2008-08-31

Predigt über 1. Mose 2,4b-15 / Dekan Claus-Dieter Stoll, Sulz am Neckar
Liebe Gemeinde,
jeden Monat werden die aktuellen Zahlen veröffentlicht, wie sich die Quote der Arbeitslosen in unserem Land entwickelt hat. Auch wenn diese Zahl in den letzten Jahren stetig sinkt,
3,4 Mio. Arbeitslose sind und bleiben ein drängendes Problem. Denn hinter jedem einzelnen Fall steht ein persönliches Schicksal.

Arbeit ermöglicht den Lebensunterhalt und trägt zur Sicherung der Zukunft bei. Aber Arbeit ist mehr. Arbeit bedeutet nicht nur die schweißtreibende Mühe, sich durchs Leben zu schlagen. Arbeit gibt dem Menschen zugleich Identität, ein Wertgefühl, sie gehört zu seinem Wesen. Nach dem biblischen Zeugnis der Urgeschichte ist der Mensch zur Arbeit geschaffen. Aber Arbeit ist nicht um der Arbeit willen vorgegeben. Sie hat einen klaren Zweck und eine Grenze.

Davon handelt unser Predigttext aus 1. Mose 2,4b bis 9 und Vers 15:
"Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel machte. 5 Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen; denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; 6 aber ein Nebel stieg auf von der Erde und feuchtete alles Land. 7 Da machte Gott der HERR den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen. 8 Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. 9 Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. ( ... ) 15 Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte."


1. Was ist der Mensch?

Am Anfang ist nur von einer vegetationslosen Wüste die Rede, in der kein Leben gedeihen kann. Wer schon in Israel war, wird sich an die eintönigen Bilder des judäischen Wüstenlandes erinnern, z.B. in der Gegend von Jericho oder die endlose Steppe im Negev. Dort findet sich die rötlich schimmernde Erde, von der hier die Rede ist. Und aus diesem Material wird der Mensch nun von Gott geformt. Der Wüstenboden wird mit Wasser durchtränkt, zu Teig geknetet und zu einem Körper modelliert. Das ist das Rohmaterial, aus dem der Mensch besteht. »Du bist Erde und sollst zu Erde werden«, heißt es bis heute bei einer Beerdigung.

Wer bin ich? Wer sind wir? Diese uralte Frage bewegt das Menschengeschlecht durch die Generationen. Im Zeitalter der Gentechnologie wird diese Frage erst recht akut. Kann der Mensch sich selbst nachschaffen, gar weiterbilden, besser formen? Müssen wir das unvoll-kommene Handwerk des Schöpfers auf Vordermann bringen? Die gute Absicht ist unbestreitbar. Heimtückische Krankheiten sollen bekämpft, Leben erleichtert
werden. Aber machen wir uns zweierlei deutlich:

a)
Die Neben- und Folgewirkungen gentechnischer Eingriffe in das menschliche Erbgut sind noch lange nicht erforscht – so wenig die menschliche Erbmasse selbst schon wirklich durchschaut und lückenlos erklärt werden konnte. Die Sorgen vor dem, was da noch alles auch an Bedrohlichem auf uns zukommen könnte, sind nicht vom Tisch zu wischen. Entscheidend sind jedoch die ethischen Bedenken, dass Menschen gezüchtet und dann getötet werden, um aus ihrem Material wiederum anderen zu helfen.

b)
Die biogenetischen Möglichkeiten zur Züchtung von Menschen, zur Schaffung menschlichen Lebens, haben mit dem Schöpferwerk Gottes nichts zu tun. Gott hat tote Materie mit Leben beseelt. Er hat aus dem Nichts ins Leben gerufen. Das vermag keine noch so fortschrittliche Wissenschaft nachzumachen. Der Mensch kann Leben nur aus Leben schaffen, Leben multiplizieren oder kopieren. Er braucht dazu immer lebendes Material. Totes ist und bleibt tot. So sehr sich Menschen bemühen, der Mensch ist und bleibt Geschöpf und kann nicht zum Schöpfer werden.

Nicht wenige Menschen empfinden diese Perspektive als belastend, besteht doch anscheinend keine Aussicht, die schmerzliche Diskrepanz zwischen Gott und Geschöpf zu überwinden. Manche fühlen sich einem autoritären willkürlich handelnden Schöpfergott ausgeliefert, der als »Macht des Schicksals« Menschen demütigt und in den Staub tritt. Tatsächlich ist hier deutlich zu lesen, dass der Mensch aus Erde und Staub gemacht ist. Nichts von ho-her Würde, Krone der Schöpfung, Abbild des Schöpfers. Am Ende unseres Erdenlebens bleibt nur Erde.

Sind wir tatsächlich nur Erde? Ja, wenn der göttliche Odem uns nicht durchdringt und belebt. »Ohne den Schöpfer ist das Geschöpf bald erschöpft.« Wir können Leben und Lebendigkeit beschreiben, an den Auswir-kungen erkennen, aber machen können wir es nicht. Unser Leben ist und bleibt Geschenk, Gottes Werk. Und wir sind und bleiben damit ganz von ihm abhängig, auf ihn angewiesen, ob wir wollen oder nicht. Das genau ist gemeint, wenn es heißt, dass der Mensch zum Lebewesen, zur »lebendigen Seele« wurde.


2. Geschaffen, um zu arbeiten
Mitten in der unfruchtbaren, toten Wüste pflanzt Gott einen Garten. Die Wüste wird damit zum blühenden Le-bensraum, in dem der geschaffene Mensch nun Heimat, Aufgabe und damit auch Lebenssinn und -zweck finden soll. Den Garten »bebauen und bewahren«, das war und ist sein Auftrag. Der Mensch wird nicht für sich geschaffen. Er konnte ohne den Garten mit seinen Früchten nicht überleben, er brauchte ihn. Aber dazu muss der Garten gepflegt werden. Man darf ihn nicht einfach treiben und ins Kraut schießen lassen. Mit einem verwilderten Garten ist bald nichts mehr anzufangen. Wie der Garten würde auch der Mensch verkümmern.

Umgekehrt: Die Produkte des Gartens versprechen weiteres Leben, Freude, Feste, sogar Reichtum und Macht. Davon kann man evtl. nicht genug bekommen. Dann wird der Anbau so systematisch und extensiv betrieben, dass jeder Quadratmeter ausgenutzt, mit Hilfe von Dün-gemitteln das Letzte noch rausgeholt wird. Aber Gottes Garten ist kein Fass ohne Boden. Gerade weil die Lebensmittel und Lebensmöglichkeiten nicht endlos sind, bedürfen sie sorgfältiger Pflege und bewahrenden Umgangs. Wir spüren das bedrängend, wenn wir die Themen Abfall, den wir produzieren, oder Abgase, die unsere Schornsteine und Auspuffrohre ausstoßen, uns vor Augen halten.

Verantwortlich bebauen und bewahren nimmt uns in die Pflicht, im Blick auf die Energiefrage auf die Förderung wieder verwertbarer Energie zu setzen.

Aber nicht nur die Grenzen unserer Freiheit der Arbeit sind angesprochen. Auch die Freude an der Arbeit ist von Anfang an mitgegeben. Dass mit der Arbeit auch Mühe und Schweiß verbunden ist und sein kann, ist hier allerdings noch nicht im Blick. Das wird erst eine Folge des Sündenfalls, des Ausbruchs des Menschen aus dem Lebenseinklang mit Gott.

Es gibt so viele Menschen, die ohne Arbeit nicht leben können. Sie brauchen immer irgendetwas, an dem sie schaffen und werken können. Sie brauchen ein Hobby, eine Werkstatt, einen Garten, eine kleine Landwirtschaft, einen Computer. Manche machen auch ihren Beruf zum Hobby oder ihr Hobby zum Beruf. Dann allerdings laufen sie Gefahr, für alles andere keine Zeit mehr zu haben. Die Beziehung zum Ehepartner oder zu den Kindern kommt dann zu kurz. Ehe und Familie können auf Dauer sogar daran zerbrechen, wo die Arbeit vergötzt wird.

Leistungsfähige Männer, die die 50 überschritten haben, erleben heute immer wieder, dass sie aus dem Arbeits-prozess ausgeschlossen werden. Mit einer hohen Abfin-dung werden sie in den Vorruhestand geschickt. Wer sich bis dahin nur über seine Leistungskraft definiert hat, wer den Sinn seines Lebens daran festgemacht hat, dass er gebraucht wird, der kommt durch diese Erfahrung leicht in eine schwere Krise. Hier machen wir uns gemeinsam schuldig, wenn und solange wir auch in der Kirche – dazu beitragen, dass wir uns nur aufgrund unserer Leis-tung messen und bewerten.


3. Nicht die Arbeit, sondern der Arbeitgeber
Wo wir unsere Arbeit vom göttlichen Auftraggeber lösen, gewinnt sie leicht eine Eigendynamik, die dazu führt, dass wir nicht mit der Arbeit etwas machen, sondern dass die Arbeit mit uns etwas macht. Aber Gott hat den Menschen nicht in den Garten gesetzt, damit der Garten ihn beherrscht. Sondern er soll den Garten beherr-schen. Der Garten soll ihm Lebensraum, Heimat, Arbeitsplatz und Ruheort werden. Der Garten ist Spannungs- und Entspannungsraum zugleich. Entspannung ist jedoch nur möglich, wo die ordnende und entlastende Arbeit, wo die positive Anspannung vorausgegangen ist.

»Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.« Nicht umsonst wird schon am Anfang der Bibel von der ordnenden Aufeinanderfolge und Zusammengehörigkeit von Arbeit und Ruhe gesprochen. Zum Arbeiten gehört auch das Genie-ßen, so wie wir es in den Worten aus dem Predigerbuch in der Schriftlesung gehört haben.

Der Garten mit all seinen Früchten und Ausbaumöglichkeiten ist nicht nur Aufgabe, sondern auch Gabe, Gottes Geschenk. Der Genuss aber ist nur dort unbelastet und echt, wo er in Dankbarkeit und Vertrauen dem gebenden Schöpfer gegenüber genommen wird. Das ist dort möglich, wo wir unser Leben überhaupt an Gott ausrichten und ihm kindlich zu vertrauen gelernt haben.

Die biblische Erzählung berichtet im nachfolgenden Kapitel, wie das Paradies verloren ging, wie Gott selbst den Menschen daraus vertrieb. Ist Gott nun schuld, dass unser Lebensalltag mit Mühe und Qual verbunden ist? Nein, wir selbst haben es uns zuzuschreiben – und Gott geht den umgekehrten Weg. In seinem Sohn Jesus Christus will er den Menschen für das Paradies zurückgewinnen. Der Zugang ist nicht auf Ewigkeit versperrt. Wo wir uns durch die Lebenshingabe Jesu für uns versöhnen lassen mit Gott, bekommen wir auch zu unserer Arbeit, zu unserer Umwelt, zu unseren Mitmenschen und zu uns selbst einen neuen Bezug. Und damit finden wir zurück zu unserer ursprünglichen Bestimmung, die uns der Schöpfer als seinen Geschöpfen mitgegeben hat: dass wir leben sollen und er sich an uns freuen kann. Das erst macht unseren tatsächlichen Wert als Menschen aus.   Amen.



Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Dienstag, 19.06.2018
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Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 20.06.2018
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Donnerstag, 21.06.2018
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18:30 Uhr:
Biblellesen und Austausch für Jugendliche im GH Schwann
19:00 Uhr:
Jugendkreis 16+ im GH Schwann
Freitag, 22.06.2018
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Bubenjungschar 6-12 Jahre im GH Schwann