2009-04-26

Predigt über Johannes 10,11-16 und Vers 27 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext für diesen Sonntag aus Johannes 10 die 

Verse 11-16 und Vers 27

11 Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. 

12 Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, 

sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht - und der Wolf 

stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie -, 13 denn er ist ein Mietling 

und kümmert sich nicht um die Schafe. 14 Ich bin der gute Hirte und ich 

kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, 15 wie mich mein 

Vater kennt und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die 

Schafe. 16 Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem 

Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, 

und es wird "eine" Herde und "ein" Hirte werden ... 27 Meine Schafe 

hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir.“

Liebe Gemeinde,

Psychologie ist die Wissenschaft, die sich mit den unbewussten 

Abläufen in der menschlichen Seele beschäftigt. 

Das heißt sie versucht, die menschliche Seele, die ja sehr kompliziert und 

tiefschichtig ist, zu ergründen, ihre Abläufe zu verstehen. 

Manchmal gelingt es der Psychologie, so manches Verborgene ans 

Tageslicht zu bringen, oft aber auch nicht. 

Von Jesus heißt es: „Ich kenne die Meinen.“

Ganz anders als die tief blickenden Psychologen kennt uns Jesus.

Auch anders als ein Personalchef, der seine Leute  kennt, 

aber sie im Grunde nur taxiert für die verschiedenen Aufgaben 

seines Betriebs. 

Anders auch als ein Lehrer, der seine Schüler kennt, aber vor allem 

nach den Leistungen, die sie abliefern. 

Jesus kennt uns Menschen wie kein anderer. 

Er weiß, was uns im Innersten bewegt. 

Deshalb spricht er hier in diesem Bibeltext von uns Menschen 

als den Schafen, deren Hirte er gerne sein will. 

So wie ein Schafhirte jedes seiner Schafe kennt, 

so weiß er, wie wir im Innersten sind. 

Jesus will uns mit diesem Bild vom „Schaf“ nicht abwerten. 

Es hat ja bei uns ein „Geschmäckle“.

Ganz im Gegenteil. Er will uns aufwerten. 

Denn er kennt uns nur zu gut. 

Er weiß, wie es um uns steht und was wir brauchen. 

Er kennt unsere Bedürftigkeit.

Deshalb spricht er mit diesem Bild die Frage nach der Qualität 

unseres Lebens an. 

Er will tief in uns ein Verlangen aufbrechen lassen, damit wir 

all das in Anspruch nehmen, was er zu bieten hat. 

Und es ist wirklich Vieles, was Jesus uns bieten kann! 

Er will uns nicht nur eine einzige Sache geben, 

sonder die Fülle des Lebens verspricht er.  

So wie ein guter Hirte alles Erdenkliche seinen Schafen gibt. 

Sie sollen wir alles haben, was sie brauchen.

Deshalb nimmt Jesus das Bild vom guten Hirten und der ihm an-

vertrauten Herde mit den Schafen. 

Da gibt es aber oft ein Missverständnis. 

So mancher meint: Mit dem Leben in der Fülle seien alle Schwierig-

keiten beseitigt. Das Leben mit Jesus sei eitel Sonnenschein. 

Wer ihn habe, sei immer happy.

Hätte Jesus das gemeint , dann wäre er ein Spaßmacher, 

eine Stimmungskanone, vielleicht ein Rauschmittel oder eine 

Wunderdroge.

Auch Christen reden manchmal so, als ob er das wäre. 

Aber das hat er nicht gemeint, als er von sich als dem guten Hirten 

gesprochen hat. 

Jesus will Leben im Überfluss. Ja! 

Aber das ist keine ekstatische Erregung, keine High-Stimmung.

Wenn Jesus sich den guten Hirten nennt, dann meint er: 

Ich gehe mit euch. 

Ich bin euer ständiger Begleiter, und zwar durch dick und dünn. 

Auch wenn euer Leben nicht einfach ist, auch wenn sich vor euch 

so manche Abgründe des Lebens auftun.

Auch dann, wenn ihr gar nicht happy seid, wenn euch die Wider-

wärtigkeiten des Lebens zu schaffen machen.

Das ist das Geheimnis des Lebens in und aus Christus.

Christus schirmt seine Nachfolger nicht ab vor Widerwärtigkeiten.

Sondern er geht mit ihnen durch alles hindurch. 

Im Leben mit ihm spüren, die ihm gehören: Hier bin ich bei Gott. 

Hier ist Friede. 

Wenn er sie führt, können sie selbst durch das dunkelste Tal gehen 

in großer Ruhe und ohne Angst. 

Er geht ja mit. 

Sein Wort ermutigt immer neu. 

Selbst die dunkle Macht des Todes verliert da ihre Schrecken. 

Wenn Jesus bei mir ist, dann kann mich nichts mehr aus seinen 

Händen herausreißen. 

Dann bin ich bei IHM geborgen, was auch immer kommen mag. 

Er kann mit uns gehen, weil er ein ganz besonderer Hirte ist. 

Er hat Hirtenqualitäten. 

Und als solcher hat er um seine Herde gekämpft, 

hat sein Leben für die Herde eingesetzt. 

Und als solcher nicht sich selber, seine Karriere, sein Prestige, 

und seinen persönlichen Vorteil im Blick. 

Das unterscheidet ihn von anderen Hirten oder Seelenführern, 

die es damals wie heute zur Genüge gibt.

Die versprechen einem den Himmel auf Erden,

locken mit Glücksgefühlen und dem gewissen „Kick“. 

Sie versprechen „High-Stimmung“ und „Happyness“.

Aber die, die so etwas versprechen, sind keine guten Hirten, 

sondern eher wilde, gefährliche Wölfe, 

die sich die Menschen krallen und an sich reißen. 

Dagegen geht Christus ans Kreuz für seine Herde, 

setzt als guter Hirte sein Leben für sie ein, 

ja verliert es im Kampf gegen die Wölfe sogar. 

So einer ist Jesus, der für uns sein Leben hingibt:

Er lässt sich wie ein Lamm zur Schlachtbank führen.

So groß ist sein Erbarmen und seine Liebe zu uns:

Jesus hat nichts anderes im Sinn, als Verlorene zu suchen 

und zu retten. 

Kein Anderer kann das sagen: "Ich bin der gute Hirte"!

Und so kommt es für uns alle darauf an, dass wir uns diesem 

einzigartigen, guten Hirten Jesus Christus anvertrauen, 

dass wir ihm unser Leben hingeben.

Jesus hat es uns vorgemacht, was Hingabe ist. 

Hingabe heißt, ein Risiko eingehen. 

Und Jesus ist ein hohes Risiko eingegangen. 

Er hat sein Leben aufs Spiel gesetzt - und verloren. 

Aber Gott hat ihn nach drei Tagen auferweckt. 

Er hat alles riskiert und alles gewonnen.

Hingabe heißt auch für uns, ein Risiko eingehen.

Hingabe heißt, sich bedingungslos auf Jesus einlassen, 

sich ihm ausliefern, sich ihm schenken.

Viele haben Schwierigkeiten mit dem Glauben:

„O Herr Pfarrer, wenn ich doch nur glauben könnte, dass es ein 

ewiges Leben gibt, dass die Sache mit der Auferstehung wahr ist. 

Aber, Herr Pfarrer, es geht halt nicht!“

Viele Leute meinen, die Sache mit dem Glauben spiele sich im Kopf ab. 

Sie merken und verstehen nicht, dass der Glaube zu allererst mit dem 

Herzen zu tun hat, mit ihrer Hingabe, die im Zentrum des Menschen 

beginnt.

Sie spüren sehr wohl das Risiko der Hingabe. 

Aber sie zögern, sie warten ab, suchen nach Beweisen oder 

suchen auf diese Weise einen bequemen Fluchtweg. 

Aber auf einmal ist es zu spät. 

Wie oft erlebe ich das, dass Menschen sich ein Leben lang etwas in die 

lügen, sich immer wieder verstecken hinter Ausreden wie „ich habe 

einfach keine Zeit“ oder „Ich hätte da noch so viele Fragen ...“, 

aber sie gehen damit niemals aus der Deckung, suchen wirkliche

Antworten in der Bibel oder beten konkret zu Jesus!?

Bis ihre Zeit plötzlich abgelaufen ist, vielleicht ein Schlaganfall dazu 

kommt und sie von jetzt auf Nachher keine Möglichkeit zur Umkehr 

mehr haben ...

Es ist so tragisch, wenn der gute Hirte einfach stehen gelassen

und damit abgelehnt wird!

Eine alte Indianersage erzählt Folgendes: 

„Der große Geist hatte einer jungen Frau gestattet, einmal durch ein 

Ährenfeld zu gehen und darin eine Ähre zu pflücken. 

Diese sollte dann in ihrer Hand zu Gold werden. 

Da ging das Mädchen in das Ährenfeld hinein und suchte nach der 

schönsten und größten Ähre. Aber jedes Mal, wenn sie eine pflücken wollte, 

zögerte sie und hoffte, eine noch größere und schönere zu finden. 

So ging sie weiter und weiter, und schließlich wurde das Feld lichter 

und die Ähren kleiner, und auf einmal war sie am Ende des Feldes 

angekommen und stand mit leeren Händen da.“

So kann es gehen, wenn wir nach Beweisen des Glaubens suchen, 

nach gedanklichen Sicherheiten. Wir werden sie nicht finden. 

Die Zeit und das Leben zerrinnen uns unter den Fingern. 

Und am Ende haben wir niemals den Mut gehabt, 

uns in die Hand Jesu zu legen, uns ihm hinzugeben, 

das Risiko des Glaubens, der Nachfolge zu wagen. 

Der gute Hirte hat uns die Hingabe vorgelebt. 

Jetzt liegt es an uns, 

dass wir unser ganzes Vertrauen auch auf diesen guten Hirten setzen, 

dass wir die Verbindung zu ihm halten zu ihm, von dem es in einem 

alten Kinderlied heißt: "...der mich liebet, der mich kennt 

und bei meinem Namen nennt".

So wie Jesus in der eng vertrauten Verbindung zum Vater steht, 

sollen auch wir in der Verbindung zu ihm stehen.

Das ist die Fülle des Lebens, wenn wir im Vertrauen zu ihm leben. 

Das ist das Glück, das viele Menschen heute suchen, 

manchmal richtiggehend zäh und verbissen, 

aber am falschen Ort. 

Dagegen dürfen wir wissen, wo wir das Glück finden. 

Nicht irgendwo und irgendwann. 

Sondern ganz konkret bei dem guten Hirten.

Bei Jesus und in seinem Wort. 

Amen.




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Mittwoch, 20.06.2018
19:00 Uhr:
Teenkreis 13+ im GH Schwann
Donnerstag, 21.06.2018
14:30 Uhr in Schwann:
Asylarbeit in Straubenhardt (Gustav Bott, Netzwerk Asyl)
18:30 Uhr:
Biblellesen und Austausch für Jugendliche im GH Schwann
19:00 Uhr:
Jugendkreis 16+ im GH Schwann
Freitag, 22.06.2018
17:00 Uhr:
Bubenjungschar 6-12 Jahre im GH Schwann
18:15 Uhr:
Mädchenjungschar 8-13 Jahre im GH Schwann (Gewusst wie)
Sonntag, 24.06.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer M.Gerlach)