2008-12-31 Jahreswechsel

Predigt über die Jahreslosung Lukas 18,27 / Pfarrer Friedhelm Bühner

 

Liebe Gemeinde!

Ein neues Jahr steht bevor!

Wie ein Buch, dessen Seiten noch leer sind, liegt es vor uns. 

So ein leeres Buch weckt bei vielen Menschen Begeisterung. 

Es setzt Phantasie frei: Seine 365 Bögen warten nur darauf, 

von uns beschrieben zu werden. 

365 Tage. So viele Möglichkeiten, so viele Gelegenheiten, 

Neues auszuprobieren – frei nach dem Werbeslogan des schwe-

dischen Möbelhauses »Entdecke die Möglichkeiten«. 

 

Ein neues Jahr steht bevor!  

Für manche ist es auch Chance zur Veränderung: Rauskommen 

aus fest getrampelten Pfaden, schlechte Angewohnheiten 

endlich ändern: weniger essen, mehr Sport, weniger Stress… 

Die Zeit des Jahreswechsels ist auch die Zeit der guten Vorsätze. 

 

Ein neues Jahr steht bevor! 

Bald werden wir uns an die »9« statt der »8« im Datum gewöhnt 

haben. Bald wird das Neue sich im Alltag verlaufen. 

Und auch in diesem neuen Jahr werden wohl viele der guten 

Vorsätze ganz schnell in Vergessenheit geraten. 

 

Ein neues Jahr steht bevor!

Nicht wenige Menschen gehen heute eher sorgenvoll in dieses 

neue Jahr. 

Die Begrenzungen, die sie in ihrem Leben erfahren, sind zu schmerz-

haft, um in Euphorie gegenüber dem Neuen zu verfallen: 

die nachlassenden Kräfte im Alter, die die eigenen Möglichkeiten immer 

mehr einschränken; 

die Krankheit, die unaufhaltsam am Körper zehrt; 

die Gefahr der Arbeitslosigkeit durch die wirtschaftlichen Probleme,

mit denen keiner so recht umzugehen weiß; 

der Streit in der eigenen Familie, den keiner beilegen kann. 

Das Neue scheint überschattet vom Alten. 

Und den vielen Möglichkeiten des Neuen stehen die vielen Unmöglich-

keiten gegenüber, von denen wir heute schon wissen. 

 

Uns allen – den eher Hoffnungsvollen wie auch den eher Besorgten – 

spricht der Herr Jesus Christus in der Jahreslosung für 2009 zu: 

Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.

 

Dreimal steht unsere Jahreslosung – so oder ähnlich formuliert – 

in den Evangelien. 

Dreimal spricht Jesus von menschlichen Unmöglichkeiten und 

von Gottes Möglichkeiten. 

Und in allen drei Fällen geht diesem Wort die Erzählung von einer

traurigen Begegnung voraus: Die Geschichte vom »reichen Jüngling«, 

wie sie allgemein genannt wird. Bei Lukas ist von einem »Oberen« 

die Rede, aber die Dramatik ist dieselbe. 

 

Er kommt mit einer ernsten Frage zu Jesus: Was muss ich tun, 

damit ich das ewige Leben ererbe? 

Jesus verweist ihn auf die Gebote Gottes. 

Der Reiche antwortet, was wohl keiner von uns antworten könnte: 

Das alles habe ich gehalten von Jugend auf. 

Doch eins fehlt noch, sagt Jesus: Verkaufe alles, was du hast, 

und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, 

und komm und folge mir nach! 

Aber dem frommen Reichen ist diese Erwartung zu hoch gesteckt. 

Diesem Aufruf zu folgen, ist ihm unmöglich. 

So bleibt er traurig zurück. Und Jesus bestätigt es: Wie schwer 

kommen die Reichen in das Reich Gottes! 

Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, 

als ein Reicher in das Reich Gottes komme. 

 

Die, die es hören, erschrecken. Denn sie spüren: Dann wird’s auch 

für uns eng. Dann bleiben am Ende auch wir im Nadelöhr hängen. 

Und voller Sorge und Entsetzen fragen sie: Wer kann dann noch 

selig werden? 

Die Antwort auf diese sorgenvolle Frage ist unsere Jahreslosung: 

Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich. 

 

Gott macht das Unmögliche möglich. 

Gott öffnet verschlossene Türen. 

Wo wir mit unseren Möglichkeiten längst ans Ende gekommen sind, 

da kann er uns neue Lebensräume eröffnen. 

Wo wir keinen Ausweg mehr sehen, da kann unser Gott Fluchtwege 

schaffen. 

Wo wir in engen Grenzen leben müssen, da kann und will er uns 

in weites Land führen. Gott kann! 

 

Am Ende dieser traurigen Geschichte von der verhinderten Nach-

folge ist dieses Jesuswort Evangelium, frohe Botschaft. 

Es ist wie ein Ausweg – wie eine Tür ins Freie: Es ist eine erneute 

Einladung – an den Reichen, aber auch an uns: Gott hält neue 

Möglichkeiten für uns bereit. 

Er schenkt die Möglichkeit zum Loslassen, zum Leben, zum Lieben.

 

(1.) Gott schenkt die Möglichkeit zum Loslassen

Dem griechischen Philosophen Diogenes wurde eines Tages ein 

Mann vorgestellt, der sein Geld mit Scheffeln messen konnte. 

»Ein armer Mann!«, sagte Diogenes nachdenklich. 

»Er besitzt nichts!« 

»Wie kannst du das sagen«, sagten seine Freunde. 

»Der Mann ist steinreich.« 

»Und trotzdem habe ich Recht«, sagte Diogenes. 

»Denn er ist einer von denen, die nicht das Geld besitzen – das Geld 

besitzt ihn«. 

 

Man muss sein Geld nicht erst mit Scheffeln messen können, bevor 

es so weit kommt. 

Dass unser Besitz, unser Wohlstand – aber auch, was mit ihnen 

einhergeht: Unser Ansehen, die Macht und der Einfluss, den wir 

haben, uns fasziniert und uns bindet, das geht ganz schnell. 

Geld, Guthaben und Besitz werden in unserem ganz alltäglichen 

Sprachgebrauch als »Sicherheiten« bezeichnet: 

- Das Häuschen als Altersvorsorge. 

- Die Lebensversicherung als eiserne Reserve im 

schlimmsten Fall. 

- Das Riester-Konto als Garantie für die Lebensqualität im Alter. 

Wer ist schon gerne bereit, das herzugeben? 

Wer ist dazu in der Lage, das ganz außen vor zu lassen? 

Wo’s um Geld geht, hört bei vielen die Freundschaft auf. 

Bittere Zerwürfnisse in Familien, weil man sich beim Erben nicht 

einig wurde, sind keine Seltenheit. 

Wer kann all das, was uns auf dieser Welt noch Sicherheit verspricht, 

ganz beiseite legen? 

Wer kann so loslassen, wie es nach den Worten Jesu nötig wäre, 

um ins Reich Gottes zu kommen?  

 

Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist möglich bei Gott. 

Alles ganz loslassen, so wie Gott es will – das schafft keiner von uns. 

Das hat nur einer getan: Der eine, der den ganzen Reichtum Gottes 

hatte. 

Der eine, dessen Glanz all unser Vorstellungsvermögen übersteigt. 

Der eine, der die Herrlichkeit beim Vater nicht festgehalten hat, 

sondern sich selbst für uns erniedrigt hat (1). 

Der eine, der in der Armut des Stalls von Bethlehem geboren wurde. 

Der eine, der nichts hatte, wo er sein Haupt hinlegen konnte. 

Der eine, der sein Leben am Kreuz hergab, um uns zu retten. 

Der eine, dem war es möglich loszulassen: Jesus Christus.

 

Doch weil er alles losgelassen hat für uns; 

weil er uns im Glauben Freiheit gibt von allen Mächten, die gegen Gott 

stehen, deshalb haben auch wir die Möglichkeit loszulassen.

Jesus ermöglicht einen Blickwechsel: Im Licht dessen, was er für 

uns getan hat, erkennen wir, was wirklich wichtig ist – und auch, 

was erst an zweiter oder dritter Stelle kommen darf:  

Alle unsere irdischen Sicherheiten. 

 

Wenn diese Dinge Christus, dem Herrn, untergeordnet sind, 

dann werden sie uns nicht beherrschen und nicht gefangen nehmen. 

Dann werde auch ich in der Lage sein, sie – wenn es sein muss – 

ohne Wehmut loszulassen, weil ich weiß: Ich habe einen Herrn, 

bei dem ich nicht zu kurz komme. 

Ihn zu haben ist wichtiger als alles Geld und Gut. 

Bei ihm zu sein ist mehr wert als alle Sicherheiten. 

 

 

(2.) Gott schenkt die Möglichkeit zum Leben

Gehen wir noch einmal zurück an den Anfang der Geschichte, die 

unserer Jahreslosung vorausgeht: Da kommt dieser durchaus fromme, 

reiche Mann zu Jesus. 

Er stellt die eine Frage, die wirklich wichtig ist: Die Frage nach dem 

Leben. 

Nicht, wie sie heute so oft gestellt wird: Was muss ich tun, damit ich 

gesund lebe? Was muss ich tun, damit ich glücklich lebe? 

Sondern: Was muss ich tun, damit ich ewig lebe? 

Die anderen Fragen haben auch ihre Berechtigung – keine Frage. 

Aber wenn wir nicht tiefer fragen, wenn wir nicht grundsätzlicher fragen, 

wenn wir nicht nach dem ewigen Leben fragen, dann fragen wir zu kurz. 

Der reiche Mann jedenfalls fragt nach dem Entscheidenden, nach 

dem ewigen Leben. 

 

Aber durchs Fragen allein bekommen wir dieses Leben nicht. 

Auch erarbeiten können wir es uns nicht. 

Das ewige Leben zu gewinnen – durch unsere Anständigkeit oder 

durch unsere Frömmigkeit – ist uns Menschen schlicht unmöglich. 

Das ganze Neue Testament zeugt von dieser Unmöglichkeit. 

 

So fragten die Menschen ja voller Sorge und Erschrecken direkt vor 

unserer Jahreslosung: Wer kann dann selig werden? 

Selig werden, ewiges Leben bekommen, das ist menschenunmöglich. 

Dazu müssten wir zuerst neue Menschen werden. 

 

Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist möglich bei Gott. 

Wir können keine neuen Menschen aus uns machen – doch der Eine, 

der kann’s. Der Eine, den der Tod nicht festhalten konnte. 

Der Eine, dessen Grab am Ostermorgen leer war. 

Der Eine, der seinen Freunden sagt: Ich lebe und ihr sollt auch leben. 

Der Eine, der schafft das Unmögliche und macht durch sein Sterben 

und Auferstehen aus Sündern Gottes Kinder. 

 

Wer ihm vertraut, dem ist der Himmel geschenkt. 

Wer sich mit seinem Leben ihm anvertraut, dem schenkt er das 

ewige Leben. 

Unverdient und unbezahlbar – doch geschenkt aus Liebe von Gott: 

Ewiges Leben – heute schon und in Ewigkeit gültig. 

Den Himmel kann mir keiner mehr nehmen, wenn Christus ihn mir

geschenkt hat. 

Diese Zuversicht sollen wir in Jesus von Gott bekommen – und dann 

gilt sie für jeden Tag, der kommen mag. 

 

(3.) Gott schenkt die Möglichkeit zum Lieben

Den andern mit den Augen der Liebe in den Blick nehmen; 

von sich selber wegsehen; 

darum sorgen, was dem andern gut tut; 

ihn zu verstehen suchen, wo er mir fremd ist – das fällt uns Menschen 

oft genug schwer. 

Zu sehr sind wir mit uns selber beschäftigt: »Erst komm ich und 

dann komm ich, pausenlos geht es um mich« so haben es 

Theo Lehmann und Jörg Swoboda in einem Lied beschrieben (2). 

 

So oft siegt der Egoismus in unserem Herzen über die Liebe, 

die sich verschenkt. S

o oft sind wir nicht bereit, zu vergeben. 

So oft beharren wir auf unserem Recht anderen gegenüber. 

Echte, tiefe und mitfühlende Liebe ist vielen Menschen einfach unmöglich. 

 

 

Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist 

möglich bei Gott. 

In Jesus Christus wurde Gottes ganze Liebe zur Tat. 

Er ist Gottes Liebe in Person. 

Gottes Liebe, die keine Vorleistung verlangt, ließ ihn Mensch werden. 

Gottes Liebe, die keine Grenzen kennt, ließ ihn für unsere Schuld 

am Kreuz sterben. 

Gottes Liebe, die kein Ende hat, trägt uns auch noch in unserem 

Versagen und macht uns Mut zur Umkehr und zu einem Neuanfang. 

Er will uns vergeben und wir dürfen ihn darum bitten. 

In Jesus Christus sehen wir es, wie Gott es im tiefsten seines Herzens 

meint; wie sehr er uns liebt. 

 

Aber weil Gott uns so sehr liebt, und weil er uns ein neues Herz

schenken will, ein Herz, das für Jesus brennt -, kann und will er uns 

jetzt auch befreien zu einem neuen Umgang miteinander. 

Dass ich wegschauen kann von mir selber: 

Gott hat mir meine Zeit, meinen Besitz, meine Gaben nicht nur für mich 

selber anvertraut, sondern damit ich ihm und den Menschen um mich 

herum diene. 

 

Ich bin sicher: Gott wird uns an jedem Tag des (kommenden) neuen 

Jahres viele Möglichkeiten eröffnen, wo wir das, was Jesus geschenkt

hat, an andere weitergeben können. 

Dass wir hingehen zu den Verlorenen und sie einladen zu Jesus ...

Dass wir beginnen für die vielen in unserem Ort zu beten, 

die Jesus noch nicht gehören und bisher eine ganz falsche Vorstellung

von ihm haben. 

Gott ist es möglich, Umkehr zu bewirken, ein Erkennen der Liebe Jesu, 

die auch sie nach Hause lieben will zum Vater. 

 

Aber auch sonst will Gott uns noch viele andere Möglichkeiten schenken:

Dass wir uns trotz vieler Aufgaben wieder Zeit nehmen für das Gespräch

oder einem einsamen Menschen einen Brief schreiben. 

 

Dass wir versuchen, den andern zu verstehen, auch wo er schwierig ist. 

Dass wir einander von Herzen vergeben. 

Dass wir anpacken, wo jemand ganz praktisch Hilfe braucht. 

Und über allem: Dass wir die frohe Botschaft von dem Einen weiter-

sagen, Jesus Christus, durch den Gott unsere Unmöglichkeiten in 

ganz neue Möglichkeiten verwandelt. 

 

Liebe Gemeinde! 

Füllen wir doch die leeren Seiten des neuen Jahres füllen damit: 

Mit Gottes Handschrift in unserem Leben und den Möglichkeiten, 

die er schenkt: 

- Die Möglichkeit zum Loslassen, 

- die Möglichkeit zum Leben und zum Lieben.  

Und über allem: 

- Die Möglichkeit, Menschen für Jesus zu gewinnen. 

Amen. 

 

 

Anmerkungen:

(1) Vgl. Philipper 2, 5–11

(2) In dem Lied: »Dass dein Wort in meinem Herzen starke Wurzeln schlägt«

 

Diese Predigt nimmt die Vorarbeiten von Pfarrer Andreas Streich, Lossburg-Wittendorf, auf. 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 21.10.2018
9:15 Uhr:
Kirchweih in der Schwabentorhalle in Dennach (Pfarrer Held)
10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikant Schäfer)
Dienstag, 23.10.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 24.10.2018
18:00 Uhr in Schwann:
Gitarre für Anfänger
19:00 Uhr in Schwann:
Gitarre für Fortgeschrittene
20:00 Uhr in Schwann:
Hauskreis Tankstelle für junge Erwachsene bei Steffi