2009-03-08

Predigt über Markus 12,1-12 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext für diesen 2. Sonntag in der Passionszeit

aus Markus 12, die Verse 1-12:

Von den bösen Weingärtnern

1 Und er fing an, zu ihnen in Gleichnissen zu reden: Ein Mensch 

pflanzte einen Weinberg und zog einen Zaun darum und grub eine 

Kelter und baute einen Turm und verpachtete ihn an Weingärtner 

und ging außer Landes. 2 Und er sandte, als die Zeit kam, einen 

Knecht zu den Weingärtnern, damit er von den Weingärtnern seinen 

Anteil an den Früchten des Weinbergs hole. 3 Sie nahmen ihn aber, 

schlugen ihn und schickten ihn mit leeren Händen fort. 4 Abermals 

sandte er zu ihnen einen andern Knecht; dem schlugen sie auf den 

Kopf und schmähten ihn. 5 Und er sandte noch einen andern, den 

töteten sie; und viele andere: die einen schlugen sie, die andern 

töteten sie. 6 Da hatte er noch einen, seinen geliebten Sohn; den 

sandte er als Letzten auch zu ihnen und sagte sich: Sie werden sich 

vor meinem Sohn scheuen. 7 Sie aber, die Weingärtner, sprachen 

untereinander: Dies ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn töten, so wird 

das Erbe unser sein! 8 Und sie nahmen ihn und töteten ihn und warfen 

ihn hinaus vor den Weinberg. 9 Was wird nun der Herr des Weinbergs 

tun? Er wird kommen und die Weingärtner umbringen und den 

Weinberg andern geben. 10 Habt ihr denn nicht dieses Schriftwort 

gelesen (Psalm 118,22-23): »Der Stein, den die Bauleute verworfen 

haben, der ist zum Eckstein geworden. 11 Vom Herrn ist das geschehen 

und ist ein Wunder vor unsern Augen«? 12 Und sie trachteten danach, 

ihn zu ergreifen, und fürchteten sich doch vor dem Volk; denn sie ver-

standen, dass er auf sie hin dies Gleichnis gesagt hatte. Und sie 

ließen ihn und gingen davon.“

Stell‘ dir vor, lieber Konfirmand, 

dein bester Kumpel leiht Dir sein Fahrrad aus. 

Nur für eine kurze Zeit zum Fußballtraining im Nachbarort. 

Am Abend bringt er es nicht zurück. 

Du rufst ihn an - „Ach ja“, das Zürckbringen hätte er glatt vergessen, 

meint er. Am nächsten Tag steht Dein Bike vor Deiner Haustür:

Der Reifen platt, die vordere Lampe kaputt, der Lack zerkratzt.

Wie würdest Du reagieren?

Was würdest Du zu Deinem Kumpel sagen? 

Stellen Sie sich vor, liebe Wintersportler, 

Sie hätten eine nette kleine Ferienwohnung in Oberstaufen im Allgäu

von der reichen Tante geerbt. 

Diese Ferienwohnung würden Sie für eine Woche guten Bekannten über-

lassen, mitten in einer Wintersaison, wo so richtig was los ist. 

Nach Ablauf der Skiferienwoche kriegen Sie von den guten Bekannten

nicht einmal den Wohnungsschlüssel zurück. 

Als Sie mit ihrem Zweitschlüssel dann vor Ort nach dem Rechten schauen, 

da treffen Sie eine ziemliche Höhle an: 

Brandspuren in der Küche, Weinflecken auf dem Sofa, 

die kleine Stereoanlage im Miniformat ist einfach weg. 

Was würden Sie über ihre guten Bekannten denken?

Was würden Sie ihnen in einem persönlichen Gespräch sagen?

Zwei Geschichten von vielen nicht genannten, 

bei denen einem die Spucke wegbleibt, 

Begebenheiten, die einen wütend machen. 

Sie kommen in unserem Alltag so nicht vor, 

Dazu sind sie zu frech, zu unglaublich, zu konstruiert. 

Freilich.

Aber Jesus erzählt eine ähnliche Geschichte: 

Skandalös, unfassbar, brutal. 

Sie ist in ihrer Form zwar konstruiert und erfunden.

Aber sie bildet inhaltlich das wirklich Geschehene ab. 

Das, was wirklich so geschehen ist zwischen Israel und seinem Gott: 

Er wird vor den Kopf gestoßen. 

Er fasst es nicht. 

Er ist geschockt. 

Aus drei Gründen: 

1. Gott ist schockiert, weil sein Recht nicht anerkennt wird. 

Es ist das gute Recht des Weinbergbesitzers, von den Pächtern die 

Pacht zu verlangen. 

Man hat sie damals in Geld oder Naturalien abgeliefert. 

Und der Eigentümer macht sich sogar die Mühe, 

einen seiner Dienstleute zu schicken. 

Das bekommt dem Boten aber schlecht!

Er erlebt ein blaues Wunder. 

Statt der erwarteten Geldmünzen zahlen sie ihm Schläge aus. 

Und das nicht zu knapp. 

Nie mehr soll er sich hier blicken lassen, bekommt er zu hören, 

sie seien nicht die Pächter, sondern die Herren des Weinbergs, 

die sich den gesamten Gewinn mit mühlseliger Arbeit redlich 

verdient hätten. 

Der Eigentümer staunt nicht schlecht, als ihn der grün und blau 

geprügelte Dienstbote informiert. 

Sofort - die Polizei alarmieren!

Sofort - das Gericht anrufen!

Sofort - einen Schlägertrupp losschicken! Oder?

Nein, der Chef zögert, hält sich die Hand vor seinen Mund. 

Nein, ich werde anders vorgehen, beschließt er. 

Die Zuhörer verstehen, dass Jesus nicht nur vom Herrn über den 

Weinberg erzählt. 

Er erzählt auch von dem, er Israel geschaffen hat:

12 Stämme hat er in ein feines Land hinein gepflanzt, 

hat Regen gegeben, gesegnete Zeiten, hat viel Gutes zum Leben 

und Lachen wachsen lassen. 

Jetzt erwartet er die Frucht, die Abgabe. 

2. Mose 5,12: „Nun, Israel, was fordert der Herr, dein Gott, noch von dir, 

als dass du den Herrn, deinen Gott, fürchtest, 

dass du in allen seinen Wegen wandelst und ihn liebst, 

und dem Herrn, deinem Gott, dienst von ganzem Herzen und von 

ganzer Seele“

Respekt vor Gott ist gefragt, Gehorsam gegen Gott, 

Liebe zu Gott, Dienst für Gott. 

Das ist es, was Gott zusteht. 

Man weiß es in Israel. 

Man hört es wohl, wenn da und dort ein Prophet aufsteht, der daran 

erinnert, dass das Bekenntnis zu Jahwe mehr sein muss als ein 

Lippenbekenntnis!

Trotz aller Frömmigkeit wird Gottes Anrecht auf Respekt, Liebe und 

Gehorsam aber nicht wirklich anerkannt. 

Das stellt Jesus fest. 

Gott hat ein Recht darauf, als Herr über unser Leben anerkannt zu 

werden, wie bitte?

Unser Leben gehört doch uns ganz allein, oder nicht?

Wir besitzen es, wir gestalten es, wir genießen es, 

was hat denn Gott da hineinzureden und gar zu fordern?

Wer so fragt, der gleicht dem Pächter, der den Eigentümer vergessen hat. 

Unsere Lebenszeit, unsere Begabungen und unser Arbeitsplatz sind

Leihgaben Gottes. 

Großzügig stellt er uns zur Verfügung, was ein erfülltes Leben möglich macht. 

Es ist nur recht und billig, wenn wir ihm dafür danken. 

Und Gottes Gebrauchsanleitung fürs Leben beachten. 

Sollten wir den Blick für Gott dagegen ausblenden, dann muss uns klar sein, 

dass sich über unserem Kopf etwas zusammen braut. 

Vorsicht!

Gott ist schockiert über unsere Vergesslichkeit und Eigenmächtigkeit!

2. Gott ist schockiert, weil seine Riesengeduld nicht 

anerkannt wird. 

Man kann es nicht fassen. 

Der Eigentümer des Weinbergs bringt die Pächter nicht vor den Kadi, 

sondern schickt einfach den nächsten Boten. 

Mit einer Kopfwunde und zertretener Würde kommt er zurück. 

Jetzt aber muss Schluss sein!

Nein, der Eigentümer beauftragt einen dritten Diener!

Der dritte kommt nicht mehr nach Hause. 

Sie bringen ihn zur Strecke.

Und jetzt?

Jetzt geht die Geschichte gerade so weiter: „die einen schlugen sie, 

die anderen töteten sie“. 

Ist das Großmut, dass der Eigentümer sich so was gefallen lässt?

Geduld? Barmherzigkeit?

Oder Unvernunft? Wahnsinn?

Schließlich - sendet er seinen geliebten Sohn. 

Der Chef rechnet mit einer natürlichen Scheu vor seinem allerpersön-

lichsten Stellvertreter. Und verrechnet sich. 

Die eiskalten Burschen meinen genau zu wissen, wie man sich das 

Erbe sichert: Durch die Beseitigung des Erben. 

Jesus steht den Spitzenleuten Jerusalems gegenüber. 

Sie wissen, wer mit den Boten gemeint ist. 

Der Prophet Jeremia schreibt: „Von dem Tage an, da ich eure Väter

aus Ägyptenland führte, bis auf diesen Tag, habe ich immer wieder

zu euch gesandt alle meine Knechte, die Propheten. 

Aber sie wollten nicht hören noch ihre Ohren mir zukehren, 

sondern sind halsstarrig und treiben es ärger als ihre Väter“ (7,25).

Sie, die Spitzenleute Israels, werden verantwortlich gemacht dafür, 

dass Israel eine lange Reihe von Boten Gottes abgewiesen hat. 

Jesus erhebt den Anspruch, diese Reihe nicht nur fortzusetzen, 

sondern ihr Höhepunkt zu sein!

Dann prophezeit er also den Tod des Gottessohnes - durch ihre Hand!

Die Mitglieder des Synhedriums sind außer sich. 

Weil sie den Anspruch von Jesus nicht anerkennen. 

Sie lassen sich auch nicht darauf ein, über die lange Geschichte

des vergeblichen Umkehrrufs der Propheten nachzudenken. 

Könnte es sein, dass wir einem Gotteswort, das auf uns zukommt

wie ein freundlicher Bote, die Tür vor der Nase zuschlagen?

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen?“

Ach, ich erlebe zu viel Schwieriges!

„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“ - 

Ach, ich erlebe zu viel verletzende Menschen!

„Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt!“ -

Ach, mein Unglaube ist wieder stärker als mein Glaube!

Gott gibt uns nicht auf. 

Obwohl sein Wort bei uns tausendmal nichts ausrichtet und 

wir trotz seiner Liebe wie die Eisheiligen persönlich daher kommen. 

Wie oft haben wir über seine Riesengeduld gestaunt, in der er uns 

nachgeht, vergibt und aufhilft?

Wir dürfen ihn bitten, uns neue Geduld zu schenken 

für schwierige Familienmitglieder und für Nachbarn, 

die unserer Einladung zum Gottesdienst schon 10 Mal nicht gefolgt sind. 

Wir sollten sie unbedingt zum 11. Mal einladen!

Weil Gott einen langen Atem hat. 

Und wir sollten nicht zimperlich sein, wenn wir als Gottes Zeugen ins 

Gerede kommen. 

Wie wurde denn Jesus schlecht geredet?

Er, der das Äußerste ausgehalten hat, hilft uns, dem unbegreiflich harten

und vielleicht sogar hässlichen Widerstand neue Bezeugungen der Liebe 

Gottes entgegen zu setzen. 

Allerdings - registriert Gott genau, wie wenig seine Mühe um die Menschen 

begriffen wird. 

3. Gott ist schockiert, weil sein Rettungsmann nicht 

anerkannt wird. 

Jetzt kommt das dicke Ende. 

Man hat es voraussehen können: Der Weinbergeigentümer löscht die auf-

sässigen Pächter aus. 

Jetzt will Jesus ihnen drohen? -, so raunen sich die Hohepriester zu. 

Er, der die Frechheit besitzt, sich öffentlich als „geliebten Sohn“ zu 

kennzeichnen?

Jetzt zitiert er auch noch den Messiaspsalm 118!

Klar, mit dem verworfenen Baustein, der zum entscheidenden Eckstein

wird, meint er sich selber.

Er „wird nicht sterben, sondern leben“ und einen großen Sieg erringen?

Man wird sehen. 

Wenn er erst das römische Kreuz zu spüren kriegt, werden ihm solche

Visionen schon abhanden kommen. 

Im feindseligen Denken der Führungsleute ist kein Platz für die Idee, 

dass gerade der Tod von Jesus den rettenden Zugang zum Leben 

schaffen könnte. 

Für alle, die Gott hemmungslos verdrängt, klein gemacht und brüskiert

haben und die deshalb seinem Gericht entgegen stürzen, 

wie die Äpfel auf dem breiten Förderband der Saftfirma, die in Richtung

Presse wandern. 

Vierzig Jahre, nachdem Jesus das Weinberggleichnis vorträgt, wird

Jerusalm mitsamt Führungsschicht ausradiert ...

Der so etwas voraussagen konnte, der hat auch vom Weltgericht 

gesprochen. 

Von einer Nachbesprechung der Menschheitsgeschichte, 

in der alles auf den Tisch kommt. 

Alles, auch das Tagebuch unseres Lebens. 

Die vorzeigbaren und die unmöglichen Tagebuchseiten tragen bei den  

einen den Stempel „Jesus Christus“ - bei denen, die Jesus gehören. 

Damit ist ihr Fall entschieden. 

Sie betreten die neue Welt. 

So einfach funktioniert das?

Gerade weil es so einfach funktioniert, ist Gott am Weinen über Menschen, 

die nicht erkennen, was es mit dem Namen „Jesus Christus“ auf sich hat. 

Sein Rettungsmann wird nicht anerkannt!

Ein Schock, der den ganzen Himmel erzittern lässt!

In ihrem Buch „Vom lebendigen Gott erwischt“ (Moers 1994, 82ff) schreibt

Ingrid Heinzelmaier von Manfred Grün, der nichts mit dem Jesus Christus 

in seinem Elternhaus anfangen konnte. 

Immer, wenn sie daheim den Evangeliumsrundfunk (ERF) anhörten, 

ergriff er sofort die Flucht. 

Die Freunde, der Alkohol, die Nachtclubs, das war seine Welt. 

Als Strafvollzugsbeamter ließ er die Gefangenen seine Verachtung spüren. 

Eines Tages wurde sein Vater mit Leukämie ins Krankenhaus eingeliefert. 

Die Liebe, die er in dieser Situation ausstrahlte, bewegte Manfred Grün. 

Das Sterben des Vaters verunsicherte ihn. 

Er tastete nach einem inneren Halt. 

Ein Satz seiner Mutter fiel ihm ein: „Jesus lebt und Jesus vergibt Schuld“. 

Da wagte Manfred Grün ein Gebet zu dem lebendigen Herrn, der vergibt. 

Und er entdeckte eine tragfähige Lebensbasis. 

Sein Stil in der Ehe und am Arbeitsplatz veränderte sich zum Guten. 

Bestimmt hat der Himmel vor Freude gezittert, als Manfred Grün anfing

zu beten. 

Noch ein Mensch, der Gottes Recht, Gottes Riesengeduld und Gottes

Rettungsmann endlich anerkennt!

Erkennen wir, wie viel er uns gibt?

Was geben wir ihm zurück?

Vielleicht heute? 

Amen

(Diese Predigt nimmt die Vorarbeiten von Pfarrer Dr. Tobias Eißler auf)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Dienstag, 19.06.2018
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19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 20.06.2018
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Donnerstag, 21.06.2018
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18:30 Uhr:
Biblellesen und Austausch für Jugendliche im GH Schwann
19:00 Uhr:
Jugendkreis 16+ im GH Schwann
Freitag, 22.06.2018
17:00 Uhr:
Bubenjungschar 6-12 Jahre im GH Schwann