2009-05-31 Pfingstsonntag

Predigt über Johannes 14,23-27 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext für das Pfingstfest aus Johannes 14, die 

Verse 23-27:

„Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein 

Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm 

kommen und Wohnung bei ihm nehmen. 24 Wer aber mich nicht liebt, 

der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein 

Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat. 25 Das habe 

ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. 26 Aber der 

Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem 

Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich 

euch gesagt habe. 

27 Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. 

Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und 

fürchte sich nicht.“

Liebe Gemeinde, 

was für einen Bezug haben Sie zu Pfingsten?

Der Atheist Berthold Brecht, hat die seine auf die für ihn typische

ironisch-materialistische Art zum Ausdruck gebracht: 

„Pfingsten

sind die Geschenke am geringsten - 

während Ostern, Geburtstag und Weihnachten

was einbrachten“ (1)

Was bringt uns Pfingsten ein?

Für die meisten Menschen stellt sich diese Frage so gar nicht. 

Sie erwarten von Pfingsten nichts, außer die Schüler und Lehrer, 

denn für die gibt es, zumindest in Baden-Württemberg und 

Bayern da immer Ferien. 

Kein Osterhase, der seine Gaben für uns im Garten versteckt, 

kein Weihnachtsmann, der Päckchen unter den geschmückten 

Christbaum legt. 

Und doch gibt es da einen, der uns mit Pfingsten beschenken will. 

Mit Geschenken, unermesslich und völlig außerhalb des Gewohnten.

Es ist der Heilige Geist, der die Menschen, die an Jesus beginnen 

zu glauben, beschenkt mit Liebe, mit Erinnerung und mit Frieden.

1. Der Heilige Geist schenkt Liebe

Beim alten Kirchenvater Augustin steht der Satz, den viele Menschen

heute ganz gerne eins zu eins für unsere Zeit hören und damit doch 

total falsch verstehen: „Liebe - und tu, was du willst!“

Was aus Liebe geschieht, kann doch nur gut sein!

Liebe ist das Tor zur Freiheit!?

Dagegen klingt das, was Jesus uns sagt, ganz anders: „Wer mich 

liebt, der wird mein Wort halten ... Wer mich aber nicht liebt, der hält

(auch) meine Worte nicht“ (V23f).

Spricht so der gute Hirte zu seinen Schafen, 

der liebende Vater zu seinen Kindern?

Gemessen an der Erziehungspraxis in vielen Familien heute passt

dieses Jesus-Wort eher schlecht. 

Denn mit der Konsequenz in der Erziehung tun sich viele Eltern 

heute anerkanner Maßen sehr schwer.  

Sie denken: Lass die Kinder doch machen, was sie wollen, 

solange sie nur uns als Eltern lieben.

Aber das ist nicht immer gut für sie!

Was von den Eltern gut gemeint ist, wird den Kindern schnell zum Fluch. 

Sie orientieren sich anderswo und nicht selten falsch, weil sie keine 

Anleitung, keine Richtung im Leben bekommen haben. 

Eltern, die sich also allen Widerspruch vom Hals halten wollen, 

handeln damit letztlich nicht aus Liebe für das Kind, sondern aus 

Liebe zu sich selber. 

Sie wollen einfach nur Frieden und Ruhe und merken oft viel zu 

spät, dass welche Folgen das hat, auch gerade für sie. 

Jesus sagt uns hier: Gott lässt euch nicht ins Leere laufen!

Er gibt seinen Kindern sein Wort an die Hand, damit sie seinen Willen 

erkennen und dann auch tun. 

„Wer mich liebt, der wird mein Wort halten“, der wird nach diesem  Wort 

sein Leben ausrichten, heißt das für uns heute übersetzt. 

Aber wie geht es Ihnen damit, wenn hier Liebe und Gehorsam so 

eng aufeinander bezogen werden?

Kann man am Gehorsam nicht viel mehr Furcht und Zwangablesen 

als die Liebe?

Natürlich gibt es diese Art von Gehorsam auch. 

Aber Jesus meint so einen Gehorsam aus Druck und Zwang nicht. 

Weil alles, was durch Furcht und Angst aus uns herausgepresst wird, 

in der Bibel als „tote Werke“ gesehen wird. 

Und „tote Werke“ sind vor Gott wertlos. 

Aber wer genau hinschaut, der stellt fest: Jesus fordert hier gar keine Werke

oder befiehlt sie, sondern er beschreibt schlicht einen IST-Zustand: 

Und der heißt: „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten!“

Und da stehen wir dann wieder beim Heiligen Geist: 

Denn ER ist es, der diese Liebe schafft bei jedem Menschen, 

der Buße tut und beginnt, Jesus ganz zu vertrauen, 

der Jesus zu seinem Lebensmittelpunkt macht. 

Aus dieser Liebe, die der Heilige Geist jetzt in das Herz eines

Menschen ausgießt, fließt das Halten seines Wortes. 

So dass der Gehorsam gegen über Gottes Wort jetzt eine 

Frucht des Geistes ist und kein Zwang. 

Gottes Geist bewirkt es in mir, dass ich jetzt Gottes Willen auch 

befolgen will!

Die Liebe, die Jesus meint, ist nicht ein unbeständiges und 

wechselhaftes Gefühl, sondern es heißt hier weiter „... und mein Vater 

wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei 

ihm nehmen“ (V23).

Die Liebe zu Gott ist also nichts Selbstgemachtes, 

kein Ideal, keine bloße Vorstellung, sondern eine persönliche Beziehung, 

die Gemeinschaft mit einem Gegenüber. 

Und sie zeigt sich in einem neuen Leben, einem neuen Lebensstil, 

dass ich Gott in allem, was ich tue und lasse, gehorsam sein will. 

Die Liebe zu Gott bekommt ein Mensch geschenkt, 

wo er in diese pesönliche Beziehung eintritt und wo Gott selber 

bei ihm Wohnung nimmt. 

Dann wird mein Glaube und mein ganzes Leben von dieser Beziehung

zu Gott durchflutet sein. 

Aber ohne diese persönliche Beziehung mit Gott muss Glaube immer

Krampf bleiben, immer unecht und auch unbefriedigend sein, 

weil die Liebe Gottes fehlt. 

Beim Christsein gibt es immer nur ganz oder gar nicht. 

So wie eine Frau nur ganz oder gar nicht schwanger sein kann. 

Dazwischen geht nicht. 

Auch im Glauben nicht. 

Deshalb werden alle, die doch versuchen, einen Kompromiss-Glauben

zu leben, schnell mekren, dass nur eine große christliche Leere 

(mit zwei „e“ geschrieben) herauskommen kann, eine freudlose 

Pflichterfüllung. 

Und das kommt daher, weil ich ohne diese Liebe Gottes

noch kein Kind Gottes bin, sondern immer noch Knecht, 

ein Abhängiger, aber nicht von Gott, sondern von der Sünde. 

Christus spricht: „Wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm 

nehmen!“, d. h. mein und Dein Herz soll eine Wohnung Gottes, 

ein Tempel des Heiligen Geistes sein, 

der Platz, an dem Gott allein das Sagen hat. 

Und dann gilt tatsächlich, was Augustin geschrieben hat: „Liebe - und tu, 

was du willst!“

Warum? - Weil der, der aus der Liebe Gottes lebt und handelt, 

instinktiv das tut, was dem Geliebten, was Gott, gefällt. 

Diese Liebe ist deshalb das erste Pfingstgeschenk. 

2. Der Heilige Geist schenkt Lehre und Erinnerung. 

Noch etwas: Der Heilige Geist „lehrt und erinnert“, sagt uns Jesus 

hier weiter.

Lehre und Erinnerung kann man deshalb auch als das zweite Pfingst-

geschenk an uns verstehen.  

Wie ist das gemeint?

Immer wieder wird heute das „lebenslange Lernen“ betont

und bei für einem Christen ist das nicht anders. 

Er bleibt sein Leben lang in der Schule des Heiligen Geistes. 

Von ihm sagt Jesus, dass er die Seinen lehrt und erinnert. 

Warum tut er das?

Weil er in den Menschen, die einmal einen Anfang im Glauben gemacht 

haben, ein tiefes Verstehen und Erkennen ihres Gottes schaffen will. 

Und dieses Erkennen hat auch Inhalte, die man lernen muss, 

um sie zu verstehen, 

Inhalte, für die man Zeit und Geduld einsetzen muss 

und die umso besser schmecken, je mehr, je intensiver sich ein Mensch

mit ihnen befasst. 

Martin Luther hat einmal gesagt, das Wort Gottes sei „wie ein Kräutlein, 

das umso stärker riecht, je mehr man es reibt!“

Und da ist so viel Wahres dran!

Sind wir also nicht so schnell zufrieden mit dem, 

was wir bisher schon an Zusammenhängen der Bibel kennen 

und verstanden haben!

Da dürfen wir nicht mit dem Jesus-Wort kommen: „Wenn ihr nicht 

werdet wie die Kinder ...“ und dann denken: Dann kann ich ja auf 

diesem Stand stehen bleiben!

Denn Selbstgenügsamkeit in Glaubensdingen ist kein Zeichen 

von geistlicher Demut, viel eher von Bequemlichkeit. 

Ist es nicht so, dass wir für alles, was uns wirklich interessiert, 

wofür wir uns begeistern und was wir lieben, 

wir immer bereit sind, dafür alle Zeit und Kraft zu investieren!?

Einerseits im Beruf: Da will doch jeder am Ball bleiben, 

da sind wir stolz darauf, etwas gelernt zu haben und noch immer 

dazu zu lernen.

Aber auch bei meinem Hobby, das die ganze Konzentration erfordert: 

Ob ich 

- meinem Gegner beim Schach fünf Züge voraus sein will oder 

- eim Fußball das Feld überblicken und die Reaktion des 

Gegners jederzeit abschätzen müssen, 

wir sind dabei: 

Mit ganzem Einsatz, mit Sinn und Verstand. 

Und unsere Begeisterung? - Die ist uns abzuspüren!

Nur beim Glauben denken viele: Warum so kompliziert?

Ach, ich muss das doch gar nicht so genau verstehen, 

denn was soll ich damit anfangen?

Reicht es nicht, wenn ich alles einfach stehen lasse 

und mich vom Geist Gottes emotional ansprechen lasse?

Aber das reicht wirklich nicht!

Weil der Heilige Geist kein Unterhalter ist, kein Animateur, 

sondern ein Lehrer!

Und das beste Beispiel dafür, obwohl kaum zu glauben, ist die Pfingst-

predigt des Petrus selber (Apg 2). 

Da hat er gewissermaßen in fremden Zungen gesprochen, aber nicht 

Kauderwelsch, sondern nur zu verständlich und überdeutlich: 

„Ihr Männer von Israel, hört diese Worte: Jesus von Nazareth, 

von Gott unter euch ausgewiesen durch Taten und Wunder und Zeichen, 

die Gott durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst - diesen 

Mann, der durch Gottes Ratschluss und Vorsehung dahin gegeben war, 

habt ihr durch die Hand der Heiden ans Kreuz geschlagen und umge-

bracht. Doch Gott hat ihn auferweckt und hat aufgelöst die Schmerzen 

des Todes, wie es denn unmöglich war, dass er vom Tode festgehalten 

werden konnte ... So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, 

dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum HERRN und 

Christus gemacht hat.“ (Apg 2,22-24.36)

Petrus - voll Heiligen Geistes - hält am Pfingsttag eine reine Lehr- und 

Bußpredigt, gewürzt mit vielen schwer verständlichen Zitaten aus dem 

Alten Testament. 

Aber dieser Unterricht hat gewirkt, er war für die Hörer nicht einschläfernd

sondern erschütternd: „Als sie aber das hörten, ging‘s ihnen durchs 

Herz und sie sprachen zu Petrus und den anderen Aposteln: Ihr Männer, 

liebe Brüder, was sollen wir tun? Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße, und 

ein jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur

Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes 

empfangen.“ (Apg 2,37-39)

Auch Lehre und Erinnerung, liebe Gemeinde, sind ein Geschenk 

zu Pfingsten. Warum sollten wir sonst in einen Gottesdienst gehen!?

Na doch deshalb, dass Gott uns lehren und erinnern kann!

Die beiden machen nicht das Feuer von Pfingsten aus. 

Das ist Gott selber, der die Gemeinschaft mit ihm stiftet im Glauben 

an Jesus, in der persönlichen Umkehr, 

aber er will diesen Glauben dann auch erhalten und weiter bringen 

und dazu braucht es auch Lehre und Erinnerung. 

Wie in der freien Wirtschaft gilt für Christen: Wer nicht mehr wächst, stirbt. 

Deshalb ist das tägliche Lesen in der Bibel, ein Hauskreis oder der 

Gottesdienstbesuch kein Luxus für Leute, die sich das zeitlich leisten 

können, sondern es sind Ort, wo Gott durch seinen Geist mit mir 

reden, kommunizieren, kann.  

3. Der Heilige Geist schenkt Frieden

Auch das erfahren wir hier bei Jesus: Gottes Frieden wird uns an Pfingsten 

geschenkt, wo ein Mensch sein Lebenshaus für Jesus öffnet. 

Also auch heute noch: Pfingsten ist es immer, wenn ein Mensch 

umkehrt in die offenen Arme Gott und Christ wird. 

Aber was ist das für ein Friede?

Das, was wir jeden Tag im Fernsehen oder in der Zeitung verfolgen, 

ist dafür nicht unbedingt Vertrauen einflößend!

Es macht zurecht misstrauisch. 

Dieser „Friede“ ist zu oft ein gespielter Friede, ein missbrauchter 

und geschundener Friede. 

Vielleicht kommt es daher, dass heute viele bei dem Wort „Frieden“ schon

gar nicht so weit denken, sondern ganz auf den „bürgerlichen Frieden“

schauen. 

Sei denken bei dem Wort „Frieden“ zuerst einmal an gutnachbar-

schaftliche Beziehungen, die es ja glücklicherweise oft gibt in unseren 

Orten. 

Aber doch längst nicht überall. 

Denn schon Schiller wusste: „Es kann der Fömmste nicht in Frieden leben, w

enn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt“.

Mit dem Frieden ist es so eine Sache!

Und selbst wenn wir Frieden mit dem Nachbarn haben, 

ist es immer noch ein ganz anderer Friede, den Gott uns schenken will. 

Der Friede, der uns hier bei Jesus geschenkt werden soll, der bringt uns 

oft genug in Gegensatz zur Welt um uns herum und bringt sie gegen uns auf. 

Der Pfingstfriede ist ein Friede, der auf der Versöhnung mit Gott gründet, 

die Christus für uns erworben hat. 

So ein Friede ist ein innerer Friede, ein starker und unüberwindlicher

Friede, der von keinen äußeren Stürmen erreicht werden kann. 

Wie der Friede aussieht, den Gott uns heute schenken will, 

das hat Manfred Siebald treffend in einem Lied zum Ausdruck gebraucht, 

das ich heute an den Abschluss stellen will: 

„Nicht jedes Warten, wenn die Waffen schweigen, 

wenn sich noch Furcht mit Hass die Waage hält, 

wenn sich Verlierer vor den Siegern beugen: 

Nicht der Friede dieser Welt. 

Nicht jene Stille, die den Tod verkündet, 

da, wo es früher einmal Leben gab, 

wo man kein Wort und keine Tat mehr findet: 

Nicht die Stille überm Grab. 

Der tiefe Friede, den wir nicht verstehen, 

der wie ein Strom in unser Leben fließt, 

der Wunden heilen kann, die wir nicht sehen, 

weil es Gottes Friede ist. 

Der Friede Gottes will in dir beginnen, 

du braucht nicht lange, bis du es entdeckst: 

Was Gott in dich hineinlegt, bleibt nicht drinnen - 

Friede, der der außen wächst.“ (2)

Der Heilige Geist schenkt Liebe (1.)

Der Heilige Geist schenkt Lehre und Erinnerung (2.)

Der Heilige Geist schenkt Frieden (3.)

Amen

Anmerkungen:

(1) Zitiert nach Zuversicht und Stärke, 1. Reihe, 3. Heft, S. 127 (2009)

(2) Text: http://www.mgeyer.de/musik/jn1225.html




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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