2008-11-09

Predigt über 1. Thess 5,1-11 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Manche sagen: Wir leben in einer schwierigen, 

einer gefährlichen Zeit. 

Die Herausforderungen und Probleme sind global. 

Wird das noch lange gut gehen? 

Die Bibel ist da sehr nüchtern und sagt: Die Wiederkunft Jesu 

wird dem allem ein Ende bereiten. 

Und so gibt Paulus den Christen in Saloniki [damals Thessaloniki], 

auf die Frage, ob er einen Termin für das Ende der Welt weiß, 

folgende Antwort (1. Thess 5,1-11):

 

„1 Über die Frage, wann (das Ende der Welt, das Ende der Zeit, 

die Wiederkunft Jesu und unsere Auferstehung) geschehen wird, 

Brüder und Schwestern, zu welchem näheren Zeitpunkt das alles 

eintreten wird, brauchen wir euch nichts zu schreiben. 

2 Denn ihr wisst selbst ganz genau, dass der Herr so unvorher-

gesehen kommt wie ein Dieb in der Nacht. 

3 Wenn die Menschen sagen werden: »Alles ist ruhig und sicher«, 

wird plötzlich Gottes vernichtendes Strafgericht über sie herein-

brechen, so wie die Wehen über eine schwangere Frau. Da gibt es 

kein Entrinnen. 

4 Ihr aber lebt ja nicht in der Dunkelheit, Brüder und Schwestern, 

so dass euch der Tag des Herrn wie ein Dieb überraschen könnte. 

5 Ihr alle seid vielmehr Menschen, die dem Licht und dem Tag gehören. 

Und weil wir nicht mehr der Nacht und der Dunkelheit gehören, 

6 wollen wir auch nicht schlafen wie die anderen, sondern wachen 

und nüchtern sein. 7 Wer schläft, tut es in der Nacht, und wer sich 

betrinkt, tut es in der Nacht. 8 Wir aber gehören dem Tag und wollen 

deshalb nüchtern sein. Wir wollen Glauben und Liebe als Schutz-

Panzer anlegen und die Hoffnung auf unsere Rettung als Helm. 

9 Denn Gott hat uns nicht dazu bestimmt, dass wir seinem Gericht 

verfallen, sondern dass wir durch Jesus Christus, unseren Herrn, 

gerettet werden. 

10 Er, unser Herr, ist für uns gestorben, damit wir zusammen mit 

ihm leben. Das gilt für uns alle, ob wir noch am Leben sind, wenn 

er kommt, oder ob wir schon vorher gestorben sind. 11 Macht also 

einander Mut und helft euch gegenseitig weiter, wie ihr es ja schon tut.“

 

(„Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren ...“)

 

 

Liebe Gemeinde, 

der Retter ist da, so jubelt die Presse nach der Wahl von Barack 

Obama zum Präsident der Vereinigten Staaten. 

Andere sind etwas nüchterner. 

Sie sehen den ungeheuren Erwartungsdruck, der auf ihm lastet. 

Sie sehen die globalen Herausforderungen, vor denen seine 

Präsidentschaft steht. Manche sagen, bei diesen hohen Erwartungen 

sind die Enttäuschungen bereits vorprogrammiert. 

 

Ist er ein neuer Messias? 

Führt er tatsächlich eine neue Zeit herauf? 

Erfüllt er den Traum von Martin Luther King, dass von nun an die 

Menschen nicht mehr nach ihrer Hautfarbe, sondern nur noch nach 

ihrem Charakter beurteilt werden und alle die gleichen Chancen haben, 

ihr Glück zu verwirklichen? 

 

Der Retter ist da, titelt sogar die Bild-Zeitung. 

Paulus rät, nüchtern zu bleiben. 

Für ihn ist ganz klar: Der Retter kommt. 

Aber der Retter heißt Jesus. 

 

Jesus kommt wieder, am Ende der Zeit. 

Keiner weiß, wann das genau sein wird. 

Tatsächlich, keiner kann wissen, ob wir diesen Gottesdienst noch 

zu Ende führen werden, oder ob nicht im nächsten Augenblick die 

Posaunen ertönen, die das Kommen Jesu ankündigen. Weltweit. 

Niemand kann berechnen, ob es noch einen Tag, eine Woche, 

ein Jahr oder viele Jahre dauern wird. 

Wir wissen im Augenblick nur eines ganz gewiss: Gott gibt uns 

noch Gnadenfrist. 

Gnadenfrist heißt: Du hast jetzt noch Gelegenheit, dein Leben 

mit Jesus in Ordnung zu bringen. 

 

Solange wir atmen und leben, so lange gibt es Hoffnung. 

Solange die Sonne noch scheint, können wir glauben, hoffen und lieben. 

Solange es Tag ist, können wir unsere Schuld erkennen und Jesus 

um Vergebung bitten. 

 

Denn wenn eines schönen Tages Jesus wiederkommt, will er uns 

so antreffen: Als Menschen, die nüchtern und wachsam ihren 

Glauben leben. Denn wehe denen, die das nicht tun. 

 

So nüchtern, wie Paulus die Wiederkunft Jesu in Rechnung stellt, 

so nüchtern beschreibt er auch die Folgen, die es hat, wenn der 

jüngste Tag anbricht. 

Wer dann nicht auf dem Weg des Glaubens ist, verfällt Gottes 

Strafgericht. Paulus sagt das ganz nüchtern, ohne Angstmache und 

ohne Drohung. 

Er stellt einfach die Tatsachen klar, um die es heute und in 

Ewigkeit geht. 

 

Mir scheint, dass es gut ist, uns dies wieder ins Bewusstsein zu rufen. 

Glauben ist kein nettes Hobby, der Besuch des Gottesdienstes nicht 

nur eine fröhliche Freizeitbeschäftigung. 

Dabei geht es um Sein oder Nichtsein, um Leben oder Tod, 

um Gericht oder Gnade. 

 

Wir Pfarrer tun uns zugegeben manchmal schwer, diese drastischen 

Konsequenzen klar zu predigen. 

Keiner will anecken, niemand will anderen Angst machen, 

den Mut nehmen oder ausgrenzen. 

Viel lieber reden wir von Gottes unendlicher Liebe zu allen Menschen, 

um anzulocken, um einzuladen. 

Aber diese Liebe Gottes hat eben auch etwas damit zu tun, dass es 

Konsequenzen für den hat, der diese Liebe ausschlägt. 

 

Das frohmachende Evangelium will ich von Herzen verkündigen, 

damit ihr alle, Konfirmanden, Jugendliche, junge Familien, 

Erwachsene, Ältere, angezogen werdet, im Vertrauen auf Jesus 

euren Glaubens- und Lebensweg zu gehen. 

Aber wer sich diesem Weg verweigert, muss die Konsequenzen tragen. 

Muss wissen, dass er verloren geht, dass er die Gnade Gottes verfehlt 

und am Ende auf der Strecke bleibt. 

 

So gesehen ist das frohmachende Evangelium immer ein Weckruf. 

Du, der du schläfst, wach auf. 

Nütze den Tag, deinem Herrn zu gehören. 

Sei hellwach, wenn es darum geht, zu glauben, zu hoffen, zu lieben 

und Jesus zu dienen. 

 

 

Liebe Gemeinde, es gab eine Zeit in unserem Volk, 

sie ist jetzt gerade mal 70 Jahre her, da geriet das alles so total 

in Vergessenheit, dass die Katastrophe, die dann kam, 

unausweichlich wurde. 

Ich spreche vom 9. November 1938, der Reichspogromnacht. 

In der Nacht vom 9. auf den 10. November wurden in Deutschland 

Synagogen geschändet und angezündet, jüdische Geschäfte 

geplündert und Wohnhäuser demoliert. 

Jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger wurden ermordet. 

Zehntausende haben Gestapo, SS und Polizei in Konzentrationslager 

verschleppt. Der Staat hat das ganze Vermögen der Verschleppten 

und Ermordeten eingezogen und sich in unverschämter Weise bereichert.

 

Die Pogrome vom 9. November 1938 waren den Auftakt zur grausamen 

Verfolgung der Juden in unserem Land. 

Ihr Ziel war es, das jüdische Volk zu vernichten. 

Und ihre schreckliche Bilanz am Ende die Ermordung von sech 

Millionen Juden in ganz Europa.

 

Unser ganzes Land ist dabei in einen Tiefschlaf der Gewissen versunken.

Es ist Nacht geworden in fast ganz Europa. 

Auch in anderen Ländern haben sich viele die Hände schmutzig gemacht

bei diesem Geschäft. Auch in Polen, in Holland, in Frankreich hat es 

Helfershelfer gegeben. 

Und selbst in den Kirchen, wir gestehen es mit Scham, ist weitgehend 

geschwiegen worden. 

 

Sind die Worte von Paulus nicht ein ganz aktueller Kommentar dazu? 

„Wenn die Menschen sagen werden: »Alles ist ruhig und sicher«, 

wird plötzlich Gottes vernichtendes Strafgericht über sie hereinbrechen, 

so wie die Wehen über eine schwangere Frau. Da gibt es kein Entrinnen.“ 

 

Viele haben damals gesagt: Alles ist ruhig und sicher. 

Hitler und seine Schergen haben das gesagt. 

Und die Soldaten der Wehrmacht sollten singen: „Lieb Vaterland, magst 

ruhig sein“. 

So haben sich die Menschen blenden lassen von der Macht des neuen 

Deutschland, von der Redegewalt eines Dr. Goebbels und Hitlers 

und sie haben sich einschüchtern lassen von den Drohgebärden eines

verbrecherischen Staates. 

[Ich habe auf unserer Homepage auch eine Reihe Schwanner Dokumente

aus diesen Tagen eingestellt. Wenn Sie die Möglichkeit dazu haben, 

schauen sie sie gerne einmal durch. Man kann sie auf den eigenen PC

herunterladen und studieren ...]

 

Es gab auch aufrecht denkende und handelnde Menschen: Dietrich 

Bonhoeffer, Pfarrer Julius von Jan, Paul Schneider, der württembergische

Bischof Theophil Wurm. Aber sie haben leider nur wenig Gehör gefunden. 

 

Eine tiefe Nacht, so beschreibt es Paulus, legte sich auf unser Land. 

Viele taumelten und torkelten wie betrunken - und dann überfiel sie 

das Verderben, wie ein Dieb in der Nacht. 

Das Ende war schrecklich. 

 

Aber das alles, liebe Gemeinde, ist sozusagen nur ein irdischer 

Vorgeschmack auf das, was uns am Ende der Zeit erwartet. 

Selbsternannte Heilsbringer und Messiasse werden zuhauf auftreten. 

Es wird viele geben, die behaupten, sie seien die Retter der Welt. 

Gesetze, Normen und Werte, die biblischen Grundlagen werden 

ins Wanken kommen. 

Habgier, Selbstsucht und blinder Machtwahn wird vielen die Augen 

für die Wahrheit verschließen. 

Und wir leben in einer Zeit, in der das wieder passiert.

[Wenn Sie Zeit finden, lesen Sie bitte selber einmal nach, was in 

Mt 24, Mk 13, Lk 17 dazu steht] 

 

Deshalb gilt: Wachen und nüchtern sein. 

Heute, jetzt. In diesen Tagen. 

Es muss eine Veränderung kommen, 

„we need a change“, da hat Barack Obama sehr wohl Recht. 

Die Lüge muss aufhören, sagt der Finanzminister, 

und hat damit so was von Recht. 

Der Gier von Spitzenmanagern muss Einhalt geboten werden, 

sagt der Wirtschaftsminister und auch er hat damit Recht. 

Und zuallererst müssen Frieden und Gerechtigkeit wieder 

Maßstab guter und menschlicher Politik sein. 

Auch da stimmen wir sicher alle überein. 

Es ist höchste Zeit dafür. 

 

Aber jetzt: „we need a change“ - Veränderung muss kommen. 

Wird sie uns gelingen? 

 

Ich bin fest davon überzeugt: Ja, sie wird uns gelingen: „Yes, we can!“, 

wenn wir wachsam und nüchtern bleiben. 

Wachsam und nüchtern bleiben heißt nach biblischem Maßstab: 

Darauf vertrauen, dass Jesus am Ende der Zeiten alles zum Guten 

wendet. 

 

Bis dahin wird nicht alles gut sein. 

Bis dahin werden wir immer wieder 

- schwierige Zeiten durchleben, 

- Gefahren gegenüberstehen, 

- Bedrohungen an Leib und Leben erfahren, 

- Heuchlern und Verführern ausgesetzt sein.

Aber mit klarem Blick auf Jesus und sein Kommen, werden wir die 

Werke der Finsternis durchschauen. 

Gottes guter Geist wird uns die Kraft geben, standfest an seinen 

Geboten festzuhalten und uns eben nicht verwirren zu lassen. 

 

Mit klarem Blick auf Jesus werden wir die falschen Messiasse 

vom richtigen Messias unterscheiden können. 

Und mit klarem Blick auf Jesus werden wir so nüchtern sein, nicht von 

dieser Welt das Heil zu erwarten, sondern von Jesus allein. 

Denn: „Ihr lebt ja nicht in der Dunkelheit, Brüder und Schwestern, 

so dass euch der Tag des Herrn wie ein Dieb überraschen könnte. 

5 Ihr alle seid vielmehr Menschen, die dem Licht und dem Tag gehören.“ (V5ff).

Das schreibt uns Paulus heute.

 

Dieser Ton macht mir Mut, liebe Gemeinde. 

Dieser Ton, du gehörst zu Jesus, was auch kommen mag, 

macht mich getrost und zuversichtlich. 

Dieser Ton: „Gott hat uns nicht dazu bestimmt, dass wir seinem 

Gericht verfallen, sondern dass wir durch Jesus Christus, unseren 

Herrn, gerettet werden“, dieser Ton gibt mir eine solche Gelassenheit, 

dass ich den Versuchungen dieser Welt entschlossen widerstehen will. 

Dieser Ton: „Er, unser Herr, ist für uns gestorben, damit wir zusammen 

mit ihm leben“, gibt mir die Gewissheit, dass mich nichts mehr 

scheiden kann von seiner Liebe. 

 

Liebe Gemeinde, vor 70 Jahren haben zu viele geschwiegen und 

weggeschaut und dadurch sich selbst und unser Land ins Unglück 

gestürzt. 

Die später Geborenen tragen dafür keine Schuld, 

aber sie tragen die Verantwortung dafür, dass sich Gleiches nicht 

mehr wiederholt. 

Deshalb lasst uns wachen und nüchtern sein. 

Lasst uns anlegen den Schutzpanzer des Glaubens und der Liebe 

und die Hoffnung tragen wie einen Helm. 

 

So können wir einander Mut machen und einander weiterhelfen im 

Blick auf die Wiederkunft Jesu. 

Amen 

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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