2008-09-07

Predigt über Hebräer 10, 35-39 / Pfarrer Jochen Hägele, Markgröningen
Unser Predigttext steht heute in Hebräer 10,35-39:
"35 Darum werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. 36 Geduld aber habt ihr nötig, damit ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfangt. 37 Denn »nur noch eine kleine Weile, so wird kommen, der da kommen soll, und wird nicht lange ausbleiben. 38 Mein Gerechter aber wird aus Glauben leben. Wenn er aber zurückweicht, hat meine Seele kein Gefallen an ihm« (Habakuk 2,3-4). 39 Wir aber sind nicht von denen, die zurückweichen und verdammt werden, sondern von denen, die glauben und die Seele erretten."



Liebe Gemeinde,
heutzutage wird alles mögliche weggeworfen. Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft.
Für viele gilt: Heute angeschafft – morgen schon wieder überflüssig. Das alte Fahrrad, die aus der Mode gekom-menen Kleider, die abgenutzten Polstermöbel. Einfach in den Sperrmüll.

Wussten Sie, dass man noch etwas ganz anderes wegwerfen kann, sein Gottvertrauen nämlich, seinen Glauben.
Die Gemeinde, an die der Hebräerbrief geschrieben ist, stand in solch einer Gefahr. In der Gefahr, ihr Gottvertrauen über Bord zu werfen. Dem Schreiber des Briefs aber lagen diese Christen sehr am Herzen. Darum schreibt er ihnen, ja ruft es ihnen förmlich zu: »Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.«

Diese junge Gemeinde hatte eine Zeit harter Verfolgung zu überstehen. Gemeindeglieder wurden verhaftet und öffentlich vorgeführt. Ihr Vermögen wurde eingezogen und beschlagnahmt. Der Druck und die Schikanen auf diese Christen schienen übermächtig zu werden. Aber trotz allem hielten sie im Leiden am Bekenntnis zu Jesus Christus fest. Und in allem stand die Gemeinde vorbildlich zusammen.

Dann aber änderten sich die Verhältnisse. Die staatliche Bevormundung war zu Ende und die Christen konnten aufatmen. Die äußere Freiheit war wieder gewonnen, aber die innere Gewissheit des Glaubens war nun geschwunden. Hatten sie in der Verfolgungszeit die Kraft Jesu erlebt, so erschien ihnen ihr Herr nun verborgen.
Der alte Bekennermut war verflogen und man arrangierte sich mit manchem Kompromiss mit den Verhältnissen.

Der Glaubensmut, der die Gemeinde vormals ausgezeichnet hatte, war nun der Müdigkeit gewichen. Der alte Schwung war erlahmt, der Lack blätterte ab.
Man glaubte, aber dieser Glaube hatte keine Kraft.
Und dieser Glaube setzte niemanden mehr in Bewegung.
Das Vertrauen zu Gott drohte zu erlöschen.

Dagegen ergeht der Ruf: »Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.«

Im Glauben müde und lahm zu werden, liebe Gemeinde, kennen Sie diese Erfahrung auch?

Wenn die Zahl der leeren Kirchenbänke die Zahl der besetzten weit übersteigt? Wenn Statistiken immer wieder neu belegen, dass das Vertrauen in die biblische Botschaft sinkt? Wenn man in den Medien über alles reden kann, nur nicht über Jesus Christus?

Oder persönlicher gesprochen: Wenn unser Beten verstummt, weil Gott scheinbar schweigt. Wenn die Last, die liebe Menschen zu tragen haben auch auf uns bleischwer liegt. Wenn der Glaube so eingefahren und routiniert geworden ist, aber keine Lebendigkeit und Fröhlichkeit in sich hat. Dann macht sich Resignation breit.

Dagegen steht der Ruf: »Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.«

Nicht wegwerfen, sondern das Vertrauen auf Jesus Christus festhalten! Dazu ermutigt und ermahnt uns Gottes Wort heute Morgen.

An diesem Vertrauen festzuhalten, dazu haben wir auch allen Grund:
denn der Zugang ist geöffnet,
die Zuversicht macht uns geduldig
und die Zukunft ist uns gewiss.


1. Der Zugang ist uns eröffnet

Unser Bibelwort spricht vom Vertrauen, das wir festhalten sollen. Vertrauen ist wie eine geöffnete Tür, die zum Eintreten einlädt.
Sicher haben Sie folgende Erfahrung auch schon verschiedentlich gemacht: Mir begegnet ein fremder Mensch, ein neu zugezogener Nachbar oder eine gerade eingestellte Arbeitskollegin. Anfangs wirkt er oder sie verschlossen und reserviert. Darum halte ich mich ebenfalls etwas zurück. Doch mit jeder Begegnung wächst Vertrauen. Stück für Stück lernen wir uns kennen, kommen uns näher und werden einander vertraut. Immer mehr öffnet sich einer dem anderen. Schließlich sind wir uns nicht mehr fremd, denn wir haben Zugang zueinander gefunden.

Liebe Gemeinde, was wir im täglichen Umgang mit anderen Menschen immer wieder erleben können, das ist zwischen Gott und uns bereits geschehen. Jesus Christus hat uns den Zugang zu Gott erschlossen.

Die Tür zum Himmel war ins Schloss gefallen. Gott und Mensch waren durch die Sünde himmelweit voneinander entfremdet. Doch seit dem Sterben und der Auferstehung Jesus ist der Weg zu Gott frei. Und wir sind hinein gerufen in die Nähe und Liebe Gottes. Wir haben durch Jesus freies und unbegrenztes Zutrittsrecht zum lebendigen Gott.

Dieses Zutrittsrecht ist uns geschenkt im Glauben. Es beruht nicht auf unserer Frömmigkeit. Wir haben es uns auch nicht durch besondere Leistungen erworben. Durch Jesus Christus allein ist uns dieser Zugang bereits eröffnet.

Wir können jetzt in Gottes Gegenwart leben. Hier empfängt unser Glaube neue Kraft. Seine Gegenwart in unserem Leben richtet uns auf, wo wir müde und verzagt sind. Seine Zuwendung macht unser Vertrauen stark. Wir brauchen unser Vertrauen nicht wegzuwerfen, denn Gott hat den Zugang zu seinem Reich für uns geöffnet.

Unser Predigttext kennt noch einen weiteren Grund, am Vertrauen festzuhalten:


2. Die Zuversicht macht uns geduldig
Wer Vertrauen hat, der kann warten. Er weiß, auf den anderen ist Verlass. Und wer auf Gott vertraut, der macht immer wieder die Erfahrung: Auch wenn ich gerade noch nichts davon sehe: Gott steht zu seinen Versprechen.

Der Schreiber des Hebräerbriefs ermutigt deshalb:
»Geduld habt ihr not, damit ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfangt.«

Geduld, die brauchen in diesen Tagen die Winzer im Land. Da fehlt noch manche warme und sonnige Stunde, damit es ein guter Jahrgang wird. Bis zur Lese heißt es: alles Nötige vorbereiten und dann geduldig warten, bis es soweit ist. Was wäre das für ein Weingärtner, der nicht warten wollte, bis die Beeren reif sind, sondern vorschnell zur Rebschere griffe. Sein Wein wäre herb, und der Ertrag wäre gering. Nein, warten ist gefragt, nicht missmutig oder gezwungen, sondern in der großen Hoff-nung auf eine reiche Ernte!

Liebe Gemeinde, Geduld haben und warten können, beides gehört elementar zum Glauben. Nicht jenes passive Abwarten, das tatenlos zusieht und alles über sich ergehen lässt. Unser Abschnitt redet vielmehr von jener Geduld, die unverzagt und beständig dem nachstrebt, was uns Jesus vorgelebt hat. Er hat den Willen Gottes erfüllt und damit einen Maßstab für uns gesetzt.

An seiner Lebensart lässt sich ablesen, wie Geduld gelebt wird. In seiner Liebe hatte er den langen Atem, der auch die am Rande noch erreichte, die Ausgestoßenen und Verachteten. In seiner Fürsorge hatte er helfende und heilende Hände für alle Kranken und Bedürftigen. In seiner Hingabe hatte er ein weites Herz für die Verlorenen. Selbst in der letzten Stunde sah er noch den Verbrecher neben sich am Kreuz. Aktive Geduld hat Jesus vorgelebt.

Doch kennen wir die Grenzen unserer Geduld nur zu gut. Wenn das Warten zu lange geht, kann schon einmal der Geduldsfaden reißen. Woher kommt die Kraft für solch einen Lebensstil? Wer gibt uns das Stehvermögen, mit uns und mit anderen geduldig zu sein?

Diese Geduld kommt nicht aus uns selbst. Sie wächst aus der Zuversicht zu Jesus Christus. Das feste Vertrauen, dass er zuletzt mit uns zu seinem Ziel kommt, will Motivation sein.

Aus seinem Wort und aus dem Gespräch mit ihm erwächst uns die Kraft, auszuhalten, wenn unsere Geduld gefordert ist. Ob im eigenen Leiden und in der persönlichen Not, ob im Mitleiden und Mittragen fremder Lasten. Im Hoffen und im Warten auf seine Hilfe macht Gott uns stark. Die Zuversicht auf ihn macht uns geduldig.

Schließlich noch ein dritter Grund, warum wir das Vertrauen festhalten sollen:


3. Die Zukunft ist uns gewiss
Christen können das so sicher sagen: die Zukunft ist uns gewiss!
Zahllosen Unkenrufen, dass unsere Gesellschaft und unsere Welt in eine ungewisse Zukunft steuert, zum Trotz. Wir Christen können so gewiss sein im Blick auf die Zukunft, weil Gott unsere Zukunft in seiner Hand hält.
Mit dem Ton dieser Gewissheit schließt unser Predigtabschnitt: »Wir aber sind nicht von denen, die zurückweichen und verloren gehen, sondern von denen, die glauben und die Seele erretten.«

Ich weiß nicht, ob manche von ihnen in der zurückliegenden Urlaubszeit in den Bergen unterwegs waren und eine zünftige Bergtour zum Gipfel hin gemacht haben. Auch wenn mancher Felsvorsprung den Blick nach oben verdeckt und wenn manche Wegführung nicht direkt aufwärts verläuft. Die Wegmarkierung zeigt: hier geht es lang. Unterwegs bieten sich zwar immer wieder schöne Ausblicke. Bei der Rast kann man vespern und sich ausruhen. Aber das eigentliche Ziel verliert der Wanderer trotz allem nicht aus den Augen, den Gipfel.

Auch wir, liebe Gemeinde, sind unterwegs. Das Ziel ist uns bekannt: Gottes Herrlichkeit. Auf der Wanderschaft dorthin machen wir viele Erfahrungen, schöne und schwere. Nicht immer haben wir das große Ziel direkt vor Augen. Anderes fasziniert uns. Nicht immer ist der Schritt sicher, zuweilen erlahmt die Kraft.

Aber das Ziel ist uns gewiss, daran können wir uns halten.
Und von diesem Ziel her gewinnen wir für heute die Kraft. Der Glaube vertröstet uns nicht auf die Ewigkeit, sondern beschenkt uns bereits heute mit der getrosten Gewissheit: Jesus geht mit uns dem Ziel entgegen.
Er wartet am Ziel auf uns und ist doch zugleich mit uns auf dem Weg. Wir sind der Zukunft gewiss und wir sind in der Gegenwart nicht allein. Wer um solche Gewissheit weiß, braucht sich vor dem, was kommt, nicht zu fürchten.

Liebe Gemeinde, wir mögen heute vieles, was wir nicht mehr brauchen, wegwerfen. Aber unser Vertrauen wegzuwerfen, das wäre töricht, ja tödlich.
Wegwerfen können wir getrost Müdigkeit und Mutlosigkeit und Resignation. Aber festzuhalten gilt es am Vertrauen zu Gott:
»Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.«   Amen.



Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Freitag, 22.06.2018
17:00 Uhr:
Bubenjungschar 6-12 Jahre im GH Schwann
18:15 Uhr:
Mädchenjungschar 8-13 Jahre im GH Schwann (Gewusst wie)
Sonntag, 24.06.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer M.Gerlach)
10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer M.Gerlach)
Dienstag, 26.06.2018
17:45 Uhr:
Jungschar für alle Jungen und Mädchen im GH in Dennach
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann