2008-07-13

Predigt über Römer 6,19-23 / Pfarrer Friedhelm Bühner
Wir hören den Predigttext aus dem Brief des Apostels
Paulus an die Römer, Kapitel 6, die Verse 19-23
:

„19 Ich muss menschlich davon reden um der Schwachheit eures
Fleisches willen: Wie ihr eure Glieder hingegeben hattet an den
Dienst der Unreinheit und Ungerechtigkeit zu immer neuer Unge-
rechtigkeit, so gebt nun eure Glieder hin an den Dienst der Gerechtig-
keit, dass sie heilig werden. 20 Denn als ihr Knechte der Sünde wart,
da wart ihr frei von der Gerechtigkeit. 21 Was hattet ihr nun damals
für Frucht? Solche, deren ihr euch jetzt schämt; denn das Ende
derselben ist der Tod. 22 Nun aber, da ihr von der Sünde frei und
Gottes Knechte geworden seid, habt ihr darin eure Frucht, dass ihr
heilig werdet -; das Ende aber ist das ewige Leben.
23 Denn der Sünde Sold ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige
Leben in Christus Jesus, unserm Herrn.“




Liebe Gemeinde,
ich muss heute einmal mit einem großen Schauspieler und Enter-
tainer beginnen, an den sich viele von uns noch erinnern werden:
Harald Juhnke. Ein ganz großes Berliner Original, hat in rund fünfzig
Filmen Hauptrollen gespielt. Kantig, witzig - und alkoholabhängig.
Am 1. April 2005 ist er daran gestorben.

Moralisch war er nicht gerade ein Vorzeigemann,
seine Alkoholexzesse haben Jahr für Jahr zugenommen.
Aber die Leute haben ihn vielleicht gerade deshalb so gemocht
wegen seiner offensichtlichen Schwächen in Sachen Alkohol.

Eigentlich ist so ein Alkoholismus ja eine richtig große Not,
wenn man mit seinen besten Vorsätzen so jämmerlich scheitert.
Aber genau das hat Harald Juhnke für die meisten Zuschauer auch
wieder ganz menschlich gemacht:
    - Er ist wirklich einer von uns.
    - Auch wir versagen. Jeder hat seine Fehler.
        Und wir müssen schlecht und recht damit leben.
Harald Juhnke war in seiner Lebensart gerade kein Spießer,
sondern einer von uns.
Eine große Zeitung hat einmal über ihn geschrieben "Er sündigt für
uns alle!"

Was sich da so witzig anhört, ist in Wirklichkeit eine echte Tragik!
Wir Menschen sind mit großartigen Gaben geschaffen.
Wir werden aber fortwährend von einer unheimlich dunklen Großmacht
verführt, betrogen und gezogen.
Sämtliche Übel der Menschheitsgeschichte lassen sich nur von da her
erklären.
Keiner ist gegen diese so viel Not auslösenden Verfügungen gefeit,
die mein Leben zerstören und zu einem regelrechten Zerrbild
der Unmenschlichkeit verfälschen.

Es sind nicht nur harmlose Entgleisungen und lustige Jugendstreiche.
Sondern es hat etwas mit „Leibeigenschaft“ zu tun.
Keiner kann mehr frei über sich bestimmen.
Da wird Lebensfreude zerstört, Liebe verfälscht, Reinheit geraubt,
Gerechtigkeit durchlöchert.

Und niemand ist davon ausgenommen. Ich nicht und Sie nicht,
alle sind schuldig.
Jeden Tag fallen wir in wirklich schlimme Dinge, die wir eigentlich nicht
wollen, sind vielleicht noch viel labiler als Juhnke:
    - Warum gibt es denn so oft Spannungen mit anderen?
    - Warum handeln wir oft ungerecht, obwohl wir doch gut sein
        wollen?
    - Warum kommen bei uns so schnell die bösen Gedanken und
        um die guten muß man kämpfen und kann sie doch nicht
        umsetzen?

Paulus hat das meisterhaft erklärt in seinem Römerbrief.
Ja, man kann wirklch sagen: Wer den Römerbrief begriffen hat, der
versteht das Wichtigste im Leben.

Wir Menschen tragen zwar ein großartiges Bild.
Wir sind nach den großen Gedanken Gottes geschaffen.
Aber dieses Bild ist nicht nur verschmutzt oder verstaubt.
Das ließe sich ja putzen und polieren.
Wir sind in die Hände eines Sklavenhändlers gefallen, ja freiwillig
verkauft. Ein Tyrann hat uns in Ketten gelegt.
Und auf dessen Kommando müssen wir jetzt hören.
Wir werden getrieben und gescheucht nach seiner Peitsche.

Die meisten Leute allerdings finden das nicht schlimm.
„Das ist doch nett“, sagen sie, man kann sich amüsieren wie im Film,
wo die schlimmsten Verbrechen Stoff für unterhaltsame Krimis sind.

Der Tod aber macht uns deutlich, wer da über uns herrscht.
Und nichts ist so sicher wie der Tod.
Jeder wird von ihm gepackt.
Er macht keine Unterschiede, fragt nicht, ob reich oder arm,
ob bedeutend oder unbedeutend.
Er ist der uneingeschränkte Diktator, hat ein Recht auf uns, weil wir
das ganze Leben über der Sünde willig gedient haben, wie es Paulus
formuliert.

Und jetzt kommt der Zahltag.
Da wird zusammen gezählt und als Ergebnis wird abgerechnet: Tod.
Das ist es, was wir verdient haben, sagt Paulus.
Auch Wohltäter und Künstler, Dichter und Humanisten, auch Diakonis-
sen und Bischöfe, auch wir alle bekommen, was wir verdient haben.

Paulus will uns aber eine unglaubliche Neuigkeit sagen:
Noch stärker als diese Todesmacht ist Jesus und seine befreiende Kraft.
ER ist gekommen, um die Werke des Teufels zu zerstören.
ER verändert Menschen bis in die Wurzeln ihres Wesens.


1. Jetzt kannst du mit der Sünde brechen
Die meisten Leute schert ihre eigene Sünde nicht.
Das Gewissen hat sich nur beim ersten Mal gemeldet.
Dann ist es immer weiter abgewürgt worden, bis es schließlich Ruhe gibt.
Viele sind nur entsetzt, was andere Leute sich zuschulden kommen
lassen. Das füllt jeden Tag die Seiten der Zeitungen, nicht nur von "Bild".

Es ist Jesus, der „Sünde“ als das Hauptübel erkannt und beim
Namen genannt hat.
Nicht nur bei Mafiosi und Huren, sondern genauso bei den Frommen,
die Gott nicht wirklich über alles lieben und ihm den Gehorsam ihres
Lebens verweigern.

Jeder Tag ist gezeichnet durch so schlimme Abläufe wie Streit, Hass,
Feindschaft, Lüge, Unrecht und Gewalt.
Nicht die UNO versagt da, auch nicht pauschal die Politiker, sondern wir
Menschen - sind Sklaven des Bösen geworden, das uns knechtet.

Sünde ist unheimlich, weil man die Gefahr anfangs gar nicht merkt.
Wie eine Schlange schlingt sie sich immer mehr um einen Menschen,
bis er sich nicht mehr wehren kann und erdrückt wird.
Das ist so fies an der Sünde,
    - dass ein Trinker nicht satt wird, sondern immer noch durstiger,
    - dass jemand, der ins Bordell geht, nicht Befriedigung findet,
        sondern immer neue Gier, die niemand stillen kann, weil sie
        immer stärkere Reize braucht.
Unrechtes Gut macht nicht glücklich, sondern unterdrückt, belastet
und beschwert!
Und niemand kann die Selbstanklage stillen.

Es ist ein großartiges Evangelium, das Paulus uns angesichts dieser
Lage verkündigt: Jesus hat deine ganze Sünde am Kreuz getragen und
durch sein Blut gesühnt.
Jetzt kannst du endlich der Gerechtigkeit Jesu in deinem Leben Raum geben.


2. Lass dir kein Kuckucksei ins Nest legen!
Wie der Kuckuck sein Ei in das Nest anderer Vögel legt,
das ist immer wieder eine ganz fiese Nummer!
Er sucht sich einen „Dummen“ (Vogel), der sein Ei für ihn
ausbrütet!

Auch der Teufel macht es so.
Am liebsten lässt er sein Ei im Nest des Evangeliums ausbrüten.
Dann folgt aus der „billigen Gnade“ oft ein Leben von Christen,
die ihre Freiheit als Anspruch verstehen, jetzt in alle Pfützen
und Schlammlöcher hineintreten zu dürfen.

Wer hört nicht gern das Evangelium der Freiheit!
Oft werden aber gerade Christen besonders versuchte Leute, weil sie
mit der Sünde jetzt erst recht spielen:
    - Selbstverwirklichung bleibt der große Traum, obwohl uns
        Jesus doch ganz in seinen Gehorsam ruft.
    - Man will sich entfalten mit seinem ganzen Strauß an Sehn-
        süchten, die doch oft völlig gegen den Willen Gottes stehen.
Das Leben können wir so nicht finden.

Gut, dass Jesus uns keine langen Theorien verkündigt.
Er will schlicht und ergreifend der Chef unseres Lebens, unseres
Lassens und Tuns sein.
So fängt er auch ganz praktisch an: Gib deinen Leib mit all deinen
Gliedern Gott hin zum Dienst, dass Jesus durch deine Hände,
durch deinen Leib und durch deine Gedanken verherrlicht werde.
Jesus will allein bestimmender Herr im Leben der Christen sein.
Das ist das einzig verlockende Lebensziel.

Und er ruft uns zu:
Fang doch ganz praktisch mit einer Not deines Lebens an.
Sind es deine Gedanken, ist es dein Wesen, oder sind es ganz
zerstörte Beziehungen, die Gott heiligen muss?
Was es auch ist: Dort kann man wirkliche Befreiung erleben.


3. Rechne realistisch mit dem Sieg von Jesus!

Jesus, der Herr, will die einzige Autorität in unserem Leben sein.
Wir sind von ihm teuer erkauft, deshalb sollen wir ihn mit unserem
Leib preisen.
Das Opfer des Kreuzestodes von Jesus muss uns zur Entscheidung
zwingen.
Die Gabe Gottes ist das ewige Leben, das heute schon anbricht.

Da müsste heute ein Jubel anbrechen wie damals, als Sklaven von
den Schiffen in die Freiheit gebracht worden sind, wenn heute Menschen
erleben, dass man Sünde ablegen kann wie ein verschmutztes Hemd.

Jesus prüft die Echtheit unserer Hingabe.
Nur wenn er frei über uns verfügen kann, findet der Geist Gottes
Raum in unserem Leben.
Nichts vom alten Selbst soll bestehen bleiben.
Deshalb: Nehmen wir uns doch jeden Tag eine Zeit der Stille
über dem Wort Gottes! Diese Viertelstunde morgens mit der Bibel
verändert mich und meinen Tag!
(Im Englischen gibt es die Redewendung: This makes my day)

In der Stille über Gottes Wort kann man die neuen Tatsachen meines
Lebens erkennen!
Da lernt man man staunen über den Sieg von Jesus. 
Da kann man die Kraft der Auferstehung auch als Kraft über die Sünde
erfahren und gestärkt in den Tag hinein gehen.
Schau‘ in das Angesicht des gekreuzigten Jesus, dann kann die
Sünde und die Versuchung keine Macht mehr über dich bekommen.
"Ihr seid teuer erkauft, darum preist Gott an eurem Leib!" (l. Kor 6,20).

Nur Jesus macht das möglich!
Dass wir jetzt mit der Sünde brechen können.
Dass wir uns kein neues Kuckucksei ins Nest legen lassen.
Dass wir mit IHM Sieger sind.
Amen


(Die Predigt nimmt Vorarbeiten von Pfarrer Winrich Scheffbuch auf)



Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Freitag, 22.06.2018
17:00 Uhr:
Bubenjungschar 6-12 Jahre im GH Schwann
18:15 Uhr:
Mädchenjungschar 8-13 Jahre im GH Schwann (Gewusst wie)
Sonntag, 24.06.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer M.Gerlach)
10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer M.Gerlach)
Dienstag, 26.06.2018
17:45 Uhr:
Jungschar für alle Jungen und Mädchen im GH in Dennach
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann