2008-09-28

Predigt über 2. Mose 34,4-10 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde,
alles ist kaputt, ein einziger Scherbenhaufen.
Dabei hat alles erst so richtig angefangen.
Nach einer entbehrungsreichen Zeit in der Wüste hat das Volk
endlich sein Ziel erreicht und der Sinai liegt in seiner ganzen Majestät
vor ihnen. Am Fuß des Berges schlagen sie ihr Lager au.
Volle drei Tage lang bereiten sie sich auf die Begegnung mit ihrem
Befreier vor.

Dann kommt er tatsächlich auf den Gipfel: Gott - mit Donner, Feuer, Blitz,
Erdbeben, viel Rauch und Wolken.
Mit einer Stimme in Posaunenlautstärke verkündigt er ihnen seine Ver-
tragsbedingungen: Die zehn Gebote.

Das Treffen mit Gott muss derart eindringlich und nachwirkend gewesen
sein, dass das ganze Volk Israel eine „Heidenangst“ bekommen hat.
Sie konnten es kaum mehr aushalten und ihr Anführer, Mose, sollte
für sie mit Gott reden.
Und das ist dann auch geschehen: Voller Elan und Spannung steigt Mose
auf den Berg. 40 Tage und Nächte bleibt er dort, geht in „Klausur“ mit Gott
und der sagt ihm alles, was ein Leben als Gottesvolk ausmacht,
wie die Israeliten in Verbindung mit ihrem Gott leben sollten.

Und am Ende bekommt Mose zwei Steintafeln, von Gott selber beschriftet.
Schwarz auf weiß hat das Volk Israel damit die 10 Gebote.

Aber was war denn das?
Plötzlich ändert Gott seinen Tonfall.
Kurz angebunden fordert er Mose auf, vom Berg herunter zu steigen: „Dein
Volk, das du aus Ägypten geführt hast, hat schändlich gehandelt! lässt er
den entsetzten Anführer wissen, will in seinem Zorn sogar die Israeliten
vernichten.
Aber Mose kann es mit letztem Einsatz gerade noch abwenden.

Aufgewühlt steigt er vom Sinai herunter zu seinem Volk
und als er - unten angekommen - aus Wolken und Rauch heraus tritt,
da trifft in fast der Schlag, die schlimmsten Befürchtungen sind wahr
geworden: Die Israeliten, sein Volk, das doch Gottes Volk sein wollte,
tanzt um ein goldenes Götzenbild.
Zorn, Bestürzung und Verzweiflung packen Mose:
Er zerschmettert die beiden Steintafeln mit den 10 Gebote,
zerstört ihr Götzenbild und lässt sogar eine Anzahl von Leuten töten.

Aber dann überkommt ihn das Mitleid mit seinem Volk, Angst um sie.
Was nützt es denn, das Volk in den Senkel zu stellen und zu bestrafen?
Sie waren doch gestraft genug.
Was war schon ein Volk ohne Gott?
Die Verbindung mit Gott, der Vertrag mit Gott, die Steintafeln, alles
war futsch - Mose stand mit seinem Volk vor einem Scherbenhaufen.

Damit konnte er sich doch nicht abfinden, ja er wollte es nicht!
Und so beginnt er ein zähes Ringen, ein Verhandeln mit Gott.
Mose geht aufs Ganze, er will es genau wissen.

Dann endlich, es war unglaublich, da hat Mose Gott soweit, dass
er ihm erlaubt, zwei neue Steintafeln zu meißeln und Gott lässt Mose
noch einmal auf den Berg Sinai kommen.
Gott war bereit zu einem neuen Anfang.


Liebe Gemeinde,
ist das nicht auch oft unsere Sehnsucht: Noch einmal neu anfangen?
Wünschen wir uns das nicht auch manchmal, dass alles wieder
gut wird?

Da will ein Mensch ganz ernstmachen mit Gott.
Aber damm fallt er wieder an der gleichen Stelle auf die Nase, zum
wiederholten Mal.
Es tut ihm so leid. Er will mit Gott wieder neu anfangen.
Aber er fragt sich: „Kann mich Gott jetzt noch gebrauchen?“
„Will er mich noch? Probiert er es nochmal mit mir?“

Oder der Andere, dem Gott schon viele Jahre schnurz-piep-egal ist.
Früher, ja, damals war er noch in der Jungschar, im Konfirmanden-
Unterricht, vielleicht sogar als noch Mitarbeiter.
Aber dann hat er irgendwann abgehängt.
Anderes ist ihm wichtiger geworden.
Mit der Zeit hat er nichts mehr mit Gott und der Kirche anfangen können.

Da plötzlich merkt er, was ihm verloren gegangen ist.
Aber will Gott ihn noch? Gibt er ihm nochmal eine Chance?
Kann ein Mensch wieder neu anfangen?

Die Geschichte von Mose und seinem Volk antwortet uns: Ja, das ist
möglich! Nicht beliebig oft, aber wenn Gott dafür die Möglichkeit gibt.
So wie hier.
Wir hören den Predigttext für diesen Sonntag aus dem 2. Buch Mose
Kapitel 34, die Verse 4-10
:
„4 Und Mose hieb zwei steinerne Tafeln zu, wie die ersten waren,
und stand am Morgen früh auf und stieg auf den Berg Sinai, wie ihm
der HERR geboten hatte, und nahm die zwei steinernen Tafeln in
seine Hand. 5 Da kam der HERR hernieder in einer Wolke, und Mose
trat daselbst zu ihm und rief den Namen des HERRN an. 6 Und der
HERR ging vor seinem Angesicht vorüber, und er rief aus: HERR,
HERR, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer
Gnade und Treue, 7 der da Tausenden Gnade bewahrt und vergibt
Missetat, Übertretung und Sünde, aber ungestraft lässt er niemand,
sondern sucht die Missetat der Väter heim an Kindern und Kindes-
kindern bis ins dritte und vierte Glied! 8 Und Mose neigte sich eilends
zur Erde und betete an 9 und sprach: Hab ich, HERR, Gnade vor
deinen Augen gefunden, so gehe der Herr in unserer Mitte, denn es
ist ein halsstarriges Volk; und vergib uns unsere Missetat und Sünde
und lass uns dein Erbbesitz sein. 10 Und der HERR sprach: Siehe, ich
will einen Bund schließen: Vor deinem ganzen Volk will ich Wunder tun,
wie sie nicht geschehen sind in allen Landen und unter allen Völkern,
und das ganze Volk, in dessen Mitte du bist, soll des HERRN Werk
sehen; denn wunderbar wird sein, was ich an dir tun werde.“



Wie fängt die Sache mit Gott neu an?

Das erfahren wir heute.
Zunächst können wir feststellen:

Trotz des widerspenstigen Menschen.

„Es ist ein halsstarriges Volk!“
Das muss Mose selber feststellen.
Damit gibt er Gott Recht, der das immer schon gewusst hat.
Und was für das Volk im Allgemeinen gilt, das gilt für jeden Einzelnen
ganz besonders.

Wie oft bin ich starrköpfig, eigensinnig und stehe mir damit selbst
auf dem Fuß.
Wie oft probiere ich selber, mein Leben zu meistern ohne Gott
zu fragen oder seine Hilfe in Anspruch zu nehmen?
Wie oft gebe ich dem Negativen in mir, aber auch Zweifeln, Raum -
obwohl ich Gottes Größe und Führung schon ganz oft erleben konnte?!

Wir Menschen sind erschreckend widerspenstig - und ganz speziell,
wenn es um Gott geht!
Und wenn es bei Dir auch so ist, bist Du keine Ausnahme,
kein besonders hartnäckiger Fall, sondern der Normalfall.

Widerspenstig, ja unmöglich, benehmen wir uns Gott gegenüber.
Genau wie die Israeliten damals.
Eigentlich ist an uns Menschen Hopfen und Malz verloren.
Gott hätte uns eigentlich schon lange aufgeben müssen.

Ja, „eigentlich“ - aber die Geschichte hört hier nicht auf,
    - trotz des widerspenstigen Menschen,
    - trotz unseres dauerhaften Widerstands gegenGott und
    - trotz unseres ständigen Rückfalls in Sünde und Götzendienst.

Gott gibt uns nicht auf.
Trotz des widerspenstigen Menschen gibt es einen neuen Anfang

durch den weichherzigen Gott.

Es ist so unglaublich, was hier über Gott gesagt wird und ich bin
froh, dass das nicht Mose oder sonst einer behauptet, sondern
dass das Gott über sich selber sagt:
„HERR, HERR, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig
und von großer Gnade und Treue,
der da Tausenden Gnade bewahrt und vergibt Missetat,
Übertretung und Sünde.“

Dieser Gott macht einen neuen Anfang. Hier und bis heute.
Er ist geduldig mit unseren Fehlern und Schwächen.
Er hält seine Gnade für uns bereit, ist treu, selbst wenn ich untreu war.
Bei IHM kann ich Vergebung für meine Schuld finden.

Das gilt selbst dann, wenn Gott manchmal die Folgen meiner Schuld
nicht aufhebt, wenn ich die Wirkung meiner Fehler tragen muss.
So verstehe ich das, wenn Gott sagt, dass er „die Missetat der Väter
heimsucht an Kindern und Kindeskindern“.
Aber er lässt mich damit nicht allein, nicht untergehen.
Durch alles hindurch will er einen neuen Anfang schenken
und er wartet - wie ein guter Vater - darauf, dass ich heimkomme.
Mich von Schuld und anderen Göttern zu retten, das ist seine Leidenschaft.
Sein Herz ist weich, es schlägt für mich.

Im den Gebetsheft „30 Tage Gebet für die islamische Welt“1 stand folgen-
der Bericht über Abdul, den ich Ihnen gerne vorlesen will:
Abdul saß mit seinen Kindern um den Kochtopf und sah zu, wie seine
zwei Frauen das Mittagessen zubereiteten.
Sein Haus war eine bescheidene Lehmhütte ohne Fenster, typisch für
die Häuser seines Volkes. Während des Krieges, der kein Ende zu
nehmen schien, hatte seine Familie schwere Zeiten durchgemacht.
Als sie auf das Essen warteten, brachte einer seiner Söhne stolz ein
kleines Paket mit nach Hause, um es den Geschwistern zu zeigen.
Die Jungen liebten es, mit Patronenhülsen, Helmen und anderem
Kriegsgerät zu spielen. Es war ein gefährliches Spiel.
Abdul erbleichte. Entsetzen war ihm ins Gesicht geschrieben, als er
die Handgranate in der Hand seines Sohnes sah. „Wie oft habe ich
dir schon gesagt, dass du diese Dinge nicht anfassen sollst!“ fuhr
er seinen Sohn scharf an, „es ist lebensgefährlich, diese Sachen
nach Hause zu bringen!“
Aber seine Worte kamen zu spät - der Sicherungsstift des Zünders
war schon herausgefallen. Abdul war sofort klar, dass ihm nicht genug
Zeit blieb, um die Granate nach draußen zu tragen und es gab auch
keine Fenster, durch die er sie hätte hinauswerfen können.
Er sah in die Gesichter seiner Kinder.
Schnell ergriff Abdul den Sprengkörper, schloss ihn fest in beide
Hände und beugte sich dann mit seinem Oberkörper über sie.
Die Granate ging los. Als Abdul seine Augen öffnete, sah er nur noch
Blut und fing an zu weinen. Aber es war nicht das Blut seiner Kinder,
es war nur sein eigenes. Seine Finger waren verstümmelt und sein
Oberkörper und sind Gesicht schlimm zugerichtet. Aber er überlebte
den Unfall und noch heute sieht man die Narben von dem Tag,
als er seine Familie rettete ...“

Dieser Bericht kommt mir wie ein großartiges Beispiel für Gottes
Gnade, Treue und Barmherzigkeit vor.
So wie dieser Vater ein weiches Herz für seine Kinder hatte,
so hat es Gott für uns: Er will nicht, dass die Strafe uns trifft, vor allem
nicht voll trifft.
Deshalb stellt er sich in seinem eigenen Sohn dazwischen.
Die Strafe hat Jesus getroffen, der dabei umgekommen ist am Kreuz.
Und in IHM sind wir gerettet.

In Jesus wird vollends deutlich, dass Gott „von großer Gnade und Treue“
ist, dass er Schuld und Sünde vergibt, dass er die Strafe auf sich nimmt
und mir einen neuen Anfang schenken will.
Weil Gott so weichherzig ist, gibt es diesen neuen Anfang.
Und der wird besiegelt

durch eine großartige Verbindung.

Genau darum hat Mose damals für sein Volk gekämpft.
Weil er wusste, dass das widerspenstige Volk eigentlich keine Chance
mehr hatte. Deshalb hat er auf Gottes weiches Herz gesetzt und setzt
sich für eine großartige Verbindung zwischen Gott und seinem Volk ein.

Selbst Engel waren ihm nicht genug.
Gott selber musste mit dem Volk gehen, den Vertrag mit Israel erneuern.
Weil wir Menschen ohne Verbindung - ohne Bund - mit Gott keinen
Meter vorwärts kommen mit ihm.
Sondern gleich wieder in den alten (Zu-)stand zurück fallen.

Und tatsächlich: Gott lässt sich darauf ein.
Er stellt eine großartige neue Verbindung her.
Er „verbündet „sich mit uns Menschen.
    - Ich darf mit IHM rechnen, auf IHN zählen.
    - ER geht mit mir hinaus aus der Kirche, hinein in den Alltag,
        will mein ganzes Leben durchdringen.
Und:     - ER verspricht Wunder
„Wunderbar wird sein, was ich tun werde!“.

Durch den weichherzigen Gott bekommen wir Menschen einen neuen
Anfang, sofern wir das wollen.
Dabei stellt ER eine wunderbare Verbindung zwischen mir und IHM her,
sofern wir IHN darum bitten. Und darauf wartet ER.

Werimmer diesen Schritt tut, darf wirklich gespannt sein auf das,
was er jetzt tut. Amen
 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 23.09.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Dekan Botzenhardt)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)
Dienstag, 25.09.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Donnerstag, 27.09.2018
12:00 Uhr in Schwann:
Nachmittagsausflug (nach Locherhof mit Besuch von Pfarrer Bühner)
Sonntag, 30.09.2018
18:00 Uhr:
Feierabendgottesdienst in Schwann (Studenten)
Dienstag, 02.10.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Sonntag, 07.10.2018
9:15 Uhr:
Erntedankgottesdienst mit Gemeindefest in Dennach (Pfarrer Held)