2008-12-25 Christfest

Predigt über Lukas 2,15-20 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext aus Lukas 2, die Verse 15-20:

"15 Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen 

die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem 

und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der 

Herr kundgetan hat.16 Und sie kamen eilend und fanden beide, 

Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. 17 Als sie 

es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu 

ihnen von diesem Kinde gesagt war. 18 Und alle, vor die es kam, 

wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten. 

19 Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem 

Herzen. 20 Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten 

Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu 

ihnen gesagt war."

 

 

Liebe Gemeinde, 

die Hirten von Bethlehem - das ist so ein Problem für sich!

Wenn wir die Weihnachtsgeschichte des Lukas verstehen wollen, 

müssen wir eigentlich erst den romantischen, sentimentalen 

Schleier entfernen, der in unseren Köpfen herumspukt. 

Schauen wir uns die handelnden Personen genauer an!

 

Der Hirtenberuf war damals überhaupt nichts Romantisches. 

Hirte wurde, wer sonst wirklich nichts gelernt hatte, 

wer nicht viel im Köpfchen, dafür aber viel Muskeln hatte. 

Schlägertypen waren das, die in unseren Tagen vielleicht 

noch einen Job als Rausschmeißer in einem Nachlokal bekommen

hätten. 

 

Und erst Maria und Josef, mit denen war es nicht viel anders. 

Immerhin lastete auf Maria, einem bis dato unbescholtenen 

jungen Mädchen aus gutem Hause von vielleicht 15-16 Jahren

jetzt der Makel, ein uneheliches Kind geboren zu haben. 

Was das damals bedeutete, können wir nur ahnen. 

Da half es nicht viel, dass sie besser wusste, was mit ihr 

geschehen war. 

Die Sache mit der Jungfrauengeburt glaubte ihr auch damals 

schon fast kaum ein Mensch. 

 

Joseph, bis bis dahin ebenfalls ein rechtschaffener, frommer, 

aufstrebender Handwerker im Baugeschäft, ging es nicht viel 

anders. 

Zwar hat er darüber nachgedacht, seine Braut Maria bei nächst-

bester Gelegenheit zu verlassen; 

aber da kam die deutliche Weisung von Gott, gerade das Gegen-

teil zu tun - sie "heimzuholen", nämlich durch eine etwas

überstürzte Hochzeit die Sache auf sich zu nehmen. 

 

Jetzt kam auch noch dieser verrückte Befehl des Kaisers dazu, 

sich in seiner Heimatstadt in eine Steuerkartei eintragen zu lassen

und zu allem Überfluss führte der Weg dann völlig unerwartet 

direkt weiter nach Ägypten - auf die Flucht vor dem kindermorden-

den Herodes. 

Überfüllte Herbergen und eine armselige Notunterkunft vervoll-

ständigen das Bild nur: Die Geburt von Jesus war alles andere, 

nur keine Sache fürs Gefühl. 

 

Das haben auch unsere Vorfahren lange so festgehalten, 

bis man dann daraus einen Hirtenidylle und aus der Erinnerung

an die Erniedrigung Gottes ein familiäres Geburtstagsfest ge-

macht hat. 

Vielleicht - ich weiß es wirklich nicht - vielleicht kommt unsere

Leere am Weihnachtsfest auch daher: Dass wir nicht wirklich wis-

sen, was wir das feiern!?

 

Nun, wir können es von den Hirten lernen. 

Die hatten nämlich auch gerade ein Spitzenerlebnis gehabt, eine 

"Transzendenzerfahrung" wie man heute sagen würde. 

Die hatten wirklich "die Engel singen hören". 

Und jetzt sind sie auf einmal wieder weg, verschwunden. 

Was nun? - Weihnachtliche Leere bleibt zurück. 

 

"Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die 

Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem

und die Geschichte sehen, die das geschehen ist, die uns der 

HERR kundgetan hat".

 

Ganz offensichtlich haben die Hirten das bestimmte Gefühl: Bei 

dieser ganzen geradezu unglaublichen Geschichte kann man 

nicht beim Hörensagen oder bei Vermutungen stehen bleiben!

Das glaubt uns ja kein Mensch!

Das müssen wir nachprüfen, dem müssen wir auf den Grund 

gehen!

Außerdem: Wenn das wirklich stimmt, dass der Retter, der Erlöser

der Menschheit, auch für uns gekommen ist, dann hätte das ja

Konsequenzen für uns!

Der Sache mit Jesus muss man nachgehen, sagen sie sich

und sie haben Recht damit!

 

Wer Jesus nur vom Hörensagen kennt, so um vier Ecken herum, 

von ein paar flüchtigen Eindrücken im Religionsunterricht

oder der letzten Weihnachtspredigt, wer Jesus nur so kennt

und dabei auch ganz zufrieden bleiben will, der kennt ihn 

eigentlich überhaupt nicht. 

Jesus muss man selber, muss man persönlich begegnen, 

sonst ist überhaupt nichts gewonnen.

Die christliche Oma und der Urgroßvater in allen Ehren -, aber

Jesus, unser HERR, will Leute, die sich die Mühe gemacht haben,

ihn persönlich kennen zu lernen. 

 

Schließlich hat er weder Kosten noch Mühen gescheut und sich 

eigens dazu in unsere Menschlichkeit hinein begeben - ohne 

Rücksicht auf Verluste!

Wer Jesus nicht persönlich kennt, kennt ihn überhaupt nicht. 

 

"Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Joseph, dazu 

das Kind in der Krippe liegen. Da sie es aber gesehen hatten, 

breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen über dieses Kind gesagt

war."

 

Ja, weihnachtlicher Stress hat schon die ersten Weihnachtsgäste

erfasst. Das ist nichts Neues. 

"Eilend", das heißt gestresst sind sich nach Bethlehem hinein 

gekommen - nicht, weil sie ihre Schafe nicht so lange allein lassen

wollten, sondern weil sie keine Zeit verlieren wollten, sich Gewiss-

heit zu verschaffen!

 

Bei den Hirten bleibt es nicht bei weihnachtlicher Leere nach einem

Spitenerlebnis.

Sie machen es für sich persönlich fest: "Christ, der Retter - mein 

Retter - ist da!"

Die Windeln und die Futterkrippe, der Stallgeruch und die ganze

Armseligkeit an diesem Wochenbett stören sie nicht. 

ER ist da! Das reicht ihnen!

 

"Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott um 

alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen ge-

sagt war."

Das ist die eine Art, wie Menschen auf die Botschaft von dem Er-

löser reagieren: Mit frohem Loben. 

Sie haben die Botschaft der Engel zu ihrer Botschaft gemacht, 

die Verheißung Gottes zu einer Verheißung, die gerade ihnen gilt:

"Euch ist heute der Heiland geboren!"

 

"Heiland", das war damals übrigens ein ziemlich gebräuchliches

Wort. Die Kaiser und Könige jener Zeit liebten es, sich selber den 

Ehrentitel "Heiland" zu geben und sich mit ihm zu schmücken,

das heißt nämlich "Erretter aus Todesgefahr".

In Wirklichkeit kamen sie für die von ihnen Erretteten eher als die 

Sieger und Besatzer, als Unterdrücker und Ausbeuter. 

 

Das war bei Jesus anders. 

ER zwingt niemand unter seine Herrschaft , setzt seinen Willen 

nicht mit Gewalt durch, sondern wirbt um uns - um unser Vertrauen. 

 

Ob die Hirten von Bethlehem das wohl geahnt oder sogar schon 

gewusst haben?

Dass Jesus auch dem "Abschaum der Menschheit" eine echte

Chance einräumen würde?

Aber auch den biederen Leuten bietet er an, ihnen ihre Schuld zu 

vergeben, ihnen den Rücken frei zu machen für die Zukunft. 

Dafür lobten die Hirten Gott und sie wussten, was sie taten!

 

Völlig anders haben jene Leute reagiert, die die Hirten mit ihrer

Nachricht beglückt hatten: "Und alle, vor die es kam, verwunderten sich

der Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten."

Flüchtige Verwunderung ist die Reaktion derer, die beim Hörensagen

stehen bleiben. 

Wie sollte es auch anders sein?

 

Sensationen gibt es genug in unserer Welt, an Unglaublichem gab 

es schon damals keinen Mangel. 

Aber was kümmert es mich, ob ein Kind aus dem vierten Stock eines 

Hauses gefallen und unverletzt geblieben ist, solange es nicht mein 

Kind ist?

Was kümmert mich die Geburt eines Erlösers, wenn ich mir persön-

lich nichts davon verspreche?

Die Verwunderung verfliegt, Leere bleibt zurück, weihnachtliche Leere. 

 

Nein, liebe Gemeinde, der Weg der Hirten, der Weg zur Krippe,

der Weg zu Jesus, bleibt uns nicht erspart, 

wenn wir vom Hörensagen zum Glauben, 

vom Glauben zur persönlichen Begegnung und Erfahrung

und von der Erfahrung zum lobenden Bekenntnis weitergehen wollen. 

 

Dann freilich - können wir nicht bei dem niedlichen Kind in der Krippe

stehen bleiben, sondern wir müssen in ihm zugleich den Heiland

am Kreuz sehen, der für uns - für mich! - stirbt. 

 

Der Weg des Gottessohns aus Gottes Ewigkeit in die Krippe von 

Bethlehem war der erste Schritt auf dem Weg zum Kreuz. 

Was in Bethlehem begonnen hat, war von Anfang an auf das

Kreuz ausgerichtet. 

Deshalb muss eine Weihnachtspredigt im Grunde immer auch 

eine Karfreitagspredigt sein. 

 

Noch eine dritte Reaktion auf die Weihnachtsbotschaft berichtet

uns Lukas: Neben das frohe Loben der Hirten und die flüchtige

Verwunderung der Hörer tritt das stille Prüfen der Maria. 

"Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem 

Herzen."

 

Genauer könnten wir übersetzen: "Sie hielt diese Worte neben-

einander!"

Dabei hat sie nichts anderes getan, als die Verheißungen des

Alten Testaments mit der Erfüllung im Jetzt zu vergleichen und so

zu prüfen, ob wirklich beides zusammen stimmte. 

Nur so hat Maria auch die wahre Bedeutung dieser Ereignisse

erfassen können. 

 

Die Hirten hätten so (wie Maria) in ihrer Bestürzung kaum reagie-

ren können. Sie hat nur interessiert, ob das, was der Engel ihnen 

gesagt hat, auch wirklich stimmte, dass ihr persönlicher 

Erlöser gekommen ist. 

Und mit dieser Gelassenheit sind sie schließlich auch wieder 

abgezogen. 

 

Maria brauchte mehr. 

Sie hat nach dem großen Zusammenhang mit der Verheißungs-

geschichte Gottes gefragt. 

Und das konnte sie nur, weil sie darin gelebt hat, 

weil ihr Gottes Wort nichts Fremdes war. 

 

Wie steht es da mit uns?

Kennen wir uns noch so gut in der Bibel aus, dass wir auf An-

hieb sagen könnten, was im Alten Testament vom Kommen des

Erlösers gesagt wird?

Werden unsere Kinder, die wir im christlichen Glauben zu erziehen

versprochen haben, noch weniger an Wissen über die Bibel 

und den Glauben mitbringen als wir?

 

Ich mache Ihnen Mut, im neuen Jahr so gute alte Sitten wie die 

Hausandacht doch wieder aufleben zu lassen!

Könnte es uns nicht gelingen, diese 10 Minuten im Kreis der

Familie wieder freizukämpfen, morgens beim Frühstück oder 

auch abends?

Wie sollen wir, wie sollen unsere Kinder und Enkel zu eigenem 

Glauben an Jesus kommen, wenn wir allesamt kaum etwas

über ihn wissen?

 

Liebe Gemeinde, 

darauf kommt es beim Christfest an: Dass wir - mit den Hirten - 

dahin gehen, wo Jesus ist. 

Dass wir - wie die Hirten - Gottes Botschaft an uns hören, 

dass wir ihr Glauben schenken, 

dass wir Jesus selber begegnen und 

dass wir zu der Überzeugung gelangen: "Christ, der Retter, 

mein Retter ist da!" 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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