2006-07-16

2006_07_16 1. Mose 12,1-4

Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext für diesen 5. Sonntag nach Trinitatis
aus dem 1. Mosebuch, Kapitel 12, die Verse 1-4:
?Und der HERR sprach zu Abra(ha)m: Geh aus deinem Vaterland und
von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land,
das ich dir zeigen will.
Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und
dir einen großen Namen machen und du sollst ein Segen sein.
Ich will segnen, die dich segnen und verfluchen, die dich verfluchen
und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.
Da zog Abra(ha)m aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte und Lot zog
mit ihm. Abra(ha)m aber war fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran zog.? ( - )

Liebe Gemeinde,
was für eine Geschichte wird uns in diesen vier knappen Versen
erzählt? - Aus der großen Zahl der Menschen greift sich Gott einen heraus:
Abraham - um ihn zu seinem Auserwählten zu machen!
Mit diesem einen Abraham beginnt Gott - mitten in der Weltgeschichte -
seine Heilsgeschichte! ( - )

Gott greift nach Abraham und erwählt sich - durch ihn - sein Volk! ( - )
Kein besonderes Volk -, kein großes Volk! ( - )
Weder ausnehmend fromm und gehorsam - noch durch sonst irgend
etwas ausgezeichnet! ( - )
Das Besondere dieses Volkes ist nur, dass Gott zu ihm spricht:
?Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten,
dann sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern;
denn die ganze Erde ist mein. Und ihr sollt mir ein Königreich von
Priestern und ein heiliges Volk sein? (2. Mose-Buch / 4). ( - )
Was für eine Geschichte, die Gott da mit Abraham beginnt!? ( - )

Leiblich - sind wir alle, liebe Gemeinde, keine Nachkommen
Abrahams! - Und trotzdem dürfen sich alle Christen als hinein
genommen betrachten in die Geschichte, die hier beginnt!
Abraham ist der Vaters Israels - und als solcher - auch der Vater all?
derer, die heute glauben.
Weil sie durch Jesus Christus einbezogen worden sind in Gottes
Heilsgeschichte.

Das ist schon seltsam: Die Berufung Abrahams - vor mehr als 4000
Jahren - hat mit der Glaubensgeschichte jedes Christen zu tun.
Mit der Berufung Abrahams - beginnt Gott - die Aktion ?Heimholung einer
verlorenen Menschheit? unter seine Herrschaft.
Und das ist auch der Grund dafür, warum Abraham auch für uns heute
Morgen noch wichtig ist:
An seinem Lebensweg -, an seinem Verhalten können wir lernen,
was glauben heißt.

Dazu drei Aspekte heute Morgen:

1.) Abraham vertraut Gottes Führung ( - )
Wir wissen eigentlich kaum etwas von ihm.
Sein Name taucht zum ersten Mal in einem Geschlechtsregister
im Kapitel davor auf:
- Er ist der Sohn Tharahs -, also Nachkomme Sems, eines
Sohns von Noah
- Er wohnt im Zwei-Strom-Land (dem heutigen Irak),
ist verheiratet mit Sara;
ihr Kinderwunsch aber ist bisher unerfüllt geblieben.
Soviel erfahren wir von ihm.
Und dann kommt dieses Wort Gottes an Abraham: ?Geh aus deinem
Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters
Hause in ein Land, das ich dir zeigen will ...?
So um die 75 Jahre alt muss er gewesen sein, als er dieses Wort hört.

Gott ruft den Abraham heraus aus seinem bisherigen Leben!
Er löst ihn heraus aus der Verwandtschaft.
Er mutet ihm zu, alle Sicherheiten, alles Vertraute zu verlassen -,
sein Vertrauen nur auf Got zu setzen - und - loszuziehen!

Wir wissen nicht, welche Lebensplanung Abraham hatte.
Aber er war sicher in dem Alter, in dem er nicht nur auf viel Lebens-
erfahrung zurückschauen kann, sondern auch so seine Vorstellung
hatte, wie der Rest des Lebens noch verlaufen könnte.

Unser Leben zu planen, einen Entwurf für unser Leben zu haben,
das ist für jeden von uns wichtig.
Keiner kann einfach so von einem Tag in den nächsten hineinstolpern.
Ich muss wissen, was ich will.
Aber - das wird hier deutlich:
- Wir müssen auch bereit sein, unsere Pläne aus der Hand zu legen!
- Ich muss offen dafür sein, dass mich so ein Ruf Gottes trifft: ?Geh
aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und
aus deines Vaters Hause in ein Land, das ICH dir zeigen will.?
- Ich muss meine Vorstellungen entwickeln - aber dann doch
so frei von diesen Vorstellungen sein, dass ich mich Gott
auch anvertrauen kann!

Bei Abraham ist das so:
Mit 75 Jahren macht er sich auf den Weg.
Er verlässt das Vaterland -, löst sich aus seiner Sippe -, verkauft sein Haus,
gibt seiner bisherigen Lebensplanung den Abschied - und - zieht los!
Nach dem, was unser Text berichtet, macht er sich wortlos auf den Weg.
Wir hören keine Ã?berlegungen, keine Bedingungen, keine Klage -,
nur das: ?Und Abraham zog aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte?. ( - )

Aber wo geht er hin? ( - )
Wohin wird ihn dieser HERR führen? ( - )
Dabei war es doch die größte Herausforderung, aufzubrechen
auf ein Ziel hin, das Abrahem selber noch verschleiert blieb!
Das einzige, was Abrahem weiß, ist: Es ist ein Land, das Gott ihm
zeigen will! ( - )

Da spüren wir etwas davon, was es heißt, sich Gottes Führung anzu-
vertrauen! Da ist nicht jeder Schritt von vorneherein klar!
Da ist nicht alles bis ins Letzte hinein abgesichert, wie uns da so
wichtig ist.
Weil - sich von Gott führen zu lassen, ganz oft heißt, ins Ungewisse
zu gehen, gerade nicht zu wissen, wie der Weg aussieht und das Land,
das mir Gott erst zeigen will.
(Rückschau auf das eigene Leben:
- mit 24 Jahren Abitur gemacht / berufsbegleitend / und gleich-
zeitig gekündigt bei meinem Arbeitgeber ...
(Großvater: ?Heute hast du den größten Fehler deines Lebens
gemacht ...?)
- geheiratet (worden) - und
- mit einem kleinen Geldpolster in Tübingen begonnen zu studieren ...
- Damals jung und risikobereit! / ?Gott kann es möglich machen ...?
- Mitten im Studium eine neue Prüfung: N.C. eingeführt,
nur Studenten mit einem Abschluss bis max. 2,49 kriegen
auch eine Stelle bei der Landeskirche ...
- Und wir hatten gerade das 3. Kind bekommen ...
- Geld immer knapper ...
- Heute: Muss aufpassen, dass mit zunehmendem Alter nicht
auch die Trägheit und die Absicherungsmentalität zunimmt ...)

- und übrigens: ich habe nach 9 sprachfreien Semestern mit 2,48
eine Stelle bekommen (Sie sehen: 0,01 ...)

Abraham - und mit ihm alle, die sich von Gott führen lassen,
ist nur das Eine gegeben: das Vertrauen, dass - Gott - führt!
(Damit stehen wir beim Zweiten:)

2.) Abraham vertraut Gottes Wort ( - )
Wir haben die fast übermenschliche Zumutung gesehen, die Abraham
durch dieses Wort Gottes zuwächst:
Er muss im Grunde alles hergeben, was er bisher hatte, alle Siche-
rungen und Sicherheiten ...
Und er hat nichts mehr - als - das Wort des HERRN! ( - )

Ich glaube, wir alle kennen Situationen, in denen wir uns nur auf ein Wort,
das gegeben ist, verlassen können.
Nicht nur beim JA-Wort des Ehepartners - oder beim Wort eines guten
Freundes, das uns Hilfe verspricht.
Auch im Geschäftsleben oder im politischen Bereich gibt es noch den
Wert von ?Treu und Glauben? -, gibt es Situationen, in denen ich nichts
als eine Zusage, ein Versprechen, vielleicht ein Ehrenwort habe.
Mehr ist manchmal gar nicht möglich.
Und gerade deshalb tun wir uns damit so unheimlich schwer, weil wir
wissen - wenn?s zum Hauen und Stechen kommt -, können sich Worte
auch als leer erweisen - oder wie vom Winde verweht sein.

Ein Wort ist deshalb immer genau so viel wert - wie der, der es gibt,
vertrauenswürdig ist - und ich ihm Vertrauen entgegenbringen kann! ( - )
Und das gilt nicht nur im Zwischenmenschlichen, sondern auch im
Verhältnis zu Gott: Wir haben immer nur das Wort - und das ist genau
so viel wert, wie es mir gelingt, Gott mein Vertrauen zu schenken!

Mehr als dieses Wort haben wir nicht - und werden wir auch nie bekom-
men! Weil Gott will, dass ich IHM - vertraue! ( - )

Und genau hier können wir von Abraham doch viel lernen:
Er hatte es auf keinen Fall leichter als wir heute.
Und wir haben sein Beispiel vor Augen, sein Geführtwerden und
den Segen, der dann von ihm ausgegangen ist.
Die lange Heilsgeschichte, in der wir immer wieder Gottes Eingreifen
sehen können.
Wir haben heute Jesus, das eine Wort des Vaters, in dem er so klar
gesprochen hat -, so verbindlich und so begreiflich, dass es jeder
verstehen kann! ( - )
Damit haben wir es im Grunde wirklich einfacher - als Abraham -,
wegen der vielen Beispiele, die zeigen, wie Gehorsam gegen Gott
belohnt wird - und dass diejenigen, die auf IHN bauen, nicht auf
Sand bauen. ( - )

So gibt es viele Beispiele auch bei den Jüngern:
Petrus z. B., der nach einem frustrierenden und erfolglosen Fischfang
von Jesus noch einmal aufs Wasser hinausgeschickt wird - und das
am hellichten Tag, wo es ?zu 99,9 % überhaupt nichts zu fangn gibt? -,
er steht einfach vor der Frage: Tue ich?s oder lass? ichs?!
Er hätte jetzt seine ganze Berufserfahrung in eine Diskussion ein-
bringen können, aber was hätte es gebracht!?
Stattdessen wagt er einfach das Vertrauen auf Jesu Wort hin und
sagt: ?Aber auf Dein Wort hin will ich die Netze setzen? -
und er wird mit einem überreichen Fang belohnt.

Mehr als das Wort ist uns nie gegeben, liebe Gemeinde!
Aber wir können seinem Wort vertrauen, weil Gott sich voll und
ganz mit diesem Wort identifiziert hat. Es kommt nie leer zurück.
?Sein Wort ist wahr und trüget nicht ...? (= Gesangbuchlied).

Auf Gottes Wort hin macht sich Abraham auf den Weg - er vertraut
ihm und damit stehen wir beim Dritten:

3.) Abraham vertraut Gottes Verheißungen ( - )

Abraham bekommt von Gott die Zusage: ?ICH will dich zum großen
Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen
und du sollst ein Segen sein ...?

Er sagt nicht nur: Geh!
Sondern er sagt sich ihm zu - und das heißt doch Segen Gottes:
- ICH stehe zu dir!
- ICH stelle dich unter meinen Schutz, lasse mein Angesicht
leuchten über dir ...
Und wieder ist eine Zumutung: Denn Sarah (schon hochbetagt!) -
hatte immer noch kein Kind - und genau das wäre doch ein Zeichen
des Segnens Gottes gewesen!

Was ist da Abraham wohl alles durch den Kopf gegangen? ( - )
Er, Vater eines großen Volkes -, er, der noch immer keinen Sohn hat
und an seiner Seite eine unfruchtbare Frau.
Verlangte Gott nicht das Unmögliche? ( - )

Einige Kapitel später erfahren wir, wie Abraham - Gott - die Kinder-
losigkeit klagt und wie es ihm schwer wird, an Gottes Verheißung
festzuhalten: ?Mir hast du keine Nachkommen gegeben; und siehe,
einer von meinen Knechten wird mein Erbe sein ...? (5).
Und dann geht dem Abraham ja wirklich die Geduld und das Ver-
trauen aus: Sarah gibt ihm die Magd, damit sie stattdessen einen
Sohn zur Welt bringt (6).
Aber auch das ist nicht Gottes Weg.
Und etwas später kommen drei Gottesboten und kündigen den
Nachkommen an: Da kann Sarah nur noch lachen, wird berichtet (7).
Aber dann bekommen sie den versprochenen Sohn: ISAAK.
Und den - soll Abraham schließlich wieder opfern (1. Mose 22).
Kurzum: Mehr als bei Abraham kann das Vertrauen in Gottes Ver-
heißungen nun wirklich nicht geprüft werden!
Aber trotzdem und erst recht: Abraham vertraut - den Zusagen Gottes!

Er hat dieses Wort erhalten!
Er hat sein Vertrauen bewährt!
Er glaubte Gottes Wort - und vertraute darauf, dass Gott sein Wort
wahr macht:
- ICH will dich segnen - ICH habe etwas Großes mit dir vor!
- Ich hab? dir eine wichtige Rolle zugedacht in dem, was ich mit
den Menschen vorhabe: Du sollst der Stammvater meines
Volkes, der Vater aller derer werden, die glauben.
- Wer zu dir in Beziehung steht, wer sich auf dich beruft,
soll gesegnet sein!
Abraham selber konnte ja noch gar nicht ahnen, was in dieser
Verheißung alles drinliegen würde. ( - )

Und können wir es erahnen, was in Gottes Verheißungen alles
für uns drinliegt? ( - )
Gott hat versprochen, sein Volk zu segnen!
Er hat zugesagt, durch böse und gute Tage zu begleiten!
Am Kreuz Jesu hat er sich verpflichtet, denen, die an ihn glauben,
für immer mit Gnade und Liebe zu begegnen.
Er hat verheißen, dass es nach diesem Leben noch einmal ein
neues, viel schöneres Leben geben wird. ( - )

Glauben wir seinem Wort -, vertrauen wir seiner Verheißung? ( - )
Nicht mehr als das brauchen wir zu bringen - und diese ganzen
Zusagen - stehen - auch über unserem Leben! ( - )

Und darüber hinaus können wir es erleben: Von Menschen, die auf
diese Weise Gott vertrauen, geht ein Segen aus!
Ihr und unser Offensein für Gottes Handeln ( ... ) ist der Schlüssel dazu.
Amen

Anmerkungen:
(4) Ex 19,5f
(5) Gen 15,3
(6) Gen 16
(7) Gen 18




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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Freitag, 19.10.2018
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