2008-07-20

Predigt über 1. Petrus 4,7-11 / Pfarrer Friedhelm Bühner
Wir hören den Predigttext aus dem Brief des Apostels Petrus aus
dem 1. Petrusbrief, Kapitel 4, die Verse 7-11
:
„7 Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. So seid
nun besonnen und nüchtern zum Gebet. 8 Vor allen Dingen habt
untereinander beständige Liebe; denn »die Liebe deckt auch der
Sünden Menge« (Sprüche 10,12). 9 Seid gastfrei untereinander
ohne Murren. 10 Und dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er
empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade
Gottes: 11 Wenn jemand predigt, dass er's rede als Gottes Wort;
wenn jemand dient, dass er's tue aus der Kraft, die Gott gewährt,
damit in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesus Christus.
Sein ist die Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“



(I.)

Liebe Gemeinde,
in unserer Landeskirche gibt es seit gut drei Jahren ein großes
Stichwort, nämlich »Wachsende Kirche«, ein Projekt der Landessynode,
die auch wir in Dennach / Schwann im November 2007 neu gewählt haben.
Im Hintergrund steht, dass wir heute den gesellschaftlichen Gegenwind
deutlicher spüren und dass die Unsicherheitsfaktoren für unser
Landeskirchen-System zunehmen.

Die Gruppe in der Synode, die jetzt den Prozess „Wachsende Kirche“
auf den Weg gebracht hat, wollte damit gerade die Abwärtsspirale der
negativen Prognosen überwinden, sagen: Wir finden uns nicht damit
ab, dass die Mitgliederzahlen schrumpfen und das Geld knapper wird.
Wir wollen denen Rückenwind geben, die eine missionarische Gemeinde-
entwicklung im Blick haben, die sich anstrengen, dass Menschen zum
Glauben kommen und damit auch einen neuen Zugang zur Kirche
finden.

Eine Menge Impulse sind von dieser Bewegung inzwischen schon aus-
gegangen. Und auch wir verdanken diesem Ansatz für eine nach
außen gewandte Gemeindearbeit zum Beispiel, dass wir die Stelle
für ein „Freiwilliges Soziales Jahr“ mit Judith Ruzas schaffen konnten
und der Kirchenbezirk einen Großteil der Kosten übernehmen wird.

„Wachsende Kirche“ - »Was ist dran?« - Die Frage drängt sich
trotzdem auf.
    - »Was sollen wir als Kirchengemeinde anpacken?«

Darüber machen sich so manche neu gewählte Kirchengemeinderäte
Gedanken.
    - »Wie wünschen wir uns unsere Gemeinde?
    - Welche Arbeitsbereiche sollten wir beginnen?«
    - Welche ganz neu stark machen? Oder auch lassen, damit
         wieder Kraft da ist für Anderes?

»Der San-Sebastian-Chor«, über den wir uns freuen,
ist schon längere Zeit sehr dünn besetzt, eigentlich müssten noch
viel mehr Leute mitsingen, damit er bestehen kann.
Man müsste eine Kampagne starten ...

Oder ihr Konfirmanden! - Keine Angst, ich möchte Euch heute
einmal richtig loben: Die meisten von Euch kommen jeden Sonntag
sehr treu in den Gottesdienst.
Und ich wünsche mir, dass ihr das auch in den Ferien weiterhin tun.
Aber: Es ist eigentlich ziemlich unfair, dass die meisten von Euch
immer ohne Eltern kommen müssen ...
Was könnte man da machen?

Aber auch sonst gibt es Wünsche über Wünsche,
die Gemeindearbeit betreffend.
»M'r sott« - ist eine der meistgebrauchten Aussagen ...

Was ist dran in unserer Kirchengemeinde?
Was ist wirklich wichtig?

Deshalb wieder zurück zu den Wünschen und der Frage, wo wir die
Prioritäten festmachen sollen?

Unser heutiger Predigttext gibt darauf klare Antworten:

(II.)
Der 1. Petrusbrief, in dem er steht, ist so etwas wie ein bischöfliches
Rundschreiben für viele Gemeinden gewesen,
Gemeindeberatung in schriftlicher Form.
Da werden Gemeinden beraten, die äußerlich bedrängt werden,
Gemeinden in der Diaspora, wo der christliche Glaube alles andere
als selbstverständlich ist.
Und sie werden beraten, wie sie sich „aufstellen“ sollen.

Natürlich, ihre Situation damals war anders als unsere heute.
»Was sollen wir noch tun, wenn doch bald die Welt untergeht und
der Herr wieder kommt?« das haben sie gedacht.

Und sicher, das Ende ist nahe herbeigekommen, davon ist auch
der Apostel überzeugt.
Aber so, dass er trotzdem noch bestimmt Ratschläge gibt, wie das
Gemeindeleben gestaltet werden soll, ähnlich Martin Luther, der
gesagt hat: »Selbst wenn morgen die Welt unterginge, ich würde
heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen!«

Wer noch begrenzte Zeit hat, wird eines auf jeden Fall auch tun:
nämlich fragen: Was ist jetzt für mich noch dran?
Was ist für mich wirklich wichtig?
Was ist für uns wichtig?

»Seid besonnen« fängt Petrus an und spricht nicht Einzelne, zum
Beispiel die Gemeindeleiter an, sondern alle Gemeindeglieder.
Und stellen wir uns das so vor, dass dieser Petrusbrief im
Gottesdienst wirklich für alle abschnittsweise verlesen worden ist.
Schon vor 1900 Jahren zentrale Fragen!

Und was hören wir da?
Es steht da so gar nichts drin von spektakulären Aktionen, von ausge-
feilten Gemeindeaufbauprogrammen.
Die Empfehlungen sind so ganz undramatisch.
Petrus nennt fünf Empfehlungen, wie das Leben in der christlichen
Gemeinde aussehen soll.
Fünf Empfehlungen für eine »wachsende Gemeinde«:
Gebet, Liebe, Gastfreundschaft, Dienst und Anbetung.
Der Reihe nach:


(III.)
Die erste Empfehlung für die Gemeinde: Gebet.
»Deshalb seid besonnen und nüchtern zum Gebet.«

Kennen Sie das auch?
Wenn ich mir nicht alles aufschreibe, vergesse ich es.
Unterwegs steckt mir jemand eine Information zu und zuhause
habe ich sie schon vergessen.
Dann muss ich mich darauf besinnen, also mich daran erinnern,
was ich tun wollte und worauf es ankommt.

Und jetzt sagt Petrus: Die beste Möglichkeit zur Besinnung zu kommen
und sich an das Wesentliche zu erinnern, ist das Gebet.
Deshalb seid besonnen und nüchtern zum Gebet.
Wir gehen besonnen und nüchtern durch die Welt, indem wir uns im
Gebet auf Gott ausrichten. Gebet hat etwas mit Denken zu tun.
Es ist die Ausrichtung des Denkens auf Gott hin.
Im Gespräch mit Gott wird klar, was entscheidend ist, auch für unsere Kirchengemeinde.

Wenn Christen beten, machen sie die Augen gerade nicht vor
der Welt und der Wirklichkeit zu.
Nein, wenn sie ihre Anliegen vor Gott aussprechen und mit ihm be-
sprechen, dann nehmen sie ihre Gemeinde und ihre Not in den Blick,
dann stehen sie in der Fürbitte für Menschen ein, die ihnen am Herzen
liegen und legen sie Gott ans Herz.

Wenn Christen sich im Gebet mit Gott eins machen, dann fangen sie
an, die Dinge mit neuen Augen, aus Gottes Perspektive zu sehen.
Sie fragen: Herr, was ist dran für unser Leben?
Für unsere Gemeinde?
Was ist dein Wille in dieser Sache?
Und was kann ich an meiner Stelle tun?
Im Gebet sich besinnen das heißt: zum Sinn finden;
entdecken, was Sinn macht, was vom Ziel der Ewigkeit her wichtig ist
und was nicht.

Deshalb: Nehmen wir uns Zeit zum Gebet.
Vergesst bei allem Tun und Schaffen, bei allem Planen und Organisieren
für unsere Kirchengemeinde nicht die Stille des Gebets.
Gönnt euch das Atemholen der Seele!
Kommt vor Gott zur Ruhe und zur Besinnung.
Seid besonnen und nüchtern zum Gebet.


 (IV.)
Die zweite Empfehlung für die Christen: Liebe!
»Vor allen Dingen habt beharrliche Liebe zueinander, denn die
Liebe deckt eine Menge von Sünden zu!

Christen haben die Freiheit, sich auch gegen den Zeitgeist stellen.
Nicht Selbstverwirklichung und Egoismus sind ihre Leitworte,
sondern Liebe und Respekt.
So wollen sie als christliche Gemeinde Kontrastgesellschaft sein.
Liebe: Hier auf Platz 1 der Prioritätenliste.
Alles andere ist ihr nachgeordnet.
Die Liebe, mit der Gott uns in Jesus Christus liebt, soll auch unser
Denken, Reden und Tun bestimmen.

Petrus nennt ein Alltagsbeispiel: Die Liebe vergibt.
Sie deckt eine Menge an Sünden zu.
Vergebung ist Ausdruck von Liebe.
Gottes rettende Liebe ringt um den Menschen, der an Gott und
Menschen schuldig wird.
Sie lernt und übt Vergebung, die heilen kann, auch wenn der andere
immer wieder sündigt.

Es geht freilich dabei nicht darum, Sünde zu verharmlosen, zu ver-
schweigen oder unter den Teppich zu kehren,
sondern, dass sie aus der Welt geschafft wird.
Wer liebt, wird sich nicht am Tratsch über jemanden beteiligen,
sondern wird Gutes reden und alles zum Besten kehren.
Wer liebt, weiß um die Vergebung, die Gott ihm geschenkt hat und ist
deshalb selber bereit zu vergeben.
»Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.«
Die Liebe vergibt.


(V.)
Und die Liebe ist gleichzeitig gastfreundlich,
damit sind wir bei der dritten Empfehlung.
Gastfreundschaft war im Orient ganz großgeschrieben.
Gemeinsam am Tisch zu sitzen war Ausdruck der gegenseitigen
Wertschätzung.
Darum geht es ja, dass man sich in den anderen, den Freund und den
Fremden hineinversetzt und mit ihm spürt und fühlt und denkt.

Eine »Wachsende Kirche« ist immer eine gastfreundliche Kirche.
Eine Kirche, die für Menschen unterschiedlicher Prägung und Herkunft
Räume eröffnet.
Eine Kirche, die hinhört und hinsieht, eine Kirche, in der sich Menschen
wohl fühlen.

Auch ganz äußerlich in ihren kirchlichen Räumen.
Gastfreundschaft fängt im Herzen an.
Es ist nicht in erster Linie eine Frage des Farbkübels und der Dekoration,
sondern der inneren Haltung.
»Ehrung kommt vor Bekehrung«, sagt Wolfgang Vorländer und trifft
damit den Nagel auf den Kopf.

Überprüfen wir doch einmal alle unsere Veranstaltungen: Müssen erst
die Menschen so werden wie wir sind, dass sie sich bei uns wohl fühlen?


(VI.)
Und damit sind wir bei der vierten Empfehlung
für unser Gemeindeleben: Dienst.
»Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als gute
Haushalter der mancherlei Gnade Gottes!«

Zwei Kardinäle haben dem Maler Raffael unwillig vorgeworfen, er habe auf
einem Bild die Gesichter der Apostel Petrus und Paulus zu rot gemalt.
Darauf antwortet Raffael ihnen: »Das braucht euch nicht zu wundern.
Ich habe sie gemalt, wie sie im Himmel sind und schauen, wie
schlecht in der Kirche gedient wird«.

Wir fragen heute: Was bringt es mir? Was dient mir?
Nein. Was dient dem anderen, sollen sich Christen fragen!
Wie oder wo kann ich jemandem dienen?

Das griechische Wort für »Dienst« heißt »diakonia«, von dem
unser Wort Diakonie herkommt.
Jesus selber hat seine Sendung nicht darin gesehen, sich dienen
zu lassen, sondern anderen zu dienen und sein Leben als ein
Lösegeld für viele zu geben (1) .
Sein ganzes Leben und Sterben bezeichnet Jesus als einen Dienst,
als Diakonie in Wort und Tat.

Mit gutem Vorbild geht er den Seinen voran und auch alle Christen sollen
ihm darin folgen: Wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein
und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein.
Auch Christen können ja ganz fromm eitel und selbstverliebt sein in
der Gemeinde, wenn sie miteinander konkurrieren z. B. in der Frage,
wer wo „Das Sagen“ hat ...

Aber so soll es nicht sein: Dient einander, jeder mit der Gabe, die er
empfangen hat. Sagt Petrus.
Gott hat allen seinen Nachfolgern Gaben geschenkt, nicht damit sie
sie vergraben, sondern dass sie sie für andere einsetzen!

Lassen wir uns also fragen: Was kann ich einbringen in die Gemeinschaft,
wo kann ich mit meinen Gaben anderen dienen?
Mit meiner handwerklichen Begabung oder mit meinem hauswirtschaft-
lichen Können, mit meiner Musikalität und mit meinem Charisma,
auf andere Menschen zugehen zu können?  ...

Welche mir anvertrauten Gaben kann ich für Gottes Reich einsetzen?
Haus, Wohnung, Firma, Auto, Garten und viele anderen Dinge.
Wem kann ich von meiner Zeit schenken und ihm damit eine Freude
machen?
Der Hauptschüler fühlt sich gut, wenn ich ihm in Mathe unter die Arme
greife und er dadurch einen Schub in der Schule hin bekommt,
die ältere Frau in der Nachbarschaft freut sich über meinen Besuch.
Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat.


(VII.)
Sind Sie enttäuscht, wenn wir eine so unspektakuläre Gemeindebe-
ratung bekommen?
Petrus lehrt uns hier die grundlegenden Dinge, die wir eigentlich alle
kennen: Das Gebet, die Liebe, die Gastfreundschaft und den Dienst.

Damit wird deutlich, dass es bei allem Bemühen um eine gute Ge-
meindearbeit letztlich nicht darum geht, wie wir dastehen oder groß
rauskommen. Es geht darum, dass in allen Dingen Gott verherrlicht
wird durch Jesus Christus.
Es geht darum, dass wir Gott ehren, dass die Gemeinde Jesu ihren
Herrn Jesus Christus anbetet und dass dadurch letztlich Menschen
zu einem lebendigen Glauben finden, der sie rettet für Zeit und Ewigkeit ...

Die fünfte Empfehlung gibt für all die anderen den Zielpunkt an.
Anbetung ist das Ziel der christlichen Gemeinde.
Um die Anbetung Gottes - darum geht es beim Gebet, bei der Liebe,
bei der Gastfreundschaft und beim Dienst.

Einer wachsenden Kirche kann es nicht ums Wachsen als Selbstzweck
gehen, sondern um Gott und seine Ehre.
Gott loben, das ist unser Amt. Das ist dran.
Durch Worte und Taten, durch Arbeit und Feiern, durch Schweigen und
Singen. »Damit in allen Dingen Gott verherrlicht wird durch Jesus Christus.
Sein ist die Ehre und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit.«  
Amen.

Anmerkung:       
(1)  Matthäus 20, 28



Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Dienstag, 19.06.2018
17:45 Uhr:
Jungschar für alle Jungen und Mädchen im GH in Dennach
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 20.06.2018
19:00 Uhr:
Teenkreis 13+ im GH Schwann
Donnerstag, 21.06.2018
14:30 Uhr in Schwann:
Asylarbeit in Straubenhardt (Gustav Bott, Netzwerk Asyl)
18:30 Uhr:
Biblellesen und Austausch für Jugendliche im GH Schwann
19:00 Uhr:
Jugendkreis 16+ im GH Schwann
Freitag, 22.06.2018
17:00 Uhr:
Bubenjungschar 6-12 Jahre im GH Schwann