 

- Ist da Wärme gegenüber Gott, Ruhe in Gott, zuhause sein 

bei Gott

Es ist etwas ganz Unbeschreibliches, wenn ein Mensch nicht 

mehr Knecht ist, sondern Kind, wenn die Distanz zu Gott weggefallen ist. 

(2) Kinder Gottes leben in einem Kampf!

Die Tour de France kann wirklich faszinieren. 

Es sind vor allem die Bergetappen. 

Diese elende Quälerei in den Alpen, in den Pyrenäen, 

dieser Kampf eines jeden mit sich selbst, unerbittlich, 

Kurve um Kurve nach oben.

Paulus sagt: Kinder Gottes stehen auch in einem Kampf. 

Es ist mehr als ein sportlicher Wettkampf, es ist ein Kampf auf Leben 

und Tod!

Wenn Sie fragen: Bin ich ein Kind Gottes?

Dann überlegen Sie, ob Sie diesen Kampf kämpfen, den Paulus 

beschreibt. Es ist nicht nur der Kampf zwischen Gut und Böse, 

dass wir das nicht verwechseln.

Den Kampf zwischen Gut und Böse kämpfen alle Menschen. 

Paulus spricht vom Kampf zwischen Geist und Fleisch. 

Der Kampf zwischen Geist und Fleisch beginnt, wenn Gottes Geist 

in uns wirkt.

Erinnern Sie sich noch an Bill Clinton, das war der vorletzte Präsident

der USA, und seine Affäre mit Monica Lewinsky? 

Für Euch Konfirmanden ist die Geschichte schon zu alt, 

aber die Erwachsenen kennen sie. Sie ging monatelang durch 

alle Medien: Er hatte als Präsident offenbar eine Affäre mit einer

Assistentin und das lange abgestritten. 

Bis er schließlich nicht mehr anders konnte als die Affäre zuzugeben. 

Klar, dass das nicht gut war. Vor Gott nicht. Und vor Menschen nicht.

Den meisten Menschen ist das bis heute klar, 

auch wenn es im Fernsehen kaum mehr einen Film ohne Affären 

und Untreue gibt. 

Auch wenn viele sagen:

- Es ist Privatsache, was einer im Bett macht ...

- Es war auch beim König David in der Bibel nicht Privatsache ...

Es hatte Folgen - für seine ganze Familie, sein ganzes Volk.

Selbst wenn wir Menschen unsere Maßstäbe von Gut und 

Böse ändern. Gottes Maßstäbe ändern wir dadurch nicht. 

Der Kampf zwischen Fleisch und Geist beginnt mit der Frage: 

Akzeptiere ich Gottes Maßstäbe? 

Das ist ein ganz schwieriger Kampf in unserer Gegenwart: 

sich nicht seine eigenen Maßstäbe zurecht zu machen. 

Aber damit beginnt das Problem nur.

Vielleicht erinnern sich noch einige an den Mann, der damals versuchen 

sollte, Clintons Schuld zu beweisen. Kenneth Star hieß er.

Klar doch, nicht wahr!? Kein Präsident sollte mit Praktikantinnen Sex haben. 

Und Untreue gehört zu dem, was »Taten des Fleisches« sind. 

Aber wissen Sie, was das Erschreckende ist. 

Auch was dieser Kenneth Star damals tat, kann das sein, was Paulus, 

was die Bibel »Fleisch« nennt.

Da macht einer einen anderen fertig - unter dem Anschein des 

Rechts, des Guten, der Moral, mit scheinbar edlen Motiven - 

und erledigt - ganz nebenbei - den politischen Gegner!

Wer ist schlimmer - wer das Böse tut, oder wer sich den Mund 

darüber zerreißt? 

Wer das Böse tut, oder wer es aufdeckt und sich gleichzeitig 

so sehr gut dabei vorkommt? 

Wenn Gottes Geist in meinem Leben zu wirken beginnt, 

dann zeigt er mir nach und nach, wer ich wirklich bin, was »Fleisch« 

ist in meinem Leben, wo ich mich um mich selbst drehe.

Und das tut weh.

Das eigene »dicke Ich« entdecken, wunderschön versteckt hinter 

einer moralischen Fassade, oder auch hinter einer frommen! 

Man kann sehr fromm sein, ohne Kind Gottes zu sein ...

Man kann seht »gut« sein und an Gott vorbei leben.

Aber wie oft denken wir in solchen Bahnen. 

Wir tun Gutes, vielleicht nicht damit andere es sehen, 

aber es wäre doch ganz schön, wenn sie es sehen. 

Und wehe, es sieht nie jemand. 

Wir schenken Liebe, meinen wi, aber wehe, da kommt nichts zurück ...

Und plötzlich ahnen wir, wie wenig selbstlos unser Lieben war ...

Wer sein eigenes »dickes Ich« entdeckt, der erschrickt.

Aber es ist ein Zeichen der Güte Gottes, wenn er uns so überführt. 

Denn dann wirkt Gottes Geist in uns. Er überführt uns. 

Er entlarvt uns. Aber er führt uns auch zur Heilung. 

Auch wenn die Wahrheit weh tut, es ist ein Zeichen: Gottes Geist wirkt.

Lohnt sich der Kampf?  - Lohnt sich die »Tour der Leiden«? 

Lohnt sich die Quälerei durch die Alpen? 

Wenn ich Sieger bin?! Wenn der Jubel aufbrandet?!

Das Gesicht des Siegers sagt alles. 

Erinnern Sie sich - an die Gesichter der Sieger? 

Kinder Gottes wissen, dass sie Sieger sein werden, 

und nicht einer allein, es wird ein Mannschaftssieg oder besser: 

ein Familiensieg. Wir werden uns miteinander freuen. 

- Erbe sein. Miterbe. 

- Töchter, Söhne des Ewigen, 

- Brüder, Schwestern des Auferstandenen.

Und jetzt bleibt noch eines:

Wenn da ein Mensch unter uns ist heute Morgen, 

ein Mensch, der spürt: Mir fehlt da noch was! 

Ich möchte gerne diese intensive, innige Beziehung nach oben.

Wenn jemand weiß: Ich bin bereit, diesen Kampf zu kämpfen, 

den Geist Gottes in meinem Leben wirken zu lassen.

Ich will eine Entscheidung treffen für mein Leben, wohin ich gehöre. 

Dann möchte ich ihm oder ihr Mut machen, das jetzt mit Gott in der 

Stille fest zu machen.   

(Bevor wir das nächste Lied singen, halten wir noch einige Augen-

blicke Stille ...)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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