2008-09-14

Predigt über Epheser 4,1-6 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde,
Ich will Sie heute mit hinein nehmen in einen Augenblick
im Leben des Apostels Paulus.
Er war drei Jahre lang in der Stadt Ephesus aktiv gewesen, hat
gepredigt und die Gemeinde geleitet.
Und es war sehr schwierig dort in Ephesus.
Aber jetzt zieht der Apostel weiter.
In seiner Abschiedsrede zieht er Bilanz.

Da sagt er drei Dinge:
1. Ich habe einen Auftrag von Jesus bekommen, - den Auftrag,
das Evangelium zu verkündigen hier in Ephesus.
Und den habe ich ausgeführt.
2. Der Apostel Paulus wird ganz ehrlich und offen und sagt:
Die drei Jahre hier in Ephesus waren ziemlich schwierig.
Ich habe unter euch das Evangelium verkündigt.
Aber es hat mich unendlich viel Kraft gekostet.
Ich habe Tag und Nacht an jedem einzelnen von euch gearbeitet.
Ich habe viele Gespräche geführt und viel gebetet und viel Lebenskraft
investiert.
3. gibt er den Ephesern mit:
"Kümmert euch jetzt um eure Gemeinde, wenn ich nicht mehr da bin.
Jeder einzelne ist für den anderen, für die ganze Gemeinde hier in
Ephesus verantwortlich. Lebt Gemeinde im Geist und nach dem Wort
von Jesus Christus.

Und dann nimmt Paulus Abschied von der Gemeinde und fährt mit dem
Schiff nach Jerusalem.

Das Interessante bei dieser Abschiedsrede ist, dass diese Rede
gewirkt hat. Es war schwierig und es ist schwierig geblieben in Ephesus. 
Deshalb hat der Apostel Paulus auch später einen Brief an diese Gemeinde
geschrieben, den Epheserbrief, aus dem wir gleich einige wichtige Verse
hören werden.

Aber sein Wort war nicht vergeblich.
Offensichtlich haben die Christen in Ephesus etwas ganz entscheidend
Wichtiges verstanden: Nämlich: Eine christliche Gemeinde ist mit gar
keiner anderen Gemeinschaft von Menschen zu vergleichen.
Sie ist kein Verein, kein Dienstleistungsunternehmen, nicht Schule,
nicht Moralanstalt.

Eine christliche Gemeinde ist eben Gemeinde, einzigartig, der Leib Jesu.
Und entsprechend haben sie sich verhalten.
Ich lese den Predigttext aus Epheser 4, die Verse 1-6:
„1 So ermahne ich euch nun, ich, der Gefangene in dem Herrn, dass
ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid, 2 in aller Demut
und Sanftmut, in Geduld. Ertragt einer den andern in Liebe 3 und seid
darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des
Friedens: 4 "ein" Leib und "ein" Geist, wie ihr auch berufen seid zu "einer"
Hoffnung eurer Berufung; 5 "ein" Herr, "ein" Glaube, "eine" Taufe; 6 "ein"
Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.“



Stellen wir uns einmal vor, es wäre hier ein Band ausgerollt in der
Kirche und zwar so, dass es die Kanzel, den Taufstein, den Altar mit
Kreuz und Brot und Wein vom Abendmahl miteinander verbindet.
Denn alles zusammen steht für das „Band des Friedens“, das Gott
gestiftet hat und infolge dessen Gemeinde,
überall dort, wo Menschen unter diesem Band zusammen kommen.

Da ist zum Ersten das Kreuz. Dort schafft Gott Frieden.
Da ist er in den Riss getreten, der die ganze Schöpfung vom
lebendigen Gott trennt und hat mit dem Kreuz eine Brücke geschlagen,
über die jeder zu ihm zurückfinden kann.

Am Kreuz hat Jesus Christus die gefallene Welt mit Gott „versöhnt“,
das heißt niemand mehr muss in der Trennung von Gott sterben,
es gibt Versöhnung mit Gott und wer sie angenommen hat, ist ein-
geladen hinauszugehen in die Welt und andere einzuladen:
„Lasst euch versöhnen mit Gott!“ (2. Kor 5).
In Jesus Christus gibt es Heil, gibt es Frieden.

Deshalb können Christen als Versöhnte auch in einer Welt leben,
in der der Unfriede und Unversöhnlichkeit herrschen, wo der Teufel
los ist, wo es noch Krieg und Verbrechen, Gewinner und Verlierer gibt.
Aber das ist alles vordergründig für sie.
Am Kreuz hat Gott längst Frieden geschaffen.
Sie haben es erfahren.

Und das „Band des Friedens“ schließt auch das Abendmahl ein.
Das ist keine Fessel, kein Pflichtbegängnis, das Christus uns auferlegt
und das wir am am Liebsten gerne abschütteln würden,
sondern das Abendmahl ist das „Band der Liebe“, das uns in die
Gemeinschaft mit Jesus herein holt.
Es ist auch das „Band der Liebe“, das Christen untereinander verbindet.

Die Menschen in den Gemeinden des Apostels Paulus waren
überall total verschieden:
    - Es gab alle möglichen Nationalitäten
    - Es gab vornehme und einfache Leute,
    - Sklaven und Sklavenherren.
Wie ist das möglich, dass derart unterschiedliche Menschen in einer
geistlichen Gemeinschaft miteinander leben können ?

Bei Menschen ist das nicht möglich.
Aber dem Heiligen Geist sind alle Dinge möglich.
Wenn ER das Band des Friedens um Menschen legt, bleiben sie nicht nur,
der Not gehorchend, zähneknirschend zusammen, sondern sie können
sich gegenseitig annehmen und lieben und wenn es einmal zum
Bruch kommt, auch wieder vergeben.

Das Band des Friedens umfaßt auch die Taufe.
In der Taufe spricht Gott einem Menschen zu: Ich will Dir um Jesu willen
gerne ein gnädiger Gott und Vater sein!
Du sollst mir gehören.
Allein meine Gnade genügt.
Die darfst Du im Glauben annehmen und damit Christ werden,
und nichts wird dich noch scheiden von der Liebe Gottes.

Auch die Unzulänglichkeiten in der Gemeinde nicht,
die Widersprüche, die wir an uns selber und an anderen
sehen, nicht, wenn es „menschelt und Empfindlichkeiten durchbrechen.
Allein der Zuspruch Gottes, sein Wort gilt: "Ich habe dich erlöst,
du bist mein."

Und mit diesem Zuspruch können Christen Gottes Familie sein,
können sie ein Stück weit sichtbares Reich Gottes sein,
können sie miteinander leben nach Gottes neuer Ordnung,
nach Gottes Regeln der Liebe und der Demut und der Sanftmut
und der Geduld.

Das Band des Frieden, das wir hier eigentlich symbolisch in der Kirche
anbringen sollten, das wäre nach vorne immer noch offen.
Weil es alle einschließen will, alle verbinden, alle, die hier sind.
Und doch nicht einfach so, dass es alle vereinnahmt.

Nein, die Gemeinschaft, die Einheit, von der hier bei Paulus die
Rede ist, ist immer auch eine selbst erkämpfte und erarbeitete
Einheit. Sie ist nicht einfach da.
Wir können als christliche Gemeinde auch nicht so tun,
als ob uns diese Einheit einfach in den Schoß fällt.
Wir müssen dafür auch etwas tun.

Und das Erste dazu ist, dass uns der Friede etwas wert sein muss,
dass wir den Frieden als eine ganz wichtige Gabe schätzen lernen,
ihn nicht ohne Not, also leichtfertig, aufs Spiel setzen.
Der Friede ist wie ein kostbarer Schatz, den man hüten muss.

Aber - und das gehört genauso dazu:
Es gibt Situationen, in denen man konstruktiv streiten
muss, um der Wahrheit des Glaubens und der Bibel willen gerade nicht
alle Hühneraugen zudrücken und feige schweigen,
gerade nicht sich überall fein raus halten, wenn ich gefordert bin
Farbe zu bekennen, sondern reden!
Die „political correctness“ ist keine christliche Tugend, liebe Gemeinde,
sondern es gilt: „Seid nicht der Menschen Knechte!“
„Redet und tut, was Christus will!“

Aber - weil der Ton die Musik macht - möglichst so, dass man
danach wieder zueinander finden kann und sich sich nicht aueinander
redet.

In der Apostelgeschichte gibt es eine hoch interessante Stelle.
Da heißt es: "Und als sie lange gestritten hatten da fanden sie, - ganz
am Ende - die Einigung (Kap. 15). Sie haben konstruktiv gestritten.
Um die Wahrheit gerungen.
Nicht destruktiv, Person und Sache vermischend, sondern konstruktiv.

Konstruktiv streiten, das bleibt auch uns in der Gemeinde nicht erspart.
Das ist ein hartes Stück Arbeit.
Aber der Lohn dieser Arbeit ist eine Gemeinde, die auf einem gesun-
den Fundament steht.
Und dann können auch manche Stürme kommen.
Diese Gemeinde wird so schnell nicht wanken.
Dann wird es sich zeigen,
    - dass Gottes Geist wirklich verbindet,
    - das der Geist der Demut und der Sanftmut und der
        Geduld vieles zustande bringt und vieles überbrückt,
    - dass dieser Geist eine Gemeinde - tragende - Wirklichkeit ist.

Auch bei uns sollen noch viele Brücken geschlagen werden, Beziehungen
wachsen und gedeihen.
Auch bei uns sollen Menschen gemeinsam vor Gott treten, auch wenn
sie in manchem ganz unterschiedlicher Meinung sind.
Gemeinsam sich an Gottes Wort ausrichten, das verbindet und relativiert
zugleich, es lässt Gemeinde Gott loben und sich ihres Glaubens freuen.

Deshalb spricht Paulus seine Gemeindeglieder auf ihren Glauben an,
auf ihre Berufung in Christus.
Er sagt ihnen: Christus selber hat den Anfang eures Glaubens
gemacht und ihr seid umgekehrt mit eurem ganzen Denken und Sein.
Das war mehr als alle sechs Jahre eine Partei zu wählen, bloß weil
man das Parteiprogramm gut findet.

Nein, als ihr Christus zum persönlichen HERRN in euer
Leben aufgenommen habt, da war euch klar: Das wird jetzt mein ganzes
Leben betreffen.
Das macht gewiss und das verpflichtet.
Das verpflichtet zu einem Leben auf der Spur von Jesus, nach seinen
Geboten [wwjd-Bänder ...]

Die Gemeinde in Ephesus hat das verstanden.
Sie hat in der Einigkeit des Geistes als Gemeinde gelebt.
Und die Gemeinde und die Menschen haben das gespürt: Es ist einfach
etwas Großes, wenn man Gemeinde Gottes ist [creatura sui generis -
ein einzigartiges Geschöpf!]

Das kann und das darf auch bei uns möglich werden.
Gottes Wort, das Kreuz, Taufe und Abendmahl, sie bilden gemeinsam
das Band des Friedens.
Des Friedens mit Gott, den Jesus allen Menschen anbietet und
der Christen auf eine geheimnisvolle Weise verbindet,
in eine neue Familie hineinstellt.
Eine Familie, in der die Kinder alle adoptiert sind.
In der sie Gott zum Vater haben und ihn mit „lieber Vater“
anreden dürfen (Gal 4,7).
Amen

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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Freitag, 22.06.2018
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