2009-07-19

Predigt über Matthäus 28,16-20 / Pfarrer Siegfried Kleih, Stuttgart (Die Predigt von Bruder Hubert Weiler, Lebenszentrum Adelshofen, liegt leider nicht in schriftlicher Form vor)

Wir hören den Predigttext aus Matthäus 28,16-20:

16 Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. 17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. 18 Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. 19 Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes 20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Liebe Gemeinde,

in diesen 5 Versen ist der Christenheit von ihrem Herrn eine wunderbare Zusage und ein großer Auftrag gegeben worden. Und beides hat Gültigkeit bis zum Ende der Welt. Der auferstandene Christus gibt die Zusage, zu aller Zeit an allen Orten bei seiner Gemeinde zu sein; ihr Beten zu erhören; ihr Ringen zu belohnen; ihr Leiden mitzutragen. Er wird sie befähigen, dass sie in seinem Geist hingehen zu den Mitmenschen. Er wird Freimut geben zum Reden und Tatkraft zum Dienen.

Kritiker der christlichen Missionsarbeit machen aller-dings diese letzten Zeilen des Matthäusevangeliums dafür verantwortlich, was es an Fehlentwicklungen in der Mission gegeben hat. Ein überhöhtes Sendungsbewusstsein und ein kulturelles Überlegenheitsgefühl habe viele Missionare erfüllt und habe auch dazu geführt, dass fal-sche Mittel bis hin zum Bekehrungszwang angewandt worden seien. Manche forderten als Konsequenz gar, die Missions-rbeit ganz zu beenden. Im Schlepptau der Mission seien alle Laster der westlichen Zivilisation in intakte, alte Kulturen eingedrungen und hätten diese zer-stört. 

Das sind schwerwiegende Vorwürfe. Aber auch wenn diese Kritik teilweise berechtigt ist, wäre es bedenklich, wir heutigen Christen würden einfach die Hände in den Schoß legen und vernachlässigen, was uns Jesus aufgetragen hat.

Professor Eberhard Jüngel hat es vor 10 Jahren auf der EKD Synode in Leipzig so formuliert: »Wenn die Kirche ein Herz hätte, ein Herz, das noch schlägt, dann würden Evangelisation und Mission den Rhythmus des Herzens der Kirche in hohem Maße bestimmen. Und Defizite bei der missionarischen Tätigkeit der christlichen Kirche, ... würden sofort zu schweren Herzrhythmusstörungen füh-en ...Wer an einem gesunden Kreislauf des kirchlichen Lebens interessiert ist, muss deshalb auch an Mission und Evangelisation interessiert sein. … Wenn Mission und Evangelisation nicht Sache der ganzen Kirche ist oder wieder wird, dann ist etwas mit dem Herzschlag der Kirche nicht in Ordnung... Eigentlich müssten da, wo auch nur zwei oder drei im Namen Jesu Christi versam-melt sind, diese zwei oder drei intensiv und leidenschaft-ich darauf aus sein, dass alsbald vier oder fünf und im-mer noch mehr Menschen im Namen Jesu Christi zu-sammenkommen... « (1).

Weniger elegant ausgedrückt: Eine Kirche ohne missio-arischen Elan ist krank – im Innersten ihres Wesens krank.

Der Wunsch, wachsende Kirche zu sein, entspringt hin-egen dem Auftrag und Geist, mit dem schon die ersten Christen in die Welt gesandt wurden. Freilich fangen hier erst die Herausforderungen an: wie nämlich die Zeitgenossen, die Völker dieser Welt, mit dem Evangelium erreicht werden können.

»Ein missionarischer Hammer ist ein Unding!« sagt Jün-gel im selben Vortrag und er führt aus: »Der Apostel Paulus wendet sich als Bittender an die Welt... Wer bittet, hämmert nicht. Viel Takt, viel weltlicher und geistli-cher Takt ist erforderlich, wenn Mission gelingen soll.« Also schon der Stil, die Art und Weise, wie wir unseren Glauben weitertragen, muss dem Geist des Evangeliums entspringen.

Die letzten Worte des Auferstandenen an seine Jünger geben dazu grundsätzliche Anweisungen:

(1.)

Erstens sagt Jesus: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. Also nicht uns! Uns sind alle Mittel menschlicher Machtausübung versagt. 

Nicht mit Gewalt, sondern allein mit dem Wort des E-van-geliums wirken wir in seinem Namen. Die frohe Botschaft von der liebenden Zuwendung Gottes, wie sie uns in Jesus begegnet, will frohmachend, befreiend weitergegeben werden. 

Wir müssen nicht erst durch unsere Anstrengungen, durch unsere Strategien, unsere Klugheit oder unsere Argumente die Machtfrage zugunsten von Jesus entscheiden. Jesus sitzt schon im Regiment an der Seite Gottes. 

Das hat einige Konsequenzen:

Wir biedern uns niemand an. Zu allen sind wir gesandt, zu den Großen und den Kleinen, zu den Reichen und den Armen, zu den Erfolgreichen und den Enttäuschten. Aber wir treiben keine Kumpanei auf Kosten des Evangeliums, nicht mit dem großen Geld, nicht mit den Mächtigen, auch nicht mit Rassisten oder Ideologen jedweder Couleur (Kulör).

Vergessen wir nicht: Gott hat jenem alle Macht gegeben, der in größter Ohnmacht sein Leben für alle gegeben hat. Es ist dieses Paradox, das immer wieder Anstoß erregt. Dieser schmachvoll am Kreuz hingerichtete Jesus ist für uns Christen der von Gott gesandte Erlöser der Mensch-heit, dem Gott alle Macht übertragen hat. 

Wem das nicht genügt – das sei uns Christen und Chris-tinnen gesagt –, der kommt unweigerlich auf Abwege; wird nicht allein der Kraft des Evangeliums vertrauen, sondern mit anderen Mitteln als dem Wort, Menschen zu gewinnen suchen. 

In der Geschichte der Kirche stoßen wir auf zahlreiche solcher Abwege. Denken wir an die Kreuzzüge, die Hexenverbrennungen, den Umgang mit Ketzern.

(2.) 

Zweitens sagt Jesus: Macht zu Jüngern Menschen aus allen Völkern. Also nicht: »Macht sie zu evangelischen oder katholischen Christen!« Auch nicht: »Macht sie zu euresgleichen.« Schon gar nicht: »Bekehrt sie zu euren Dogmen und Glaubensüberzeugungen.« Das ist alles zweitrangig. Entscheidend ist dies: Dass sie Jünger und Jüngerinnen von Jesus Christus werden, dass sie zu ihm eine ganz persönliche Beziehung finden. Menschen sollen durch ihn die menschenfreundliche Liebe Gottes er-fahren. Sie sollen sich nach seinem Wort richten, auf ihn hören. Sie sollen sich so von ihm gehalten wissen im Leben und geborgen selbst im Sterben. 

Die Vielfalt der Kirchen und kirchlichen Traditionen ist kein Mangel, sondern ein Reichtum. Jedes Volk – und auch jede Zeit – finden ihren eigenen Ausdruck, dem Glauben an Jesus im eigenen Leben Gestalt zu geben. Diese Dynamik und Individualität ist ja gerade Ausdruck einer lebendigen Beziehung der Christen zu Jesus Christus, ihrem Herrn. Glaube kann man nicht kopieren – er muss immer wieder neu sich ausdrücken, auch in unter-schiedlichen Formen. Und doch spüren wir in dieser Unterschiedlichkeit und Vielfalt: Es ist derselbe Geist, wenn wir mit Afrikanern, Asiaten oder anderen im Na-men Jesu Christi versammelt sind. Ob Ältere oder Junge in der Gemeinde: Wir gehören zum selben Herrn. Wie unterschiedlich wir es auch ausdrücken in unserer je ei-genen Kultur: wir sind seine Jünger. 

(3.)

Drittens präzisiert Jesus: was Jüngermachen heißt: »Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch geboten habe.« 

Die Taufe setzt den Anfang. Es ist wie die Unterschrift unter einen Vertrag; sozusagen ein Bündnis, das Gott mit mir eingeht. So ist die Taufe auch nicht nur ein Tauchbad zur Reinigung. Da werden mein Name und Gottes Name zusammengesprochen. Und das heißt: Ihm gehöre ich, wie er mir gehört. Wir gehören zusammen. Gott meint mich, mich ganz persönlich. Ihm bin ich wichtig. Ich gehöre zu ihm. 

Es ist auch nicht irgendeine diffuse Gottesvorstellung auf die ich getauft werde. Die Taufe nimmt mich hinein in die Gemeinschaft mit jenem Gott, der sich uns durch Jesus offenbart hat als Vater, Sohn und Heiliger Geist.

In dieser göttlichen Dreiheit strömt, leuchtet und blitzt die Liebe zwischen Vater und Sohn und Heiligem Geist. Und hingebend strömt diese Liebe zu allen Menschen und allen Geschöpfen, dass wir alle hineingenommen werden in diese liebende Gemeinschaft Gottes.

Die Taufe setzt den Anfang. Aber mit dem Anfang des Glaubens sind eben nicht alle Fragen geklärt. Das Lehren und Lernen ist ein lebenslanger Prozess. »Lehret sie halten alles, was ich euch geboten habe.« 

Hier geht es um die Gestaltwerdung der göttlichen Liebe in jedem einzelnen Leben. Hier geht es um die Frage, wie wir den Glauben bewähren in Krisen und Zweifeln. Ja, ganz konkrete Fragen der Lebensgestaltung müssen vom Glauben her durchdacht werden. 

Was Lehren bedeutet führen uns die Briefe des Paulus eindrücklich vor Augen, insbesondere seine Korinther-briefe: Da ist von den Grundlagen unseres Glaubens die Rede – von dem, was Jesus Christus für uns getan hat und tut. Da wird uns gezeigt, wie dieser Glaube sich praktisch äußert im Zusammenleben in der Gemeinde, in der Familie, in der Gesellschaft. Der Inhalt des Glaubens, die Botschaft der Bibel, und die Praxis des Glaubens – das ist im Lehren zusammengefasst.  

Jede Generation muss sich den Glauben durch diese Leh-re neu aneignen. Auch das tiefe Nachdenken gehört dazu,  damit wir sprachfähig werden, wenn wir mit unseren Mitmenschen über den Glauben reden.

Das Entscheidende aber ist unser eigenes Vorbild. 

Glaubwürdige Christen und Christinnen vermitteln uns die erfahrbare existentielle Seite des Glaubens: Menschen, denen wir es abspüren, dass sie von Gottes Liebe geprägt sind; dass sie täglich von seiner Vergebung leben; dass seine Barmherzigkeit auch auf sie abgefärbt hat. 

Denken Sie an ihren eigenen Glaubensweg. Und so war es schon bei den ersten Christen. Die Jünger gingen in die Schule Jesu. Von ihm haben sie alles gelernt, was sie dann gelehrt haben. Ihr ganzes Leben war von dem erfüllt und geprägt, was sie lehrten und uns durch das E-vangelium übermittelten.

Liebe Gemeinde, dieses Lehren ist unser alle Aufgabe. Lehren wir durch unser Leben, dass unsere Mitmenschen sehen, wie der Glaube an Jesus Christus sich auswirkt. 

Lehren wir durch unsere Güte und Geduld, mit der wir auch den Hassern begegnen. Lehren wir durch unser Vergeben und Lieben gegenüber jedermann. Lehren wir durch unsere Freude und Hoffnung, die uns abhält im Sumpf dieser materialistischen Welt zu waten. Lasst uns Christen sein, die Jesu Worte hören und beherzigen.

Dann werden wir erfahren, wie köstlich es ist, Jesus Christus zum Herrn zu haben. Wir werden es erfahren, dass er bei uns ist und bei uns bleibt bis zum Ende und über das Ende hinaus bis in Ewigkeit.   Amen.

(1) E. Jüngel, Referat 4. Tagung der 9. Synode der EKD, Leipzig 1999




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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