2008-11-07 Hospiz Gedenkgottesdienst

Ökumen. Gedenkgottesdienst mit dem Hospizdienst Westlicher Enzkreis e.V. in der Schlosskirche Schwann / Ansprache zu 2. Kor 1,3-7 Pfarrer Bühner

Wir hören auf ein Bibelwort des Apostels Paulus aus 2. Kor 1,3-7:

„Gepriesen sei der Gott und Vater Jesu Christi, unseres Herrn, 

der Vater des Erbarmens und der Gott allen Trostes. 

Er tröstet uns in all unserer Not, damit auch wir die Kraft haben,

alle zu trösten, die in Not sind, durch den Trost, mit dem auch wir

von Gott getröstet werden. 

Wie uns nämlich die Leiden Christi überreich zuteil geworden sind, 

so wird uns durch Christus auch überreich Trost zuteil. 

Sind wir aber in Not, so ist es zu eurem Trost und Heil, und werden 

wir getröstet, so geschieht auch das zu eurem Trost; 

er wird wirksam, wenn ihr geduldig die gleichen Leiden ertragt, die 

auch wir ertragen. Unsere Hoffnung für euch ist unerschütterlich; 

wir sind sicher, dass ihr mit uns nicht nur an den Leiden teilhabt, 

sondern auch am Trost ...“



Liebe Gemeinde, 


mit diesem Bibelwort des Apostels Paulus möchte ich uns heute

vor Augen stellen, wie und wodurch wir wirklich getröstet werden. 

Gerade wenn wir einem Menschen so nahe beistehen auf seinem 

letzten Weg, können wir doch gar nicht anders als zugleich Antworten

auch für uns selber zu suchen auf die Fragen: 

- Wohin gehe ich (wenn ich immer schwächer werde)?

- Was hält mich eigentlich (wenn es kein Halten mehr gibt)?

- Und: Wie kann ich diesen Weg sehenden Auges und doch 

„in Frieden“ gehen, „getrost“ also?


Der Apostel Paulus ist in diesem Punkt durchaus ein Experte. 

Aber nicht in dem Sinne, wie sich das die Briefempfänger in Korinth 

vorgestellt haben: Seine Erscheinung hat dort nämlich keinen großen 

Eindruck gemacht, er war als Erscheinung eher schwach und unschein-

bar, kein Idealbild der Gesellschaft seiner Zeit. 

So wie auch heute wieder viele Menschen um alles, was nach Schwachheit

oder gar Tod aussieht, einen großen Bogen machen. 


Paulus aber ist in seinem Dienst als Missionar für Jesus nie der 

Schwachheit aus dem Weg gegangen, er hat sich auch nicht geschämt 

dafür, sondern hat sie als Testgebiet des Glaubens verstanden. 

Des Glaubens an den Auferstanden, an Jesus Christus und seine

unsichtbare Gegenwart. 

Mit ihm in seiner Nähe konnte er sagen: „Denn wenn ich schwach

bin, dann bin ich stark“ (1)

Kann man da noch „bei Trost“ sein?


Auch wir leben heute in einer wirklich trostbedürftigen Welt. 

Überall sehnen sich Menschen nach wirklich durchgreifender Hilfe. 

Aber die Angst geht um, dass es nur Vertröstung ist, was ich bekomme. 

Da gibt es moralische Appelle zuhauf und viele gut gemeinte Ratschläge

- „Kommt Zeit, kommt Rat“ oder

- „Die Zeit heilt alle Wunden“, 

aber wenn es doch nur so einfach wäre!

Als ob man so den Verlust eines geliebten Menschen einfach aussitzen 

könnte!?


Aber sind menschliche Trostworte nicht letztlich immer bloße 

Vertröstungen?


Hier sieht man, dass Paulus eben nicht nur Experte im Leiden ist, 

sondern noch ganz andere Antworten kennt. 

Der Apostel ist Zeuge der Gnade Gottes, eines Trostes, 

der höher ist als alle Vernunft. 


Und das bedeutet: Trösten kann uns letztlich nur der lebendige Gott!

„Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Vater unseres HERRN 

Jesus Christus“ - und nicht der Gott der Philosophen.

Das hat der französische Physiker und Philosoph Blaise Pascal in 

seiner Sterbestunde bekannt. 

Weil Pascal sich in IHM, dem Lebendigen, geborgen weiß. 

Von diesem HERRN geht aller Trost aus. 

ER, der Schöpfer, ist Ursprung und Geber des Trostes. 


Ob also Menschen in der Tiefe getröstet werden, 

das hängt nicht von unserem Mitleid und unserem guten Herzen ab, 

sondern von dem „Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes“, 

wie ihn Paulus hier nennt. 


Warum?

Weil sich der Trost Gottes nicht in lieb gemeinten Streicheleinheiten 

erschöpft, sondern weil ER seinen einzigen Sohn, den Geliebten, am 

Kreuz hat sterben sehen. 

Und weil hier Gott selber die tiefste Tiefe erfährt, 

als er Jesus schreien hört: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich 

verlassen?“ (2)


Weil Jesus selber bis in den tiefsten Abgrund der Leiden hinab gestiegen 

ist, sind wir in keiner Anfeindung, in keiner Krankheit und keinem Tod, 

in keiner Verzweiflung mehr allein. 

„Bettete ich mich zu den Toten, so bist du auch da“, das weiß der Beter

des 139. Psalms (V8) ganz gewiss. 


Welchen Trost das bedeutet, das wird an dem Gemälde Albrecht 

Dürers »Hieronymus im Gehäuse« sehr anschaulich. 

Da ist der Kirchenvater dabei, die Bibel zu übersetzen. 

Am Rand seines großen Schreibtischs befindet sich ein Totenschädel, 

der ihn jedes Mal, wenn er aufschaut, an die Macht des Todes erinnert. 

Aber vor dem grausigen Schädel steht ein Kruzifix. 

Der gekreuzigte Jesus steht zwischen dem Betrachter und dem Tod. 

So sieht Gottes handfester Trost aus, liebe Gemeinde. 

Ein - wie ich finde - großartiges Bild. 


Für Christen ist Gottes Heiliger Geist zudem jene Macht, die sie Gottes

Gegenwart sogar in der schwersten Lebenssituation spüren lässt. 

Gottes Heiliger Geist macht diesen Trost in meinem Leben stark 

und lebendig und er spricht mir das Evangelium zu. 

Wie mit Mutterhänden umgibt er mich - und leitet mit ernstem Ruf 

zur Umkehr. 

Gottes Geist wandelt unsere Realität: 

- Sünde in Vergebung,

- Tod in Leben, 

- Trostlosigkeit in Trost. 


Vater, Sohn und Heiliger Geist, das ist der eine Gott allen Trostes!

Den hat Paulus persönlich kennen gelernt, als er noch auf der anderen 

Seite stand und er hat ihn komplett umgekrempelt. 


Der Vater der Barmherzigkeit ist ihm zur Urerfahrung seines Lebens 

geworden. Wenn ihm, der einmal ein grausamer Christenverfolger war, 

vergeben wurde, wer kann dann noch vom Trost Gottes ausgeschlos-

sen werden?


Liebe Gemeinde, 

was trägt uns selbst in der Extremsituation des Todes?

Doch nur die Gemeinschaft mit dem auferstandenen Christus. 

Deshalb betont Paulus hier so stark das „Übermaß des Trostes“, 

das in der Gemeinschaft mit ihm liegt. 

Christus kann selbst das ausbalancieren, was uns regelrecht „umhaut“,

weil es einfach zu schwer für ist ist. 

ER ist immer noch stärker und so kann Paulus an anderer Stelle klar und 

deutlich sagen: „Ich bin überzeugt davon, dass alles Leiden dieser

Welt nicht ins Gewicht fällt gegenüber der Herrlichkeit, die an uns 

noch offenbar werden soll!“ (3)


Trösten kann uns letztlich nur der lebendige Gott und 

Christus als sein Sieger über alle Mächte des Todes. 


Paulus war also nicht nur ein Experte in der Erfahrung menschlicher

Schwäche, sondern auch ein Experte in der Erfahrung göttlicher Größe

und seines Trostes. 


Aber er hat diese Tröstungen nicht einfach für sich genossen, 

sondern den Trost gleich weitergesagt. 

„Getröstet-Sein gibt Tröster-Sinn“ könnte man sagen. 

Denn wenn man Gottes Feuer für sich behalten will, dann erstickt es. 

Trost kann man nicht hamstern, er bewährt sich nur im Weitergeben. 

Geteiltes Leiden ist halbes Leiden. 

Geteilter Trost ist doppelter Trost. 


Diese Erfahrung wünsche ich allen, die Sie heute hier sind. 

Unabhängig davon, ob Sie selbst einen lieben Menschen verloren 

haben oder ob sie ihn als Hospizhelfer begleitet haben. 

Geteilter Trost ist doppelter Trost. 

Und wir haben einen Trost, der wirklich trägt. 

Amen


Anmerkungen:

(1) 2. Kor 12,10

(2) Mt 27,46

(3) Röm 8,18



(Dieser Entwurf nimmt Vorarbeiten von Pfarrer Dr. Rolf Hille, Tübingen, auf)



Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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